Samstag, 10. Januar 2015

Tagessplitter

1. Zuweilen ertappt sich der Alte-Messe-Molch dabei, wie er - angesichts von Das Konzil und der dort losgetretenen liturgischen Lamentabilien - wehmütig einen Blick auf jene Zeit wirft, als Glauben und Beten noch in Ordnung waren und der Heilige Vater Pius hieß, der Zwölfte dieses Namens: Das vorläufig letzte Aufblühen der römischen Liturgie, ehe bald darauf auch hier die anthropozentrische Harke geschlagen wurde und (pastorale) Bedürfnisse vom spröden Acker der Welt ausgerechnet das zu aggiornamentieren, zu dominieren und zu untergraben begannen, was zuvor vor allem von der Ehre Gottes bestimmt gewesen war.
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2. Allem Wehmut wohnt ein Zauber inne - der des Nostalgischen. Da ist natürlich manches (nicht zuletzt auch eine Gefahr) dran ... Pius XII. repräsentierte jedenfalls einen zentralen katholischen Lebenswert, dessen man danach kaum noch gewahr wurde: Der Asket in Samt und Seide ad majorem gloriam Dei, zu schauen von der kleinsten Furche auf der Stirn bis in die letzte Spitze der heiligen Albe (Johannes XXIII, Gott hat ihn mehr als nur selig, sah zu verfressen aus und hatte mithin nicht die Figur zu solch gegensatzbedingt vorwegahnender visio beatifica; ganz zu schweigen von seiner Idee zu Das Konzil).
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3. Jetzt ist das alles Pustekuchen. Dieser Tage nämlich klärte mich im Netz der renitenten Tradition irgendwo ein Kommentar auf, es sei dieser zu Unrecht gepriesene Pius XII. bereits ein fragwürdiger Geselle gewesen, sozusagen ein vorkonziliarer Präbugninianer, welcher an der zuvor geradezu ewig unveränderlich deuchenden Liturgie herumgeschraubt und damit alles in den räudigsten Ruch der Veränderlichkeit gebracht habe. Wahrscheinlich zielte das vor allem auf die Reorganisation der Karwoche, darunter die zweifelsohne höchst reformbewütete Verlegung der Osternachtsfeier vom Karsamstagmorgen (wohin sie im Lauf ewiger Unveränderlichkeit gewandert war) auf die Nacht zum Ostersonntag.
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4. Die Sache ist übrigens und obendrein noch viel schlimmer, als es besagter Kommentar, der sich ausschließlich auf Pius XII. kaprizierte, nahelegt. Denn kramt man ein wenig in der jüngeren Kirchengeschichte herum, fällt rasch ein weiterer Papst auf, der bereits Jahrzehnte zuvor am offenen Herzen der Liturgie herumoperierte und dessen Reformen die hoch ehrwürdige Einrichtung der Psalmen im Breviarium Romanum rigide zu Fall brachte, obschon diese Ordnung knapp anderthalb Jahrtausende bestanden hatte und von der 529 verfassten Regel des hl. Benedikt rührte. Dem Papst war's egal. Er ließ alles über den Haufen werfen, völlig neu konzipieren und gab seinen Segen drauf. Es war auch ein Pius, aber nicht der Zwölfte, sondern der Zehnte dieses Namens ...

1 Kommentar:

Tarquinius hat gesagt…

Also, wer würde denn nur sowas sagen ... *hust*