Dienstag, 3. Februar 2015

Nachklang eines Augenblicks

Der Lichtmeß-Tag führte mich am Abend nach Basel; im Vorfeld saß ich etwas mißmutig an der noch schweigenden Orgel, weil es danach aussah, als ließen sich wichtige Sängerinnen der Schola nicht blicken. Sie kamen aber doch und ich mußte kein "Notprogramm" fahren. Nur zur Prozession fand sich nichts vorbereitet, weder die wunderbare Antiphon Adorna thalamum tuum, Sion - noch das schöne Responsorium Obtulerunt.
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Taizé-Gesänge finden eher selten Eingang in die sogenannte "alte Messe"; doch sangen wir Laudate, omnes gentes als Kehrvers, dazu psalmodierte ich die vorgesehenen Gesänge - das mag ungewöhnlich sein, war aber auf eine ganz eigene Art sehr schön. Zudem hat sich mir ein Bild ins Gemüt geprägt, derweil ich für einen Augenblick vom Spieltisch hinunter in die große, aber nur im vordersten Bereich beleuchtete Kirche schaute - diesem Blick kam gerade die Prozession entgegen, der Zelebrant im weißen Rauchmantel vornweg, flankiert von Ministranten, dahinter die Gläubigen, alle mit brennenden Kerzen in den Händen: ein Zug lichter Seelen in der Dämmerung zwischen Zeit und Ewigkeit ...
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Ich hätte das eigentlich nicht notiert, obgleich der Eindruck, in einem kurzen Augenaufschlag gewonnen, heute meine Seele nährt ... wäre ich nun und überdies nicht vorhin auf die folgenden Worte gestoßen, als deren Autor lange der hl. Cyrill von Jerusalem angesehen wurde:
Deshalb kommt auch ihr herbei, die ihr Christus und Gott liebet, wir wollen freudig und rein zur Begegnung mit dem Kyrios und Herrscher ihm entgegengehen, nicht nach Art des Gesetzes, sondern nach der des Pneumas, nicht nach der Festfreude des Fleisches, sondern jubelnd im Pneuma, nicht trunken von Wein, sondern glühend im Pneuma. So wollen wir heute strahlenden Antlitzes unsere Lampen freudig richten; so wollen wir als Söhne des Lichtes die Kerzen dem wahren Lichte, Christus, entgegentragen. Denn er ist ja als Erleuchtungslicht der Heidenvölker der Welt erschienen. Wir wollen daher als Lichter, die aus dem Lichte stammen, weißer leuchten als Schnee, fester als geronnene Milch, glänzender als Saphirstein; reiner noch als die unbefleckten Tauben wollen wir in den Himmelsraum fliegen und in den Wolken zur Begegnung mit Gott ausziehen ...
Das Zitat - wahrscheinlich aus dem Mund eines Presbyters des 5. Jahrhunderts zu Jerusalem - findet sich in einer Rede auf die Hypapanti unseres Kyrios und Heilandes Jesus Christus und auf Simeon, den Gottesempfänger - entnommen aus: Odo Casel OSB: Mysterium des Kommenden. Paderborn o.J. [nach 1952]. S. 243.

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