Mittwoch, 30. April 2014

Erstmal weggekachelt

Ein ganz neues Erlebnis: Man startet das Notebook und muß nicht eine Viertelstunde warten, bis man damit endlich ins Netz kommt. Die aktuelle Kassenlage hat keine großen Sprünge zugelassen, aber ich hoffe, dieses packard bell-Teil hält eine Weile; die Lebensdauer seines Vorgängers wird es wohl nicht erreichen. Leider sind viele Bilder meiner frommen Besichtigungstouren auf der alten Festplatte aktuell unzugänglich - im schlimmsten Fall ein guter Grund, sich erneut auf die Socken zu machen (zuvor schaffe ich mir aber endlich ein Stativ an). Ach weh, verloren ist leider auch das Uralt-Photoshop, mit dem ich gut zurechtkam. Neu ist jetzt Bildmanipulation mit gimp, und gimp mag zwar gut sein, macht im Moment aber noch keinen Spaß. 
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Windows 8.1 ist, plappern wir mal die gemäßigten Litaneien nach: gewöhnungsbedürtig - und das Gewohnheitstier in meinereiner arbeitet dann doch lieber mit dem vertrauten desktop, die Novitäten dieses Betriebssystems lassen sich fürs Erste ja wegkacheln, sozusagen. 
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Jedenfalls wohnt diesem Neuanfang jener Zauber inne, daß man durch geschickte Organisation die Kraut-und-Rüben-Ansammlung von sinnträchtigen Dateien und sinnfreiem Gedöns, virtuellem Gerümpel und Programmen, die zuletzt das Tipp-, Tag- und Nachtwerk prägte, künftig vermeiden könnte.
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Immerhin ist es mir obendrein gelungen, bei einem etwas bleischweren Schwäbischen Traditionsunternehmen jenes wallpaper erneut aufzutun, das schon bislang den desktop zierte - soviel Hermeutik der Kontinuität muß sein, mindestens ...
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Da dürfte selbst Sankt Sebastian neidisch werden ...

Dienstag, 29. April 2014

Eingeschrieben

Du,
o Maria,
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bist zum Buch geworden,
in dem heute unsere Lebensregel 
aufgeschrieben worden ist.
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Heute
ist in dir
die Weisheit des Vaters
eingeschrieben worden,
heute 
offenbart sich in dir
die Würde, Stärke und Freiheit
des Menschen.
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Ich sage,
es zeigt sich die Würde des Menschen,
denn wenn ich dich,
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Maria,
betrachte, sehe ich,
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daß die Hand des Heiligen Geistes
dir heute die ganze Dreifaltigkeit 
eingeschrieben hat,
als Er 
das fleischgewordene Wort,
den eingeborenen Sohn Gottes,
in dir bildete.
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Die Hand des Geistes
schrieb in dir
die Weisheit des Vaters
nieder,
eben dieses Wort selbst.
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aus einem Gebet der hl. Katherina von Siena zum Fest Mariä Verkündigung - in: Caterina von Siena: Meditative Gebete. Einsiedeln (2) 1981. S. 115 f.

Sonntag, 27. April 2014

Zwangspause

Hier herrscht vorerst eher Ruhe, da mein Notebook nach langen Jahren getreuer Dienste gestern - es sieht jedenfalls stark danach aus - seinen Geist aufgegeben hat und seinem XP-Betriebssystem offenbar in die Grube folgen will (Bloggen per Smartphone ist wenig prickelnd). Jedenfalls läßt er sich nicht mehr hochfahren, ganz gleich, welchen vermittels einer Fehlermeldung empfohlenen Modus man auch wählt. Wenn jemand eine Idee hat ... einige Daten würde ich nämlich auch noch gerne retten.

*seufz*

Freitag, 25. April 2014

Die Mienen der Madonnen

Es war eine große Statue, über zwei Meter hoch, ein Ding schwer wie Blei. Eine große Statue, aus bemaltem Ton, in so scheußlichen Farben, daß einem die Augen weh taten ...
... Im August aber, am Tag der großen Prozession, wenn man die "Madonna brutta" aus der Seitenkapelle herausholte und auf einem Traggestell durch die Straßen des Dorfes trug, wurde sein Leiden akut. Vom Schatten der Seitenkapelle befreit, traten die Gesichtszüge der Madonna in der stechenden Sonne noch weitaus schärfer hervor. Es war ein häßliches, es war aber auch vor allem ein böses Gesicht. Ein Gesicht mit groben Zügen. Da waren Triefaugen, alles eher als ekstatisch ...
Manche Madonnen gucken, das fiel mir bei diversen Streifzügen durch unsere Kirchen auf, ziemlich gruselig und mürrisch aus der Wäsche - und schon manchmal mußte ich dann an die Madonna brutta, an die "häßliche Madonna" denken, die dem armen Don Camillo das Leben einsäuerte (bis er ihren wahren Wert erkannte, aber da lag die arme Madonna brutta bereits in Scherben, alles nachzulesen bei Guareschi).
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Ich komme heute drauf, weil ich, nein: keiner Madonna brutta über den Weg gelaufen bin. Ganz im Gegenteil: Die Filialkirche St. Martin in Biederbach birgt ein Bild Unserer Lieben Frau, welches gewiß nicht die Höhe der abendländischen Plastik repräsentiert, das aber bei all erkennbarer Unzulänglichkeit mit gewinnend-einladenden Gesichtszügen aufwartet ... etwas täppisch vielleicht, aber sympathisch allemal ...
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Nos cum prole pia
benedicat Virgo Maria!

Donnerstag, 24. April 2014

Bauernbarock mit Brutalo-Bronze

Neuerdings soll man ja an die Peripherie gehen. Das habe ich mir heute zu Herzen genommen und bin in eine der äußersten Ecken, die mit meiner Monatskarte erreichbar sind, gefahren - nach Oberprechtal. Die Pfarrkirche Mariä Krönung bietet überwiegend ländliches Barock irgendwie aus der Zeit zwischen (mutmaßlich) 1750 und 1950. 
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Nach dem Konzil, geschätzt in den 1980er-Jahren, wurde mit dem Barock gebrochen und unter anteiliger Aufwendung von (damals beliebter) Brutalo-Bronze diese aufregend-bezaubernde Mensa dahingestaltet:
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Immerhin - auf dem Altartisch liegt ein Kreuz, die Kerzen sind rechts und links angeordnet und die Altarplatte muß obendrein nicht, wie so oft, als Blumenbank herhalten. Die Dekorationen drumherum sind durchaus liebevoll arrangiert; da all das aber von einem Stuhl-(Halb)-Kreis umstanden wird, wirkt das Presbyterium ziemlich zugestellt.
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Recht reizvoll nimmt sich die neobarocke Oberprechtäler Schwarzwaldlandschaft mit Wald und Wild und Bauern und Hof samt hommage an den Schöpfer im Deckengemälde über der Orgel aus ... Lob und Dank für Deine Herrlichkeit:
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Mittwoch, 23. April 2014

Weh meiner Zeit und mir, der sie beendet!

Sankt Georg im Kampf mit dem Drachen - Prozessionsfahne in
der Pfarrkirche St. Georg, Kirchhofen-Ehrenkirchen
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Auf den heiligen Soldaten und Blutzeugen Georg, dessen die Ekkelsia heute gedenkt, schrieb Reinhold Schneider einst ein Sonett - und wie bei so vielen Sonetten Schneiders hört man meines Ermessens den zeitlichen Hintergrund deutlich heraus. Die Gestalt des Heiligen rückt dabei in den Hintergrund, während das Bild eines christlichen Streiters immer klarer aufscheint, dem die Anfechtungen durch das Böse zu keiner Zeit erspart bleiben, auch wenn sich deren Erscheinungsformen wandeln. Der Kampf des heiligen Georg mit dem Drachen mag Legende oder Mythe sein, die innere Wahrheit dieser Überlieferung bleibt aber stets aktuell - und koste sie gar das Leben: "Ich bin dir tödlich, ob ich an dir sterbe" stellt den Martyrer in die unmittelbare Nachfolge des Kyrios, der selbst den Tod durch den Tod besiegt und die Macht des Bösen gebrochen hat. 
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Daß wir den mannigfachen Anfechtungen in dieser Welt, den kleinen wie den großen, tapfer widerstehen (wie oft erliegen wir bereits den kleinen!), dazu verhelfe uns Sankt Georg durch seine Fürsprache ... ora pro nobis!
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Update ... Das Sonett trägt eine Widmung an Karl Ludwig von Guttenberg, die ich zuerst nicht besonders beachtet hatte - nun habe ich aber doch nachgeschlagen, wer das genau sei: Guttenberg war Mitglied des Widerstands vom 20. Juli 1944 rund um Stauffenberg, dessen Attentat auf Hitler freilich scheiterte. Es dürfte für das historische Verständnis dieses Sonetts nicht unwichtig sein, diese Widmung bei der Lektüre zu beachten ...
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St. Georg
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Mit dir möcht' ich nicht streiten, Ungestalt!
Dein Atem widert mich, die leere Brunst
Unsteten Blickes, deines Blutes Dunst,
Die Tücke, die aus kaltem Herzen wallt.
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Weh, daß an dich gefallen die Gewalt!
An dich des Schwertes ritterliche Kunst,
Der reichen Erde tausendfältige Gunst,
Und daß mein Schmerz aus solchem Grabe schallt!
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Doch muß es sein. Es ist ein Strahl gesendet
Von oben, der dein schmählich Reich zerbricht:
Ich bin dir tödlich, ob ich an dir sterbe.
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Weh meiner Zeit und mir, der sie beendet!
Erbarme, Gott, dich meiner im Gericht,
Und heilig-reine Jugend sei mein Erbe!
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Reinhold Schneider: Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte. Köln und Olten 1954. S. 113.

Sententiæ LII

"Sie glauben, daß ich von einem andern zu Ihnen geschickt worden bin? Gestehen Sie es: Sie halten mich für den Teufel!" (und da Xavier mit den Schultern zuckte) fügte er hinzu: "Siehe da! Schon wieder ein Christ, der lacht, wenn man ihm vom Teufel spricht!"
"Ich sage nicht, daß er nicht existiert, nur ..."
"Was nur? Wenn der Teufel erfunden ist, dann ist das übrige es auch, geben Sie es zu."
(aus "Das Lamm" von François Mauriac)

Montag, 21. April 2014

Verdrossene Jünger

Das Mahl mit den Jüngern in Emmaus - Antependium am Hochaltar
der Klosterkirche zu Friedenweiler im Schwarzwald
Er sprach zu ihnen: Was sind das für Reden, die ihr da im Gehen miteinander wechselt? Da blieben sie stehen, verdrossen dreinblickend (Lk 24, 17).
Früher habe ich bei der Emmaus-Geschichte immer nur halb hingehört (womöglich hat man mir den Bericht im Rahmen kindgerechter Katechese anfangs auch nur unvollständig-irreführend nahegebracht). Was blieb hängen? Durch den Tod Jesu deprimierte Jünger gehen einige Tage nach der Kreuzigung von Jerusalem nach Emmaus. Die Jünger sind traurig, weil Christus am Kreuz gestorben ist. Jesus gesellt sich zu ihnen, die Jünger aber erkennen ihn nicht; erst beim Mahl geht ihnen ein Licht auf - und es ward den Jüngern Ostern.
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Das ist schön, aber nicht ganz richtig. Die Frauen hatten ihnen bereits vom leeren Grab erzählt und von den Engeln, "die sagen, er lebe" (Lk 24, 23). Wir haben es hier also nicht mit tod-traurigen Jüngern zu tun, sondern mit, sagen wir mal - ziemlich zweifelnden: "Aber ihre Augen waren gehalten, daß sie ihn nicht erkannten" (Lk 24, 16); und dies mutmaßlich nicht erst, als der vermeintliche Fremde nun ihren Weg kreuzt. Womöglich war ihnen die Gestalt Jesu auch vor seinem Tod letztlich fremd geblieben, denn weder die Ankündigung seines Todes mit der Verheißung seiner Auferstehung, noch die Zeichen des Ostermorgens stießen auf vertrauensvollen Glauben. Sie streiten sich vielmehr über das, "was in diesen Tagen" zu Jerusalem "geschehen ist". 
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Und sie sind "verdrossen".
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Wir heute mögen manchmal aus anderen Gründen verdrossen sein - etwa im Blick auf mannigfache Turbulenzen in der Ekklesia und der Welt drumherum. Ich denke, man sollte diese Verdrossenheit keineswegs einfach vom Tisch wischen mit dem Hinweis, der Kyrios werde - er hat es schließlich verheißen - sowieso alles zum Guten wenden und beschließen. In der Verdrossenheit kann auch ein Stachel stecken, der uns zur Verteidigung unseres Glaubens anspornt. Freilich steht dabei stets die Gefahr im Raum, daß wir den Kyrios und seinen Auftrag verfehlen, weil der Frust das (Leit-) Bild Christi längst überwuchert hat. 
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Ein selbstkritischer Blick mit denJüngern von Emmaus kann nicht schaden ... wie offen sind unsere Augen? Und: Erkennen wir Christus, unseren Kyrios, wenigstens (wie die beiden Jünger), wenn er Mahl mit uns hält? Oder tragen wir selbst dann all unsere Verdrossenheit noch mit uns herum?

Sonntag, 20. April 2014

Das BamS!

Süß-Delikates, Frucht österlicher Beutezüge und Beschaffungen ... 
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Update: Die Fastenzeit ist gerade mal rum, und schon vergisst man wesentliche Dinge (und landet ein wenig im Dunstkreis von Phil 3, 19).
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Besiegelt - Ostergruß

Klosterkirche St. Ulrich im Schwarzwald
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Auf alle Wunder, 
die Christus in seinem Heilswalten wirkte,
legt die Auferstehung das Siegel!
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Theodor von Mopsuestia, Katechetische Homilien 7, 4

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Bitten wir, daß wir das Siegel,
welches wir in heiligen Mysterien
der Taufe, der Firmung und
der Eucharistie
empfangen haben,
durch diese Zeit und den Tod
ungebrochen
in das uns verheißene Leben hinübertragen!
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Gesegnete Ostern!
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Samstag, 19. April 2014

Er ist nicht auferstanden!

Noch nicht ... jedenfalls. Man verzeihe mir das kleine Häredikulum an dieser Stelle. Aber als ich soeben die Übersicht zu den Neuigkeiten auf anderen blogs rauf und runter fuhr, stießen mir die hier und da virtuell anschwellenden Halleluja-Gesänge am Karsamstagmorgen ein wenig auf. Der Eindruck, Teile der Blogozese können sich in ihrer Freude schlicht nicht bremsen, beschlich mich schon bei manch früherem Anlass. Und das ist auch gewiß nicht unsympathisch, aber in diesem Fall stört's mich halt hinreichend genug, so daß ich nun nicht die Klappe halten kann, wenn das Spannungsfeld, welches der Karsamstag nun einmal evoziert, mit vorgezogener Osterfreude ausgehebelt wird ...
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Drei Dinge: Ich weiß, daß bis in die 1950er-Jahre Osternachtsfeiern am Karsamstagmorgen die Regel waren. Aber ich vermute, daß die Ekklesia diese Gepflogenheit aus gutem Grund zurückgestutzt hat. Zweitens eine Bitte um Nachsicht bei allen, die sich nun vielleicht auf den Schlips getreten fühlen (Ostergrüße erwidere ich natürlich gerne, aber ich hätte ebenso gerne bis morgen damit gewartet). Und drittens eine klare Ansage am frühen Karsamstagnachmittag:
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Der Leichnam Jesu - aus einem Heilig-Grab-Ensemble des
Klosters St. Trudpert im Münstertal

Freitag, 18. April 2014

Karfreitagszauber

Wie dünkt mich doch die Aue heut' so schön ... räsoniert Parsifal im dritten Akt von Wagners gleichnamiger Oper ...
... Wohl traf ich Wunderblumen an, die bis zum Haupte süchtig mich umrankten; doch sah' ich nie so mild und zart die Halme, Blüten und Blumen, noch duftet' all' so kindisch hold und sprach so lieblich traut zu mir.
Gurnemanz verrät ihm das Geheimnis dieser Blumen:
Das ist ... Karfreitagszauber, Herr! (...) Des Sünders Reuetränen sind es, die heut' mit heil'gem Tau beträufet Flur und Au'; der liess sie so gedeihen. Nun freu't sich alle Kreatur ...
Ich mußte dran denken, als ich nach der Karfreitagsliturgie durch den Garten der Benediktinerinnen von der hl. Lioba streifte ...
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Neue Schöpfung

Jesus stirbt am Kreuz - Station des Kreuzweges in der Konviktskirche
St. Karl Borromäus, Freiburg

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Mir aber möge es nicht geschehen,
mich in etwas anderem zu rühmen
als im Kreuze
unseres Herrn Jesus des Messias -
durch den mir die Welt gekreuzigt ist
und ich der Welt.
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Denn weder Beschneidung gilt etwas
noch Unbeschnittenheit, sondern:
Neue Schöpfung.
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Und alle, die in dieser Regel dahingehen:
Friede und Erbarmen über sie
und über das Israel Gottes.
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Galater 6, 14-16

Donnerstag, 17. April 2014

Angst

Christus im Garten Gethesami - Detail einer Ölbergsgruppe in der
Pfarrkirche St. Laurentius in Kenzingen
Und er geriet in Todesangst.
Und noch ausdauernder betete er. 
Und es wurde sein Schweiß:
wie Blutstropfen, die zur Erde fallen.
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So ist uns nach Lukas (22, 44) überliefert. Es muß nun nicht unbedingt die Erfahrung von Todesangst sein. Aber wem das Leben irgendwann einmal regelrecht entgleist ist, wer sich plötzlich in einer Lage befand, in der vieles, was zuvor sicher schien und Sicherheit gegeben hat, plötzlich in Trümmer sank ... wem sich da die Brust zusammenzog, wem die Atemzüge kurz wurden, wem jedes Wort auf der Zunge zu zerbrechen schien, jede Wahrnehmung zerfaserte ... wer die Erfahrung gemacht hat, wie Beklemmung jeden Gedanken und jeden Schritt begleitet und Angst vor dem, was ist und was nun als nächstes kommen kann, das Herz erfasst, das Gemüt gefangen nimmt, jede Kraft und allen Mut aufzufressen scheint - der wird vielleicht mitempfinden können, ein Stück weit zumindest, was das heißt: Am Abend vor seinem Leiden ...
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Der Abend davor führt Christus unter die Ölbäume von Gethsemani - schwacher Nachhall des Gartens Eden. Es ist der konkrete Schritt in die Passion. Keine Stunde, kein anderes Geschehen mehr trennt den Kyrios von dem, was ihm nun bevorsteht. Nichts bietet mehr Aufschub. Nichts verschafft erneut Zeit, um noch einmal durchatmen zu können, um jene kleinen Gefälligkeiten des Lebens zu genießen, mit denen zumindest wir uns von widrigen Herausforderungen, die wir auf uns zukommen sehen, womöglich nochmals ablenken lassen. Hier aber geht es nicht um Widrigkeiten. Hier geht es um die kommenden Stunden mit Verrat und Verhören, Verhöhnung und Folter. Um Stunden bohrender Schmerzen, die im Tod erst aufhören werden - den Leib auf ein Kreuz genagelt.
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Und er geriet in Todesangst.
Und noch ausdauernder betete er. 
Und es wurde sein Schweiß:
wie Blutstropfen, die zur Erde fallen.
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Jesus bittet drei seiner Jünger, in der Nähe zu bleiben und zu beten: Petrus, Jakobus und Johannes. Jene Jünger, welche die Herrlichkeit des Kyrios bereits auf dem Tabor geschaut haben. Sie bleiben - und schlafen ein. Haben sie nichts verstanden? Lukas schreibt, sie hätten ob ihrer Trübsal geschlafen. Auch Evangelisten scheinen geneigt zu sein, verschämte Momente zu mildern. Kann man in einer solchen Stunde schlafen? Andererseits: Lehrt uns nicht die Erfahrung, daß man es kann?
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Was auch immer sie schlafen läßt - die Jünger beurteilen die Lage anders als Jesus oder hören schlicht nicht auf ihn; auch eine dreimalige Ermahnung öffnet ihnen nicht die Augen. Ihr Verhalten macht sie hier im Garten mehr als nur sprichwörtlich teilnahmslos an dem, was Gott in seinem Sohn in den kommenden Stunden tun wird und was ihnen Christus zuletzt immer wieder nahezubringen versucht hat.
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Und er geriet in Todesangst.
Und noch ausdauernder betete er. 
Und es wurde sein Schweiß:
wie Blutstropfen, die zur Erde fallen.
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Vielleicht können wir in diesen drei Jüngern uns selbst erkennen, die wir auf unsere Weise die Herrlichkeit des Kyrios bereits verkosten durften: In den Sakramenten - vor allem im eucharistischen Mysterium. Wie oft ist es uns schon zur Taborstunde geworden. Und wie oft schlafen wir, wenn Christus uns mahnt, wach zu sein ...

Mittwoch, 16. April 2014

Stationsgedanke

Eine Station ... Christus niedergestreckt in den Staub und Dreck des Weges zu seiner Hinrichtung. Nach der Beichte im Münster (ein Weihbischof saß im Beichtstuhl) wechselte ich zur Danksagung in die ruhigere Konviktskirche und, nein - ich betete danach nicht den Kreuzweg, verweilte aber bei einzelnen Situationen.
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Bei dieser fiel mir auf, daß das Kreuz in eine andere Richtung zu weisen scheint als der schier davon erschlagene Kyrios: Christus schält, windet sich in Gegenrichtung heraus aus der Last dieses Holzes, als wollte er dem Joch entkommen, einfach wegkriechen, irgendwo am Rand liegen bleiben. Meine Gedanken gehen zurück zum Garten Gethsemani: "Vater! Wenn du willst, führ diesen Becher an mir vorüber. Jedoch nicht mein Wille, sondern der deine geschehe. Doch da ließ sich ihm sehen ein Engel vom Himmel - der stärkte ihn" (Lk 22, 42 f.). 
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Der Engel ist hier fern. Sehen lassen sich nur die Passanten am Rand. Ist es eine helfende Hand, die hier ausgestreckt wird? Oder eine spöttisch-sprechende Geste ... Schaut euch mal den da an ...? Christus ist nun selbst der Mühselige und Beladene. Zu wem kann er kommen?
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Er kommt wieder auf die Beine und schleppt das Kreuz weiter und stirbt daran. Für uns. Haben wir wirklich eine Ahnung, was das heißt?

Dienstag, 15. April 2014

Sententiæ LI

Wenn unser Auge durch die Teilnahme an der Passion Christi von aller irdischen Trübsal gereinigt ist, wenn die Hülle von unserem Antlitz weggenommen ist, dann schauen wir revelata facie - "mit entschleiertem Antlitz" (2 Kor 3, 18) die "Glorie des Kyrios", d.h. wir sehen durch die niedrige Hülle, die den Herrn vor der Welt und den Engelmächten dieses Aions verbarg, durch sein Kreuz und seinen Tod hindurch den Gottessohn in seinem himmlischen Glanze; wir werden reine Spiegel seiner Herrlichkeit; ja, wir werden selbst reine Bilder des Kyrios.
Odo Casel OSB

Sonntag, 13. April 2014

Das BamS!


Schlössen wir deine Wunde, wenn Gott selbst sich weitet?
Welchen Trost dir bereiten, wenn das Unendliche leidet?
Welche Liebe, o Gott, wenn dich selbst Liebesbrände ausmerzen?
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Die Rose gilt mir nicht viel, mit ihren Dornen verglichen,
Wenig die Liebe, aus der Gottes Leiden gewichen!
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Das Bild zeigt eine Kirchenfahne aus der Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Hausen an der Möhlin - die Verse sind der Hymne an das Heilige Herz von Paul Claudel entnommen, die deutsche Übersetzung besorgte Hans Urs von Balthasar.

Hosanna filio David

Einzug des Kyrios Christus in
Jerusalem - Glasfenster in
St-Étienne, Mulhouse, Elsass
Die Heilige Woche war bereits vor dem Konzil Gegenstand diverser Reformen. Manche davon sind unmittelbar einleuchtend - etwa die Rückverlegung der Osternacht vom Karsamstagmorgen (wohin sie im Lauf der Zeit gewandert war) auf die Nacht zum Ostersonntag. Andere mögen einem Tränen in die Augen treiben - so etwa die Kürzungen in der Liturgie der Palmweihe heute, worüber ich schon im vergangenen Jahr geschrieben hatte (hier).
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Den Reformen fiel auch die præfatio der Palmweihe zum Opfer:
Vere dignum et justum est, æquum et salutare, nos tibi semper et ubique gratias agere: Domine, sancte Pater, omnipotens æterne Deus: 
Qui gloriaris in concilio sanctorum tuorum. Tibi enim serviunt creaturæ tuæ: quia te solum auctorem et Deum cognoscunt, et omnis factura tua te collaudat et benedicunt te sancti tui. Quia illud magnum Unigeniti tui nomen coram regibus et potestatibus hujus sæculi libera voce confitentur. Cui assistunt Angeli et Archangeli, Throni et Dominationes ...
In Wahrheit ist es würdig und recht, angemessen und heilsam, Dir immer und überall Dank zu sagen: Herr, Heiliger Vater, allmächtiger, ewiger Gott! 
Du bist verherrlicht in der Versammlung deiner Heiligen. Denn dir dienen deine Geschöpfe, weil sie allein in dir ihren Urheber und Gott erkennen. Alles, was du geschaffen hast, stimmt ein in das Lob und es preisen dich deine Heiligen: Den hohen Namen deinen eingeborenen Sohnes bekennen sie frei vor Königen und Mächtigen dieses Aions. Um dich stehen dienend die Engel und die Erzengel, die Throne und Mächte ...
Ein wunderbarer Text, in den wir mit dem Sanctus einstimmen und damit auch bekennen, daß wir uns dem concilio sanctorum, der "Versammlung der Heiligen" zugehörig wissen dürfen. Gott geben wir die Ehre, indem wir Gottes Programm für die Menschen - kein Manifest, sondern sein Sohn selbst - vor aller irdischen Gewalt proklamieren und zur Mitte unseren Lebens machen. Ihm, Christus, gehen wir entgegen, Palmzweige in den Händen, die Zeichen sein sollen, daß wir in ihm unseren Kyrios erkannt haben, der das Reich Gottes im Pneuma Gottes heraufführen und besiegeln wird durch das mysterium paschale: Anfang einer erneuerten Schöpfung, Beginn einer neuen Heilsordnung, Herrlichkeit im Neuen Bund: Hosanna filio David!

Samstag, 12. April 2014

Jeden Sonntag 30.000 Predigten

Zwei kleine Lesehäppchen ... meine Besuche im Diakonieladen sind aktuell nicht so ergiebig, weil vor allem evangelikale Schriftlein und preudospiritueller Schmus die drei Regalböden mit religiösen Büchern beschwappen, aber heute stieß ich unter anderem auf ein Bändchen des Pastoraltheologen Franz Xaver Arnold (Glaubensverkündigung und Glaubensgemeinschaft. Düsseldorf 1955); hier zwei Zitate daraus ... 
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Das eine ist fast schon Balsam auf die Seele des traditionsfrohen Katholiken und Ansporn zur Wachsamkeit im selben Atemzug:
Die größten Gefahren haben überall darin ihre besondere Gefährlichkeit, daß sie nicht bemerkt werden. So ist es auch in der Kirche. Sie ist immer von Gefahren bedroht. Die größten aber sind stets die Gefahren von innen. Denn alle äußeren werden erst gefährlich, weil und wenn sie auf eine Schwäche von innen treffen. So war es schon beim Arianismus. So war es neuerdings auch beim Liberalismus. Er war und ist für die Kirche nur in dem Maße zur Gefahr, als er auf eine im unguten Sinn liberale Haltung innerhalb der Kirche traf (34).
Ein wenig als Warnung könnte man sich zuweilen in traditionsfrohen Kreisen den folgenden Abschnitt zu Herzen nehmen (die "Verkündigung" so mancher Zeitgeistlicher wird meines Ermessens garnicht berührt):
Es ist nicht zu leugnen, daß eine unzulängliche Art der Verkündigung dem Glauben die Wege verbauen kann. Offenbar hatte der geistvolle Bischof Dupanloup von Orléans (+1878) genau diesen Vorgang im Auge, als er mit schmerzlicher Ironie die Worte schrieb: "Jeden Sonntag 30.000 Predigten in Frankreich - und immer noch hat das Volk einen Glauben" (35).

Freitag, 11. April 2014

Wehen unter dem Kreuz

Schmerzensreiche Gottesmutter - Augustiner-Museum, Freiburg
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Die Liturgie vom Freitag der ersten Passionswoche birgt das Gedächtnis der Sieben Schmerzen Unserer Lieben Frau. Nicht lang ist's her, da wurde auf dieser Seite bekräftigt, daß Maria den Kyrios zwar ohne Schmerzen geboren habe, daß aber auch sie, trotz der Freiheit von der Urschuld und der ihr verliehenen höchsten Gnaden, Schmerz und Leid im Blick auf ihren Sohn kannte und erduldete, wie ihr vom greisen Simeon bedeutet worden war: "Und auch dir selbst wird ein Schwert durch die Seele dringen" (Lk 2, 35).
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Als ich mich gestern Abend auf dieses Gedächtnisses ein wenig einstimmte, stieß ich beim hl. Johannes von Damaskus auf einen Passus, der beide Erfahrungen Unserer Lieben Frau zusammen klingen läßt:
Diese selige Jungfrau, der übernatürlichen Gaben gewürdigt, erduldete die Wehen, denen sie bei der Geburt entging, zur Zeit des Leidens, als sie im mütterlichen Mitleiden die Zerfleischung ihres Herzens erlitt (Darlegung des orthodoxen Glaubens IV, 14).
In der dunkelsten Stunde dieser "Wehen" übergibt uns - mit dem Jünger Johannes - der Kyrios seiner Mutter als Kinder: in dieser pneumatischen Mutterschaft wird Maria so zum Typos der Ekklesia. Sie stehe uns in unseren dunklen Stunden zur Seite und stärke uns durch ihren unverbrüchlichen und durch Schmerz und Leid erprobten Glauben, von dem die Ekklesia des Ostens singt:
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Der unseretwillen gekreuzigt wurde,
wohlan, ihn wollen wir alle in Hymnen besingen.
Ihn schaute Maria am Holz und sprach:
Wenn du auch das Kreuz erduldest,
du bist doch mein Sohn und mein Gott (1).
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Ein Schwert, mein Sohn, sprach die Jungfrau,
als sie am Holze Christus hängen sah,
durchdrang mein Herz und zerreißt es, Herr,
wie einst Simeon mir verkündet hat.
Doch auferstehe, Unsterblicher, und laß teilhaben
an deiner Herrlichkeit deine Mutter und Magd, bitt' ich (2).
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(1) Kontakion (kurzer Hymnus) zum Abschluß der Horen am Karfreitag; (2) Theotikon (Hymnenstrophe zu Ehren der Gottesgebärerin) am Dienstagabend der sechsten Fastenwoche - in: Lothar Heiser: Maria in der Christus-Verkündigung des orthodoxen Kirchenjahres. Sophia Band 20. Trier 1981. S. 276 f.

Donnerstag, 10. April 2014

Sententiæ L

Es geht um den Glanz der Kirche, nicht den Glanz der äußeren Macht und Herrlichkeit, sondern um den Glanz der Gloria Dei, der als Ergebnis der inneren Weihe und Würde strahlen soll, so daß die Menschen einer unchristlichen Zeit eine Ahnung bekommen sollen von dem großen Gott, der hinter dieser Kirche steht.
Alfred Delp SJ

Dienstag, 8. April 2014

Prägende Bücher: "Im Herrn" von Otto Pies SJ

Zum Erscheinen des neuen Gotteslob habe ich mir gedacht, in nächster Zeit kurz einige Gebetbücher und Bibelausgaben vorzustellen, die in meinem Leben einen Platz gefunden haben ... den Auftakt mache ich mit dem Gebetbuch Im Herrn, das von Otto Pies SJ herausgegeben wurde.
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Meine Ausgabe stammt aus dem Jahr 1957. Erstmals erschienen ist das Bändchen, so vermute ich, während des Zweiten Weltkriegs: "Seinem Herausgeber stellte es sich erstmals im KZ vor" schreibt der Jesuit Pies, der von 1941 bis 1945 in Dachau interniert war, im Vorwort zur fünften Auflage (1952). Und weiter: "Vielen unserer Soldaten gab es Glaubenskraft und Hoffnung. In manchen Gefangenenlagern nach dem Krieg ging es von Hand zu Hand".
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Prägend sind für das Buch zum einen Texte aus der Heiligen Schrift, die teils zu Gebeten umgeformt wurden, teils unmittelbar den Psalmen entnommen sind, dann Gebete und Hymnen aus der Heiligen Liturgie und aus der Feder von Heiligen und glaubensstarken Persönlichkeiten; der feste Stamm gängiger Gebete und Litaneien - nenne wir es schlicht "Traditionsgut" - fehlt natürlich auch nicht. Entfaltet wird das alles in mehreren Themenkreisen, die das Leben des katholischen Christen sowohl sakramental als auch vom Dienst vor Gott und in Kirche und Welt her erfassen.
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Der Wert vom Im Herrn läßt sich vor allem dann ermessen, wenn man es mit anderen Andachtsbüchern jener Zeit vergleicht, die oft und gern noch auf einer eher empfindsamen und subjektiv getönten, wenn nicht gar sentimentalen Linie lagen, welche noch aus dem 19. Jahrhundert rührte. Vieles, was uns heute selbstverständlich erscheinen mag, etwa das Psalmengebet oder die Teilhabe an liturgischen Texten, dürfte sich damals durch Bücher wie Im Herrn weiteren Kreisen unter den Gläubigen überhaupt erst erschlossen haben - man darf nicht vergessen: Es war eher eine Minderheit, die ein Volksmessbuch zur Hand nahm, und auch die Diözesangesangbücher aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts boten im Bereich der angesprochenen Texte eher wenig. Nicht zuletzt spricht für das kleine Andachtsbuch, daß es bis heute - das finde ich jedenfalls - keineswegs überholt ist. Ich greife immer wieder gerne danach ...

Sonntag, 6. April 2014

Das BamS!

Heute vor 56 Jahren, am 6. April 1958, ist Reinhold Schneider gestorben. Seit 1938 lebte der katholische Dichter in der Mercystraße in Freiburg - jene Zeit ausgenommen, zu der er sich vor dem Zugriff der Gestapo versteckt halten mußte.
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Eine Gedenktafel (an der Mauer rechts) erinnert den Vorübergehenden an Reinhold Schneider, darauf die ersten Zeilen aus Schneiders Sonett Epilog (gedichtet 1943):
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Die Wahrheit nur wird an die Herzen dringen,
Und wirken wird das Wort nur, das gelebt;
Wenn keine Stimme weisend sich erhebt,
Dann ist es Zeit, dann will ich es vollbringen.
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Ich fühl' der Liebe ewige Kreise schwingen
Und wie das Licht zum Lichte rastlos strebt
Noch eh' von morgen mich ein Hauch umschwebt,
Der Erde und des Lebens Fesseln springen.
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Und schon entrückt von gnadenvollem Leide,
Möcht' an der Schwelle ich von Liebe sagen,
Die allen dient und keine Schuld mehr wägt.
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Mit meines Schicksals fast verzehrtem Kleide
Bleibt eines Bettlers Glut, ein Herz zu tragen,
Dem sich die Wahrheit mächtig eingeprägt.
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Reinhold Schneider: Die Sonette von Leben und Zeit, dem Glauben und der Geschichte. Köln und Olten 1954. S. 57.

Donnerstag, 3. April 2014

Sententiæ XLIX

Mit der Verleugnung Gottes ist die Welt entwürdigt - und niemand schützt den Menschen, wenn Gott ihn nicht schützt.
Reinhold Schneider

Mittwoch, 2. April 2014

Gotteslob - mein erster Eindruck

Heute lungerte ich eine Weile in der Thalia-Buchhandlung herum, um mir das neue Gotteslob etwas genauer zu Gemüt zu führen; gekauft habe ich es erstmal nicht, da ich mit dem Buch selbst wenig zu schaffen habe und in den Kirchen bald genug Exemplare herumliegen dürften. Für einen Alte-Messe-Molch ist das Gotteslob schließlich nicht unbedingt das Referenzbuch. In Basel nutzen wir einen traditionsfrohen Gebet- und Liederrattenschwanz ("Salve Regina" geheißen), in den nicht minder traditionsfrohe Zeitgenossen gewiß eine Menge Arbeit investiert hatten und den ich trotzdem nicht ausstehen kann - mit teils dämlichen Text- und/oder Melodiefassungen. Wenn wir schon gerade beim Nachbarland sind: Das neue Gotteslob scheint mir um Klassen besser als das vor einigen Jahren in der Deutschschweiz eingeführte Kirchengesangbuch.
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Die Freiburger Ausgabe ist derzeit in blau, rot und schwarz zu haben (die Kirchenexemplare sind grau) und verzichtet auf jede weitere Einbandgestaltung, mithin auch auf das umstrittene "Logo". Neben den Büchern wurden bei Thalia diverse Hüllen mit einem klassischen Kreuz oder dem Ichthys-Symbol (Fisch) feilgehalten.
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Nicht zuletzt auf facebook wurde der Einband und die enthaltenen Strichzeichnungen in letzter Zeit mehrfach thematisiert. Ich gestehe: Mir gefällt weder das eine noch das andere. Das "Logo" ist mir schlicht zu beliebig; schön, wenn andere alles Mögliche drin erblicken können und sich an allerhand erinnert fühlen - vom Kreuz bzw. dem anverwandten griechischen Buchstaben tau über ein Oster- oder Dreifaltigkeits-Icon bis hin zum Lebensbaum oder auch Adobe-Logo bzw. der Werbe-Ikonographie eines bestimmten Abführmittels reichen offenkundig die Assoziationen. 
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Gerade das breite Spektrum (im weitesten Sinn) religiöser Deutungsmuster mündet jedoch in jene Unverbindlichkeit, die häufig auch die Verkündigung hierzulande prägt: Wer keinen Zugang mehr hat zum klaren Wort vom Kreuz, der kann in der Linienführung ja den auferstandenen Kyrios erkennen; wer aber bei der Osterbotschaft "mit Haut und Knochen" Probleme hat, der mag das als Dreifaltigkeitsbild auslegen; und wer die Dreifaltigkeit als unjesuanisch-spätantike Konzepttheologie verwirft, der kann darin ein Zeichen für Gemeinde und Gemeinschaft herauslesen - jeder, wie und was er mag und denkt und glaubt. Man könnte es auch so sagen: Wenn die künstlerische Aussageweise unterm Strich mehr Widerspruch erntet als das Auszusagende (ja was denn eigentlich?) selbst, dann ist der Wurm drin. Aber vielleicht sind das ja auch einfach nur ein paar Würmer, die den Einband zieren. Wer will das schon sicher wissen?
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Deswegen kommentierte ich dieser Tage irgendwo einen leicht mit den Zähnen knirschenden facebook-Beitrag, ob es nicht größere Probleme in der Kirche gäbe als die Gotteslob-Gestaltung, sinngemäß so, daß man eben jenes "Logo" auch als Symptom einiger dieser Probleme begreifen könne und sich von daher Widerstand rege.
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Zu den Strichzeichnungen im Buch wiederhole ich einfach einen weiteren facebook-Kommentar, denn ich kürzlich abgesetzt habe:
Die Gestaltung soll offenbar ein starkes kommunikatives Moment beinhalten und möglichst nicht "nur" dekorativ sein. Soweit - sogut. Wäre es dann nicht angemessen, eine Gestaltung zu suchen, die einen guten Teil der Nutzer nicht gleich vor den Kopf stößt und ratlos läßt? Ja ... Kunst soll zum Nachdenken verführen ... aber leider ist dieser Satz auch schon totgeritten, weil er immer herangezogen wird, will man Sperriges an den Mann bringen - sei es nun ein großer Wurf oder der letzte Mist. Irgendwann aber bildet sich jeder in der Beliebigkeit all dieser Angebote eigene Kategorien heraus, was er als großen Wurf oder als Mist betrachtet ... entsprechend fallen auch hier die Reaktionen aus, zumal das Buch den Glaubensweg begleiten soll und damit eine spezifische Art der Leserbindung generiert.
Der erste Eindruck der reichen Liedauswahl ist positiv - selbst Alte-Messe-Molche wie meinereiner mögen das ein oder andere Neue Geistliche Liedgut und freuen sich, wenn es Aufnahme fand. Die Auswahl an eucharistischen Gesängen ist im Stammteil hingegen fürchterlich gering; zum Glück reicht der Freiburger Anhang einige Lieder nach. Gut finde ich auch, daß man die unseligen Meßlieder-Reihen aufgebrochen hat; faule Zelebranten und einfallslose Kirchenmusiker werden sich künftig vielleicht doch etwas sorgsamer bei der Liedwahl zeigen müssen, wenn das Programm nicht mehr vorgekaut abgerufen werden kann.

Die angebotenen Gebetstexte habe ich noch nicht näher in Augenschein genommen. Aufgefallen ist mir, daß im Bereich der Bittgebete ausgerechnet Hartmut von Hentig als Übersetzer (?) eines Textes genannt wird, den ich bislang als "Gebet der anonymen Alkoholiker" kannte. Der 68er-Pädagoge ist im Umfeld der Mißbräuche rund um die Odenwald-Schule schließlich nicht gerade rühmlich aufgefallen; man hätte gewiß auch auf eine Übersetzung anderer Provenienz zurückgreifen können, wenn man auf den Text schon nicht verzichten wollte. 
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In manchen traditionsfrohen Stellungnahmen wird die Zeitgeistigkeit der Gebetstexte kritisiert; dazu sage vorerst nichts, denn einerseits habe ich mir diese noch nicht genau angeschaut, andererseits schleppt auch das traditionsfrohe Lager viel zeitgeistiges Gebetsmaterial mit sich herum - mit dem kleinen Unterschied, daß dessen Zeit bereits vor, grob geschätzt, rund 100 Jahren abgelaufen ist. Mir selbst fiel später nur noch ein, daß ich vor einiger Zeit eine Kostprobe der Kreuzwegandacht anders einschätzte als etwa die Piusbruderschaft ... vgl. hier.