Dienstag, 13. Januar 2015

Von seltsamer Sintflut, dem Feuer im Wasser und wie Erde und Meer sich Gnade teilen

 Taufe Jesu - Glasfenster in St. Gallus, Eichsel auf dem Rührberg 
Drei Festmysterien strahlen im Licht der Epiphanie des Kyrios auf: Die Anbetung der Weisen, das Wunder zu Kana und die Taufe Jesu im Jordan. Offenbar wird Jesus dabei nicht nur als der Sohn Gottes, offenbar wird auch die Ekklesia als Braut Christi; sie singt davon in der großartigen Antiphon zum Benedictus in den Laudes des Erscheinungstages, die heute nochmals wiederholt wird:
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Hodie 
cælesti sponso iuncta est Ecclesia,
quoniam in Iordane 
lavit Christus eius crimina;
currunt cum muneribus Magi 
ad regales nuptias,
et ex aqua facto vino 

lætantur convivæ,
alleluia.

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Heute 
wird dem himmlischen Bräutigam die Ekklesia vermählt:
Denn im Jordan abgewaschen 
hat Christus ihre Sünden;
es eilen mit Geschenken die Weisen 
zu königlicher Hochzeit
und durch den aus Wasser gewonnenen Wein
werden die Gäste erfreut.
Alleluia.
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Bis zum zweiten Sonntag nach Erscheinung holt die Ekklesia diese Mysterien durch die Liturgie in unsere Zeit ein und entfaltet sie - der ehemalige Oktavtag der Epiphanie steht heute im Zeichen der Taufe Jesu: 
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"Die Sonne der Gerechtigkeit", ruft der hl. Kirchenvater Proklos von Konstantinopel in seiner Siebten Predigt auf die Heilige Theophanie, "badet sich im Jordan, das Feuer läßt sich im Wasser untertauchen". So sollen wir nun kommen und "die seltsame Sintflut" betrachten, denn ...
... besser und gewaltiger ist sie anzuschauen als jene zur Zeit des Noah. Damals töteten die Wasser der Flut das Menschengeschlecht; hier aber erweckt das Wasser der Taufe durch den getauften Christus die Toten zum Leben.
... In Staunen versetzt mich das Übermaß der Demut des Herrn: Ihm, dem Vollkommenen aus dem vollkommenen Gott, genügte es nicht, von einer Frau als Kind geboren zu werden; ihm, der gemeinsam mit dem Vater herrscht, genügte es nicht, Knechtsgestalt anzunehmen; er kommt sogar wie ein Sünder zur Taufe. Doch ... Christus, der Herr aller Dinge, wurde nicht getauft, weil er der Reinigung bedurfte, sondern um uns in zweifacher Weise die Gabe des Heils zu gewähren: Den Wassern verlieh er die Gnade der Heiligung und alle Menschen ermunterte er, sich taufen zu lassen ...
Nicht streng ist er, der zu uns kommt; er ist der gütige Sohn aus dem gütigen Vater. Seine Güte offenbart er nicht nur für eine kurze Zeit, um sich dann plötzlich zu ändern, sondern "sein Erbarmen währt in Ewigkeit" (Ps 106,1).
Christus habe, wie Proklos bereits zuvor betont, in seiner Theophanie dem Kosmos Schönheit verliehen, in seiner Taufe die Wasser geheiligt ...
... und ihre Quellen und der Menschen Seelen erleuchtet. Wunder über Wunder reihte er aneinander. Heute teilen sich Erde und Meer des Erlösers Gnade, und die ganze Welt ist von Freude erfüllt.
Die Taufe Jesu, die wir im Mysterium mitvollziehen sollen, dient also unserer Heilung. Die den Wassern verliehene "Gnade der Heiligung" will uns zum Volk Gottes umbilden, dem Kyrios angetraut in der Gestalt der bräutlichen Ekklesia, berufen, dem Bräutigam zu folgen. Von der Herrlichkeit dieser Nachfolge sang eine weitere überschwängliche Antiphon zum Benedictus in den Laudes, gestern am 12. Januar:
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Manifeste 
magnum est pietatis sacramentum,
quod manifestatum est in carne,
iustificatum est in spiritu,
apparuit Angelis,
prædicatum est gentibus,
creditum est in mundo,
assumptum est in gloria,
alleluja.
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Greifbar ist der Erbarmung 
großes Mysterium:
offenbar im Fleisch,
errechtet im Pneuma,
erschienen den Engeln,
verkündet den Völkern,
geglaubt in der Welt,
aufgenommen in Herrlichkeit.
Alleluia.
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Das Zitat aus der Predigt des hl. Proklos ist entnommen: Lothar Heiser: Jesus Christus - Das Licht aus der Höhe: Verkündigung, Glaube, Feier des Herren-Mysteriums in der orthodoxen Kirche. St. Ottilien 1998. S. 178 f. - Bild: Taufe Jesu - Glasfenster in der Pfarrkirche St. Gallus zu Eichsel auf dem Rührberg.

1 Kommentar:

Tarquinius hat gesagt…

...vielleicht doch eher Erneuerer des geistlichen Lebens denn Liturgiereformer (ohnehin ein aussterbender Berufszweig)? ;-)

Wie immer: dankeschön!