Dienstag, 24. Februar 2015

Sententiæ LXXXV

Ich habe meine monarchische Gesinnung niemals aufgegeben; sie ist später durch meine Wende zum Glauben nur vertieft, ja erst begründet worden, und es ist mir sehr schwer verständlich, daß Christen, die an das Weltkönigtum Gottes glauben, die eigens das Königsfest Christi feiern, das Königtum von Gottes Gnaden, als Bild und Zeichen ewigen Königtums nicht verstehen; daß sie das Amt am Amtsträger messen, während sie doch nicht daran denken, die Gültigkeit des Sakraments von seinem Spender abhängig zu machen. Und während sie doch glauben - und das ganz mit Recht -, daß der Mönch, der Priester umgeschmolzen werden von der Weihe, sehen sie die umformende Macht des geweihten irdischen Amtes nicht, die doch als geschichtliche Tatsache nicht angezweifelt werden kann, wenn sie auch freilich oftmals ausblieb.
Reinhold Schneider: Verhüllter Tag

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