Dienstag, 6. Januar 2015

Epiphanie in der Seele

 Krippe - Pfarrkirche St. Johannes Baptist, Laufenburg Aargau 
Bereits vor einigen Tagen, am Samstag, blieb ich in den Laudes an einem Kehrvers hängen:
.
Ostende nobis, Domine, lucem miserationum tuarum.
.
Zeige uns, Herr, das Licht deiner Erbarmungen.
.
Die Antiphon rahmt das sog. Sirachlied (Sir 36, 1-16) ein, ein recht junger Text des Alten Bundes. Knapp 200 Jahre vor Christus artikuliert dieses Gebet die gedrückte Stimmung des jüdischen Volkes, das unter fremder und anmaßender Herrschaft steht und sich in dieser Situation an Gott wendet: Er möge Israel wieder zusammenführen und sich seiner heiligen Stadt Jerusalem erbarmen: "Erfülle Sion mit deinen Lobpreisungen und mit deiner Herrlichkeit deinen Tempel" (16).
.
Im Kehrvers ist nun die Rede von einem "Licht der Erbarmungen": eine Wendung, die irgendwie vertraut daher kommt; sie taucht zuweilen als "Licht des Erbarmens" in frommer Rede und Gebet auf. Wie so manche andere Bitte geht sie rasch über die Lippen. Und wie so manche andere Bitte läuft sie Gefahr, zur frommen Floskel zu werden.
.
Das Wort vom Licht aber ist eigentlich etwas, was wir mit dem Begriff "Erbarmen" eher weniger in Verbindung bringen. Was könnte uns Gottes "Licht der Erbarmungen" also bedeuten? Ich will zuerst ein geradezu gegensätzliches Bild in den Ring werfen: Je dunkler der Beichtstuhl, je undurchschaubarer das Gitter, desto mehr fühlt sich der ein oder andere halbwegs wohl, wenn er Gott seine Sünden bekennt und um Erbarmen und Verzeihung bittet - die Beichte ist eine Situation, in der die wenigsten allzu sehr im Licht stehen wollen. Und - wer weiß? - so manches Mal würde man sich angesichts des Bekenntnisses selbst noch zur Losprechung in die dunkelste Ecke verdrücken wollen, so sehr sieht man sich von der eigenen Schwäche beschämt (ob all das die besten Voraussetzungen sind, um sich einen positiven Zugang zum Bußsakrament zu gewinnen, steht auf einem anderen Blatt).

Zurecht wird man nun einwenden, es gehe hier nicht um ein irdisches Licht, sondern um das, was in und durch die Liebe Gottes in der Vergebung geschieht: Die Erleuchtung der Seele und die Durchlichtung des Leibes - und da scheint es in einem seiner wunderbarsten Spektren auf, jenes "Licht der Erbarmungen", das über uns auf- und in uns einstrahlt und uns durchdringt ... Erleuchtung der Seele, Durchlichtung des Leibes.
.
Durch die Taufe und in der Gnade ist unsere Seele ein kleines Abbild Jerusalems, wird zur Stadt Gottes - Er, der einst das Allerheiligste des Tempels mit seiner Herrlichkeit erfüllte, will heute in uns wohnen:
Wißt ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid und das Pneuma Gottes in euch wohnt? Wer den Tempel Gottes zum Verderben bringt, den wird Gott verderben. Denn der Tempel Gottes ist heilig: Und der seid ihr! (1 Kor 3, 16-17).
Die Epiphanie - das lichtvolle Heraufstrahlen - des Kyrios fand nicht nur vor 2000 Jahren in der Geschichte statt; sie ereignet sich nicht nur in den Mysterien des sakramentalen Lebens. Epiphanie soll auch immer wieder in der Seele sein und im Menschen durch das "Licht der Erbarmungen" Gottes. In diesem Sinn ist zum Beispiel auch das Sakrament der Buße Epiphanie, in diesem Sinn ist jede Gnade und jede gottgeschenkte Regung zum Guten und zur Wahrheit Epiphanie des Kyrios in der Seele im Licht und durch das Licht der Erbarmungen Gottes:
Erhebe dich, werde licht, denn dein Licht ist gekommen, SEIN Ehrenschein, über dir ist er erstrahlt (...) Siehst du dich dann um, schimmerst du auf, dein Herz ist noch verschreckt, aber es weitet sich schon ... (Jes 60, 1, 5).
Krippe in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist zu Laufenburg (AG).

1 Kommentar:

Tarquinius hat gesagt…

Mir drängt sich langsam der Eindruck auf, dass diese typisch deutschen, hermetisch abgeriegelten und ABC-geschützten Beichtstühle vielleicht der Bußandacht mehr ab- als zuträglich sind ...