Mittwoch, 31. Dezember 2014

Danke!

 Dreifaltigkeit - Friedenweiler, St. Johannes Baptist 
Te decet laus,
te decet hymnus:
tibi gloria 
Deo
Patri et Filio cum Sancto Spiritu
in sæcula sæculorum.
Amen.
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Dir gebührt Lob
und zu singen Preis:
Ehre Dir,
Gott,
dem Vater und dem Sohn samt Heiligem Pneuma
heute und in Ewigkeit.
Amen.
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In Dankbarkeit für das Jahr 2014
und mit der Bitte um Deine Gegenwart im kommenden Jahr
und um Deinen Segen und Dein Licht
für alle deine Menschen,
für meine Familie, meine Freunde,
meine Mitblogger und Mitleser
und für mich selbst.
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(Und jetzt wünsch' ich euch allen einen guten Rutsch!)


Der dreifaltige Gott - Deckenbild in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist zu Friedenweiler im Schwarzwald.

Tagessplitter

1.
Noli auferre cum peccatoribus animam meam * et cum viris sanguinum vitam meam,
In quorum manibus scelus est * et quorum dextera plena est muneribus.
2. Soweit zwei Verse aus Psalm 25, die mir heute ad primam auf die Lippen gelegt wurden: Der Herr möge die Seele nicht wegraffen mit den Sündern und das Leben mit den Blutmenschen, an deren Händen Verbrechen klebt, während sie sich mit einer Rechten voller Geschenke anbiedern. Dabei kam mir, womöglich der bedeutungsschwangeren Jahresrückblicke wegen, die aktuell allenthalben geliefert werden, der fette deutsche Kirchensteuerkatholizismus in den Sinn: Die hilfreichste Assoziation gewiß nicht, wenn man versucht, die Seele zu Gott zu erheben.
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3. Keinesfalls sei nun unterstellt, es handele sich bei der Menge der Heerscharen religioser Funktionäre um "Blutmenschen"! Auch wenn sich ein "Blutmensch", wie mich zwischenzeitlich ein Psalmenkommentar aufklärte, ohnehin nicht zwingend dadurch auszeichne, daß Blut an seinen Händen klebte - die Tendenz, andere Menschen ausgekocht oder unverhohlen auszunutzen, auszubeuten und auszubooten reicht aus, um im Sinne des Alten Testaments als "Blutmensch" Karriere zu machen.
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4. In dieser Diözese gehen - meines Ermessens eines der faulen Erbstücke des emeritierten Erzbischofs - aktuell einige sehr krumme Dinge vor sich, über die ich allein aus Rücksicht auf die Betroffenen noch nichts geschrieben habe und vorerst auch nichts Näheres schreiben werde. Aber es scheinen mir dann doch "Blutmenschen" in der Kirchenverwaltung ihr Unwesen zu treiben, zuweilen sogar solche im geistlichen Gewande und auf hohem ordinariatösem Vollpfosten.
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5. Doch eigentlich dachte ich bei den Blutmenschen mit ihren Geschenken eher an das Syndikat aus Politik und Medien, an die sich der deutsche Funktionskatholizismus heranschleimt, um Auftrag, Identität und Wesen gegen das Katzengold zu verkaufen, das man fürs Mitmachen im politkorrekten Kampagnenstadl bekommt. Das geht freilich nur gut, solange man darauf verzichtet, Salz der Erde oder zumindest das Salz in der Suppe zu sein ... um eben als Geschmacksverstärker zu enden.
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6. Doch raus jetzt aus dem verknitterten Unbehagen an dieser Zeit und zurück zum morgendlichen Stundengebet. An dritter Stelle ad primam steht Psalm 52, der mit dem folgenden Vers schließt:
Utinam veniat ex Sion salus Israel! Cum verterit Deus sortem populi sui, * exsultabit Iacob, lætabitur Israel. 
Daß doch vom Sion das Heil herkomme Israel! Wenn Gott einst das Los seines Volkes wendet, * so wird Jakob aufjauchzen und sich freuen Israel. 

Dienstag, 30. Dezember 2014

Klonovsky, Pegida und Propaganda

... Da sich auf beiden Seiten Extremisten unters Volk mischen, muss man es nicht für eine Seite betonen; dieses beliebte und vor allem einseitige Exerzitium überlassen wir gern den bewährten z.T. bärtigen Tanten von der Gesinnungspresse. Welche Seite mehr Deppen aufzubieten hat, vermag ich nicht zu beurteilen, aber ganz gewiss gehört mehr Courage dazu, bei den "Patrioten" Gesicht zu zeigen als bei ihren von sämtlichen Parteien, Gewerkschaften, Medien, Theatern, der evangelischen Kirche, den Zentralräten der Juden und Muslime unterstützten Kontrahenten, während die Verworfenen einzig das Privileg genießen, nicht zu allem Übel noch die Gefechtsmusik von Konstantin Wecker oder der Sportfreunde Stiller über sich ergehen lassen zu müssen.
(...) So las ich ... auf der Startseite meines ... Mail-Anbieters die Schlagzeile "Pegida wuchert weiter". Die Saat der Toleranz geht auf. Die Sprache des Unmenschen richtet sich gegen eine vollkommen friedfertig protestierende Volksgruppe. Die demokratische Humanistenpresse will ihr Publikum in Bürgerkriegsstimmung bringen. Aber keine Angst, es sind nur Papiertiger; nie würde sich das mit einem ernsthaften Gegner anlegen (auf Pegida gewendet: Ab 50.000 Mann pro Kundgebung wird die Berichterstattung entschieden freundlicher, ab 100.000 hatte man selber von Anfang an Verständnis für die Demonstranten). Erinnern wir uns nur daran, wie zahm unsere Medienschaffenden samt ihrer parlamentarischen Vor- und Nachbeter auf die antiisraelischen Ausschreitungen in deutschen Städten vor einem halben Jahr reagierten, als eine der wirklichen potentiellen Bürgerkriegsparteien erstmals in größerem Stil Gassi ging...
... das und einiges mehr Lesens- und Erwägenswertes schreibt Michael Klonovsky über Pegida. In der Tat ist die Rhetorik, derer sich die "Wohlgesinnten" zwischenzeitlich bedienen, zuweilen erschreckend bemerkenswert: Selbst im Ursprung eindeutig antisemitische Stereotype wie "Brunnenvergifter" (SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi über Pegida) werden - im Dienst der guten Sache selbstredend - wieder hoffähig; ähnlich verhält es sich mit dem Begriff "Rattenfänger", der mehrfach im Zusammenhang mit Pegida gebraucht wurde: Bei dessen Verwendung biegen sich zwar alle Balken der Logik, aber das Bild, das unterbewußt mitschwingt, kultiviert nichts anderes als übelste NS-Propaganda unter verkehrten, "demokratischen" Vorzeichen (dazu unten ein link). Fahimi und ihren anverwandten Mitstreitern kann man nur raten, dringend einen Blick in die Aufzeichungen (LTI - Lingua Tertii Imperii) von Viktor Klemperer zu werfen und sich dabei die Frage zu stellen, was es bedeuten mag, wenn der Verfasser im Vorwort mit Schiller von der Sprache redet, "die für dich dichtet und denkt" ...
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Man muß Pegida nicht mögen - wenn aber auch noch Kirchenvertreter gegen eine Bewegung, in deren Forderungskatalog "dasselbe wie in Grundsatzerklärungen von bürgerlichen Parteien überall auf der Welt" (Klonovsky) zu lesen steht, al fresco Front machen (wahrscheinlich aufgrund "dumpfer" Ängste und Sorgen, wobei man eine Ungriffigkeit von Befürchtungen nur den Pegida-Vertretern ankreidet), dann ist das nicht minder fragwürdig wie das Absingen von Weihnachtsliedern zu Protestzwecken bei Pegida oder die knirschende Umbiegung der Weihnachtsgeschichte in eine moderne boat people-Erzählung auf der Gegengeraden.
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Klonovskys vollständige Stellungnahme hier in den Acta diurna unter dem Eintrag vom 27. Dezember. - Das erwähnte NS-Propaganda-Stereotyp, ein Auszug aus dem Film Der ewige Jude, kann man, sofern man sich das antun möchte, hier ab 3:11 ansehen.

Der Philipp, das Pneuma und die Paralyse

Was im Internet meinereiner nicht so alles zum Jahreswechsel zur Seite gesellt, auf den Weg gesagt und anderweitig diagnostiziert wird ...
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Ich verstehe das dann mal so: Ich suche mir aus der pelagianistischen Paralyse zuerst jene Talente raus, in denen ich noch funktionsfähig bin, hoffe alsdann, daß das zu irgendeiner Geistesgabe passt und bitte den hl. Philipp Neri (auch dieses Jahr wieder ein Heiliger, zu dem ich bislang nie recht Zugang gefunden habe ... ob das von der pelagianistischen Paralyse rührt?), den schlimmsten Mist, den ich bauen könnte, zu vermeiden ... 
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Zuerst aber gilt es, nach hierhier und hier zu verweisen.

Montag, 29. Dezember 2014

Dem David geschworen - in Christus erfüllt

 König David - Münster Unserer Lieben Frau, Villingen 
Zwei thematisch verwandte Psalmen zählen zu den Prägepunkten des Stundengebets in diesen Tagen, welches in der Weihnachtsoktav deutlich von den Texten des Weihnachtstages bestimmt ist; so betet die Ekklesia täglich Psalm 131 ad vesperas und Psalm 88 ad matutinum. Beide handeln sie vom Königtum Davids, der damit verbundenen Verheißung, aber auch der Gefährdung desselben, sollten die Nachfolger Davids und das Volk Israel dem mit Gott geschlossenen Bund untreu werden.
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Die Ekklesia liest diese Psalmen auf Christus hin: Er ist der letzte und größte Sohn Davids - in ihm, dem Kyrios, erfüllt sich die Verheißung:
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Du sprachst ja: "Für ewig ist meine Gnade errichtet,
wie der Himmel steht fest meine Treue!
Ich schloß den Bund mit meinem Erwählten,
habe es meinem Knecht David geschworen:
Ewigen Bestand gebe ich deinem Stamm
und richte deinen Thron auf für und für".
Die Himmel feiern, o Herr, Deine Wunder,
Deine Treue die Schar der Heiligen (Ps 88, 3-6).
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Oder auch:
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Der Herr hat David geschworen
sicheren Eid, von dem Er nicht läßt:
"Einen Sproß aus deinem Geschlecht
setz ich auf deinen Thron ..." (Ps 131, 11).
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Heute - und sicher nicht von ungefähr in zeitlicher Nähe zum Geburtsfest Christi - gedenkt die Ekklesia des Königs David als eines Heiligen des Alten Bundes; seine Fürsprache helfe, daß wir stets in der Schar der Heiligen verbleiben, die Gottes Treue feiert ... ora pro nobis!
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König David schlägt die Harfe - Wandbild unterhalb der Orgelempore im Münster Unserer Lieben Frau zu Villingen im Schwarzwald.

Sonntag, 28. Dezember 2014

Das BamS!

Der Sonntag in der Oktav des Weihnachtsfestes rückt das heutige Fest der Unschuldigen Kinder in den Hintergrund - mit dem Bild am Sonntag! soll zumindest daran gedacht sein: Das Motiv stammt von einer Grabstele, die ich im Schwarzwald entdeckt habe ...
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Samstag, 27. Dezember 2014

Johannes und der Haß der Frommen

 Johannes auf Patmos - Fenster im Kapellenkranz des Freiburger Münsters 
Zum heutigen Fest des hl. Apostels und Evangelisten Johannes habe ich mir ein Büchlein gegriffen und mich beim Einkaufen in eine Kaffee-Ecke verzogen, um ein wenig darin zu lesen: Johanneische Botschaft von Romano Guardini, Meditationen zu verschiedenen Worten aus dem Evangelium und den Briefen des hl. Johannes.
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Hängen geblieben bin ich bei einer Erwägung, die uns vielleicht mehr angeht, als wir eingestehen mögen. Sie entstammt einem Kapitel, das die Überschrift "Der Haß gegen Gott" trägt und an das Herrenwort "Wenn die Welt euch haßt, so wisset, daß sie mich vor euch gehaßt hat" (Joh 15, 18) anknüpft. Guardini spricht nicht nur vom Haß anderer Menschen gegen Gott, von dem wir uns womöglich indirekt betroffen sehen, der Regung selbst aber völlig enthoben wähnen könnten ...
Christus steht in der Welt als Zeugnis für Gott; als seine Epiphanie; Gott ist so, wie Christus ist. Der Mensch kann das Zeugnis annehmen, kann es aber auch ablehnen; kann lieben, oder kalt bleiben, oder hassen.
Jeder kann es, auch wir. Sage doch jeder: auch ich. Jeder hat schon wenigstens die Vorläufer des Hasses gefühlt: die Verlegenheit, die es bringt, wenn er sich zu Ihm bekennen soll; das Unbehagen, die Gereiztheit, den Widerstand, die vor der Gestalt oder Worten Christi erwachen. Keiner weiß, wann das einmal zum Haß wird. Wir sehen ja, wie die halbe Welt davon überflutet ist (S. 50).
"Vorläufer des Hasses" - ein hartes Wort, gegen das man Einspruch einlegen möchte, denn schließlich ist man doch ein guter Christ oder bemüht sich zumindest, ein solcher zu sein. Aber vielleicht ertappen wir uns zuweilen ja doch dabei, wie wir insgeheim Gebot und Weisung des Glaubens, die Worte Gottes, den Weg Christi, die Ausdeutung durch die Ekklesia verwünschen, weil sie uns und unseren Plänen im Weg sind. Das ist gewiß noch kein Haß; christliches Leben in diesem Aion ist immer auch ein Ringen um Gott und mit Gott - aber es sind Vorläufer des Hasses, Frühformen, die sich zum Haß weiter entwickeln können. 
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Dieser Haß, so denke ich, kann sich in seinen Prägungen mitunter sehr gut maskieren und ganz unterschiedliche Formen annehmen - und gerade deswegen müssen wir auf der Hut sein ... denn es tritt mitunter auch eine Art "Gotteshaß" der "Frommen" an den Tag, die sich längst gegen und jenseits von Gott und der Ekklesia ihren eigenen "katholischen" und "reinen" Glauben gebastelt haben und damit ihre Umwelt, ihre Mitmenschen, ihre Mitchristen terrorisieren - und Wehe! sie werden um Gottes Namen willen ermahnt und zurecht gewiesen: Sie schäumen darob innerlich vor Haß und merken es zumeist nicht einmal mehr. Doch ihr Verhalten, die Ausstrahlung verrät die beklagenswerte Misere.
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Der heilige Johannes, der geschrieben hat, daß Gott die Liebe sei, helfe uns durch seine Fürsprache, unsere Welt und uns selbst auf Gott hin durchsichtig zu machen, wie er "die unmittelbare Gegenwart auf das Jenseitige hin durchsichtig" (Guardini) gemacht hat ... ora pro nobis!
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Romano Guardini: Johanneische Botschaft. Meditationen über Worte aus den Abschiedsreden und dem ersten Johannesbrief. Freiburg 1966. Das Bild zeigt ein Fenster aus dem Chorumgang des Freiburger Münsters mit Johannes auf Patmos (Original im Augustiner Museum Freiburg).

Donnerstag, 25. Dezember 2014

Ärmlichkeit früher und heute

 . 
Dem Ochsen fehlt ein Horn, dem Esel ein Ohr, dem Hirten ein Arm, ein Schaf hat überhaupt keine Beine mehr und die anderen teilweise Prothesen (aus Zündhölzern). Dafür ist der Weihnachtsstern direkt in die Hütte reingeflogen: Meine Weihnachtskrippe. Zumindest die Figuren haben bislang mindestens vier Generationen überlebt, wenn ich das recht überschaue. Ein wenig ärmlich ist das Ensemble zweifelsohne, aber nicht ärmlicher als die Welt, in die Christus geboren worden ist. 
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Eine Ärmlichkeit, die sich in unser aller Leben allzu oft fortschreibt, der Gnade Gottes und aller guten Absichten zum Trotz. Und so wird man sich selbst am Weihnachtstag plötzlich bewußt, wie man gerade dem Bösen einmal mehr auf den Leim gekrochen ist - ausgerechnet an Weihnachten, einem dieser Feste mit den vielen guten Vorsätzen! Wie rasch holt uns unsere Ärmlichkeit ein ... aber ist Gott nicht auch Mensch geworden, um uns in unserer Ärmlichkeit ein- und aus ihr heimzuholen?

Mittwoch, 24. Dezember 2014

Eine Litanei auf die Heilige Nacht


Kyrie Christe
eleison
.
verwoben
in unsere Geschichte
verwoben
in unsere Erde
verwoben
in unseren Leib
verwoben
in unsere Klagen
verwoben
in unsere Schuld
verwoben
in die Tränen der Menschen
verwoben
in den Schrei der Verzweiflung
verwoben
in die Armut und in alle Not
verwoben
in die Furcht der Verfolgten
verwoben
in die Scham der Geschändeten
verwoben
in Flucht und Heimatlosigkeit
verwoben
in das Holz am Kreuz
verwoben
in Gott und den Menschen
verwoben
in aufstrahlendes Licht
verwoben
in die Verheißung
verwoben
in Vergebung
verwoben
in Hoffnung auf Herrlichkeit
verwoben
in die Ehre Gottes in der Höhe
verwoben
in ein neues Leben
verwoben
in ein Leben in Fülle
verwoben
in die heilige Braut, die neue Stadt
verwoben
in das himmlische Jerusalem
verwoben
in die Gemeinschaft der Heiligen
verwoben
in deine Geburt
verwoben
durch deine Geburt
verwoben
untrennbar verwoben
untrennbar

.
Das Licht der Heiligen Nacht
strahle uns und allen Menschen auf in den Herzen:
Eine segensreiche und frohe Weihnacht!
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Auschnitt aus einem Wandteppich mit Darstellung der Geburt Christi im Augustiner Museum zu Freiburg.

Dichterwort-Advent - Türchen 24



Dienstag, 23. Dezember 2014

Durchs Heilige Land geblättert - Neuauflage eines Pilgerbuches

Nach 940, der Bischof war von seiner zweiten Pilgerfahrt in das Heilige Land zurückgekehrt, ließ der hl. Konrad von Konstanz östlich seines Münsters eine Rundkirche errichten, welche die Grabeskirche zu Jerusalem in deren damaligen Bestand im Maßstab 1:2 verkleinert nachbildete; mit gotischen Umbauten ist diese Kapelle bis heute unter dem Namen Mauritius-Rotunde erhalten. Solche "Nachbauten" dienten nicht nur einem liturgischen oder pädagogischen Ziel - sie waren auch als Wallfahrtsorte für all jene gedacht, denen ein Pilgergang nach Jerusalem nicht möglich war; das traf auf die allermeisten Menschen zu, um die Jahrtausendwende nicht minder wie viele Jahrhunderte danach.
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Vor geraumer Zeit veröffentlichte Pater Martin Ramm FSSP ein interessantes Buch, das nun in einer zweiten, deutlich erweiterten Auflage erschienen ist: Heiliges Land. Wegbegleiter auf den Spuren Jesu. Das Werk ist die Frucht nicht weniger Pilgerfahrten, bei denen sich der Verfasser das Heilige Land zunächst selbst und bald auch Pilgergruppen nahebrachte: "Anfänglich war es ein aus losen Blättern bestehender Leitfaden", so heißt es im Vorwort, "mit dem Ziel, den Pilgern zu einer informativen und zugleich spirituell gehaltvollen Wallfahrt zu verhelfen". 
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Das zweifache Ansinnen des Werkes wird hier bereits deutlich formuliert: Es geht nicht allein um Fakten, wie sie etwa in vielen Reiseführern ebenso zu finden sind (die breitet der Verfasser - ausgestattet mir einer offiziellen Lizenz, Gruppen als "Guide" durch das Heilige Land zu führen - natürlich auch aus). Nicht minder geht es aber um den geistlichen Mehrwert, der sich aus der Atmosphäre des Heiligen Landes gewinnen läßt und den jene Stätten entbergen können, an denen Geschichte mehr ist als nur Abfolge von Ereignissen - weil sie Heilsgeschichte ist. .
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Das Buch hat eine kleine Vorgeschichte - sie beginnt für den Verfasser mit der im Rückblick wunderbaren Idee, ihm, der er vor seiner Priesterweihe nicht viel an das Heilige Land gedacht habe, eine Pilgerfahrt dahin ...
... zu schenken, und während dieser ist mir eine neue Welt aufgegangen. Seit ich dort war und nicht nur ich die Spuren Jesu, sondern auch diese mich berührt haben, sehe ich das ganze Evangelium in einem neuen Licht.
Davon will dieser Wegbeleiter auf den Spuren Jesu etwas weitergeben - will die Bereitschaft wachrufen, sich von den Spuren Jesu berühren zu lassen, wie jeder guten Regung ein Anrühren Gottes vorangeht oder, um es mit einem Wort aus Paul Claudels Betrachtungen über den Kreuzweg zu sagen: "Und keine Sünde bleibt von seiner Wunde unbetroffen".
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Dieses Angerührt-Werden verdankt sich nicht unbedingt ausgewiesenen geistlichen Appellen und Betrachtungen - solche findet man in diesem Buch kaum. Sie ergeben sich, und darin liegt der womöglich größere, weil besonders authentische Wert, aus der Art, wie die dargebotene Materialfülle aufbereitet und mit Bildern verknüpft ist: Es soll, nochmals aus dem Vorwort zitiert, "die Wahrheit des Evangeliums greifbar und die Liebe zum göttlichen Erlöser lebendig werden" - und man glaubt dem Verfasser die Absicht seines Buches und gerade deswegen springt der Funke über, sieht sich der Glaube genährt und gestärkt, wenn vom Ort der Krippe und des Kreuzes, der Auferstehung und der Verklärung und von so vielen weiteren Stätten der Heilsgeschichte die Rede ist: Hier war der Kyrios unter den Menschen, hier sprach Gott zu seinem Volk, hier nahm die Ekklesia ihren Anfang - kommt und seht!
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Doch zurück zur Rotunde von Konstanz ... mit ihr teilt das Buch Heiliges Land nichts Geringeres als die Absicht, die "Topographie" des Heils etwa auch jenen erfahrbar zu machen, die nie an die historischen Stätten gelangen, die Jesus Christus bezeugen - gerade ihnen, ein letztes Zitat aus dem Vorwort, "denen solch eine Reise aufgrund gesundheitlicher oder materieller Widrigkeit im Leben vielleicht gar nie vergönnt sein wird", gilt die Einladung, "wenigstens im Geiste mit zu pilgern".
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Hier zwei Bilder aus dem Buch: eine Aufnahme aus der Grabeskirche mit Christus als Pantokrator - und ein Bild aus der Geburtskirche zu Bethlehem mit dem Ort unterhalb des Altars, an dem der Überlieferung gemäß die Krippe Jesu stand. Die Bildrechte liegen bei P. Martin Ramm. 
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¶ Das Buch Heiliges Land. Wegbegleiter auf den Spuren Jesu kann gegen eine Spende nach eigenem Ermessen hier bezogen werden.

Dichterwort-Advent - Türchen 23

Montag, 22. Dezember 2014

Kirche als Abfall?

Zur liebsten Masche progressiver Kräfte zählt der Versuch, "die Kirche" als versteinerte Institution zu denunzieren und gegen ein "gelebtes Christentum" auszuspielen. Wer sich in diesem Kontext beispielswegen auf das Lehramt beruft und die kirchliche Disziplin anmahnt, wird nicht selten als Christ - meist unterschwellig, zuweilen auch offen - deklassiert: Man berufe sich auf eine starre "Rechtskirche", wo doch nur das Leitbild einer flexiblen und geistig zu denkenden "Liebeskirche" den Menschen zum Christen machen könne, derweil Institutionalisierung auf Dauer Pharisäer hervorbringe. Daß Christus keine Kirche habe gründen wollen, ist eine unter heutigen Theologen häufiger anzutreffende Behauptung - erst später sei die "Jesusbewegung" zur "Kirche" geronnen. 
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Die Masche ist nicht neu. Vor einigen Tagen fiel mir ein kleines Bändchen mit Texten des Theologen Herman Schell (1850-1906) in die Hände. Schell ist eine etwas tragische Figur - seine Versuche, den katholischen Glauben in der Welt seiner Zeit überzeugend zu formulieren, wurden teilweise mißverstanden; Schell geriet unter Modernismusverdacht, zwei seiner Schriften landeten auf dem Index. Schell aber blieb der Kirche treu - so sehr, daß er in seinen letzten Lebensjahren schrieb:
Die Kirche ist die wesentliche Form des Gottesreiches. Die Ausgestaltung des Gottesreiches zur Kirche ist eine innere Notwendigkeit der Sache selbst, wie immer sie betrachtet werde. Sie liegt aber auch in der Folgerichtigkeit aller Worte und Taten, durch welche Jesus das Gottesreich beschrieb und begründete. Was Gottesreich sein soll, kann es nur sein, wenn es zur Kirche wird ...
Die Kirche im katholischen Sinne ist der Aktivismus des Gottesreiches: seine Wesenserscheinung, seine tatkräftige Selbstbehauptung, seine Liebesgemeinschaft, die Selbstverwirklichung seiner inneren Lebendigkeit, seiner Tatkraft, seiner Liebespflicht. Die Kirche ist nur dann ein Abfall vom Evangelium, wenn der Leib ein Abfall von der Seele, wenn der Wille ein Abfall vom Gedanken, wenn die Tat ein Abfall von der Idee, wenn die Gemeinschaft ein Abfall von der persönlichen Selbstständigkeit, wenn die Nächstenliebe ein Abfall von der Selbstliebe ist.
Herman Schell: Christus. 1923. S. 171 f. - hier zitiert nach: Herman Schell: Kirche und Gottesreich. Die Kirche als Selbstverwirklichung des Gottesreiches der Innerlichkeit und Tatkraft, der Liebe und des Lebens. Aus H. Schells Christusbuch ausgewählt und eingeführt von Josef Hasenfuß. Freiburg 1957.

Dichterwort-Advent - Türchen 22

Samstag, 20. Dezember 2014

Tagessplitter

1. Wenigstens schreibt er keine neuen Bücher! Zumindest nicht über die Weihnachtstage ... das verriet der Pater Anselm gerade katholisch.de. Die Grün-Bücher nerven nämlich gewaltig. Gerade jetzt im Dezember betrat ich, Lektüre für unterwegs heischend, zweimal kleine Buchhandlungen in kleinen Städten. Natürlich habe ich Verständnis, daß man auf hundert Quadratmetern in der Provinz keine theologische Fachabteilung einrichten kann. Wenn aber der vorhandene halbe Regalmeter "Religion" vornehmlich von Anselm-Grün-Büchern verstopft wird und es kaum anders zu geben scheint in der Welt der Religion als Anselm-Grün-Bücher und wenn der Herder Verlag jüngst unter "Neuerscheinungen" gefühlt zehn neue (?) Anselm-Grün-Bücher auf einen Schlag ankündigte, dann flüchtet meinereiner knirschend zu den Reclam-Heftchen. Wenigstens die haben den schreibtollen Benediktiner nicht im Programm. Noch nicht.
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2. Grüns Vorsatz, über Weihnachten den Griffel aus der Hand zu legen, ist aus meiner Sicht überaus begrüßenswert! Das könnte uns ein weiteres neues Anselm-Grün-Buch im Januar ersparen. Im Kloster übe man, so betont Grün obendrein, während des Advent das Schweigen ein. Nun ja, für ein kleines Gespräch mit katholisch.de ist natürlich noch Platz ...
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3. Überhaupt: katholisch.de ... dieses wunderbare Portal, dessen Redaktion, wie das Impressum betont, "im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz" arbeitet! Da gibt es Lohn- und Brot- und Mitarbeiter (wie mir vor Tagen anhand eines vorgezeigten Twitter-Screenshots bildlich versichert wurde), die sich in Köln gegen Pegida ins Zeug legen, indem sie an Gegenprotesten einer Künstlerinitiative mit dem reizvollen Namen Arsch huh! teilnehmen. Nun steht es jedem frei, sich gegen oder für Pegida ins Zeug zu legen, kein Thema. Aber was soll ich davon halten, wenn man das als Mitarbeiter des offiziellen Portals der katholischen Kirche in Deutschland mit den Worten "Yeah, endlich mal was sinnvolles am Sonntag getan" abfeiert? Welche hohe Meinung des Herrentags und der damit verbundenen Einladung tritt da wohl zutage, yeah?
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4. Die Annahme, katholisch.de erbitte Gastbeiträge fremder Federn, weil die eigene Redaktion à jour anderweitig gerade den Hintern hochkriege, man aber die Arbeit an der Seite nicht einfach einstellen könne, wäre zweifelsohne zu kurz gegriffen. Redakteure, die ihre Kohle von der Kirche beziehen, erbitten zuweilen gerne Gastbeiträge, weil sie deren Botschaft teilen mögen, es aber besser und der weiteren Karriere dienlich ist, wenn ein anderer Name darunter steht. Man muß ohnehin nicht alles in der eigenen Redaktionsstube erfinden, solange man Kollegen anheuern kann, die in den GEZ-Kirchenredaktionen sitzen.
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5. Nochmals ins Impressum dieser Seite geschaut: "Katholisch.de ist das Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland". Gelegentlich sollte man sich das in Erinnerung rufen, bevor man's vergisst. Denn erneut schießt die Seite einen Bock, alldieweil ein paar Klicks weiter Uwe Bork, Leiter der Fernsehredaktion "Religion, Kirche und Gesellschaft" beim SWR das kirchliche Familienbild süffisant zu zerlegen sucht. 
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6. Wie war das doch gleich? Werden wir von interessierter Seite nicht beständig beschworen und belabert, man dürfe Dogmen und Lehrinhalte auf keinen Fall wortwörtlich nehmen, weil der Glaube (oder was davon noch übrig ist) stets in Entwicklung und Fortschreibung begriffen sei? Um dann plötzlich knapp nachsintflutliche Beziehungskisten aus der Zeit der Patriarchen als biblisches Alternativmodell aus dem Hut zu zaubern, damit wir heute "Familie jeglicher Spielart" (Papa, Papa, Hund?) endlich schlucken ... Wohlgemerkt: Dieser Text, in seinem kläglichen Argument kaum weniger skandalös als in seinem Inhalt, wird nicht unter der Rubrik Standpunkt präsentiert, was als Ort konträrer Meinungsbilder vielleicht noch hinnehmbar wäre, sondern als Gastbeitrag mitten unter den redaktionellen Stamminhalten zu gesellschaftlichen Themen.
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7. Wenn es ein Anselm-Grün-Buch gäbe, das mir nun wirklich hülfe, dann müßte es irgendwas mit dem Gewinn an Gemütsruhe bei der Lektüre des Internetportals der katholischen Kirche in Deutschland zu tun haben ...

Das Bild zum Lied

War ich mir gestern noch des Eindrucks ziemlich gewiß, es sei mir an der sehr frischen Luft die letzte Blüte vor die Linse gerade, die der Jahreszeit farbenfroh trotzt, so wurde ich heute eines Besseren belehrt: Da tragen die Dornen doch tatsächlich Rosen ...
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Dichterwort-Advent - Türchen 20

Freitag, 19. Dezember 2014

Späte oder frühe Blüte?

Mit einem Spaziergang durch den Freiburg westlich einsäumenden Mooswald konnte ich heute in den Weihnachtsurlaub starten: Zeit, die Seele bis in die ersten Tage des neuen Jahres hinein baumeln zu lassen; Gott gebe seine Hilfe und seinen Segen drauf! Unterwegs entdeckte ich ein Pflänzchen, das zu blühen noch immer nicht aufgeben mag - keine Dornen, die Rosen zu tragen, aber ein wenig erinnert's dennoch daran:
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Dichterwort-Advent - Türchen 19

Dienstag, 16. Dezember 2014

Tagessplitter (mit Kerzenlicht!)

Gewöhnlich mache ich um die Freiburger Innenstadt lieber einen Bogen, in den Wochen vor Weihnachten zumal; heute ließ sie sich aus einigen Gründen nicht umgehen. Am Wochenende hatte ich mir zum Beispiel in den Kopf gesetzt, daß eine Kerze aus Bienenwachs die Adventszeit schöner machen könnte - der Weihnachtsmarkt ist dafür eine gute Anlaufstelle. Die Fortbewegung ist dort eigentlich recht einfach: Man muß sich nur von der Masse mitschieben lassen, bis man einen passenden Kerzenstand passiert. Irgendwann war die Kerze drin im Sack und ich wieder raus aus dem Weihnachtsmarkt. 
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Fast noch erfreulicher war das Buch, das mir hernach in einem Antiquariat unter die Finger kam: Vergils Bucolica in der Übersetzung von Rudolf Alexander Schröder. Diese ehrwürdige römische Hirtendichtung hätte ich in den kommenden Tagen ohnehin benötigt (wozu, mag der Wissende ahnen) - doch nun muß ich wenigstens nicht auf die realsozialistische Arbeiter-und-Bauern-Übersetzung zurückgreifen, die sonst im Regal steht. Der schmucke Band kostete übrigens kaum mehr als die Kerze ... möge nun beides Geist, Herz und Gemüt erleuchten!
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O Meliboee deus nobis haec otia fecit.
namque erit ille mihi semper deus, illius aram
saepe tener nostris ab ovilibus imbuet agnus.
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O Meliboeus, ein Gott hat uns hier Frieden bereitet;
Wahrlich, er soll mir immer ein Gott sein. Röte den Altar,
Unsern, hinfort noch oft, vom Pferch enthoben, ein Lämmlein.
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Vergil, Bucolica I
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Daß Schröders Übersetzungen freilich nicht nur auf Wohlgefallen stießen, hatten wir ja hier schon einmal ...

Dichterwort-Advent - Türchen 16

Montag, 15. Dezember 2014

Tagessplitter (heute aus'm Dornwald)

Alle Jahre wieder kommt Maria auf dem Weg durch den Dornwald auch bei der Blogozese vorbei (was immer das jetzt auch heißen mag). Die in vielen Dingen sonst sehr verehrliche Freiburgbärin quält meine Ohren heute Abend mit der erschütternden Version eines Chores, dessen renommée so ausdauernd erstklassig beleumundet ist wie die Truppe drittklassig singt, zumindest im dargebotenen Youtube-Video.
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Wer sich nun das Maul darob verreißt, sollte auch gegenhalten können - gerne würde ich eine vorbildliche Einspielung präsentieren ... Maria durch den Dornwald ging in der Bearbeitung von Gottfried Wolters ...
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Den Beweiß, daß man auch diesen Tonsatz bestmöglichst ruinieren kann, tritt auf den gängigen Videoportalen jedoch manch andre Sing- und Sangesrunde nicht minder (un-) talentiert an. Am ehesten versöhnlich reagierten meine von den Wiener Sängerknaben zuvor malträtierten Ohren auf die Wiedergabe durch den Jungen Chor Overbach.
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Die Freiburgbärin möge mir dieses kleine Scharmützel verzeihen und mit allen anderen geschätzeten Lesern dem hier das Ohr neigen:


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Wer trotzdem mehr auf Wiener Sängerknaben steht: hier lang.

Dichterwort-Advent - Türchen 15

Sonntag, 14. Dezember 2014

Was uns der Adventskranz bedeuten kann (1)

Adventskranz - Basel, St. Antonius
Das dritte Licht leuchtet seit heute am Adventskranz auf. Bereits vor zwei Wochen - es räusperte sich eine augenzwinkernd kritische Anmerkung in den Kommentaren - stand mir ein wenig die Frage im Raum, was es mit den Kränzen, die wir uns in die Kirchen und in die Häuser holen, wohl auf sich habe und ob eine tiefere Bedeutung mit ihnen verbunden sei?
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Spürt man diesen Fragen nach, so fällt die Antwort zuerst eher nüchtern aus. Der Brauch, einen Kranz aus Tannengrün mit Kerzen aufzustellen, geht auf den lutherischen Theologen Johann Hinrich Wichern zurück, den man gewiß einen Heiligen der diakonía nennen darf. Erschüttert vom Elend verwahrloster Kinder und Waisen gründete er 1833 vor den Toren Hamburgs das Rauhe Haus, um sich dieser Kinder anzunehmen. Als seine Schützlinge vor Weihnachten immer wieder fragten, wie lange es noch hin sei bis zum Heiligen Abend, kam Wichern die Idee, auf einem alten Wagenrad die Tage bis Weihnachten mit Kerzen zu markieren, später kam Tannengrün dazu. Auch andernorts begeisterte man sich alsbald für diesen jungen Brauch; die Zahl der Kerzen wurde freilich zumeist auf vier für die Sonntage im Advent reduziert. 1925 soll in Köln erstmals solch ein Kranz auch in einer katholischen Kirche aufgestellt worden sein.
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Welche Bedeutung mag man dem nun zumessen? Man wird wohl vorab sagen müssen, daß sich unser Tannenkranz mit seinen Kerzen in erster Linie handfest pädagogischer und dekorativer Absicht verdankt; der durchnüchterte Geist des norddeutschen Protestantismus ist nicht gerade der Nährboden überbordender Allegorese. Und doch finden sich manche Punkte, die auf der Symbolebene diverse Zuschreibungen zulassen - das ist nicht zuletzt der Einfachheit des Adventskranzes geschuldet, der auf Urformen zurückgreift und elementare Materialien verwendet, die uns etwa in der leiturgía ebenfalls begegnen: Der Kreis ... das Licht ... die immergrünen Zweige ... die Kerzen aus Wachs.
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Da ist einmal die Kreisgestalt - als kyklos aídios, als "ewiger Kreis" kennt sie der hl. Klemens von Alexandrien als Symbol für Christus, der Alpha sei und Omega, was in der äußersten Betonung von Anfang und Ende die ungeschaffene und unendliche Dimension des Kyrios bezeichnet - es ist also nur ein kleiner Schritt hin zu einem eschatologischen Verweis auf den Kyrios Christus, den wir in der Kreisgestalt des Adventskranzes entdecken können. Mit dem Eintreten in die eschatologische Bedeutungsebene tritt aber der Kyrios als der Kommende vor unser Auge; das Gedächtnis dieses Kommens wiederum bestimmt die Adventsliturgie in zweifacher Weise, denn der Advent ist nicht allein Vorbereitung auf das Gedächtnis der incarnatio, sondern steht - vor allem in der ersten Hälfe - im Zeichen der éschata, der letzten Dinge, der zweiten Ankunft Christi.
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In der frühen christlichen Kunst schwebt das Kreuz als "Zeichen des Menschensohns" (mithin als Zeichen des wiederkommenden Christus, vgl. Mt 24, 30, eine Parallelstelle zum Evangelium des ersten Sonntags im Advent) des öfteren in einem bestirnten Kreis (so etwa im Apsismosaik der Basilika San Apollinare in Classe zu Ravenna, vgl. hier). Sofern wir dieses Bild aufgreifen wollen, können wir in den brennenden Kerzen des Adventskranzes die Sterne sehen, die im Kommen des Kyrios strahlen.
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Die Kreisgestalt ist aber auch corona: "Kranz", ja "Krone" - dieses Bild scheint mir durch die immergrünen Zweige des Adventskranzes unmittelbar zugänglich. Zu Beginn des zweiten großen Festkreises, den das Herrenjahr kennt, fordert uns der hl. Paulus in der Lesung am Sonntag Septuagesima auf:
Wißt ihr nicht, daß die Läufer im Stadion alle laufen? Doch nur einer holt den Kampfpreis. Lauft so, daß ihr ihn ergreift. Jeder Wettkämpfer übt Selbstzucht in allem - jene: um einen verderbenden Kranz; wir: um einen nichtverderbenden zu holen (1 Kor 24 f.).
Auch daran kann uns der Adventskranz erinnern, zumal die Adventszeit in ihrem verhaltenen Bußcharakter den Vorfasten verwandt ist. Auch hier klingt das Kommen Christi an, denn es ist der Kyrios, der diesen Kranz verleihen wird. Doch hören wir eine feine Akzentverschiebung womöglich mitschwingen: Denn während im Kreis als Zeichen der Wiederkunft vor allem das Gericht über diesen aión angesprochen ist, so sehen wir uns im Bild der Kranzes, den wir erringen sollen, als Einzelne gefordert.
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Soviel heute zu dem, was uns ein Adventskranz bedeuten mag; die anderen Punkte sollen ein andermal folgen.
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Bild: Der Adventskranz unter dem "Zeichen des Menschensohns" - heute aufgenommen in Basel, Sankt Antonius.

Dichterwort-Advent - Türchen 14

Samstag, 13. Dezember 2014

Das BamS!

Ausnahmsweise kommt Das Bild am Sonntag! bereits am Vorabend mit einem Bild von der Chorwand aus der Freiburger Dreifaltigkeitskirche (gestaltet von Rudolf Kaufhold) daher - zur Einstimmung auf die heilige Liturgie des Dritten Advent, näherhin auf das Graduale
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Kyrie, der du thronst über den Cherubim,
biete auf deine Macht und komm!
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Christus Kyrios - Dreifaltigkeitskirche, Freiburg

Dichterwort-Advent - Türchen 13

Freitag, 12. Dezember 2014

Die Dauer der Messe und die Zahl der Zeit

Wie lange soll oder darf eine stille, in der außerordentlichen Form gefeierten Messe dauernd? Das Thema trieb gerade den lieben Tarquinius auf seiner Denzinger-Seite um. Das Ergebnis: 30 Minuten. Ich hab's gelesen und mich geschüttelt, auch wenn's im Namen von Papst Benedikt XIV. und unter dem label des hl. Alphons von Liguori dekretiert wird. Die Vorgabe ist mir gar geläufig und ich weiß, daß sie auch heute noch in altrituellen Gemeinschaften zuweilen kommuniziert und erwartet wird, aber das macht die Sache keineswegs besser. Man kann doch nicht das Mysterium dem seelenlosen Ticktack einer Uhr unterwerfen ...
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Daß ein Zelebrant die Feier des eucharistischen Mysteriums nicht über Gebühr verzögert und zudem Rücksicht nimmt auf die Mitfeiernden und deren tägliche Obliegenheiten, versteht sich von selbst. Was also soll uns heute dieser Regulierungszwang? Ist er nicht vielmehr mit ein Grund für die kirchliche Verwahrlosung, derer wir heute allerorten gewahr werden, da man zwischenzeitlich glaubte, sich aller möglicher Vorgaben entledigen zu können, und mit den unsinnigen dann eben auch der sinnvollen?
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Doch zurück zu den 30 Minuten, die man für eine Messe im besten Falle aufwenden solle oder müsse oder könne ... vor einer Weile las ich bei Erich Przywara SJ einige erwägenswerte Gedanken grundsätzlicher Art, die mit dieser Frage auf den ersten Blick nichts zu tun haben, die man aber durchaus auch darauf beziehen könnte ...
... Und was der Kalender nicht vollbringen kann, das muß die Uhr vollenden. Denn ist in ihrem Vorwärtseilen und erst recht in ihrem hörbaren Ticken das Unheimliche des Kommens und Gehens nicht eingefangen in das Einheimelnde eines Rhythmus, den man "in der Hand" hat? Übertickt nicht die tickende Uhr das, wovor der Mensch flieht: die Leere, in der er ohnmächtig harren muß, ob überhaupt etwas kommt, - ob überhaupt noch ein Augenblick seines Lebens neu kommt -?
Und was ist diese Zeiteinteilung in sich selbst? Zählen. Das rein mechanische 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10. Zwängen wir aber damit nicht alle Unterschiede der Schöpfung in diesen Mechanismus: das Leben und Schaffen des Menschen, das Spüren und Schnuppern und Schmecken und Fressen der Tiere, das Einatmen und Ausatmen der Pflanzen, das Spiel der Atome, - all das dasselbe 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10? (...) 
Was tut der Mensch mit seinem Zählen also, wenn nicht - die Formfülle der Schöpfung zu einem reinen Mechanismus degradieren, den es nicht einmal wirklich gibt? Und sagt uns nicht auch noch die sogenannte Relativitätstheorie, daß das wirkliche Kommen und Gehen mit unserer sogenannten "einheitlichen Zeit" nicht "einig" geht?
Aber in dieser Groteske birgt sich das Geheimnis. Alles Zählen beruht auf dem Satz : 1 ist 1. Das Feste, Bleibende, Unwandelbare dieser 1 ist die Grundlage. Nur einer aber ist der Feste, Bleibende, Unwandelbare: "Ich Bin, der Ich Bin", "Ich bin, der ist". Die mechanistische Zahl der Zeit ist die Anmaßung dieses "ist", das Gott ist. Die mechanistische Zahl der Zeit will das Nichts der Kreatur zudecken, - und überantwortet sie damit dem reinen Stoff. Zwischen Gott, dem wahren Ist, - und dem reinen Mechanismus, der eine Erfindung ist, so steht die Frage. Zwischen dem wahren Gott und der Lüge! Sich decken lassen durch die Lüge der Zahl der Zeit oder durch das Geheimnis der Ewigkeit Gottes! Dich verdecken lassen durch die Lüge der Zahl der Zeit, - zur Maskerade des Elends! Oder dich über-decken lassen durch das Geheimnis der Ewigkeit Gottes, - zum Tragen seiner sichtbaren Gestalt!
Soweit Pryzwara. Es erwarte mithin keiner von mir, mich frohen Herzens der Meinung anschließen zu können, eine "gute Messe" brauche 30 Min.
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Erich Przywara SJ: Christliche Existenz. Leipzig 1934. S. 104 ff. Der Beitrag von Tarquinius ist hier zu finden.

Dichterwort-Advent - Türchen 12

Mittwoch, 10. Dezember 2014

Tagessplitter

1. Es war einmal eine, sagen wir: Basilika. Ihre Fundamente reichten in die Tiefe der Jahrhunderte hinein, bis in eine, sagen wir: Zeit, zu der St. Paul ermahnende Briefe an die Korinther schrieb. Im Lauf späterer Zeiten änderte diese Basilika ihre Gestalt. Man erweiterte hier, schmückte dort weiter aus, dekorierten um, schob das Mobiliar ein wenig von rechts nach links und wieder von links nach rechts, riß zuweilen einen kleinen Teil weg und baute dafür an einer anderen Ecke etwas dran - aber selbst hinter den kühnsten oder blühendsten Ein-, Um- und Zubauten ahnte man stets die ursprüngliche Architektur. 
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2. So stand sie denn da, unsere Basilika - es mögen sich die klassischen Proportionen römischen Geistes im Lauf der Zeit ein wenig verschoben haben, nicht jede Säule stand kerzengerade und gelegentlich flog ein Ziegel vom Dach. Aber sie war ein gewachsenes Gebäude, das über Jahrhunderte dem Angriff diverser Barbaren trotzen und unter dessen Dach sich das Volk Gottes versammeln konnte. Da hörte sich dann jeder in seiner Sprache reden, weil darin eine Sprache gesprochen ward, die irgendwie von allen und letztlich von niemandem wirklich verstanden wurde: das war gewiß kein neues Pfingsten, aber dafür eines von Dauer.
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3. Bis bei günstiger Gelegenheit Wanidale Bugnini und dessen Freunde kamen. Die traten in die Basilika, holten sich einige Versatzstücke und Antiken heraus, walzten danach alles platt, zogen aus dem Schutt noch eine Spolien und bauten die Basilika von Grund auf neu, damit alles so aussehe, als sei alles uralt. Und was nicht alt war (wie die Versatzstücke, die Spolien und die Antiken), wurde neu entworfen und auf alt getrimmt. Herausgekommen ist sowas wie, sagen wir: ein liturgisches Disney Land. 
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4. Nicht wenige Besucher der neuen Basilika ahnten unterschwellig den Mummenschanz, der ihnen da vorgesetzt wurde, und begriffen ihn als Chance, den vorgesetzten Spielplan generell nach Belieben zu ändern ... sang man früher Choräle in jener unverständlich-verständlichen Sprache und robbte dabei zuweilen auf Knien dem Heiligen entgegen, so war nun nichts mehr undenkbar (Pappnasen-Entertainment), aber auch nichts mehr heilig (vor dem Pappnasen-Entertainment).
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5. Wie komme ich da jetzt drauf? Die Post lieferte heute ein Werk, das ich bislang in meiner Bücherecke schmerzlich vermisst hatte: Jungmanns Missarum Sollemnia ... Eine genetische Erklärung der Römischen Messe.

Dichterwort-Advent - Türchen 10

Montag, 8. Dezember 2014

Tagessplitter

... gerade zurück aus Basel, von einer Hohen Messe zum Fest der Unbefleckten Empfängnis Unserer Lieben Frau. Nur wenige Gläubige haben sich eingefunden, beleuchtet bleibt im langen und hohe Schiff nur der vorderste Bereich unmittelbar vor dem Presbyterium ... Schola und Orgel hinten in der Ferne, Priester und Ministranten am Altar vor der hohen Chorwand, dort das große Kreuz, dessen goldene Mosaiksteine nur zuweilen zum Schattenspiel funkeln: Heiliges Spiel vor dem Ewigen.

Im Glanz deiner Lichtflut

 Immakulata - St. Maria, Haltingen

Auserwählt
und ganz schön bist du;
so erschienst du Gott seit Ewigkeit
im Glanz deiner Lichtflut,
in Hymnen Allgefeierte.
Jenen, die dich in Hymnen besingen,
schenke heiteres Licht.
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So besingen die Christen des Ostens im Kanon des heiligen Johannes von Damaskus (4. Ode) Maria - wenngleich ihnen der Glaubenssatz von der Unbefleckten Empfängnis Unserer Lieben Frau ebenso fremd ist wie die Lehre von Ursünde, in deren Zusammenhang der Inhalt des heutigen Festes allein verstanden werden kann. Eine Minderung der Herrlichkeit Mariens ist damit jedenfalls nicht verbunden; nur wenige Blicke auf den reichen Schatz des ostkirchlichen Marienlobs genügen, um zu sehen, daß Abend- und Morgenland zuletzt am selben Ziel ankommen: Für die Orientalen ist Maria die All-Gefeierte, wie der zitierte Kanon bekennt - sie ist, wie es auch oft heißt, überdies die Panagía, die "All-Heilige" nachgerade: Sie erscheint "seit Ewigkeit im Glanz" ihrer "Lichtflut".
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"Schenke heiteres Licht" - eine, wie ich finde, wunderbare Bitte zum Fest: Es ist ja nicht ganz so leicht wie an anderen Marienfesten, deren Inhalte sozusagen handgreiflicher sind und die neben dem Geist auch das Gemüt unmittelbar ansprechen, uns von der Freude über jenen Gnadenvorzug packen zu lassen, der Maria im Augenblick, da sie in ihr Dasein trat, zuteil wurde. Wir sehen keinen Engel und hören kein Ave, wir blicken nicht in ein leeres Grab und schauen die Gottesmutter in die Herrlichkeit des Himmels aufgenommen - vielmehr feiern wir eine "Konzeption" im buchstäblichen wie im übertragenen Sinn. Die Freude, damit verbunden, ist eine stille, die hineinwächst in unsere Hoffnung, selbst der Erlösung teilhaft zu werden. Schenke heiteres Licht aus dem Glanz deiner Lichtflut:
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O Maria, ohne Erbsünde empfangen,
bitte für uns,
die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen!
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Das Standbild der Immaculata befindet sich in der Pfarrkirche St. Maria zu Haltingen. Der Kanon des hl. Johannes von Damaskus ist entnommen aus: Lothar Heiser: Maria in der Christus-Verkündigung des orthodoxen Kirchenjahres. Sophia Band 20. Trier 1981. S. 348.