Samstag, 31. Januar 2015

Vom sel. Dom Columba Marmion

Zu spät ist mir aufgefallen, daß ich gestern nicht nur an Dom Prosper Guéranger erinnern, sondern auch des sel. Dom Columba Marmion hätte gedenken können, des Abt der Benediktiner von Maredsous (Belgien). Er verstarb am 30. Januar 1923 - sein liturgischer Gedenktag ist freilich der 3. Oktober. Zwischen 1917 und 1923 erschienen als bedeutendste bleibende Frucht eines tiefen geistlichen Lebens drei Bücher, von denen auch deutsche Übersetzungen vorliegen: Le Christ, vie de l'âme (Christus, das Leben der Seele), Le Christ dans ses Mystères (Christus in seinen Geheimnissen) und Le Christ, idéal du moine (Christus, unser Ideal). Der Tod von Dom Columba verhinderte vorerst ein viertes Werk, welches diesen Zyklus abrunden sollte; aus den Aufzeichnungen des Abtes wurde es postum herausgegeben: Le Christ, idéal du prêtre (Christus- Das Ideal des Priesters). Aus diesem letztgenannten Werk soll der sel. Dom Columba Marmion nun selbst zu Wort kommen mit einigen Gedanken, die auch heute nichts von ihrer Gültigkeit verloren haben:
... Das Brot und der Wein des eucharistischen Opfers stellen die Vereinigung der Glieder der Kirche untereinander und mit ihrem Haupt dar, wie der hl. Augustinus erklärt. "Ist das Brot aus einem einzigen Korn gemacht? Stammt es nicht vielmehr aus zahlreichen Weizenkörnern? Und der Wein wurde aus mehreren Trauben gekeltert ... die, nachdem sie zusammen in der Weinpresse waren, einen einzigen Trank in der Lieblichkeit des Kelches bilden" (Sermones 227 und 229; PL 38, 1100 und 1103). Folglich "seid ihr auf dem Altartisch gegenwärtig, ihr seid im Kelch", "Ibi vos estis in mensa, et ibi vos estis in calice". Die Wirklichkeit, die der Glaube bei der Messe schaut, ist - wiederum nach Augustinus - diese: die Kirche lernt durch die Darbringung des unter den heiligen Gestalten geopferten Christus täglich neu, sich selbst in ihm und mit ihm zu opfern: "In ea re quam offert, ipsa offeratur" (De civitate Dei X, 6; PL 41, 284).
Die Liturgie unserer Zeit wiederholt treulich die gleiche Lehre: "Gewähre uns, o Herr, die Gaben der Einheit und des Friedens, die unter den dargebrachten Gaben geheimnisvoll bezeichnet sind", "Unitatis et pacis propitius dona concede, quæ sub oblatis muneribus mystice designantur" (Sekret der Messe vom Fronleichnamsfest). Wenn also Brot und Wein zum Altar getragen werden, sind wir geheimnisvoll in ihnen verborgen, vereint mit Christus, mit ihm dargebracht.
Das Konzil von Trient spricht von diesem Geheimnis, wenn es die Mischung von Wasser und Wein beim Offertorium erklärt. Dieser Ritus "drückt die geheimnisvolle Einheit Jesu mit seinen Gliedern aus: "Ipsius populi fidelis cum capite Christo unio repræsentatur" (Sess. XXII, cap. 7) ...
Das Zitat ist entnommen aus: Dom Columba Marmion: Christus - Das Ideal des Priesters. Freiburg (Schweiz) 1954. S. 244.

Kommentare:

Eugenie Roth hat gesagt…

moine heißt Mönch! Bless you!

Eugenie Roth

Andreas hat gesagt…

Genau hingeschaut und gut beobachtet. Eugenie!

Der deutsche Buchtitel, den ich hier aufführe, hat das allerdings nicht übernommen ... womöglich hegte man damals die Befürchtung, es verkaufe sich nicht so gut, wenn der Titel nahelegt, daß es eigentlich für Mönche geschrieben wurde ... ;-)

Tarquinius hat gesagt…

Sehr tiefgreifend finde ich auch seine "Geistlichen Briefe", ich befürchte aber, sie wurden nie ins Deutsche übersetzt ...

Andreas hat gesagt…

Na ... dann mach Dich mal ran ... ;-)