Sonntag, 30. November 2014

Adventskranz-Import

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Nicht ganz einfach nahm sich die Beschaffung eines Adventskranzes in diesem Jahr aus. Zuerst einmal hatte ich die Sache regelrecht verpennt. Am Samstagmorgen fand ich das aber noch wenig dramatisch, denn so kurz vor dem ersten Advent sollten sich an jeder Ecke Kränze finden lassen; leichte Ernüchterung stelle sich aber alsbald ein, als ich die Habseligkeiten fürs Wochenende einkaufte. Da sich mein Talent im Binden und Zurichten von Adventskränzen bislang noch nie bewährt hat, suchte ich einen, der nicht nur schön anzuschauen, sondern vor allem auch fertig gerüstet war. Bei Edeka hatten sie noch ganze zwei Kränze, die aber schon ziemlich gerupft und etwas angetrocknet aussahen. Auf dem kleinen Bauernmarkt gabs überhaupt nichts mehr und im Blumenladen floristisch hochdressierte Exemplare, mit denen ich bei einem Adventskranz-Casting gewiß Chancen gehabt hätte, die mir aber zu dekoriert waren (und zu teuer obendrein).
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Nun glaubte ich mich erinnern zu können, daß in Sankt Antonius Kränze nach der Gemeindemesse feilgehalten würden - ich harrte darauf und wurde nicht enttäuscht. Handgemacht von den Basler Pfarreifrauen, frisch im Tannengrün, fair im Preis (ohnehin zugunsten der Pfarrei) und der Segen des Karmeliter-Paters, der aktuell die vakante Pfarrstelle betreut, war auch schon drauf - was will man mehr?
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Jetzt noch zu einem ganz anderen "Kranz": Zur Vorbereitung auf das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariens am 8. Dezember lädt Mitblogger Windlicht zu einer Novene "mit den und für die Franziskaner der Immakulata"; die startete zwar schon gestern, aber man kann auch heute noch einsteigen - der letzte Novenentag fällt dann eben mit dem Fest in eins, aber Unsere Liebe Frau wird diesen Gebetskranz darob gewiß nicht zurückweisen. Nähere Informationen sind hier zu finden.

Vom Kirchenjahr im Spannungsfeld der Ohnmacht

Welchen Stellenwert hat der Begriff "Kirchenjahr" eigentlich in unserem Leben? Denn, Hand aufs Herz, wir "ticken" (aus vielerlei, nicht zuletzt praktischer Notwendigkeit) stark im Rhythmus des bürgerlichen Jahres - und vergessen darüber allzu oft, daß Gottes "Zeit" die allerbeste Zeit sei.
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Dazu habe ich einige Gedanken von Erich Przywara SJ gefunden, die vielleicht helfen können, uns dieser "Gotteszeit" samt der Rahmen- und Grenzsetzungen etwas bewußter zu werden, und die in den letzten Absätzen überdies in die Skizze einer christliche Geschichtsphilosopie münden, die uns zuweilen trösten könnte ...
... Das Entweder-Oder ist dies: vor Gott fliehen in den Mechanismus des "bürgerlichen Jahres", - oder Gott sich übergeben hinein in das "Kirchenjahr", teilzunehmen am Leben Gottes in dieser Zeit, an Seiner Majestät in der Ohnmacht dieser Zeitlichkeit. Diese zwei sind unmittelbar zueinander: unsere Ohnmacht und Gottes Majestät. Unser Nichts sehen wir unverhüllt, wenn wir sehen, daß nur eins ihm antwortet: "Deine Majestät". (...)
Göttliche Majestät als die Ohnmacht des Kindes in der Krippe, Göttliche Majestät als die Ohnmacht des geängsteten Opfers in Gethsemani. In der äußersten Ohnmacht des empfangenden Lebens, das hilflos dem Blutkreislauf eines fremden, wenn auch des mütterlichen Lebens preisgegeben ist, tritt die Göttliche Majestät in die Welt. In der äußersten Ohnmacht des sterbenden Gehenkten, hilflos zwischen Himmel und Erde, scheidet die Göttliche Majestät aus der Welt.
Das aber ist der immer neue Lauf des Kirchenjahres: zwischen äußerster und äußerster Ohnmacht der Einen Göttlichen Majestät. Der Advent führt in die Ohnmacht des Kindes von Bethlehem, die Fastenzeit in die Ohnmacht des Gekreuzigten von Golgatha. Freilich sind auch zwei Zeiten, in denen das Geheimnis dieser Ohnmacht durchsichtig wird in die Herrlichkeit der Göttlichen Majestät. Auf die Ohnmacht der Weihnacht folgt der Glanz der Erscheinung des Herrn: "Surge et illuminare, Jerusalem!" "Steh auf und werde Licht, Jersualem!" Und auf die Ohnmacht der Karwoche folgt der größere Glanz der Auferstehung des Herrn: im dreifachen Alleluja. Und beides krönt sich im vollendeten Glanz der Pfingsten und des Dreifaltigkeitsfestes: da die Offenbarung des Heiligen Geistes die Glorie der Tiefen des dreipersönlichen Lebens der Gottheit öffnet.
Aber im Geheimnis der Pfingsten sprüht das Feuer des Heiligen Geistes hinein in die Kirche, so wie sie im Sionssaal versammelt ist: die "kleine Herde", ohnmächtig gegen die große Welt, ohnmächtig aber auch in den kommenden eigenen Streitigkeiten zwischen Judenchristen und Heidenchristen, und dies als Vorspiel aller kommenden Ohnmachten. (...)
Das ist also der grundlegende Sinn des Kirchenjahres als des "Jahres des Christen": es hebt die Ohnmacht des Menschen nicht auf, sondern weiht sie hinein in die Ohnmacht des menschgewordenen Gottes. Und so wird das scheinbar Unerlöste und Unerlösbarste in uns, unsere Ohnmacht, wird sie der Weg und die Weise der Erlösung. Denn durch die Ohnmacht des menschgewordenen Gottes sind wir erlöst. Adoramus et benedicimus Te, Christe, quia per crucem Tuam redemisti mundum ...
Erich Przywara SJ: Christliche Existenz. Leipzig 1934. S. 106 ff.

Das BamS!

Der hl. Apostel Andreas, mein Patron, geht im heutigen ersten Advent zwar liturgisch restlos unter, aber zumindest mit einem Bild am Sonntag sei seiner gedacht - im Rahmen einer Prozessionsstange und mithin en miniature sozusagen; gefunden in der Andreaskapelle zu Offenburg:
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 hl. Apostel Andreas - Andreaskapelle Offenburg 
Sancte Andrea - ora pro nobis!

Samstag, 29. November 2014

Reset der Chancen

Wann immer es gilt, die Brevierbände auszutauschen, kommt mir diese Aktion wie eine kleine Zäsur vor: Ich biege den einen Band aus der Hülle heraus und stecke den anderen hinein (eines kleinen Ordnungsanfalls vor geraumer Zeit wegen muß ich ihn wenigstens nicht mehr erst suchen). Tue ich dies nun nach Pfingsten, ehe man in die ruhigere Entfaltung des Jahres tritt und die reiche Zeit der Mysterien unserer Erlösung hinter sich hat, so steht mir die Frage da, inwieweit man wirklich in den Vollzug dieser Mysterien hinein gestiegen ist, sich hinein gegeben hat; freilich verbunden mit dem Ruf, selbige wenigstens jetzt noch zu entfalten. 
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Die Zäsur zum Advent wirkt stärker auf mich ein. Man greift zum ersten Teil ... Tomus prior ist auf dem Titel vermerkt: das kann man gewiß schlicht als "erster Band" lesen, es gemahnt mich aber auch an die Inhalte, die wieder vor einem liegen, an die besagten Mysterien: des Kommenden, der Menschwerdung, des Kreuzes, der Auferstehung, des Pneumas - "Prioritäten" des Glaubens sozusagen, in welche man nun wieder miterlebend-betend aufbricht. Und das empfinde ich zugleich als eine Art, man verstehe das nun recht: reset der Chancen.
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Man kennt sich gut genug, um zu wissen, daß der Kampf weitergeht ... gegen all die großen und kleinen Teufeleien, denen sich der innere Schweinehund so gern und oft zugesellt ... gegen eine Welt, die nicht Gottes gute Schöpfung sein möchte, sondern sich in Feindschaft zu ihrem Schöpfer stellt ... gegen innere und äußere Not, die niederdrückt und mutlos machen kann.
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Und so schlägt man nun die erste Vesper des anbrechenden Advents - und all dessen, was da wieder kommt - auf, nimmt die allererste Antiphon dieses jungen Herrenjahres einmal mehr auf die Lippen und ins Herz und hört über alle Anfechtungen, die da waren und sind und ebenfalls noch kommen werden, das poetische Wort der Verheißung:
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In illa die
stillabunt montes dulcedinem
et colles fluent lac et mel, alleluia.
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An jenem Tage
werden die Berge von süßer Anmut träufeln
und die Hügel erfließen von Milch und Honig. Alleluja.
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Ich wünsche uns allen zum Beginn des neuen Herrenjahres, daß wir die erneut entbotenen "Chancen" erkennen, aufgreifen, vertiefen!

Freitag, 28. November 2014

Seite eins (5)

I. Einleitung oder der Versuch, eine Frage einzukreisen
Wer war Romano Guardini? Diese Frage schienen jene, die ihn unmittelbar kannten, und die noch größere Schar seiner Leser klar beantworten zu können. Doch eine Zeitlang wurde die Frage nicht mehr gestellt: Ein Vergessen hatte ihn schon einige Jahre vor seinem Tod eingeholt. Über den Kreis seiner freilich treuen Freunde hinaus war sein Werk in der Öffentlichkeit weder wirkend noch wirklich; die Sprache galt als nicht mehr ansprechend, die Gedanken als nicht mehr zu bedenken.
Seit kurzem aber taucht die Frage nach Guardini wieder auf, und diesmal wird sie mit jener Frische gestellt, die einem solchen Vergessen folgt: nämlich von all denen, die ihn neu lesen, erstmals, nicht im Bannkreis der Bewegungen, in denen Guardini wirkte, sondern nur - was der Prüfstein eines Werkes ist - im Bannkreis seines Denkens. Und über die beanstandete Sprache, das Zeitgebundene hinweg scheint erneut etwas Ursprüngliches, der Charakter des Wahren, Richtigen und Richtenden darin hervorzutreten.
Ist also auch im Werk enthalten und zur Dauer gebracht, was nicht wenige Personen als das Bezwingende an seinem Vortrag, an seiner Person erinnern? Noch leben einige aus dem Kreis sogar seines jüngeren und mittleren Mannesalters, einige auch, die sein Leben dienend begleitet haben, nicht zu vergessen die vielen Hörer, die noch in den sechziger Jahren zu Hunderten den Hörsaal füllten. Fragt man sie, so kommt eine erstaunliche, nicht selten aufleuchtende Freude an dem alten Lehrer zu Tage, die Erinnerung an Kostbares, wie es sich nicht oft einstellt. Das am meisten Erstaunliche ist freilich, daß es Hörer verschiedenster geistiger Herkunft und Ausrichtung sind, Hörer, die auch vielfältige Folgerungen für ihr Denken gezogen haben: Guardini scheint eine Wirklichkeit im Leben berührt zu haben, die frei ließ, wie er sagen würde, "vom Wesen her" - in der Überholung alles unentschieden Liberalen. Autorität also, die den anderen zu seinem Eigensten wachsen läßt. Dies ist nur möglich in der Bindung an Wahrheit - vielleicht das Grundwort Guardinis. Er selbst empfang sie zuweilen "wie ein Wesen im Raum stehend".
Hanna-Barbara Gerl (-Falkovitz): Romano Guardini 1885-1968. Leben und Werk. Mainz 1985.

Donnerstag, 27. November 2014

... die jetzt vom Feuer gefressen wird.

 Freiburg - Hauptfriedhof 
Während ich diese Zeilen schreibe, wandern die Gedanken zu Menschen, die vor 70 Jahren in Freiburg lebten. Zu dieser Stunde, in diesen Augenblicken, saßen sie in den Kellern der Stadt ... 19.48 Uhr Voralarm ... und zitterten und litten unter dem Inferno, das über sie hereingebrochen war ... 19.58 Uhr fielen die ersten Bomben. Ich schaue soeben auf die Zeitangabe am Bildschirm: 20.13 Uhr. Siebzig Jahre zurück und noch acht Minuten, bis die todbringende Last unzähliger Spreng- und Brandbomben abgeworfen war und das Zentrum der Stadt zu weiten Teilen im Feuer stand. 2.797 Menschen, so die offizielle Zahl, ließen an diesem Abend und in dieser Nacht im November 1944 ihr Leben. 11.000 andere hatten hernach kein Obdach mehr.
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Die Bewohner des Hauses, in welchem heute ich wohne ... auch sie saßen jetzt, in diesen Minuten vor 70 Jahren, unten im Keller. Das Haus wurde nicht getroffen, wie es auch kaum zu Schäden in diesem Quartier kam, obgleich das Bahnbetriebswerk nicht weit entfernt liegt ... irgendwie sind sie mir heute Abend nahe - in ihrer Angst und Not.
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Ein Blick auf den Bildschirm rechts unten ... 20:26 Uhr ... vor fünf Minuten war der Angriff damals vorbei. Wäre es heute, es läge, träte ich an das Schlafzimmerfenster und blickte nach Nordost, ein glühender Schein über dem Zentrum der Stadt, die jetzt vom Feuer gefressen wird.
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Gott erbarme sich euer und verwandle eure Angst und unser aller Schuld in Gnade und Leben!

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APOKALYPSE - V
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Wir wollen Dich nicht fragen in der Nacht,
Gewähre nur, daß wir die Ewigkeit
Mehr fürchten, Herr, als die Gewalt der Zeit,
Und Dich mehr fürchten als der Menschen Macht!
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Du hast der Zeiten großen Plan erdacht,
Die Not geheiligt und den Schmerz geweiht:
Was wär' der Glaube, sähen wir im Streit
Schon Deiner Sterne unverhüllte Pracht!
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Dein ist die Macht. Des Tieres Macht ist tot,
Ob seiner Kronen blutumrauchter Schein
Das stille Werk der Jahre überdeckt.
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Wir fragen nicht. Uns fordert Dein Gebot.
Wir tragen in die tiefste Nacht hinein
Dein mächtig Wort, das Tote auferweckt.
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(Reinhold Schneider).

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Reinhold Schneider: Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte. Köln und Olten 1954. S. 136. Im Bild ein Moment auf dem Freiburger Hauptfriedhof - unter dem Rasen vor der Einsegnungshalle ruhen die Gebeine der Opfer vom 27. November 1944.

Dienstag, 25. November 2014

Tagessplitter

1. Wer einer Dame seine Aufwartung machen (neudeutsch auch: eine Tussie daten) möchte, der sollte sein sixpack besser unter der Brust tragen als unter dem Arm, wenn es zum Stelldichein kommt. Diese Annahme zählt, so sei hier unterstellt, zu den unhinterfragbaren Grundsetzungen in der Philosophie des Magazins Men'sHealth.
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2. Es gab Zeiten, da habe ich das sogar regelmäßig gelesen; die Sache mit dem sixpack und sonstigen Muckis hat trotzdem nicht funktioniert. Es ist halt wie im rechten Glauben: Man wird ja auch kein besserer Mensch, wenn man nur in der Bibel liest und auf Gottes Barmherzigkeit vertraut, derweil man selbst jener Schweinehund bleibt, der man schon immer war ... man muß diesen Schweinehund überwinden und was tun. Das scheinen Seligkeit und sixpack irgendwie gemeinsam zu haben.
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3. Wie komme ich jetzt da drauf? Auf dem Weg zur Arbeit lege ich gerne eine kleine Kaffeepause an einem Kiosk ein. Heute streifte der Blick das cover der aktuellen Ausgabe von Men'sHealth samt Schlagzeile: 
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4. Trotz Schlemmen schlank - Ich will nicht schon wieder irgendetwas unterstellen, aber ich glaube zu ahnen, welche message dahinter steckt: Gewiß dürfe man am Feste herzhaft feste zulangen und sich den Magen vollschlagen, sollte aber sit ups, crunches und Bettgeschichten hernach entsprechend intensivieren (also alles, was gemäß Men'sHealth Kalorien verbrennt). Das ist jetzt natürlich nicht das, was sich Alte-Messe-Moppel von der Lektüre erwarten wollten; aber wer lesen kann, ist klar im Vorteil: Da stand ja keineswegs Durch Schlemmen schlank, sondern eben Trotz Schlemmen ... und Trotz und Trutzen hat in der Regel immer irgendwas Lästiges mit Anstrengung und Überwindung zu tun.
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5. Wie man unschwer sieht, lässt sich das Prinzip Trotz Schlemmen schlank nicht eins zu eins auf jene Anwendung übertragen, die manche Kardinäle, Kasper, Bischöfe und Theologen unter dem ohnehin irreführenden Namen "Barmherzigkeit" derzeit im Munde führen. Doch seien wir ehrlich: Ist deren Variante nicht viel attraktiver als die olle Trotz-und-Trutzen-Dräuerei? Da geht doch selbst dem Alte-Messe-Moppel-Molch die Kühlschranklampe an, daß diese Kardinäle, Kasper, Bischöfe und Theologen seine kühnsten Träume wahr werden lassen wollen: Durch Schlemmen schlank! Ein Weihnachtsmenü ohne Reue! Sauerbraten ohne sit ups! Krosse Gans ohne crunches!
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6. Benedicamus Dominostein! Ermöglicht wird diese Orgie aus Spekultatius und Spekulationen durch das wundersame Prinzip der Gradualität. Und ob man auch zuwiderwandelte dem Gottes- wie dem Kirchenwort, man fürchte kein Unheil, denn irgendwo unzweifelhaft ist ja auch was Gutes dran, und damit dockt man einfach an das Bessere an.
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7. Nennen wir das einfach verschlankte oder meinethalben auch verdünnte Heiligkeit. Durch Schlemmen schlank! Um nun aber zu den ersten Worten dieses Beitrags zurück zu kehren ... ich habe heute in Schönheit investiert, aber davon ein andermal mehr.

Vom Schwert des Wortes

 hl. Katharina - Kirche St. Michael, Niederrotweil am Kaiserstuhl 
Gestern Abend wühlte ich noch ein wenig im Photoarchiv herum, um zu ihrem heutigen Fest die hl. Katharina von Alexandrien ins Bild zu setzen. Die im ersten Jahrzehnt des 4. Jahrhunderts gemarterte Heilige zählt den früher im Volk sehr beliebten "drei heil’gen Madeln" zu ("Margaretha mit dem Wurm, Barbara mit dem Turm, Katharina mit dem Radl, das sind die drei heiligen Madl"), und da die genannten Maiden gemeinsam mit der hl. Dorothea obendrein die Quadriga der virgines capitales bilden, war an Motiven kein Mangel. Ich habe mich dann für diese reizvolle Darstellung aus der Kirche von Niederrotweil entschieden, robuster Barock sozusagen: erhobenen Hauptes stellt sich uns hier eine sehr wehrhafte Heilige vor, die das Schwert, das ihr nach allerhand anderen Martern den Tod eintrug, so hält, als würde sie es selbst führen.
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Sie führte freilich, so legt es die Legende nahe, tatsächlich ein Schwert – jenes des Geistes. Heidnische Philosophen hätten versucht, ihr den Glauben auszureden, doch Katharina redete ihnen stattdessen das Heidentum aus. Da wünschte ich mir und meinen Mitstreitern geradezu diese Gabe – das Schwert des Wortes inmitten des relativistischen Gelabers so mancher Welt- und Kirchenmänner geschickt und erfolgreich schwingen zu können. Die heilige Katharina helfe uns dazu mit ihrer Fürsprache ... ora pro nobis!
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Die Darstellung der hl. Katharina von Alexandrien ist an einem Altar der Filialkirche St. Michael zu Niederrotweil am Kaiserstuhl zu finden.

Montag, 24. November 2014

Im Abgrund der Nacht

Vor einer Weile las ich Reinhold Schneiders Erzählung Die dunkle Nacht des heiligen Johannes vom Kreuz. Einen breiten Raum nimmt darin die Gefangenschaft des Heiligen im Karmel zu Toledo ein; Johannes wurde in ein kleines Verlies eingekerkert, denn nicht wenige seiner Mitbrüder sahen den Reformeifer, mit dem Johannes - an der Seite der hl. Teresa von Ávila - den Karmeliterorden zu strenger Zucht zurückführen wollte, mit mehr als nur Argwohn. Schneider fängt das in einigen Vorwürfen auf, die er dem Klosteroberen von Toledo in den Mund legt:
"Was ermächtigt dich", rief der Prior, "die milde Form gläubigen Lebens, in der deine Brüder dem Herrn dienen, beschämen zu wollen durch die strengere Regel der Nonne zu Ávila? Fühlt ihr nicht, daß euer Dasein ein immerwährender Vorwurf ist für diejenigen, die weniger hoch denken von den eigenen Kräften, von den Tugenden, die sie erreichen können? Aber ich glaube, eben diesen Vorwurf habt ihr gesucht ..."
Man liest eine solche Erzählung nicht im luftleeren Raum. Während der Lektüre mußte ich oft an die Franziskaner der Immakulata denken. Natürlich wird deren Gründer P. Stefano Maria Manelli nicht in einem feuchten Verlies weggesperrt, nicht bei jeder Mahlzeit im Refektorium öffentlich gedemütigt und geschlagen, wie Schneider es dem hl. Johannes in seiner Erzählung widerfahren läßt. Heute gibt es andere Methoden der Zermürbung; man muß auch keinen Eber den Weinberg des Herrn verwüsten lassen. Zwischenzeitlich tut's auch ein Fuchs. Und keineswegs will ich Manelli auf eine Stufe mit dem hl. Johannes vom Kreuz stellen, aber angesichts der undurchschaubaren Vorgängen samt nebulöser Begründungen, die gegen die Franziskaner vom Stapel gelassen wurden und werden, scheint mir ein Vergleich keineswegs aus der Luft gegriffen. 
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Bitten wir den hl. Johannes vom Kreuz heute an seinem Festtag um Fürsprache für diesen Orden und dessen Gründer, aber auch für jene, die diesem Werk schaden ... ora pro nobis!
Wie matt waren diese Schläge, wie arm und matt waren der Haß der Menschen und alle Künste ihrer Verfolgung! Furchtbar war nur die Einsamkeit der Liebe auf Erden. Denn sie sucht ihre Heimat bei den Menschen oder in den Abgründen oder in der Schönheit der Welt, welche Schönheit selbst in der Verbannung ist; und erst nachdem sie aller Wege müde wurde, ahnt sie den einen, den sie nur hinaufgelangt, wenn sie getragen wird. Einst hatte er über der Betrachtung des Kreuzes den Anfang dieser tragenden Liebe gespürt, und seither war er auf der Suche nach ihr gewesen, oder vielleicht hatte auch sie ihn gesucht und geführt, und selbst die steile Treppe seines Kerkers hätte er wohl nicht beschritten ohne sie; im Abgrund der Nacht mußte sie ja auf ihn warten. Aber jetzt ließ sie ihn allein ...
Die Zitate aus: Reinhold Schneider: Die dunkle Nacht. Erzählungen. Freiburg 1960. S. 18 und 32 f.

Sententiæ LXXVII

... Und was ein Leben wert ist, das entscheidet seine letzte Stunde, nicht irgendeine aus den Anfängen oder aus der Mitte, sondern die letzte, die Grenze, die Einsamkeit und Bewährung, wenn der Mensch in der Erschütterung steht, dort wird der eigentliche Wert, das eigentliche Endgültige geoffenbart. Und so fragen wir heute nach dem letzten Wort des Herrn im Kirchenjahr (...) Und da steht der Satz: Himmel und Erde werden vergehen, alles, was der Mensch kennt, das aber, was ich gesagt habe, was vom Herrn kommt, das steht in Ewigkeit.
Alfred Delp SJ

Sonntag, 23. November 2014

Vom Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte

Es gilt in der Dogmatik als eine sichere Aussage unter Theologen, daß die Ekklesia als die von Christus gestiftete Heilsanstalt bis ans Ende der Welt bestehen werde; sie ist, so der Fachbegriff, "indefektibel". Im Gericht wird sie der Kyrios als seine Braut heimführen und ihr eine neue Gestalt geben: Die vollendete Gemeinschaft der Heiligen - dann wird die Ekklesia weder eine streitende sein und nicht mehr eine leidende, sondern nur noch in der Zusammenführung zum Reich Gottes triumphieren.
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Wenngleich die Ekklesia in ihrer Pilgerschaft durch diesen Aion nicht fallen kann, so kann sie doch verwüstet werden, wie es uns das Evangelium (Mt 25, 15-35) heute am letzten Sonntag des Kirchenjahres nahelegt. Und vielleicht denken wir zuweilen, bereits Zeugen einer anbrechenden Verwüstung, eines heraufziehenden "Greuels an heiliger Stätte" zu sein. Vielleicht sind wir dann zuweilen irritiert, beginnen ob solcher Eindrücke an der Ekklesia und an ihrer Sendung zu zweifeln.
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Zur Einstimmung auf den heutigen Sonntag habe ich gestern eine Predigt des vom "NS-Volksgerichtshof" zum Tode verurteilten und 1945 ermordeten Paters Alfred Delp SJ gelesen. Es folgt ein Auszug, der uns helfen kann, das, was wir womöglich gar als "Zeichen der Zeit" zu erkennen vermeinen, im Glauben einzuordnen:
... Hören Sie die Botschaft des heutigen Evangeliums, dessen Schlußwort lautet: Himmel und Erde werden vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen. Da sind zwei Dinge gesagt: Eines wird bestehen und vieles wird nicht bestehen. Und vorher wird gesagt, was alles nicht bestehen wird.
Da heißt es: Wenn ihr am heiligen Ort den Greuel der Verwüstung seht, der vom Propheten Daniel vorausgesagt wurde - wer es liest, der erwäge es wohl! -, dann fliehe, wer in Judäa ist, auf die Berge. Denn es wird alsdann eine so große Bedrängnis sein, wie sie vom Anfang der Welt an nicht war, auch fernerhin nicht mehr sein wird.
Da ist das erste, was dem Menschen weggenommen wird als bleibender Ort und als sicheres Asyl: Wenn ihr den Greuel der Verwüstung an heiliger Stätte seht. Da wird uns Frommen, Gerechten, ein Phantom und eine Utopie zerschlagen, als ob wir uns in unserem Heiligtum einnisten könnten und dort im heiligen Raum, an heiliger Stätte, im Besitz der Botschaft sicher wären und geborgen vor den Schicksalen und Abstürzen und Auf- und Untergängen und dem dauernden inneren Wandel des Lebens. Das Heiligtum, die heilige Stätte ist dem Greuel der Verwüstung überantwortet.
Auch das, was von unserem Heiligen her sichtbar in die Welt, in die Geschichte hineinragt, auch das ist kein Asyl, auch das ist kein Rest vom Paradies, auch das ist offen und ist Geschichte und ist Mühsal und wird immer wieder unter die Gewalt geraten und unter die Räder geraten und irgendwann einmal verwüstet werden, damit wir auch da wissen, wo Wirklichkeit ist und wo Aufgabe ist und wo Verheißung ist. Wer es liest, der bedenke es wohl, daß er nicht erschüttert wird und kleinmütig ist und anfängt, zu fragen und zu sagen, wenn er an heiliger Stätte den Greuel der Verwüstung sieht.
Da steht es: Die heilige Stätte ist nicht das, was bleiben wird in Ewigkeit, sondern das Wort des Herrn, das an den Menschen ergangen ist und in den Menschen eine Aufnahme gefunden hat und dort innerlich eine Ordnung, eine Haltung, eine Welt hervorgerufen, hervorgeschaffen hat, die in diesem Greuel sich bewähren soll und in deren Bewährung auch der Greuel im Heiligtum erst seinen Sinn und seine letzte Beantwortung findet ...
Alfred Delp SJ: Zwischen Welt und Gott. Herausgegeben von Paul Bolkovac SJ. Frankfurt 1957. S. 295 ff.

Das BamS!

Zum 24. und letzten Sonntag nach Pfingsten ein Ausschnitt aus dem monumentalen Wandbild Martin Schongauers vom Jüngsten Gericht (entstanden um 1450) im Westwerk des Stephansmünsters zu Breisach - genauer gesagt: ein Ausschnitt dessen, was von diesem Wandbild nach diversen Verheerungen, Bränden und Bombenangriffen (und der letzten Restaurierung 1985-1993) übrig ist: Gerade darob mahnt es uns!
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 Martin Schongauer: Jüngstes Gericht (Ausschnitt) im Münster zu Breisach 

Samstag, 22. November 2014

Die kluge Biene im heißen Bad

 hl. Cäcilia - Mulhouse, Église Saint-Étienne 
Das Weihegedächtnis der römischen Basilika Sanctæ Ceciliæ trans Tiberim ("jenseits des Tibers", heute Santa Cecilia in Trastevere) steht als äußerer Anlass für das Fest der heiligen Jungfrau und Martyrin, das die Ekklesia heute feiert. Im Breviarium Romanum ein Fest dritter Klasse, haben sich doch bedeutende Reste des alten Offiziums erhalten - so sind den Laudes- und Vesperpsalmen Antiphonen zugesellt, die Momente aus der überlieferten vita der Heiligen in Erinnerung rufen.
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Reizvoll ist in der dritten Antiphon gewiß die Bezeichnung der heiligen Cäcilia als einer apis argumentosa: einer "klugen Biene", als welche sie dem Kyrios gedient habe. Bienen galten in der Antike zuweilen als jungfräuliche Tiere, welche ihre Brut aus den Blüten sammelten; argumentosus wiederum ist ein etwas schillerndes Wort: in der sehr späten Blüte klassischer Latinizität ist es noch von der Rhetorik bestimmt und bezeichnet den "Reichtum an Stoff" in der Rede; ein Redner nun, der aus dieser Fülle eine gute Rede aufführt, ist "klug" oder auch "schlau" - diese Bedeutungen entstammt der spätlateinischen Phase. Die "Biene" nun, die eifrig Stoff sammelt, mag vielleicht die heilige Cäcilia bezeichnen, die bereits vor dem Martyrium durch ihr Lebenszeugnis jenen Valerianus, der ihr angetraut wurde, und dessen Bruder Tiburtius zum Glauben an Christus bekehrte. Mit der "klugen" Biene gemahnt uns die Antiphon auch an die klugen Jungfrauen des Evangeliums.
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Sehr schön auch die vierte Antiphon, passend zum Canticum "der drei Jünglinge im Feuerofen" in den Laudes:
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Benedico te, Pater Domini mei Iesu Christi,
quia per filium tuum 
ignis exstinctus est a latere meo.
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Ich preise dich, Vater meines Kyrios Jesus Christus,
denn durch deinen Sohn
ist gelöscht worden das Feuer zu meiner Seite.
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Um Cäcilia zu martern, so die Lesungen des alten Offiziums, wurde die Heilige in ein heißes Bad gesperrt (heute würde man "Sauna" sagen), das beständig unter Feuer stand. Cäcilia soll die Hitze aber nicht gespürt haben, angenehme Kühle habe sie vielmehr stattdessen umfangen.
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Zwischen den Zeilen lesen wir einerseits die alte Vorstellung heraus, daß der Engel, der im Alten Bund zu den drei Jünglingen in die Flammenhölle des Ofens herabgestiegen ist, um sie zu schützen (Dan 3, 49 f.), Christus war: "durch deinen Sohn ist gelöscht worden das Feuer" lässt die Ekklesia Cäcilia beten. Und andererseits können wir vielleicht das Wort vom ignis ... a latere, vom "Feuer an der Seite" auf uns beziehen und als das Feuer ungeordneter Leidenschaft in uns verstehen - es möge unser Heil nicht verzehren; vielmehr steige Christus auf die Fürsprache der heiligen Cäcilia in unseren Seelengrund hinab und bewahre uns zum ewigen Leben.
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Weil nun die heilige Cäcilia auch die Patronin der Musik ist, mag ich nicht mit der angestammten Bitte schließen, sondern mit der Schlußstrophe eines alten Cäcilienliedes:
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Ins Himmelreich erhebt und zieht
Die Sehnsucht unsre Seel' empor;
Sie sänge gern das hohe Lied
mit dir im heil'gen Engelchor;
Hilf ihr im Kampf und führe sie
Ins Reich der ew'gen Harmonie.
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Bild: Die heilige Cäcilia an einem Portativ mit Engeln - Gewölbekappe unter der Orgelempore der Église Saint-Étienne zu Mulhouse im Elsass.

Betautes und Beträufeltes

Mit "Reihen" ist das so eine Sache ... zuerst posaunt man lang und breit heraus, man wolle künftig in einer "Reihe" diese oder jene Sache näher beleuchten, betrachten, bebildern oder was auch immer, alsdann schreibt man hier und da ein wenig, doch schon wandert der Sinn anderen Dingen entgegen und es fällt einem so recht und eigentlich auch nichts mehr ein, zumal sich die Lust am Thema womöglich ohnehin bereits bereihert hat. Mir ging das schon so; zurück bleiben traurige labels in der Seitenleiste, die von hochfliegenden Plänen künden und wenig bieten.
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Zuweilen ergeben sich die "Reihen" aber fast von selbst und ungeplant. Ich könnte zum Beispiel die kleinen Bildstrecken vom Samstagseinkauf bald ohne Not zur "Reihe" hochwidmen. Ich lasse es vorsichtshalber bleiben, denn wer weiß, ob die Motiv-, Wetter- und Vergationslage weiterhin dazu verlockt, kleine Bildchen mit dem Smartphone zu fangen - heute jedenfalls fand ich Betautes und Beträufeltes recht reizvoll:
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Freitag, 21. November 2014

Der dreieinigen Stirn liebster Gedanke

 Mariä Opferung - Münster Unserer Lieben Frau - Villingen 
Das Fest des Eintritts Unserer Lieben Frau in den Tempel, welches das Abendland unter dem Namen Mariä Opferung kennt und heute feiert, zählt zu den vier hohen Marienfesten der orientalischen Christenheit. Das Ereignis ist uns nicht in der Offenbarung hinterlegt, sondern kann im apokryphen Jakobus-Evangelium nachgelesen werden. Man mag das Geschehen mithin mythischer Überlieferung zuzählen, in deren Kern aber - hinter all den ausschmückenden Erzählungen, die sich um das Fest ranken - eine tiefe Wahrheit zu Tage tritt, wie sie in den folgenden Versen zum Ausdruck kommen soll und welche in der Darbringung Mariens in ein ebenso ahnungsmächtiges wie treffendes Bild gefasst ist ...
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... Wunder der Gnade, die dich von Anfang gerufen der Liebe:
"Steh, meine Freundin, auf, eile, du Schöne, und komm".
Bist du auch unsres Geschlechtes, so ganz wie wir selbst unser eigen,
Daß sich die Gottheit in dir hat mit der Menschheit vermählt,
Lebtest du mehr fast in Gott, Sein Kind aus ewigem Rate,
Bist der dreieinigen Stirn liebster Gedanke von je.
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Große Gerechtigkeit; die ganz Gottes Willen umfangen,
Hat er, Sein eigen Geschöpf, Sich als ein Ganzbild geweiht.
Mutter der schönen Liebe, der Furcht und der heiligen Hoffnung,
Das ist dein Adel, daß du Gott bist von Anfang vermählt ...
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(Gottfried Hasenkamp)
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Verse aus dem Zweiten Gesang des Gedichtes Mutter des Lebens - entnommen aus: Die Katholische Anthologie. Lyrik der Zeit. Herausgegeben von Christoph Wieprecht und Wolfgang Wallisfurth. Essen 1929. S. 163. Bild: Eintritt Unserer Lieben Frau in den Tempel (Mariä Opferung) - Altarblatt im Münster zu Villingen im Schwarzwald.

Donnerstag, 20. November 2014

Sicut locutus - wenn Töne sprechen

Dilettantus aus dem Thomas sein Abendland, gesegnet mit Haar und Bart den Patriarchen gleich, hat meinen enthaarten Beitrag von gestern kommentiert. Derweil ich's las und auf Antwort sann, hatte ich plötzlich einen Ohrwurm - eine vokale Fuge aus Bachs Vertonung des Magnificat:
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Sicut locutus est ad patres nostros,
Abraham et semini eius in sæcula.
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Wie er gesprochen hat zu unseren Vätern,
zu Abraham und seinem Samen in Ewigkeit.
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Früher hatte ich eine Aufnahme des Magnificat mit der Gächinger Kantorei unter Helmut Rilling. Der Satz vor dem Gloria Patri war für mich immer der heimliche Höhepunkt dieser Interpretation: Rilling nahm das Sicut locutus est in einem eher zurückgenommenen Tempo, sozusagen würdig schreitend: Ich ahnte etwas in dieser Musik, was mich faszinierte, was ich aber damals nicht in ein konkretes Wort fassen konnte. Das Pneuma dieser Musik aber sprach mich an: Sicut locutus ...
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Später, die Scheibe mit den Gächingern war einer Schramme wegen ruinös und neu nicht mehr aufzutreiben, hörte ich andere, jüngere Interpretationen dieses Werkes, im Geist historisch informierter Aufführungspraxis eingespielt von Dirigenten, Chören und Orchestern, welche auf die Musik Bachs und dessen Zeit eingeschworen waren: Glasklar die Intonation der Sänger, die Artikulation auf den Punkt gebracht, feingliedrig die Agogik, federnd die Rhythmen ... und es ward mir die Fuge zum Davonlaufen, zu schnell, zu hektisch, zu eilends. Die Musik sprach gewiß noch zu mir, aber sie raunte nun nicht mehr das Hochpreiset einer Seele angesichts der Größe des Herrn, sie machte sich nicht auf den Weg in mein Herz und brachte mein Herz auch nicht auf den Weg, sondern klärte mich über authentische Interpretationsansätze auf.
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Nachdem durch des lieben Dilettanten Kommentar der Ohrwurm gesetzt war, stöberte ich vorhin auf Youtube nach Rillings Version - und fand sie auch. Der Chor wird zwar nicht genannt, aber es ist die richtige Aufnahme. Und derweil ich den kurzen Satz wieder höre, sehe ich die Ekklesia des Alten und des Neuen Bundes auf ihrem Pilgerweg zu Gott, der gesprochen hat zu Abraham und seinem Samen, zu den Kindern Abrahams und auch zu uns, und im Hinfortschreiten durch diesen Aion kommen mir Worte aus den Hymnen an die Kirche von Gertrud von le Fort in den Sinn:
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Ich bin ihr großes Zusammen, ich bin ihr ewiges Einig.
Ich bin die Straße aller ihrer Straßen:
Auf mir ziehen die Jahrhunderte zu Gott!

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... der Verheißung entgegen, dem Logos, gesprochen in Ewigkeit!

Mittwoch, 19. November 2014

Tagessplitter

1. Ganz gleich, ob man am Abend auf die persönliche Bilanz eines Tages zurückschaut, DRadio Kultur hört oder Supermärkte schon seit Wochen Weihnachten feiern: Ein probates Mittel, sich nicht die Haare zu raufen, besteht darin, selbige mindestens wöchentlich ratzglatz zu rasieren. 
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2. Meine Friseurkosten habe sich damit gegen Null reduziert, die Kosten für Klingen und Schaum werden im Synergieeffekt täglicher Bartrasur weggebucht. Dennoch wollen die Mittel zur Glatzifizierung zuweilen beschafft sein; irgendwo zwischen Deluxe Weihnachtsmampf und kiloweise Nutella ist mir bei Lidl heute Abend eingefallen, daß frische Rasierer fällig sind. Gedacht, gekauft und daheim näher beäugt ...
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3. "Hergestellt in Ägypten" - nun hat wenigstens das herzlich wenig mit Weihnachten zu tun (von der heiligflüchtigen Familie vielleicht einmal abgesehen), aber leider verbinde ich damit aktuell auch keine Flußkreuzfahrten bei Vollmond, Verdis Aida oder das große Erbe alexandrinischer Theologie, sondern halbmondige Muslimbrüder, über deren wachsende Sympathien für den IS mich DRadio Kultur dieser Tage informierte. Daß man aus dem Land am Nil derzeit insgesamt wenig hört, ändert wenig daran, daß die Christen dort (wie so oft in der islamischen Welt) auf Pulverfässern sitzen, die jeden Augenblick hoch gehen können. 
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4. So bleibt nur zu hoffen, daß von jenen 1,65 Euro, für die Rasierteile hingelöhnt, nicht ein Teil in den Taschen eines Muslimbruders oder gar noch ärgerer Halsabschneider lande. Wenngleich es auch nur Centbeträge sein dürften: Jeder Cent wäre einer zuviel. Und fast noch mehr hoffe ich, daß Kopten vielleicht Einwegrasierer produzieren, die bei Lidl landen.
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5. Nachtrag: Zum Haareraufen wären natürlich auch Mitblogger, die durch exzessive Überschriften anderer Seiten Layout schänden; denn Menschen seien, wie der Komponist Hans Werner Henze weiland bekundete"ein anbetungswürdiges Geschlecht, voller Stimmungen und Gefühle, von großer Erfindungsgabe" und "schönheitsbedürftig", zu lesen in der FAZ daEs seien daher allfällige Wirtshausraufereien so auszutragen, daß sie meiner Schönheitsdürftiglichkeit im eigenen Hause nicht schreyend zuwider treten. Verbindlichsten Dank!

Gekrönte Frau im Bettelgewand ...

 hl, Elisabeth von Thüringen - Glasfenster in St. Maria zu Gengenbach 
Elisabeth!
Nach vielhundert Jahren
haben wir immer noch nicht erfahren
das Geheimnis deiner Kraft,
wie du sprengtest des Leibes Haft,
um aus üppigen Fürstenhallen
hinab in die Täler des Elends zu wallen.
Gekrönte Frau im Bettelgewand,
nach so vielen Jahren sei dir bekannt,
daß wir noch immer den Reichtum nicht fassen,
von unsern gesammelten Schätzen zu lassen,
und jene, die jammernd am Wege stehn,
leichtfertigen Schrittes übersehn ...
O es bluten so viele aus Wunden,
von niemand gewaschen, von niemand verbunden!
Du mußt hinab aus den himmlischen Hallen
in unsere Täler des Hungers wallen!
Bring du das Geheimnis deiner Kraft,
das unserm Geschlechte Heilige schafft,
die segnend wie du mit lächelndem Mund
tun die erbarmende Liebe kund.
Erhöre uns, eh es zu spät!
Elisabeth!
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Maria Koch-Doll
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Die Katholische Anthologie. Lyrik der Zeit. Herausgegeben von Christoph Wieprecht und Wolfgang Wallisfurth. Essen 1929. S. 218. Im Bild: Das Rosenwunder der hl. Elisabeth - Glasmalerei in der ehemaligen Abteikirche St. Maria zu Gengenbach.

Dienstag, 18. November 2014

Sententiæ LXXVI

Im 18. Jahrhundert wurde der Glaube tödlich getroffen. Die Geistlichen fanden die Kirche zu dunkel; am Querschiff und in der Nähe des Chores ließen sie alte Fenster herausbrechen und durch weiße, nüchterne ersetzen. Der Tag wurde zum Freund; das Diesseits erlangte Zutritt zur Kirche, und die Ewigkeit wich zurück. Man glaubte vereinen zu können, was unvereinbar war. Das Grau der Erde flutet von nun an in das Querschiff und zwischen die Säulen der Apsis; es wird nicht mehr verwandelt in die glühende Verheißung roter Kelche auf dunklem Grund; gramvoll und nüchtern, wie es auf den Häusern lastet, mit aller Schwere unüberwundenen Leidens entheiligt es den Altar.
Reinhold Schneider, Die Kathedrale im November (Chartres)

Montag, 17. November 2014

Tagessplitter

1. Bronze gehört auf den Turm ... wie ein Kölner Mitblogger zuweilen gerne betont, wenn sich der Blick auf jenen Werkstoff und solche Werke richtet, dessen und deren sich kirchliches Kunstschaffen in der Zeit rund um und nach "Das Konzil" besonders gerne befleißigte. Nicht selten kam bronzebraunes KACK dabei raus, kubistisch abstrahierende Conciliums-Kunst ... mit Heiligen, die irgendwie eckige Gesichter hatten, und Engeln, die aussahen, als wären sie über Höllenfeuern gegossen worden (sofern man auf Engel und Heilige nicht sowieso verzichtete). Und dazu diese platten Kerzenplattformen für arm leuchtende Stummellichter, die man im Dreierpack auf einer Versus-Plebem-Panzersperre drapieren konnte, die ihrerseits wieder an ein halbiertes Vollmantelgeschoss erinnerte aus ... ja was? Bronze brutal natürlich, zumindest verkleidungsmäßig.
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2. Natürlich mußte das nicht immer so enden. Es konnte auch anders aussehen ... wie weiland jene Zelebrationstheke im Petersdom, die man in der Apsis vor Berninis barocken Cathedra-Altar wuchtete, nachdem man dessen mensa massakriert und hinweg geschmiergelt hatte. Der Unterbau dieser atemstockenden Neuschöpfung sakraler Kunst, auf der man fortan das Mysterium beglotzen konnte, war ebenfalls aus Bronze (oder sah jedenfalls verdächtig häßlich danach aus). Während des Ponitifikates von Benedikt XVI. ersetzte man das Teil wenigstens durch eine stilistisch etwas passendere Neuschöpfung, Motto: Weiter glotzen, aber schöner.
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3. Man kann aus Bronze nun auch wirklich schöne Sachen machen. Oder konnte es zumindest. Die vier Kirchenlehrer, die bei Bernini die Cathedra Petri stützen helfen, sind auch aus Bronze gebildet: Augustinus und Ambrosius für die Ekklesia des Westens, Johannes Chrysostomos und Athanasius für jene des Ostens. Und alle vier ganz ohne eckige Gesichter, unkubistisch, nicht abstrahierend und garantiert vorkonziliar.
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4. Das freut den Alte-Messe-Molch freilich. Und natürlich freut der sich auch über die qualitativ bronzene Robusta, nachdem er gestern noch ein wenig trostlos war, nicht der Bronze wegen (denn ehrlich gesagt habe ich am zweitwenigsten damit gerechnet, in besagter Kategorie irgendwie irgendwas einfahren zu können), sondern weil die Auszeichnung auf gar wenig Stimmen beruht (die aber - unterm Strich - für diese Robusta eben doch reichten). Er freut sich zudem, daß er sich den Preis mit einem so schönen und gehaltvollen blog wie katholon teilen kann.
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5. Und so ist nun beschlossen, daß diese Robusta begriffen sei wie ein Zymbel-Geläute, das mit seinen kleinen Glocken und deren hellen, hie und da auch zugespitzen Klang bei jenem großen Gebimmel und Gebammel, welches die Blogozese insgesamt ist, schließlich mit dabei sein müsse; 22 Stimmen haben das so beschieden: Nochmals vielen Dank.
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6. Und so kommt die Bronze also hin, wohin sie gehört: Auf den Turm ...
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Sonntag, 16. November 2014

Bronze ...

 Relief an der Tabernakelstele - St. Pantaleon, Waldkirch-Buchholz 
Aufgrund von wenig mehr als 20 lieben Besuchern, denen ich für ihre Stimme wirklich ganz herzlich danke, hat diese Seite eine Robusta in Bronze gewonnen. Von wegen "Qualität" ...
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Ich freue mich, daß so manche Seite, die ich mit in den Ring geworfen hatte (hier), "gepriesen" worden ist, teils sogar in den vorgeschlagenen Kategorien, mitunter goldig aufgebrezelt ... herzhaften Glückwunsch!
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Ich hoffe obendrein, alle ausgezeichneten blogs nehmen den oder gar die zugedachten Preis(e) als Ansporn, selbiger weiterhin gerecht zu bleiben - oder (reine Ansichtssache natürlich) zu werden; und all das sowieso mit Ausnahme der Kategorie "Trägheit".
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Zuletzt aber ein besonderer Dank an den Erzblogger Alipius (und die offenkundig sehr hilfreichen Pimpfe) für die tolle Organisation und Durchführung unseres kleinen Blogozesen-Wettbewerbs!
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Im Bild: Ausschnitt eines Bronzereliefs zur Zierde des Tabernakels der Pfarrkirche St. Pantaleon zu Buchholz bei Waldkirch.

Das BamS!

Im Zeichen des Volkstrauertages steht heute das Bild am Sonntag: Eine sehr katholische Variante des Kriegergedenkens findet sich in der ehemaligen Abteikirche St. Maria zu Gengenbach. Die Zeit hat uns dahin gebracht, daß wir nicht nur der Opfer früherer Kriege gedenken, sondern auch der in den vergangenen Jahren bei Auslandseinsätzen gefallenen Kameraden der Bundeswehr: Gott befohlen - Er schenke überdies den Angehörigen unserer Soldaten Kraft, Mut und Glauben! 
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Samstag, 15. November 2014

Das Buch der Natur

 hl. Albert Magnus - Glasfenster in St. Gallus, Merzhausen 
Im nordwestlichen Teil des mittelalterlichen Stadtkerns von Freiburg stand einst das Kloster der  Dominikaner. Die Kirche prägte das Quartier, das heute Unterlinden heißt; selbst ein nahes Stadttor kündete von der Wohnstatt der Predigerbrüder: das Predigertor. Von Tor, Kloster und Kirche ist heute nichts mehr übrig. Die Reste des Gotteshauses wurden beim Wiederaufbau der Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg abgetragen, nachdem die Säkularisation den gotischen Baukörper bereits seines Chores beraubt und das Kirchenschiff durch das Einziehen von Zwischengeschossen bis zur Unkenntlichkeit entstellt hatte. In diesem Kloster wirkte von 1236 bis 1238 der hl. Albert der Große, dessen Fest die Ekklesia heute feiert, als Lesemeister. Benedikt XVI. rückte den Heiligen, der nicht nur Lehrer des hl. Thomas von Aquin und Theologe, sondern nicht zuletzt auch Naturforscher war, bei einer Generalaudienz am 24. März 2010 in den Mittelpunkt seiner Ansprache; hier ein Auszug:
... Gewiß sind die vom hl. Albertus Magnus angewandten wissenschaftlichen Methoden nicht jene, die sich in den nachfolgenden Jahrhunderten durchsetzen sollten. Seine Methode bestand einfach in der Beobachtung, in der Beschreibung und in der Klassifizierung der untersuchten Phänomene, aber so hat er die Tür für die künftigen Arbeiten geöffnet. Er hat uns noch viel zu lehren. Vor allem zeigt der heilige Albert, daß zwischen Glaube und Wissenschaft kein Gegensatz besteht – trotz einiger Episoden des Unverständnisses, die in der Geschichte zu verzeichnen sind.
Ein Mann des Glaubens und des Gebets, wie es der hl. Albertus Magnus war, kann mit Gelassenheit das Studium der Naturwissenschaften pflegen und in der Erkenntnis des Mikro- und Makrokosmos durch die Entdeckung der Gesetze der Materie Fortschritte machen, denn all dies trägt dazu bei, den Durst nach Gott und die Liebe zu ihm zu nähren. Die Bibel spricht von der Schöpfung als der ersten Sprache, durch die Gott – der höchste Vernünftigkeit ist, der Logos ist – uns etwas von sich offenbart. Das Buch der Weisheit zum Beispiel sagt, daß die mit Schönheit und Größe ausgestatteten Naturphänomene wie die Werke eines Künstlers sind, durch die wir auf den Schöpfer schließen können (vgl. Weish 13,5). Mit einem im Mittelalter und in der Renaissance klassischen Sinnbild kann man die natürliche Welt mit einem von Gott geschriebenen Buch vergleichen, das wir auf der Grundlage der verschiedenen Herangehensweisen der Wissenschaften lesen. 
Denn wie viele Wissenschaftler haben im Fahrwasser des hl. Albertus Magnus ihre Forschungen vorangebracht, inspiriert von Staunen und Dankbarkeit gegenüber der Welt, die ihren Augen als Gelehrte und Gläubige wie das gute Werk eines weisen und liebevollen Schöpfers erschien und erscheint! Die wissenschaftliche Forschung verwandelt sich so in ein Loblied. Das hatte ein großer Astrophysiker unserer Zeit gut verstanden, dessen Seligsprechungsprozeß eingeleitet worden ist, Enrico Medi, der geschrieben hatte:
"Oh, ihr geheimnisvollen Galaxien … ich sehe euch, ich berechne euch, ich verstehe euch, ich studiere und entdecke euch, ich durchdringe euch und sammle euch. Von euch nehme ich das Licht und betreibe damit Wissenschaft, ich nehme die Bewegung und mache daraus Weisheit, ich nehme das Glänzen der Farben und mache daraus Poesie; ich nehme euch Sterne in meine Hände, und in der Einheit meines Seins erzitternd erhöhe ich euch über euch selbst, und im Gebet bringe ich euch dem Schöpfer dar, den ihr Sterne nur durch mich anbeten könnt" (Werke, Hymnus auf die Schöpfung) ...
"Den ihr Sterne nur durch mich anbeten könnt" ... so darf der Mensch sprechen! Was für ein atemberaubendes und doch weiten Atem schenkendes Bild! Wie kurzatmig scheint mir plötzlich die Frage, die mich zuweilen beschleicht, was ich von der Menschheit insgesamt und meiner Religion insbesondere halten soll, wenn zum Beispiel im All eine Sonde auf einem Kometen deponiert wird (und nicht mal recht funktioniert), wenn von Schwarzen Löchern die Rede ist oder von unendlichen vielen Sonnen und Galaxien? Man kann freilich alsdann ins Grübeln geraten, ob diese Erde, diese Menschen (samt deren Christentum), eben all das hier vor unserer Nase wirklich die Krone der Schöpfung sein könne, die sich insgesamt einem ... dem kommenden Kyrios entgegen bewege?
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Der erste Schluck aus dem Becher der Naturwissenschaft, das soll der Physiker Werner Heisenberg einmal gesagt haben, "mache atheistisch, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott". Der naturwissenschaftliche Laie, wie ich einer bin, nippt - nicht zuletzt begünstigt durch unsere "Informationsgesellschaft" - recht rasch am Becher dieser Wissenschaft, vermag ihn aber nicht bis zur Neige zu leeren. Wann immer ich mich bislang zu verschlucken drohte, dachte ich mir also, daß die Erkenntnisse der Naturwissenschaften zweifelsohne groß und gewaltig seien und daß hinter all dem noch Größeres und Gewaltigeres harre, das nur noch nicht gefunden sei: Ob Kosmos oder Chaos, ob Sonnen, Sterne, Monde, Planeten, Galaxien, Schwarze Löcher, ob Biologie, Chemie und Physik - auf all das blickt des Menschen Geist und versteht davon doch nur den geringsten Teil: Hinter allem Erklärbaren, noch zu Erklärenden und vielleicht niemals Erklärlichen scheint doch immer ein Wunder auf, so daß es wunderlich wäre, würde nicht ein Gott dahinter walten.
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Der heilige Albertus Magnus helfe uns, das Buch der Natur richtig zu lesen, und er öffne uns das Buch des Glaubens, um den letzten Grund aller Natur und über alle Natur zu schauen, Gott, den wir als Vater, als Sohn und als Pneuma bekennen ... ora pro nobis!
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Das Glasfenster mit der Darstellung des hl. Albertus Magnus befindet sich in der Pfarrkirche St. Gallus zu Merzhausen bei Freiburg. Die ganze Ansprache von Papst Benedikt über den heutigen Tagesheiligen kann hier nachgelesen werden.

Freitag, 14. November 2014

Ins Wochenende gestapft

Mit zeitweiligem Niederschlag dräut der morgige Tag. Gut also, daß ich heute einige zeitweilig hervorbrechende Sonnenstrahlen zum Grund genommen habe, erneut die Waldkapelle bei Waltershofen ins Visier zu nehmen; bereits im Januar hatte ich das kleine Gotteshaus nach langen Jahren wieder für mich entdeckt. Und irgendwie fühlt man sich wohlbefallen katholisch, wenn man an einem Freitag mittags gegen drei zu diesem friedlichen Ort stapft und mal den Rosenkranz zückt ...
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Was mich mit dieser kleinen Kapelle verbindet, hatte ich hier bereits einmal geschrieben.

Donnerstag, 13. November 2014

Tagessplitter

Als sei Gott nur ein Emblem und die Bibel eine cloud, der sich sowohl anrührende Bilder wie couragierte Sätze entnehmen lassen, um sie den Menschen als Lebensweisheit auszulegen: Ich habe immer mehr den Eindruck, viele Theologen hierzulande, darunter nicht wenige Priester, haben sich nur unter das lohnende Dach der Ekklesia begeben, weil man mit Philosophie (-Imitaten) den Kühlschrank selten voll kriegt.

Zwei Sonette über Pius XII. (2)

Hier nun das weitere Sonett, verfasst von Reinhold Schneider im Blick auf Pius XII. - das kühne Bild, das der Dichter entwirft, gründet auf dem Bericht vom Gang Jesu über die Wasser des Sees Genezareth, dem Petrus es gleich zu tun sucht (Mt 14, 22-33) ...
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AN DEN HEILIGEN VATER [1945]
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Vom Kamm der Woge, gläubig frei, entschwinge
Dem Schiffe dich, vor dem der Abgrund klafft!
Hier trägt nicht Menschenkraft, nur Gotteskraft:
Vertraue ihr bei deinem heiligen Ringe!
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Was auch die Flut zertrümmre und verschlinge,
Dir ward des Amtes reine Leidenschaft:
Des Leidens Macht, die sich der Flucht entrafft,
Erwählt zu walten aller Erdendinge.
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Du bist, was Petrus war, und mußt es sein.
Der Sendung Glanz, sein einzig Gut zu Rom
Umblitzt dich wider jegliche Gewalt.
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Der Herr ist auf dem Meer und wartet dein,
Und Flut und Stürme bauen deinen Dom,
Sinkst du ans Herz der göttlichen Gestalt.
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Reinhold Schneider: Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte. Köln und Olten 1954. S. 160. Hier das erste Sonett.