Montag, 16. Februar 2015

A la Büttenpredigt

Einmal im Joor sind mir ganz doll
gar luschtig druff und haue' voll
im liebe' Gott eins in die Fresse,
denn dann gehts ab zur Narrenmesse.

Jetzt kumme g'wiß die fromme' Seckel
und haue' uns eins uf'de Deckel ...
Doch nämme mir nur d' Schrift bim Wort:
Ganz fürchterlich wird dieser Ort!

Denn d' Kirch, die brucht meh' Täterä
un' Spaß plus Stimmung, bisses weh
tät wirklich all dem fromme' Rotz
und jedem heil'ge Obermotz.

G'wiß: Früher war des furchtbar krass
und alles andre als e' Spass,
mit vierzig Stund uf'de Knie rumrobbe'
zur Sühne für de' Himmel obbe
und andres G'schiss: des war nit heiter;
doch heut' sin mir modern und weiter.
Anstelle vu' dem Büßerg'schwätz
verzählet mir de' Leutle jetz':
Sie kämet alle in de Himmel,
sei's no' de ärgschte' Sündelümmel,

Wer drum' zur Mess' jetzt kömmt des Wegs
kriegt au 'uf jeden Fall ä Keks!
Was kümmert uns s' Müschterium,
heiligs Bimbam, Brimborium
und Kreuz-Repräsentatio ...
des macht doch keinen Narren froh!
Mit sowas bruch'sch heut' nieme komme', 
des isch jo nur was für die Fromme'.
Doch mit moderner Paschtoral
vertreibe mir die überall!
S' isch Wurscht! Dann häm'ma eh meh' Platz
für jeden blöden Pipifax ...

(Doch leider sind die Bänke sehr
nach Fasnet wieder allzu leer ...)

 vgl. hier.

Kommentare:

Severus hat gesagt…

... des isch so schee, dass mir so dumm,
z' was bruche mir s'Müschderium ...

peccator quidam hat gesagt…

Ha! Der Sündenlümmel! Grandios! :-))

peccator quidam hat gesagt…

Und ansonsten leider treffend traurig. :-(

Andreas hat gesagt…

Traurig in der Tat, so daß ich mich vorab gefragt hatte, ob die Reime dem Greuel an heiliger Stätte angemessen seien oder das Problem nicht verharmlosen würden? Letztlich es ist der Versuch, die närrischen Verantwortlichen mit den eigenen Waffen ein wenig zu schlagen ... man mags daher cum grano salis nehmen.

Ester hat gesagt…

Die Lage ist ernst genug, deswegen ist es gut, wenn man wenigstens an Fassenacht drüwwer lache kenne.
Auf jeden Fall sind der Problemfelder, die man in die Fastenzeit hineinnehmen kann (wie das auf neudeutschkatholisch so heißt) viele,

Tarquinius hat gesagt…

Köstlich, möcht ich sagen, wenn es nicht - wie schon erwähnt - auch so grausig wäre.

Frischer Wind hat gesagt…

Trefflich gereimt!

Geischtbraus hat gesagt…

jetzt erst gesehen - super!! Auch noch in der Fastenzeit...

Peter Friedrich hat gesagt…

"Sündenlümmel"? -
Wer so sagt: "Jener dort, der ist ein Sünder (und hat gewiß mehr Sünden aufgeladen als ich)" - der hat sich aus dem Christentum verabschiedet.

Andreas hat gesagt…

Ja, Herr Friedrich, das mag vielleicht zutreffen. Aber dann hat auch einjeder, der urteilt und sagt, ein anderer habe sich durch ein Wort oder eine Tat aus dem Christentum verabschiedet, es diesem alsdann gleich getan ... ;-)

PS: Die - in bestimmten Kreisen nicht selten genutze - Keule, anderen das Christentum abzusprechen (eine Variation davon ist der Satz, man können "katholisch sein ohne ein Christ zu sein") wäre eigentlich mal einen eigenen Blogbeitrag wert ...

Peter Friedrich hat gesagt…

Lieber Herr Andreas,
Sie brauchen keinen eigenen Blogbeitrag dafür. Es handelt sich lediglich um eine einfache (existenzphilosophische) Gesetzmäßigkeit.
Ist genausowenig ein "Urteil" wie die Aussage: "Jeder, der über 50 kg wiegt, hat aufgehört, zum Personenkreis derjenigen zu gehören, die maximal ein Zentner wiegen."
Ich lasse im übrigen jedem die Freiheit, mit dem Finger auf andere und ihre "Sünden" zu zeigen, bleibe aber bei meinem Postulat, daß ein solches Verhalten nicht genuin christlich sein kann, denn dazu hätte es eines Christentums nicht gebraucht.
Es handelte sich dann vielmehr um eine Art Gesetzesideologie.

Gruß

Andreas hat gesagt…

Lieber Herr Friedrich, und ich wende Ihr Postulat nur ein wenig gegen Sie selbst, da ich es für wenig christlich halte, anderen (die z.B. versuchen, Christen zu sein), das Christsein per "Postulat" abzusprechen ...

... was mir übrigens fast ärger scheinen will, als einen anderen Menschen "nur" einen Sünder zu nennen, denn mit Ihrem Postulat entschließen Sie sich nicht nur zu einer Feststellung, sondern rühren unmittelbar an einem tiefen Bezugspunkt im Selbstverständnis eines Individuums.

Ehe ich es vergesse: Sünder sind wir ohnehin alle ...

Besten Gruß!


Peter Friedrich hat gesagt…

Lieber Herr Andreas,

das, was ich als christliche Grundhaltung im Leben bezeichne, ist mir tatsächlich sehr wichtig. Deshalb:
Ich stehe überhaupt nicht an, besagtes Postulat sogleich auch auf mich selber zu beziehen. Wenn ich etwa im Streitgespräch polemisiere, böse, vorwurfsvoll, - was mir durchaus auch unterschlüpft - dann ist mein Verhalten sicher nicht im eigentlichen Sinne christlich.
Das christliche Element, (oder schöner: Juwel) im Leben muss jeden Augenblick neu gefunden und erarbeitet werden, gewissermassen auf der Innenseite meines Nächsten und meiner selbst.
Insofern: Nichts für ungut.
Wobei ich selbstverständlich nicht unterschlagen möchte, daß es im Alltag auch beizeiten einer kritikfähigen Meinung, eines Standpunktes, bedarf.

Freundlichen Gruß