Montag, 23. Februar 2015

Der Heilige mit der dienenden Magd

 hl. Petrus Damiani - Klosterkirche St. Trudpert im Münstertal 
Wäre ich vor einigen Tagen in meinem Photo-Fundus nicht zufällig auf das obige Bild mit einer Darstellung des hl. Petrus Damiani gestoßen, so hätte ich mich heute Abend wahrscheinlich kaum um diesen Heiligen gekümmert; in der Fastenzeit treten die Feste der Heiligen ohnehin in den Hintergrund. So aber war das Bild da - was nun dazu schreiben?
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Man könnte einige biographische Daten benennen: Im 11. Jahrhundert gelebt, Benediktiner kamaldulensischer Observanz, unermüdlicher Vorkämpfer für die Rechte der Kirche nach Außen ebenso wie für einen vorbildlichen und der Berufung angemessenen Lebenswandel ihrer Kleriker und Mönche nach Innen, Kirchenpolitiker und Kirchenlehrer, zudem Theologe, Prediger und Dichter; Dante gedenkt seiner in der Göttlichen Komödie im 21. Gesang des Paradiso. Der Gedanke, die Philosophie solle der Theologie dienende Magd sein, findet sich erstmals bei ihm formuliert: Ein überraschend vielseitiges Leben, wie die kleine Recherche ergab; auch nur einem dieser Aspekte näher nachzuspüren wäre in der verbleibenden Kürze seines heutigen Festtages unmöglich. 
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Der Hinweis auf Hymnen und Gesänge, die der hl. Petrus Damiani verfasste, ließen mich zu einer kleinen Anthologie greifen; tatsächlich fand sich eine Auswahl. Die beiden Schlußstrophen aus dem Rhythmus de gloria et gaudiis paradisi ("Gedicht auf die Herrlichkeit und die Freunden des Paradises") lassen uns - durchaus passend zur Feier der Fasten - mit den Worten des Heiligen und in seiner Fürsprache zum Kyrios rufen:
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Christe, palma bellatorum,
Hoc in municipium
Introduc me post solutum
Militare cingulum,
Fac consortem donativi
Beatorum civium.
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Præbes vires in infesto
Laboranti prœlio,
Nec quietem post certamen
Deneges emerito,
Teque merear potiri
Sine fine præmio!
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Christus, Palme deiner Kämpfer,
Gnädig meine Schritte lenk
Auf zu deiner Stadt, und löse
Mir des Kriegers Wehrgehenk,
Mach mir deiner seligen Bürger
Himmelsfreude zum Geschenk.
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Gabst du deinem Erdenkämpen
Mut und Stärke einst im Streit,
Nicht versag ihm die verdiente
Ruhe nach der Kriegeszeit,
Gib dich selbst zum höchsten Lohne
Dann mir hin in Ewigkeit!
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Die Strophen sind entnommen aus: Laudate Dominum - Lobet den Herrn. Altchristliche Kirchenlieder und geistliche Gedichte - lateinisch und deutsch von Richard Zoozmann. München 1928. S. 212 f. - Die Darstellung des hl. Petrus Damiani ist an einem Seitenaltar der Klosterkirche zu St. Trudpert im Münstertal zu sehen.

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Wobei der Heilige seinen Spruch wohl etwas anders verstanden haben dürfte, als die Scholastiker späterer Tage, die ihn gerne aufgriffen ... auf jeden Fall aber ein wunderbares Fundstück!

Eugenie Roth hat gesagt…

... ist das ein Buch, das man sich kaufen sollte (nicht nur zum Latein lernen?)? Vergelt's Gott!

Andreas hat gesagt…

Wenn man sich für schöne lateinische Hymnen erwärmen kann, dann ist das gewiß eine schöne Anschaffung, Eugenie.

Eugenie Roth hat gesagt…

... Aber Herr Salutis, Sie sollten doch wissen, dass ich musikalisch bin ... (((-; und "lateinaffin"!

Eugenie Roth hat gesagt…

... Noten anbei? Vergelt's Gott für den Tip, das Buch gibt's wohl noch ein paarmal zu haben bei Antiquariaten.

Andreas hat gesagt…

Haaalt!

Noten sind da keine drin - nur Texte ...

Eugenie Roth hat gesagt…

Schaaade ...
DAS wär doch was ... Leider fließt mein Regal schon längst über, und wenn's denn ohne Noten ist ...
mal sehen ...
(Ich hatte ja extra gefragt, BEVOR ich loslaufe ...)

Eugenie Roth