Montag, 30. Juni 2014

Am Tag danach ...

... was von den Bildern nach der Weihe von Erzbischof Burger gerade noch so vorzeigbar ist; etwa ein angeschnittener Bischof Zollitsch ...
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... oder eine der vielen diözesanen Baustellen, die der Vorgänger dem Neugeweihten hinterlässt; fairerweise soll nicht verschwiegen werden, daß wahrscheinlich jeder Freiburger Erzbischof der vergangenen Jahrzehnte seinem Nachfolger eben jene Baustelle vermacht hat:
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Ferner - wenn die Erzdiözese schon mal Freisaft und Freibier und gratis Bratwürste, Steaks und Reispfannen spendiert, soll auch das nicht verschwiegen werden - wobei der zu diesem Behufe angeheuerte Caterer einmal mehr durch organisatorische Unfähigkeit aufgefallen ist, aber einem geschenkten Gaul schaut man nicht zu allzu tief ins Maul:
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WM ... unfehlbar und liturgisch

Am Rande nur sei die Feststellung erwähnt, die Pater Alexander Metz gestern in der Basler Antoniuskirche während seiner Predigt unters Volk gebracht hatte: Daß Deutschland Weltmeister werden würde. 
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Dies ward natürlich nicht aus unangemessen patriotischen Gründen festgestellt und also gepredigt, sondern zur Erläuterung der päpstliche Unfehlbarkeit mitsamt deren Grenzen. Papst Franziskus wäre nämlich, so Pater Metz, keineswegs unfehlbar, so er in diesen Tagen behaupten wollte, Argentinien würde die laufende WM gewinnen, weil ja eben Deutschland den Pokal abräume. Dem Spiel unserer Elf heute Abend gegen Algerien sehe ich mithin gelassen entgegen. 
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Andere Sache, anverwandtes Thema: Bei der Übersetzung der dritten Strophe des Vesperhymnus Decora lux æternitatis, gestern zum Apostelfest vorbereitet, stellt sich mir die Frage, wie man die Aufgabe Petri, cæli Ianitor zu sein, treffend verdeutschen könnte ... "des Himmels "Ostiarier" ... "Türsteher am Himmel" ... oder gar "himmlischer Torwart"? Wäre letztere Alternative zum Zuge gekommen, so hätte ich freilich, um einer allzu raschen Verwechslung mit Manuel Neuer vorzubeugen, zumindest die ältlichere Fassung "Thorwarth" elaboriert.
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Ein Nachtrag noch: Die frommen Schweizer nahmen Pater Metzens Feststellung hochgelassen hin - ein weiterer Beleg dafür, daß der gemeine traditionsfrohe Katholik und Alte-Messe-Molch bei Fragen rund um das Endspiel, ausdauernde Glückseligkeit oder Eingeweide zernagende Pein so finster verbiestert nicht ist, wie gelegentlich unterstellt wird.

Sonntag, 29. Juni 2014

Gottes Segen, Erzbischof Stephan!

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Zurück aus Basel hat es mich noch auf den Münsterplatz zum Diözesantag verschlagen - schließlich stand ein kleines Bloggertreffen mit Ester aus dem Beiboot Petri und Sophopilo von Invenimus Messiam an - und natürlich waren und sind wir alle gespannt auf unseren neuen Erzbischof Stephan Burger! Ich habe mal ein paar Bilder mitgebracht ...
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Laureati Apostoli

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Mundi Magister atque cæli Ianitor,
Romæ parentes arbitrique gentium,
Per ensis ille, hic per crucis victor necem
Vitæ senatum laureati possident.
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Lehrer des Weltenkreises und Hüter der Pforte des Himmels,
Väter wurdet ihr Rom und Richter im Rund aller Völker:
Der eine durchs Schwert, der andre im Kreuzestod Sieger,
nehmen nun lorbeerbekränzt im Lebenssenat sie den Sitz.
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Vesperhymnus "Decora lux æternitatis", dritte Strophe
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Bild: Die hhl. Apostel Petrus und Paulus; Ausschnitt aus dem Altarblatt (1874) von Dominik Weber im Hochaltar der Pfarrkirche St. Peter und Paul, Freiburg-Kappel.

Das BamS!

Es lauten ja so manch' garstige Wörter daher, die mir "D" beginnen, wie zum Beispiel das Damoklesschwert, die Dose (der Pandora) und die Diözesanversammlung (vor allem die von 2013). Anders aber verhält es sich mit dem Diözesantag, den wir in Freiburg feiern samt Weihe von Stephan Burger zum neuen Erzbischof. Gottes Segen und eine klare katholische Kante wünsche ich ihm hier, heute et ... ad multos annos!
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Samstag, 28. Juni 2014

Brot des Lebens selber backen

Ich muß gestehen, daß ich zu jenen Zeitgenossen zähle, die zwar gerne Kochbücher anschauen und zuweilen hochambitioniert erwerben, um sich zuletzt und -allermeist entweder bekochen zu lassen oder aber irgendwas mit Knorr- und Maggi-Tüten zusammenzurühren; freilich verfüge ich auch nicht über einen edelstahlbewehrten Cook-and-Show-Room mit hydraulisch regulierter Food-Station und eingebautem Schaumschläger - alles Dinge, deren definitive Nichtnutzung eine Haltung auf Hochglanz ohnehin erleichtert. Aber zurück zu den Kochbüchern ... die heutige Heimsuchung des gern freqentierten Diakonie-Wohttatladens verleitete mich erneut zu einem kleinen Schnappschuss:
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Daß in einem Umfeld, welches der Qualifizierung von nicht immer überüppig bildungsnahen Mitmenschen für den ersten Arbeitsmarkt dient, nicht jedes Buch seinen allzeit passenden Platz im richtigen Regal findet, läßt sich öfter feststellen und ist nicht weiter schlimm. Natürlich frommt ein Ratgeber zu Testament und Erbrecht buchstäblich auch dann nicht, wenn er - wie schon festgestellt - bei "Religion" verräumt wird: mutmaßlich, weil dort sowieso immer wieder Bücher auftauchen, die sich Altes bzw. Neues Testament nennen. 
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Ähnlich verhält es sich mit dem "Brot-Buch" oben: Ich würde zwar mitnichten ausschließen wollen, daß da auch eine Anleitung zum Brotbacken drinsteht, aufs Ganze gesehen dürfte der kulinarisch-praktische Wert dieser Publikation für Menschen, die ihre Küche nicht nur anschauen, sondern auch benutzen wollen, eher gering sein. Wo es steht, gehört es jedenfalls so wenig hin wie Grütze in den Sauerbraten.
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Freilich verspüre ich nun keine Neigung, dem kleinen fauxpas beim Einsortieren dennoch eine geistliche Deutung unterzuschieben, wie etwa vor einigen Tagen bei den Müllsäcken des hl. Johannes Nepomuk - so von wegen: Das mag uns daran erinnern, daß uns die wahre Vollwertkost für das ewige Leben in der Eucharistie geschenkt werde.
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Und also hört der Spaß langsam auf ... Worum es wirklich und wesenhaft geht, erschließt sich hier schlicht und einfach kaum. Man sieht einen knusprigen Laib Brot auf dem Umschlag, liest irgendwas vom Brot im Titel, übersieht das Klein(er)gedruckte ... e voilà: das muß ein Kochbuch sein! Und jetzt wechseln wir kurz das Szenario, raus aus dem Diakonie-Laden, rein in die kirchliche Realität: Man hört von "heiligem Brot", das manche Kirchenleute am liebsten jedem in die Hand drücken würden, der es haben möchte, Brot, das uns an Jesus erinnert, Brot, das Gemeinschaft stiftet zwischen uns und uns und zwischen uns und Gott, wenn wir davon essen, Brot, mit dem wir auf dem Weg sind, Brot, mit dem Gott mit uns auf dem Weg ist, Brot des Lebens, Brot vom Tisch Gottes, Brot für dich und Brot für mich ... ei, was wird das anderes sein als ... Brot!?!

Unversehens gerinnen die Ergebnisse der aktuell allzu üblichen Katechese über das Altarsakrament zu dieser Momentaufnahme, verdichten sich die Fragwürdigkeiten jener Unterweisung geradezu emblematisch oben im Schnappschuss. Würde man die Sache beim Namen nennen, hätte man statt Brot des Lebens etwa "Leib Christi" auf den Titel gedruckt und statt eines Bauernbrots eine Hostie abgelichtet ... wetten, dieses Buch wäre richtig einsortiert worden? Sollte nun im Großen besser laufen, was im Kleinen so anschaulich falsch gelaufen ist?
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Einer unserer fortschrittlich-gewieften Kleriker meinte einmal zu mir, die Rede vom "heiligen Brot" sei ja nicht falsch und schließlich sei auch in der kirchlichen Tradition oftmals vom "Brot" die Rede - habe denn nicht etwa Thomas von Aquin das Wort vom "Brot, das lebt und Leben spendet" geprägt, fragte er alsdann, auf die Sequenz der Fronleichnams-Messe anspielend (panis vivus et vitalis), die ihm immerhin geläufig war.
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Was hierbei unbedacht blieb: Es kommt stets darauf an, aus welchem übergeordneten Volltext heraus solche Ausdeutungen des eucharistischen Mysteriums formuliert, entsprechende Bilder geprägt und wiederum kontextualisiert werden. Wenn auf der Packung dick und deutlich "Leib Christi" steht, dann kann man quasi im Beipackzettel gewiß auch vom "Brot des Lebens" reden und vom "heiligen Brot" meinethalben auch. Wenn sich hingegen das über die Eucharistie am höchsten Aussagbare in Begriffen wie "Brot des Lebens" zu konzentrieren oder gar zu erschöpfen scheint, dann läuft doch gewaltig etwas schief ...

Freitag, 27. Juni 2014

Von der Sehnsucht der ewigen Hügel


Zu den schönsten Invokationen der Litanei vom Heiligsten Herzen Jesu zählt für mich der Ruf 
Cor Iesu, desiderium collium æternorum: miserere nobis.
Herz Jesu, du Sehnsucht der ewigen Hügel: erbarme dich unser!
Ursprünglich hörten wir diese Worte im Segen des Patriarchen Jakob über seine zwölf Söhne in der Fassung der Vulgata. Dort wird über Joseph gesprochen (Gen 49, 22-26):
Sohn des Gedeihens ist Joseph, ein Sohn gedeihend und des Auges Lust; die Töchter schreiten auf der Mauer dahin. Aber sie reizten und erbitterten ihn, sie stellten ihm nach, die Pfeilbewehrten. Doch bleibt ihm fest sein Bogen, und gelöst sind die Bande seiner Arme und Hände durch die Hände des Starken in Jakob, durch den, der sich kundgegeben als der Hirte, der Grundstein Israels. Der Gott deines Vaters wird dein Helfer sein, und der Allmächtige dich segnen mit den Segnungen des Himmels von oben, mit den Segnungen der Tiefe, die unten liegt, mit den Segnungen der Brüste und des Mutterschoßes! Die Segnungen deines Vaters sind mächtiger, denn die Segnungen seiner Väter; bis kommt die Sehnsucht der ewigen Hügel; sie seien auf Josephs Haupt und auf dem Scheitel des Nazaräers unter seinen Brüdern.
Anverwandt und diese Stelle zum Teil ausdeutend das Segenswort, welches Moses später über den Stamm Joseph spricht (Deut 33, 13-16):
Zu Joseph sprach er dann: Vom Herrn gesegnet sei sein Land mit Himmels Früchten, und mit Tau und Wasser aus der Tiefe; mit der Sonne Fruchterzeugnis, und des Mondes; was auf der Urzeit Bergeshöhen, was da Frucht der ewigen Hügel ist; mit der Erde Früchten, und mit ihrer Fülle. Der Segen dessen, der erschien im Dornbusch, komm herab auf Josephs Haupt, und auf den Scheitel dessen, der Nazaräer unter seinen Brüdern ist.
Der hl. Isidor von Sevilla, der letzte der lateinischen Kirchenväter, interpretiert die erwähnten "Hügel" in seinen Quæstiones in Vetus Testamentum (In Genesin 33, 59 f.) mit Blick auf den in der Genesis überlieferten Wortlaut und im Rückgriff auf die patristische Deutungstradition als die Gerechten des Alten Bundes:
Die Hügel sind jene Heiligen, welche das Kommen Christi weissagten, derweil sie mit großer Sehnsucht seine Inkarnation erwarteten, und von denen der Kyrios sprach: "Viele Gerechte und Propheten sehnten sich zu sehen, was ihr seht" (Mt 13, 17). Diese Heiligen nun werden "Hügel" genannt aufgrund ihrer hervorragenden Heiligkeit. Sie werden zudem "ewig" genannt, denn sie richteten sich aus auf das ewige Leben ... 
Der Ruf "Du Sehnsucht der ewigen Hügel" mag uns so mit all jenen Gerechten verbinden, die vom Sündenfall bis zur Stunde von Golgotha der Erlösung harrten, die sich in der Hingabe des Kyrios am Kreuz vollzog und zu deren eindrücklichsten Zeichen der Strom von Blut und Wasser geworden, welcher der geöffneten Seite entfloss, dem Herzen des Erlösers entsprungen ist.
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Diese Gerechten, befreit aus dem Reich des Todes, in welches der Kyrios durch seine Erhöhung am Kreuz herabgestiegen ist, sie zählen also - mit Sankt Dismas, dem guten Schächer - zu den Erstgeborenen der neuen Schöpfung. So bitten wir darob, daß auch wir vertrauensvoll in all den Lebensmomenten, die uns zum "Reich des Todes" bereits geworden sind oder zu werden drohen, unseren Blick auf das Herz des Erlösers richten können und uns von ihm jene Rettung ersehnen, welche den Gerechten des Alten Bundes zuteil geworden ist ...
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Die Berge sollen Frieden verkünden dem Volk
und die Hügel Gerechtigkeit! (Ps 71, 3)
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Die Herz-Jesu-Darstellung im Bild rührt von einer Prozessionsfahne in der Pfarrkirche St. Markus und Fides in Sölden bei Freiburg.

Donnerstag, 26. Juni 2014

Ohne glückliche gelbe Säcke, aber ...

... mit Aussicht auf den Himmel findet sich der hl. Johannes Nepomuk aus dem gestrigen Beitrag natürlich auch - in Freiburg-Zähringen:
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Mittwoch, 25. Juni 2014

Von den glücklichen gelben Säcken


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Ein Schnappschuss aus der Straßenbahn - als ich heute zum ersten Mal an diesem Szenario vorbeifuhr, zog sich mir natürlich zuerst ein wenig das Herz zusammen ... muß man Müllsäcke unbedingt einem Heiligen vor die Füße werfen? Nun könnte man das selbstverständlich auch analytischer betrachten: Der Herdentrieb im Menschen könnte - wer weiß? - ihn beneigen, sogar seinen Müll möglichst nicht in freier Pampa zu parken, sondern ihn dort zuzugesellen, wo schon etwas in der Landschaft steht, sozusagen eine Spielart von Drang und Suche nach Orientierung. Aber wahrscheinlicher deucht die Annahme, daß die Ecke - nach der kleinen Rampe links - das nächstbeste Zwischenlager für solch Unrat ist.
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Nun mahnt uns ja das Mittelalter, für traditionsfrohe Seelen samt schmerzenden Herzen ohnehin eine Referenzepoche, den Spuren Gottes im Buch der Natur nachzutappen. Weil das im urbanen Raum nicht immer einfach ist, kann man es auch mit dem Buch der Kultur (oder dem, was heute davon übrig) probieren. Und tatsächlich: Die gelben Säcke bringen die Welt nicht gerade zum Singen, können aber zu uns sprechen.
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Und was sagen uns die hier? Zum Beispiel, daß wir uns nicht allzu sehr aufregen sollten wegen einiger Müllsäcke beim heiligen Bilde ... schmeißen wir doch dem lieben Gott (den wir in unserer Existenz als Christen und in unserem Leben als weit gegenwärtiger bekennen, als es Sankt Nepomuk im Steinbild jemals sein könnte) Tag um Tag Dreck in Form diverser Sünden und schuldhafter Verstrickungen vor die Füße. 
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Obendrein sagen sie uns, daß wir das - in einem höheren Sinn - sogar tun dürfen und tun sollen, sofern wir denn über alle Verfehlung hinaus den reuenden Willen haben, all den Dreck wieder irgendwie loszuwerden. Und zuletzt raunen uns die gelben Säcke zu, daß Gott selbst aus unserer Schuld noch Gutes rausverwerten kann und manchmal sogar Besseres: 
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O felix culpa! Ihr glücklichen gelben Säcke!

Dienstag, 24. Juni 2014

Blickwechsel

Johannes der Täufer - am Hochaltar der
Pfarrkirche St. Johannes Baptist in
Laufenburg (AG)
"Anfang der Heilsbotschaft von Jesus: dem Messias, Gottes Sohn" - mit diesen Worten, diesem Programm beginnt das älteste der vier Evangelien (Mk 1, 1), um sofort die Gestalt des Täufers in unseren Blick zu rücken (Mk 1, 2 f.): 
Wie geschrieben ist bei dem Propheten Jesaja: Da! Ich sende meinen Boten vor deinem Angesicht her, damit er deinen Weg wird rüsten. Eines Rufenden Stimme in der Ödnis: Bereitet den Weg des Herrn.
Er ist der letzte Bote, der letzte Prophet des Alten Bundes. Keine Schrift ist auf uns gekommen, kein Buch von ihm überliefert. Den Kern seiner Botschaft übermitteln uns bereits die Evangelien, sein Fuß steht bereits auf der Schwelle des Neuen Bundes, seine leibliche Geburt - die wir heute feiern, wie wir es sonst nur bei der Geburt des Kyrios Jesus und Unserer Lieben Frau halten - ist das Morgenrot der nahen Erlösung ...
... durch unseres Gottes innerstes Erbarmen, in dem uns angesehen der Aufgang aus der Höhe ...
wie Zacharias sein Lob nach der Geburt des Johannes singt (Lk 1, 78). 
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"Seht das Lamm Gottes, das hinweg nimmt die Sünde der Welt" (Joh 1, 29): Bitten wir den heiligen Johannes, daß diese Mahnung nie in uns stumm werde und wir das Ansehen, den Blick aus Gottes innerstem Erbarmen aus unseren Herzen sehend erwidern ... ora pro nobis!

Montag, 23. Juni 2014

Sententiæ LIX

Wüste und kahler Fels kann auch das Gefängnis sein, das Konzentrationslager, die Satellitenexistenz, der erste Höllenkreis, die Krebsstation. Große Lehrstätten Gottes, der hier als Urgebirge hinter der zerstörten menschlichen Landschaft auftaucht. Auch an kleinen unpathetischen Lehrstätten fehlt es nicht: graue Eintönigkeit einer Büro- und Fabrikexistenz, Enttäuschung an einem Menschen, Einsamwerden im Alter, wenn das Leben sich entlaubt, wenig bis nichts zu erhoffen bleibt, eine von niemand belobigte Tapferkeit täglich, stündlich gefordert ist: woher die Kraft nehmen, wenn nicht aus der Übergabe an den tragenden Grund?
Hans Urs von Balthasar

Sonntag, 22. Juni 2014

Das BamS!

... ist eigentlich von Fronleichnam übrig geblieben und sollte einen Beitrag illustrieren, der ungeschrieben blieb. Aber es passt in die Zeit - nicht zuletzt zum gestrigen Tag. Das Glasfenster zeigt die erste heilige Kommunion des hl. Aloysius aus der Hand des hl. Karl Borromäus; entdeckt in der Pfarrkirche St. Stefan zu Oberwinden im Elztal:
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Sententiæ LVIII

Ohne Manresa gäbe es Ignatius nicht, und ohne Subiaco nicht Benedikt, ohne die Klause im Vaterhaus nicht Caterina. Ohne die transjordanische Wüste nicht die "Stimme des Rufenden in der Wüste", die des Herrn Weg bereitet. Auf welche Art im Leben eines Christen diese Wüste sich verdeutlicht, wenn er nicht vor ihr flieht, kann er im voraus nicht sagen. Es ist aber gut, daß er mit ihr rechnet, ihr Raum gewährt. Vielleicht steht sie in der Mitte seiner Berufung.
Hans Urs von Balthasar

Samstag, 21. Juni 2014

Von der Rettung eines Heiligen vor seiner Verehrung

Der hl. Aloisius (links) und der hl. Stanislaus Kostka verehren das Herz Jesu;
Altarblatt von Simon Göser im Augustiner-Museum, Freiburg
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Den Italienern geht der Name vielleicht etwas leichter über die Zunge ... Luigi. Wer aber hierzulande nennt heute ein Kind noch Aloysius? Oder Alois? Wieviele Katholiken verbinden noch etwas mit den sechs "aloysischen Sonntagen", an denen sich die Altvorderen - entsprechend der sechs Ordensjahre des Aloysius - am Vorbild des Heiligen befleißigen wollten, die heilige Kommunion empfingen und einen vollkommenen Ablass gewinnen konnten? Nun denn - letztgenannter Brauch wird mit der Ermunterung zum allgemein öfteren Empfang des Altarsakramentes untergegangen sein; aber auch sonst ist der hl. Aloysius aus der Kirche verschwunden, gemessen an der Popularität, die er einst genossen hatte.
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Natürlich gibt es sein Fest noch immer, heute wird es gefeiert. Das Breviarium Romanum bietet seit der letzten Brevierreform eine zusammengestutze Lesung zum Leben des Heiligen - wirft man einen Blick in die ehemals drei umfangreicheren und teils weit blumigeren Lektionen, dann ahnt man, warum Aloysius aus der Mode gekommen sein könnte: 
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Heilig zu leben scheint ja keine schwere Sache zu sein, wenn man sozusagen bereits als Heiliger vom Himmel gefallen scheint. Allzu liebliche und weit verbreitete Gipsfiguren eines bleichgesichtigen Heiligen, der an Blutarmut zu leiden schien, gaben dem Kult vielleicht den Rest; da half es auch nicht viel, daß 1926 das Jugendpatronat des Heiligen nochmals ausdrücklich bestätigt wurde. Mit dem Bild eines auf kleinbürgerlichen Anstand, Sittsamkeit und Wohlverhalten domestizierten Heiligen ließen sich die ganz anderen Leit- und Zerrbilder, mit denen der Zeitgeist die Jugend lockte, nicht mehr einholen. In der zweiten Auflage des Lexikons für Theologie und Kirche liest sich das am Ende (der 1950er-Jahre) dann so: "Seine Gestalt, oft verzeichnet, erweist sich bes. seit Herausgabe seiner Briefe u.a. Schr. (...) als auch heute noch gültiges Vorbild" - die Rettung des einst populären Heiligen aus Formen seiner früheren Verehrung ist deutlich heraus zu hören.
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Bei diesem Heiligen möchte man wirklich rufen: Weg mit dem ganzen alten Gerümpel! Was bleibt dann übrig? Ein junger Adeliger, dem Aufgrund guter Beziehungen seiner Familie eine glänzende Karriere in der Kirche oder in der Welt hätte bevorstehen können, hätte er dies nicht ausgeschlagen, um sich dem jungen und für die Ekklesia in den Stürmen der Zeit kämpfenden Orden der Jesuiten anzuschließen, in die Fußstapfen des ehemaligen Offiziers Ignatius von Loyola tretend. Es bleibt ein Heiliger, der sich schon vor seinem Ordenseintritt zusammengerissen hat angesichts möglicher sexueller Eskapaden, die sich ein Adeliger seiner Zeit durchaus hätte leisten können, zumal in jungen Jahren. Es bleibt ein junger Mann von asketischer Natur, der seine Kräfte zuletzt in der Pflege von Pestkranken aufzehrt, ehe er selbst an der Pest stirbt. Das ist Aloysius, der Heilige, dessen Fürsprache uns helfe in Zucht an uns selbst und im Dienst an den anderen ... ora pro nobis!
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Es ist besser, ein Kind Gottes zu sein
als König der gesamten Welt (St. Aloysius von Gonzaga).

Freitag, 20. Juni 2014

Wehen des Geistes

In der Sammlung mit Gebeten von Erich Przywara SJ stieß ich - auf der Suche nach Worten, die mir den Fronleichnamstag einklingen lassen könnten - vor einigen Tagen auf ein leicht irritierendes Angebot. Selbst wenn man in Abzug bringt, daß man sich bei einem ersten Darüberlesen - es ging ja zuerst nur darum, einen "passenden" Text zu finden - die Augen reibt ob der vermeintlich sehr sprunghaften Gedanken, so verweigert sich dieses Gebet auch später allzu brav-frommer "Verrichtung" - Przywara verschränkt diverse Momente und Wahrheiten des Glaubens miteinander, und man wüßte gerne, was wohl konkret Inhalt der Predigt gewesen, aus welcher heraus dieses Gebet formuliert worden ist. 
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Gedanklich umkreist dieses Gebet den Zusammenhang zwischen Eucharistie, der Umgestaltung in Christus und dem Werden der Ekklesia in dieser Umgestaltung, all das gefaßt in die Endlichkeit geschöpflicher Zeichen, die gerufen sind, alle Endlichkeit durch die Einbergung in das Heilige Pneuma zu überwinden - jenes Pneuma, in welchem Christus sich seit seinem Fortgang zum Vater uns neu schenkt, in dem der Kyrios seine Ekklesia zur Braut nimmt und heimführt. 
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"Gottes Weizen bin ich, und durch wilder Tiere Zähne werde ich gemahlen, auf daß ich als reines Brot des Christus erfunden werde" lautet ein berühmtes Zitat aus den Briefen des apostolischen Vaters Ignatius von Antiochien (An die Kirche der Römer 4), geschrieben in der Gewißheit des nahen Martyriums. Bei Przywara heißt es: "... laß uns wissen in dieser Stunde, daß wir es sind; Dein Brot und Wein im Geheimnis der Altäre bedeuten uns ... gewandelt in Fleisch und Blut unseres Gottes" - dessen Zeugen zu sein wir berufen sind.
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O Heiliger Geist, 
laß uns knien in dieser Stunde 
vor dem Geheimnis, 
darin Du die eigentliche Tiefe Deiner Weisheit, 
die Tiefe Deiner Heiligkeit, 
die Tiefe Deiner Liebe offenbarst,
vor dem Geheimnis des Fleisches und Blutes,
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vor dem Geheimnis des Fleisches und Blutes
unter den Gestalten der Erde,
unter den Gestalten
der Frucht der Ähren und
der Frucht der Trauben.
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Unter diesen Gestalten 
ist Deine Fruchtbarkeitsfülle in Jesu Christo,
in der Fruchtbarkeitsfülle der Ähren der Erde,
in der Fruchtbarkeitsfülle der Trauben der Erde.
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O Heiliger Geist,
laß uns wissen in dieser Stunde,
daß wir es sind;
Dein Brot und Wein
im Geheimnis der Altäre bedeuten uns.
Wir sind gelegt in Brot und Wein 
auf den Altar;
wir sind gewandelt 
in Brot und Wein
unter dem Hauche Deiner Liebe,
unter dem Hauche Deines Schöpfertums,
unter dem Hauche Deiner Fruchtbarkeit
sind wir gewandelt 
in Fleisch und Blut unseres Gottes.
O Heiliger Geist, 
so laß uns wissen in dieser Stunde,
wo wir beginnen,
nichts zu sein als Kirche dieser nackten und bloßen Erde.
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Heiliger Geist,
laß und glauben gegen allen Glauben,
laß uns hoffen gegen alles Hoffen,
laß uns lieben gegen all unsere Enttäuschungen,
gegen all unseren Widerstand.
Laß uns glauben, hoffen, lieben in
dieses Geheimnis hinein.
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Die Fülle Deiner Geistigkeit.
die Fülle Deiner Liebe,
die Fülle Deiner Fruchtbarkeit zu empfangen
im Geheimnis dieser nackten, bloßen, nichtigen Erde,
die Du erwählt hast,
Braut und Leib und Schoß
und Fülle und Glorie
Deiner Herrlichkeit der Liebe zu sein -
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Amen.
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Erich Przywara SJ: Auferstehung im Tod. Gebete. Zürich o.J. S. 58.

Fronleichnam in Etzgen


Fronleichnam fand für mich mit einer Hohen Messe samt feierlicher Aussetzung des Allerheiligsten vor allem abends statt - in der Bruder-Klaus-Kapelle im schweizerischen Etzgen am Hochrhein. Neben Bildern habe ich für diesen Beitrag (wie für mich selbst) einen Denkanstoß aus der Predigt von P. Dieter Biffart FSSP mitgenommen - sinngemäß: 
Wir mögen gewiß eine Kniebeuge machen, wenn wir eine Kirche betreten - aber beugen wir auch das Herz ...?




Donnerstag, 19. Juni 2014

Hier verhüllt



Die Himmel künden Gottes Herrlichkeit (Ps 18, 1) ... und manchmal auch das besondere Mysterium eines Festtages. Beim Blick aus dem Fenster kamen mir heute Morgen jedenfalls die folgenden Schlussverse des hl. Thomas von Aquin aus dem Hymnus Adoro te devote in den Sinn:
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Jesu, quem velatum nunc aspicio,
Oro fiat illud quod tam sitio;
Ut te revelata cernens facie
Visu sim beatus tuae gloriæ.
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Jesus, meinem Auge bist du hier verhüllt;
Mein Verlangen betet, daß es einst sich stillt:
Unverhüllt erscheine, Glorienangesicht,
Daß ich selig schaue dich in deinem Licht!
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Amen.

Mittwoch, 18. Juni 2014

Geist und Feuer, Brot und Wein

Es ist eine schöne Fügung, daß der hl. Diakon Ephräm der Syrer, dessen die Ekklesia heute gedenkt, uns aus dem vierten Jahrhundert auf das morgige hohe Fronleichnamsfest einstimmen kann - im Rahmen seiner Kirchenväter-Katechesen kam Papst Benedikt XVI. am 28. November 2007 bei einer Generalaudienz auf den hl. Ephräm zu sprechen und zitierte einen Abschnitt aus dessen Lied über den Glauben (10, 8-10), der die Berufung des Propheten Jesaja (6, 1-8) eucharistisch deutet:
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In deinem Brot verbirgt sich der Geist, 
der nicht gegessen werden kann;
in deinem Wein ist das Feuer, 

das man nicht trinken kann.
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Der Geist in deinem Brot, 
das Feuer in deinem Wein:
Siehe, ein Wunder, 
das von unseren Lippen aufgenommen wird. .
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Der Seraph konnte 
seine Finger nicht der Glut nähern,
die sich nur dem Mund des Jesaja näherte;
weder Finger haben sie genommen, 
noch Lippen haben sie geschluckt;
uns aber hat der Herr gestattet, beides zu tun.
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Das Feuer kam mit Zorn herab, 
um die Sünder zu zerstören,
aber das Feuer der Gnade 
kommt auf das Brot herab und bleibt dort.
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Statt des Feuers, das den Menschen zerstörte, 
haben wir das Feuer im Brot gegessen
und sind belebt worden.
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¶ Benedikts Ephräm-Katechese ist hier zu finden.

Ein weihevolles Bloggertreffen?

Am Fest der hhl. Apostel Petrus und Paulus - der 29. Juni fällt heuer auf einen Sonntag - wird im Rahmen des Freiburger Diözesantags Stefan Burger um 14.30 Uhr im Münster Unserer Lieben Frau zum neuen Erzbischof von Freiburg geweiht. Esther aus dem Beiboot Petri hat, sofern sich einige Blogger zu diesem Anlass einfinden sollten, im Anschluss an den Weihegottesdienst ein kleines Bloggertreffen angeregt - im Rahmen des Festes der Begegnung, zu welchem die Erzdiözese am frühen Abend auf den Münsterplatz lädt.
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Bislang ist verabredet, daß wir uns zwischen 16:45 und 17:00 Uhr unter den Arkaden der Sparkasse treffen (tritt man aus dem Turmportal des Münsters, läuft man stracks geradeaus durch die kurze Straße und schaut an deren Ende nach rechts, roter Bau: Sparkasse). 
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Esthers Anregung ist hier zu finden; Organisatorisches und Ablauf des Weihe-Nachmittags lassen sich bei der Erzdiözese hier nachlesen. 
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Mögen sich weitere Blogozesanen anschließen?

Montag, 16. Juni 2014

Gestern oder Heute?

Früher war auch nicht alles Gold, was ... nun ja: die unten dokumentierte "religiöse Lage der französischen Landbevölkerung" dürfte bereits vor Jahrzehnten (1940er-Jahre) nicht glänzend gewesen sein, geschweige gülden. Und in besagtem Artikelauszug ist nur von den "indifferenten" Pfarreien die Rede - es existieren auch noch ("entchristlichte Gebiete") Keller darunter; wobei aber nicht vergessen werden soll, daß es auch viele Landpfarreien gab, die damals als eigentlich "christlich" qualifiziert wurden und in denen ein halbwegs intaktes Glaubensleben vorherrschte.
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Warum ich das hier dokumentiere? Einerseits, weil ich es interessant finde. Außerdem bekommen Romane wie zum Beispiel das Tagebuch eines Landpfarrers von Georges Bernanos einen - wenngleich unfreulich - realistischen Hintergrund. Dann, weil Alte-Messe-Molche gerne davon ausgehen, daß früher alles besser gewesen - was nicht ganz falsch ist, aber eben auch nicht besonders richtig (zudem besteht heute die Gefahr einer gewissen Flucht ins rein Nostalgische: historisch, liturgisch, spirituell). Und nicht zuletzt, weil man - über den Daumen gepeilt - feststellen könnte, daß wir hierzulande trotz aller Reformen und Modernisierungen und bei (trotz?) allen natürlich differierenden Rahmenbedingungen auf die geschilderte Lage stracks zuzulaufen scheinen:
... Auf die christlichen Pfarreien folgen die indifferenten. Sie stehen in religiöser Hinsicht wesentlich tiefer und bilden den Übergang zur vollständigen Entchristlichung. Der Verfasser verweist in diese Gruppe alle Pfarreien, die unter 40 Prozent prakti­zierende Katholiken haben, aber äußerlich noch den Schein einer christlichen Kultur aufrecht erhalten. Die Kirchen sind gewöhnlich gut erhalten, die Kinder werden getauft und christlich unterrichtet, die Ehen werden kirchlich eingesegnet und die Toten kirchlich beerdigt. In großen Zügen bewegt sich das religiöse Leben dieser Gemeinden in folgenden Abschnitten: Taufe - hl. Kommunion - Hochzeit - kirchliches Begräbnis. 
Bis zur ersten hl. Kommunion ist die Teilnahme am religiösen Leben noch gut. Nach der Hochzeit bis zum Tode klafft gewöhnlich eine vollständige Lücke: Kein Gottesdienst mehr, keine Osterkommunion. Ein Pfarrer berichtet von einer solchen Gemeinde von 500 Seelen: 3 Frauen und die Unterrichtskinder besuchen den Sonntagsgottesdienst. 8 Personen, die Kinder inbegriffen, empfangen die Osterkommunion. Die 10 Ehen in einem Jahr wurden alle gezwungenerweise geschlossen, weil bereits Kinder vorhanden waren. Aus einer andern Pfarrei dieser Gruppe wird berichtet, dass die Bekanntschaften zwischen Burschen und Mädchen mit 13 Jahren beginnen. Ein anderer Pfarrer meldet, dass er eines Tages zugleich drei Kinder in der Familie taufen musste, darunter zwei außereheliche. Wenn in diesen Gemeinden die religiöse Tradition sich noch am Leben erhalten hat, so ist der Be­griff der christlichen Sittlichkeit beinahe vollständig geschwunden (...). Flächenmäßig erstreckt sich das Gebiet der indifferenten Gemeinden auf 3/5 des Landes und erfasst über 11.000.000 Katholiken.
Die religiöse Lage der französischen Landbevölkerung. In: Apologetische Blätter. Mitteilungen des Apologetischen Instituts des schweizerischen katholischen Volksvereins. 9. Jahrgang. Ausgabe Nr. 23/24 vom 20. Dezember 1945. S. 227 - hier ist ein PDF des Heftes zu finden.

Sonntag, 15. Juni 2014

In Ruinen knien

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Nein, nicht im bereits mehrfach erwähnten und mithin üblich verdächtigen Diakonie-Laden, sondern in der Wühlkiste eines Antiquariats fand ich gestern das nebenstehende Büchlein Auferstehung im Tod - Gebete von Erich Przywara SJ (1889-1972). Der Titel machte mich zuerst etwas stutzig ... "Auferstehung im Tod"? Ist das nicht der halbwegs letzte Schrei zeitgemäßer Wir-kommen-irgendwie-alle-in-den-Himmel-Eschatologie? Doch das schien mir - schon rein zeitlich gesehen - nicht ganz zu Przywara zu passen ...
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Alte-Messe-Molche und sonstige traditionsfrohe Seelen werden mit Przywara spätestens dann etwas anfangen können, wenn die Rede auf das Christkönigslied O du mein Heiland hoch und hehr zu sprechen kommt, dessen Dichter der Jesuit gewesen. In der Erzdiözese Freiburg ward weiland zum Eingang der Messe auch gerne Steigt zum Berg empor die Pfade oder das Heilig-Geist-Lied Großer Führer aller Welten gesungen, beide Texte ebenfalls aus Pryzwaras Feder - die Melodien schrieb jeweils Josef Kreitmeier SJ.
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Die hier veröffentlichten Gebete stammen aus der Zeit zwischen 1943 und 1947, die meisten aus den Jahren 1944 und 1945. Ähnlich wie die Theologischen Gebete von Romano Guardini sind Pryzwaras Texte der Seelsorge entwachsen und wurden zum Abschluss von Predigten und Ansprachen aus den jeweiligen Themen heraus zunächst frei vorgetragen; der historische Kontext ist hierbei freilich nicht zu überhören.
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Dies mag zum Titel des Bändchens führen - Auferstehung im Tod: Es bedarf mithin keines besonders wachen Ohrs, um den Zeitbezug zwischen den Zeilen herauszulesen; Pryzwaras Gebete steigen aus den geistigen Ruinen Deutschlands zu Gott empor - und gerade bei den Texten der letzten Kriegsjahre auch aus der Lebenswirklichkeit der Menschen in den zerbombten und verbrannten Städten: "O Herr und Gott, wir bekennen, daß wir das Totenfeld sind, das noch in dieser Stunde sich gegen dich sperrt" heißt es etwa in einem Gebet vom April 1944. Nahezu ein Jahr später - nun also einen Monat vor Kriegsende: 
O Vater im Himmel, wir spüren in dieser Stunde die ganze Tiefe Deines hohen Geheimnisses. Wir haben hier auf Erden kein heiliges Vaterhaus; denn unsere Kirchen liegen in Trümmern. Wir haben hier auf Erden kein menschliches Vaterhaus mehr; denn unsere Häuser liegen in Trümmern. O Vater im Himmel, zum erstenmal spüren wir, was wir im "Vater unser" beten: "Vater unser, der du bist im Himmel, zu uns komme dein Reich", spüren wir, daß Du unser Haus bist, daß Du unsere Familie bist.
Oder - wie es im letzten Gebet dieser Sammlung (vom Juni 1947) heißt:
O Ewiger Gott, wir knien in den Ruinen all unserer Träume, all unserer Wünsche, all unserer Erwartungen, wir knien in den Ruinen all unserer Werke, die wir aufgerichtet haben, und, was schlimmer ist, wir knien in dem Fluch, der über uns ergangen erscheint, wir knien in dem Ausgestoßenen durch die ganze Menschheit. Wir knien wie als das Beispiel des "Menschen der Lüge" und des "Menschen des Mordes".
Aber, o Ewiger Gott, wir glauben, auch wenn es unsere Augen nicht sehen, auch wenn unsere Herzen es nicht begreifen, wir knien eben so in den Ruinen, die Dir gehören, die Dir geweiht sind, die stärker Dein Gotteshaus sind, die stärker Dein Odem sind als alle Herrlichkeit, die verflossen und vergangen ist, oder die wir ersehnen. Denn wir dürfen knien einbeschlossen und einverschleiert in den Schleier des Mysteriums, das Du selbst bist ...
Diese Gebete sind für mich weit mehr als nur Zeitdokumente, die uns bestenfalls noch historisch interessieren könnten - ich persönlich sehe unser Hier und Jetzt in vielen dieser betenden Gedanken angesprochen, wenngleich sich der Unbill in Kirche und Gesellschaft anders gewandet haben mag: Auch wir knien heute in Trümmern und Ruinen.

Das BamS!

Die Heiligste Dreieinigkeit - im Auszug des Hochaltars der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Umkirch bei Freiburg:
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Ex quo omnia,
per quem omnia,
in quo omnia:
ipsi gloria in sæcula.
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Alles aus Ihm,
alles durch ihn,
alles in ihm:
Sein die Herrlichkeit in Ewigkeit!
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(aus den Festantiphonen des Breviarium Romanum)

Freitag, 13. Juni 2014

Mit Herzen, Hand und Zunge

St. Antonius - Pfarrkirche St.
Mansuetus, Biederbach
Aus einer Predigt des hl. Antonius von Padua ...
Wer keinen Glauben hat oder der Todsünde verfällt, verleugnet ihn mit dem Herzen. Stephanus sagt in der Apostelgeschichte (7, 35): Sie hatten Moses verleugnet, indem sie sagten: "Wer hat dich zum Fürst und Richter über uns gemacht?" Moses, das bedeutet "im Wasser lebend", verkörpert den Glauben, der sich von den Wassern der Taufe nährt; oder von der Gnade der Reue. Der Glaube ist die erste Tugend, ist der Fürst; Richter ist die Gnade der Reue, mit der der Sünder über sich selbst richtet und das vollbrachte Übel verdammt. Sie verleugnen Moses und wollen nicht, dass er Fürst und Richter über sie sei, die keinen Glauben haben oder der Todsünde verfallen sind.
Mit der Zunge verleugnet derjenige Christus, der durch die Lüge die Wahrheit zerstört, oder den Nächsten verleumdet. Petrus spricht (Apg 3, 13-14): "Ihr habt den Rechten verleugnet und gebeten, dass ein Mörder freigelassen würde". (...) Jene leugnen Christus, die die Wahrheit mit der Lüge und die Nächstenliebe mit der Verleumdung schlagen und zerstören.
Mit der Hand verleugnet auch derjenige Christus, der verderbte Taten vollzieht. Er verleugnet Gott mit den Werken, sagt der Apostel (Tit 1, 16). Mögen also diejenigen, die Christus in der Dunkelheit der Sünde verleugnen, bei der Predigt des Wort Gottes bereuen, bis sie im Licht der Reue zusammen mit Petrus dreimal bekennen können: 
Ich liebe, ich liebe, ich liebe!
Uns, die wir Christus immer wieder im Herzen oder mit Zunge und Hand verleugnen, helfe der heilige Antonius durch seine Fürsprache, daß wir trotz allem stets den Draht zu Gott finden ... ora pro nobis!

Donnerstag, 12. Juni 2014

Sententiæ LVII

Die Überzeugung der Welt, die ganze Verantwortung dafür, daß Gottes Liebe und Opfertod den Menschen offenbar werde, lastet auf der Kirche; die Gnade dieser Last fordert verzehrendes Feuer von allen, die der Kirche dienen, schrankenlose Hingabe an den ihr innewohnenden Geist.
Reinhold Schneider

Dienstag, 10. Juni 2014

Unpässlich ... mit vielen Klammern

So manches, was aus Rom (bisweilen auch aus Flugzeugen oder aus dem Mund des einen oder anderen Kardinals) in letzter Zeit zu hören war, beunruhigt mich (um es einmal gelinde auszudrücken) und bohrt in Wunden, die ich halbwegs verheilt glaubte (so war mein Verhältnis zu Franziskus' Vorvorgänger nach den Vorkommnisses von Assisi ziemlich zerrüttet; ich mag in solchen Fragen keine Sachen, die auch nur dem Hauch einer Zweideutigkeit anheim fallen könnten). Außerdem bin ich der dauernden Bäumchen-Pflanzerei (egal von wem, mit wem und wozu auch immer) überdrüssig, denn diese Symbolpolitik ist ohnehin für die Katz' (ich sage nur: Kratzbaum!). Nun kam mir am Wochenende ein Zitat unter die Augen, und normalerweise hätte ich es unkommentiert unter das Label Sententiæ gepackt - aber es trifft meine aktuelle Stimmungslage (auch wenn es nur einen Teil meiner Unpässlichkeiten abfängt) und stammt aus der Feder des französischen Autors Henri Ghéon, Verfassers mehrerer Heiligenbiographien und einiger Mysterienspiele (Ghéon bekehrte sich während des Ersten Weltkriegs zum Katholizismus):
Die Liebe Christi ist hart. Sie streckt die Hand entgegen, zeigt aber das Schwert. Über all zu vielem Reden von der Barmherzigkeit vergißt man, daß die Wahrheit unerbittlich ist.
In wenigen Tagen, am 13. Juni, jährt sich Ghéons Todestag zum siebzigsten Mal.

Montag, 9. Juni 2014

Hochrheinisches Amt

Wenn es nicht so strunzheiß wäre, hätte sich die heutige Fahrt ins Aargau'sche Laufenburg zu einem veritablen Ausflug an den Hochrhein ausbauen lassen; so blieb es bei einer schönen Hohen Messe vom Montag in der Pfingstoktav, gefeiert von P. Dieter Biffart FSSP, dazu ich die Orgel geschlagen habe ... danach: nix wie heim (obschon mich der Grieche mit den Tischen über dem Rheinufer auf deutscher Seite gereizt hätte) ...
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Sonntag, 8. Juni 2014

Das BamS!

Am kommenden Freitag steht wieder das Fest des hl. Antonius von Padua ins Haus - unsere in St. Anton reichlich vertretenen Tamilen (vermute ich jetzt einfach mal) haben heute den Tag bereits "angeschmückt" ...
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Maß und Mut

Pfingsten - Glasfenster in der
Pfarrkirche St. Etienne, Mulhouse

Nur die des Heiligen Geistes voll sind, werden in diesen Zeiten der brennenden Bedrängnis noch ein Wort zu sagen und ein Werk zu wagen haben. Die Gabe der Kunst der Maße, des echten Überblickes, der gestrafften Zügel und wiederhergestellten Dämme und die Gabe des starken Mutes zur Beständigkeit und Beharrlichkeit gehören zusammen (Alfred Delp SJ).
Gesegnete Pfingsten!

Samstag, 7. Juni 2014

Sententiæ LVI

Das Heilige Pneuma zeigt uns Christus nicht von außen, sondern es führt uns dahin, daß wir ihn in ihm erkennen.
Basilius der Große, Über das Heilige Pneuma 47

Freitag, 6. Juni 2014

Vertrauen zur Kirche?

Auf Windlicht erschienen dieser Tage lesenswerte Auszüge aus einer Rede zum Thema Vertrauen zur Kirche von Ida Friederike Görres, welche die Autorin 1970 unter dem Titel Im Winter wächst das Brot - Sechs Versuche über die Kirche in einem kleinen Sammelband veröffentlichte. Zuerst werden dunkle Szenarien prognostiziert, welche Görres zu ihrer Zeit bereits heraufziehen sah und die heute Wirklichkeit zu werden scheinen - sofern sie es nicht bereits geworden sind (hier). In einem zweiten Beitrag kann man auf Windlicht die Gründe nachlesen, welche die bedeutende katholische Publizistin anführte, derentwegen wir dennoch "Vertrauen zur Kirche" hegen sollen, hegen dürfen (hier).
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Flurkreuz bei der Kirche von
Feldkirch im Breisgau
Diese Gründe würde ich um einen Aspekt ergänzen, da ich - nicht zuletzt an mir selbst - immer wieder beobachte, daß wir vielleicht ja alle generell dazu neigen, "die Kirche" recht exklusiv auf deren zeitliche Komponente und unseren Durchschnitts-Horizont zu reduzieren. Womöglich ist es in unserem Glaubensbewußtsein nicht hinreichend verankert, daß die Ekklesia nicht allein aus uns und unseresgleichen in streitender Bewährung (Schwächen, Irrungen und eine Niederlage im Bösen inbegriffen) besteht (Ecclesia militans), sondern nicht minder die Heiligen des Himmels (Ecclesia triumphans) und die Seelen im Stand der Läuterung (Ecclesia patiens) einbegreift. 
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Die abschmelzende Glaubenssubstanz, derer wir in Teilen unserer streitenden Ekklesia gewahr werden, mag uns verstören und das "Vertrauen zur Kirche" schwächen. Gerade deswegen müssten wir doch umso mehr unseren Glauben dagegen setzen - ein Glaube, der jene Fülle im Auge behält, die sich uns im Mysterium der Ekklesia auch in unserer Zeit und über unsere Zeit hinaus darbietet. Stellen sich - so gesehen - nicht doch einige Phänomene, um die wir uns heute sorgen mögen, ein wenig anders dar?

Dienstag, 3. Juni 2014

Gerichtet? Gerettet!

Sie sind alle wieder da ... die Not gerichtet, die Bilder gerettet und überspielt von der Festplatte meines hinweggerafften Laptops! Ein dickes Deo gratias! Und herzlichen Dank auch an Leser Arminius, der mir den entscheidenden Tipp gegeben hatte, die Festplatte auszubauen, darauf zu vertrauen, daß sie noch funktioniert und die Inhalte per IDE/S-ATA Adapter über USB auf den neuen Rechner zu ziehen. Hat funktioniert! Hier eines von unzähligen aus der Versenkung hervorgeholter Photos - der Altar des hl. Joseph in der Kirche zu St. Märgen im Schwarzwald:
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Wobei die unzähligen Aufnahmen aus den Kirchen meiner Heimat nicht der krasseste Verlust gewesen wäre - man kann ja wieder hinfahren. Aber die ganzen Bilder und Erinnerungen an meine Familie, etwa an meine verstorbenen Eltern ... das hatte mir schon ein wenig das Herz zusammengezogen. Aber wie gesagt: Alles wieder da und ich bin froh!