Donnerstag, 15. Januar 2015

Wenn du die Wasser durchschreitest ...

 hll. Benedikt, Placidus und Maurus - Pfarrkirche St. Stephan, Oberwinden 
Ein beiläufiger Blick in das Breviarium Monasticum verriet mir, daß die Ekklesia heute auch des hl. Maurus gedenkt, eines Schülers und treuen Gehilfen des hl. Benedikt. Er soll, so überliefert es der hl. Gregor in seinen Dialogen, einen weiteren Schüler des Ordensgründers vor dem Ertrinken bewahrt haben, indem er über das Wasser schritt und den hl. Placidus so aus der drohenden Gefahr retten konnte. Eine Antiphon in den Laudes rückt uns diesen Moment und die sich hinter der Tat entbergende Kraft in den Blick: 
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Obœdientiӕ pennis elatus 
super aquas graditur,
nec fluctibus mergi potuit,
qui spiritu Dei ferebatur.
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Von den Gehorsams Flügeln erhoben
schritt er über die Wasser hinweg.
Nicht versank in den Fluten,
der vom Pneuma Gottes getragen wurde.
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Mit dem „Gehorsam“ ist es innerhalb kirchlicher Strukturen so eine Sache … es muß ein von Vertrauen getragener und wacher Gehorsam sein, wach gewiß zuerst einmal gegen sich selbst, denn hinter der Verweigerung, wo Gehorsam zurecht verlangt wird, stecken oft eigensinnige und eigensüchtige Motive. Wach aber auch gegen die erhobene Forderung ... Erfahrung und Zeiten lehren, daß man nicht zu allem Ja und Amen sagen sollte, was abgefordert wird. Wie weit man Forderungen nachzukommen hat, soll und muß im Licht Gottes betrachtet werden, denn von ihm rührt alle Gewalt, keineswegs aber Anmaßung. Mehr denn je sind wir heute auf seine Gnade angewiesen, um uns in den Wirren dieser Zeit zurecht zu finden: „Selig, die das Wort Gottes hören und es befolgen“ (Lk 11, 28).
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Man soll hören und das Ohr des Herzens den Worten des Meisters neigen, schreibt Benedikt am Anfang seiner Regel. Maurus folgte wach dieser Forderung; in der Regel und durch den Mund des hl. Ordensgründers sprach Gott zu ihm. Vielleicht können wir einen kleinen Widerhall von dem, was Maurus mit dem Ohr seines Herzens gehört hat, in der Lesung vernehmen, die sich an die Psalmodie der Laudes anschließt; die Worte sind uns vertraut, doch vielleicht hören wir diese Verse nochmals neu, indem wir sie auf das kleine Wunder hin abhören, das uns vom hl. Maurus berichtet wurde ...
Fürchte dich nicht, ich habe dich erlöst und bei deinem Namen dich gerufen: Du bist mein. Wenn du die Wasser durchschreitest, will ich bei dir sein, denn ich, dein Herr und Gott, der Heilige Israels, bin dein Erlöser (Jes 43, 1-3). 
Der hl. Maurus helfe uns durch seine Fürsprache, das Ohr unseres Herzens jenem Wort zu neigen, dessen Pneuma uns über die Wasser und Untiefen unseres Lebens helfen kann … ora pro nobis!
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Die Heiligen Benedikt, Placidus und Maurus - Glasfenster in der Pfarrkirche St. Stephan zu Oberwinden im Elztal.

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