Donnerstag, 29. Januar 2015

Erscheinen und Verhüllen

... So ist unser Auge geschärft, auch das Geheimnis des Hochzeitswunders von Kana von seiner anderen Seite her zu sehen. Gewiß ist es, wie der Evangelist sagt, die Offenbarung der Herrlichkeit des Herrn (Joh 2, 11). Aber es ist doch ebenso mit Händen zu greifen, wie sehr der Herr selbst bemüht ist, diese Offenbarung Seiner Herrlichkeit möglichst zu verhüllen. Er schlägt seiner Mutter zuerst die Bitte ab, und dann wirkt Er das Wunder so unauffällig, daß Speisemeister und Bräutigam nichts wissen.
Doch es ist nicht nur Unauffälligkeit, was Er will. Wasser wird in Wein gewandelt zum Hochzeitstrunk. Die Eine immerwährende Hochzeit des Herrn mit Seiner Kirche geschieht aber im Geheimnis des Meßopfers, - und der Hochzeitswein ist Wein, der Blut des Herrn ward. Es ist Hochzeit im Blute des Herrn. Und darum steht auch in der Mitte des Geschehnisses von Kana die schier anstößig schroffe Abweisung Mariens durch ihren Sohn: "Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?" Durch Mariens Herz soll ein Schwert gehen, Ihr Sohn selber senkt es ein, - dasselbe Schwert, das zwei Herzen zu einem macht, - Blut in Blut.
Die Kirche ist das Fortleben der Erlöserschaft Christi und der Miterlöserschaft Mariens. Die Einheit Christi und Mariens lebt und wirkt fort in ihrer Einheit. Diese vollendete Einheit erscheint hier, - vollendete Fülle der Erscheinung des Herrn, - und sie ist Einheit in Schwert und Blut.
Erich Przywara SJ: Christliche Existenz. Leipzig 1934. S. 124 ff.

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