Freitag, 13. Februar 2015

Tagessplitter

... wie das Katholische dort oben sich
in verschimmelsten französischen
Devotionsformen wie aus
Töchterpensionaten und Seminaren
der Jahrhundertwende zeigt.
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Ida Friederike Görres, Nocturnen
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Eher zufällig kam mir heute Kardinal Burke in den Sinn samt dessen Erwägung, bekasperte Gottesdienste nach Hausfrauenart würden Männer kaum für Kirche und Glauben gewinnen, sondern eher in die Flucht schlagen (so hat's der Kardinal jüngst natürlich nicht gesagt). Da ist was dran, obgleich man den Problemkreis auch weiter schlagen könnte: Ich erinnere mich zum Beispiel an haarsträubende Mitmach-"Angebote" (sprich: gruppendynamisch unterstützte Nötigung) im Rahmen von (zumeist kleingrüppigen) "Gottesdiensten" ... so was wie Bibelarbeit (in Kleingruppen), Fürbitten-Formulieren (in Kleingruppen), sich sonstwie irgendwie einbringen (mittels Kleingruppe). 
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Es geht derzeit à la mode ein Wort herum: "übergriffig", und das trifft's ganz gut: Denn in der Tat empfand ich solche "Einladungen", zumindest einen sozioreligiösen Furz beizutragen, genau so: übergriffig. Wie mag es mithin erst jenen gehen - ob Frau nun oder Mann- , die aus einer gewissen Distanz zu den aufgetischten Inhalten heraus in diese spezielle Art der participatio actuosa "eingeladen" werden? Von dilettantischen Animationen, Einlagen und Ringelpiezeleien bei Gottesdiensten ganz zu schweigen; man muß keineswegs beteiligt "werden" - es reicht, vor Ort gewesen zu sein, um sich cum grano salis "seines Glaubens zu schämen".
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Nun soll man nicht immer nur auf den Schwächen der anderen Seite herumreiten: Die Fairness gebeut hier beispielswegen anzumerken, daß mich auch einige Phänomene in der "alten" römischen Liturgie etwas befremden, etwa das Beknutschen diverser Gegenstände im Pontifikalamt, sobald man diese aus der Hand des Bischofs zurück bekommt. Und ohnehin habe ich bereits früher durchblicken lassen, daß mich zuweilen diverse Akzidentien "außerordentlicher" Gottesdienste schütteln machen (die Verwandlung von Altären in botanische Gärten etwa oder das übermäßige Bebömmeln, Bequasten und Bespitzeln von allerhand gut betuchtem Web- und Stickzeug). Daß Zeitgenossen vom Schlag eines David Berger das wohlgefällig schwul finden, kann ich bis zu einem bestimmten Punkt nachvollziehen: Symbole wirken keineswegs stets zeitenthoben allein aus sich heraus (und ein style schon garnicht), sondern unter Umständen auch auf dem Negativ der Rezeption; es schadet daher nicht, das Nebensächliche auf den Prüfstand zu stellen.
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Nun gibt es im traditionsgeneigten Lager (übrigens keineswegs nur im Umfeld der "alten" Messe) eine weitere Gefährdung, die mitunter ahnungslose Interessenten das Weite suchen lassen: Die Weiber, die Frommen und ähnlich gelagertes Gesochs. Wen meine ich damit?
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Natürlich weder alle Frauen noch alle Frommen. Ich meine damit zum Beispiel die witches-in-residence bestimmter Kirchengebäude: Kein Rosenkranz, dem sie nicht vorstehen, kein Blumentopf, den nicht sie an den von ihnen bestimmten Platz rücken, kein Rabimmel und Rabummel ohne ihre Mitwirkung, keine frische Initiative ohne ihren Segen und keine chance gegen sie. Unter "Frommen" verstehe ich jene religiös überhitzten Gemüter, die gerne (und zuweilen klandestin, weil es der Geistliche eigentlich untersagt hat) jedem, der sich nicht rasch genug aus dem Staub machen kann, irgendwelche Botschaften von Sehern und Sühneseelen aufs Auge drücken und ins Ohr jammern oder das fortwährende Blabla der Gospa bepreisen.
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Derweil eher typisch für altrituelle Gemeinden sind alsdann noch jene, denen das rechte Maß für Distanz und Nähe fehlt und die sich an jedes neue Gesicht heranwanzen; man glaubt sie dauernd im Rücken, stets sprungbereit oder bereits im Sprung, "helfend" einzugreifen. Man kann keine zwei Seiten im Schott blättern, ohne daß sie nicht sofort mitblättern kommen. Allzeit raunen sie irgendwelche Hilfestellungen, flüstern Kommentare, deuten bedeutungsschwanger auf das Geschehen - gut Gemeintes ist aber manchmal noch besser, wenn man es unterläßt ... 

Kommentare:

einfachentfachend hat gesagt…

Youuuh, Bro!

Gibt aber auch männliche witches in residence beim Rosenkranz, Typus "Und jetzt beten wir noch..."

Und allgemein sind es ein bißchen viele im AO, die noch nicht verinnerlicht haben, daß einer der Vorzüge gegebüber dem NO ist, daß es in der Messe keinen allgemeinen Bußakt gibt, oder aus Trotz aus der ganzen Messe einen macheen

und und... ach ja.

Tarquinius hat gesagt…

Muss man sich nun eigentlich eilends zur Beichte begeben, wenn man diese Tagessplitter überaus köstlich findet? ;-)

Gerade die verblümten Altäre und überspitzten Alben und Co. sind auch so ein Lieblingsthema von mir, der ich mich eher in monastisch-nüchternen Kirchengestaltungen und Ornaten zu Hause finde.
Am Beknutschen von Händen, Ringen, Altargeräten ... nehme ich aber komischerweise keinen Anstoß. Es sei aber bemerkt, dass jene Rubriken keineswegs nur für Pontifikalämter* gelten, auch wenn dort natürlich besonders viel rumgeschmatzt wird. Als leidenschaftlicher Zeremoniar achte ich natürlich darauf, dass überall recht ordentlich geküsst wird. Erst recht am Valentinstag!

Schwieriger wirds bei den frommen Frowen, denen ich bei der Berichterstattung von den neuesten Visionen frommfreundlichfalsch zunicke, während ich meinen Fluchtinstinkt unterdrücke. Wohl auch nicht der beste Umgang damit.

Ach übrigens, ich hätte hier noch ein paar Siegel des lebendigen Gottes rumliegen, möchtest Du welche? Sollen sehr wirkungsvoll sein ... *duckundwech*

*mir mutet da das rituelle Angezogenwerden vor aller Augen im Altarraum da noch eher komisch an