Donnerstag, 1. Januar 2015

Fest der Beschneidung des Herrn

 Agnus Dei (Kirchenfahne) - Bleibach, St. Georg 
... Das Kind, dessen Füße noch gebunden sind, hat den Gehorsamsweg beschritten. Obwohl ohne Sünde geboren, unterwirft der Gottesknecht das freiwillig angenommene "Sündenfleisch" dem Gebote der Beschneidung.
Damit bekennt er sich öffentlich und feierlich als Mensch, Knecht Gottes und Eigentum seines Herrn. Denn so hatte Gott durch Moses geboten: "Weihe mir alles Erstgeborene! Alles, was unter den Israeliten bei Menschen und Vieh zuerst aus dem Mutterschoß kommt, gehört mir" (Ex 13, 1-2). Was die Beschneidung ganz allgemein und für den Israeliten im besonderen ausdrücken soll. ist die völlige Hörigkeit des Menschen, das absolute Eigentumsrecht Gottes auf ihn. Ich lebe von Gottes Gnaden, will der Mensch sagen, der sich der Beschneidung unterwirft. Gott hat das Recht auf mein Blut und Leben. Er kann es nehmen, wie er es gegeben hat. Ich gebe wenige Tropfen meines Blutes; Gott hat das Anrecht auf das ganze ... Denn was gebührt Gott als Gabe, wenn nicht das, was ich als Gabe von ihm empfangen habe: ich selbst?
... Niemals ist der Sinn der Beschneidung vollkommener verwirklicht worden als in der Beschneidung Jesu. Er, obwohl seiner ewigen Wesenheit nach selbst Gott, bekennt sich seiner menschlichen Natur nach im Namen und an Stelle aller lebendigen Kreatur als Eigentum und Knecht Gottes. Er bekennt, als Mensch sein Leben aus der Hand des Vaters empfangen zu haben und es ihm zu schulden: als Gabe der Liebe, in der das Geschöpf sich seinem Schöpfer zurückschenkt; als Sühne des Ungehorsams, durch die der Sünder Gott versöhnt.
Er vergießt das Blut der Beschneidung als Angeld und Erstlingsopfer und bekundet dadurch seinen Willen, in der Bluttaufe des Kreuzes den vollen Lösepreis zu zahlen und das Opfer zum Brand- und Ganzopfer zu vollenden. Mit der Beschneidung des Kindes Jesus beginnt der Gehorsamsweg des Gottesknechtes "hinauf nach Jerusalem", beginnt die Opferweihe des königlichen Hohenpriesters, der am Kreuze vollgeweiht wird. Als Erstgeborener eines neuen göttlichen Geschlechtes, der den Mutterschoß des neuen Lebens auf der Erde öffnet, weiht er sich in seinem Blute Gott dem Herrn, um alle Kommenden seines Geschlechtes vom Tode freizukaufen. In seinem Tode sind sie alle mitgeweiht; durch die Besprengung mit seinem Blute werden sie zur heiligen Weihegabe für Gott, zum "Eigenvolk" des Herrn, zur gottgeweihten "königlichen Priesterschaft" (Ex 19, 6; vgl. 1 Petr 2, 9). In diesem großen Zusammenhang mit dem Ganzopfer und der Vollweihe des Kreuzes sieht die Kirche in ihrer heutigen Liturgiefeier das erste Blutopfer des Kindes Jesus ... Das Blut des Kindes Jesus, das heute zum ersten Male fließt, ist das Blut des Gekreuzigten, das täglich den Heilskelch der Ekklesia füllt ...
Aemiliana Löhr OSB: Das Herrenjahr. Das Mysterium Christi im Jahreskreis der Kirche. Erster Band. Regensburg (4) o.J. [nach 1940]. S. 115 ff. - Bild: Kirchenfahne in der Kirche St. Georg zu Bleibach im Elztal.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Aha, aber es heißt doch (Hervorh.d.Verf.): „Das ist mein Bund zwischen mir und euch samt deinen Nachkommen, den ihr halten sollt: ALLES, was männlich ist unter euch, muss beschnitten werden. Am Fleisch eurer Vorhaut müsst ihr euch beschneiden lassen […] ALLE männlichen Kinder bei euch müssen, sobald sie acht Tage alt sind, beschnitten werden.“ - und ebe nicht nur "alles Erstgeborene".

Verwechselt die gute Schwester da das Fest des 1.1. nicht mit demjenigen des 2.2. ?

Andreas hat gesagt…

Dein Diener hörte, Herr, aber es schien ihm ein neuer Beitrag dazu angemessener als nur ein paar versteckte Zeilen in hier in der Combox.