Freitag, 30. Januar 2015

Dom Prosper Guéranger zum Gedächtnis


Zur Mitte des 19. Jahrhunderts niedergeschrieben, klingt dieser Satz, als habe ihn unsere Zeit formuliert: "Die Liturgie ist demnach nicht blos das Gebet, sondern vielmehr das Gebet in sozialer Beziehung" ... Mit diesen Zeilen sei eines bedeutenden Abtes gedacht; es ist dem Werk Geschichte der Liturgie von Dom Prosper Guéranger entnommen, dessen Todestag sich heute zum 140. Mal jährt. Der Gründungsabt der Abtei Saint Pierre zu Solesmes trug nicht wenig dazu bei, daß Priester, Ordensleute und Laien nach vielerlei Verflachungen vorangehender Jahrhunderte wieder einen Zugang zur Bedeutung und der sich darin entbergenden Größe der leiturgía fanden. Vor allem sein mehrbändiges Werk L'Année Liturgique (Das liturgische Jahr) öffnete in Frankreich wie auch in unseren Breiten geistig wie geistlich einen lange verschütteten Zugang zum Beten der Ekklesia. Auch die Wiederherstellung des gregorianischen Gesangs anhand alter Handschriften - untrennbar mit dem Namen Solesmes verbunden - geht auf seine Anregung zurück. Zudem zählte Dom Prosper Guéranger zu den eingeschworenen Verteidigern der Lehre von der Unbefleckten Empfängnis Unserer Lieben Frau anlässlich der 1854 erfolgten Dogmatisierung. All das spiegelt sich in einem Gebet, das die 2005 eingeleitete Seligsprechung begleitet:
Dieu notre Père, ton serviteur Dom Prosper Guéranger, abbé de Solesmes, attentifs à l’Esprit-Saint, a permis à une multitude de fidèles de redécouvrir le sens de la liturgie, source du véritable esprit chrétien. Que son dévouement à la Sainte Église et que son amour filial envers la Vierge immaculée, puisés dans le mystère du Verbe incarné, soient une lumière pour les chrétiens de notre temps. Daigne, Seigneur, nous accorder la faveur que nous demandons par son intercession, afin que sa sainteté soit reconnue de tous et que l’Église nous permette au plus tôt de l’invoquer comme l’un de tes bienheureux et de tes saints. Par Jésus, le Christ, notre Seigneur. Amen
Gott, unser Vater, dein Diener, der ehrwürdige Abt Prosper Guéranger von Solesmes vermochte es, im Hören auf dein Heiliges Pneuma einer großen Zahl von Gläubigen den Geist der Liturgie als Quelle eines wahrhaft christlichen Geistes zu erschließen. Seine Hingabe an die heilige Ekklesia und seine kindliche Liebe zur unbefleckt empfangenen Jungfrau, geschöpft aus dem Mysterium des fleischgewordenen Logos, sind ein Licht für die Christen unserer Zeit. So gewähre uns, die wir auf seine Fürsprache hin bitten, die Gnade, daß sein heiligmäßiges Leben von allen erkannt werde und die Ekklesia ihn bald als Fürsprecher unter die Schar deiner Seligen und Heiligen zähle - durch Jesus Christus, unseren Kyrios. Amen.
Das Zitat ist entnommen aus: Prosper Gueranger: Liturgische Unterweisungen. Erster Band: Geschichte der Liturgie. Aus dem Französischen übersetzt von Dr. Jakob Fluck. Regensburg 1854. S, 24 (bei google books hier zu finden). Das Gebet zur Seligsprechung stammt von der Seite www.domgueranger.net (hier).

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Vielen Dank für diese Erinnerung an einen derart Großen! Ich kann auch die im Be&Be-Verlag herausgegebene Biographie sehr empfehlen.

Schwierig finde ich bisweilen nur, wie man diesen geradezu bedingungslosen Ultramontanismus (interessanterweise ja zu Zeiten des Abtes in Frankreich oftmals mit liberalem Gedankengut verbunden) jener mächtigen Gestalten des vor-vorigen Jahrhunderts ... noch heute so zur Anwendung bringen kann. Ich bemühe mich ja, aber ...

Andreas hat gesagt…

Vertreter eines aufgekehrten Reformtraditionalismus (oder wie immer das noch gleich lautete) haben da natürlich weniger Probleme mit ...

Tarquinius hat gesagt…

Hm, ich bitte ernstlich um Entschuldigung, wenn ich Dir damit auf den Schlips getreten haben. Es war eigentlich überhaupt gar nicht despektierlich gemeint, eher im Gegenteil ...

Andreas hat gesagt…

Wenn ich nun herumgrollen wollte, dann vielleicht eher ob des Verdachtes, ich könnte solcher ehrenrüstigen Betitelungen wegen herumgrollen wollen ... ;-)

Tarquinius hat gesagt…

Da bin ich ja beruhigt und kann in Frieden ruhen! ;-)