Samstag, 20. Dezember 2014

Tagessplitter

1. Wenigstens schreibt er keine neuen Bücher! Zumindest nicht über die Weihnachtstage ... das verriet der Pater Anselm gerade katholisch.de. Die Grün-Bücher nerven nämlich gewaltig. Gerade jetzt im Dezember betrat ich, Lektüre für unterwegs heischend, zweimal kleine Buchhandlungen in kleinen Städten. Natürlich habe ich Verständnis, daß man auf hundert Quadratmetern in der Provinz keine theologische Fachabteilung einrichten kann. Wenn aber der vorhandene halbe Regalmeter "Religion" vornehmlich von Anselm-Grün-Büchern verstopft wird und es kaum anders zu geben scheint in der Welt der Religion als Anselm-Grün-Bücher und wenn der Herder Verlag jüngst unter "Neuerscheinungen" gefühlt zehn neue (?) Anselm-Grün-Bücher auf einen Schlag ankündigte, dann flüchtet meinereiner knirschend zu den Reclam-Heftchen. Wenigstens die haben den schreibtollen Benediktiner nicht im Programm. Noch nicht.
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2. Grüns Vorsatz, über Weihnachten den Griffel aus der Hand zu legen, ist aus meiner Sicht überaus begrüßenswert! Das könnte uns ein weiteres neues Anselm-Grün-Buch im Januar ersparen. Im Kloster übe man, so betont Grün obendrein, während des Advent das Schweigen ein. Nun ja, für ein kleines Gespräch mit katholisch.de ist natürlich noch Platz ...
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3. Überhaupt: katholisch.de ... dieses wunderbare Portal, dessen Redaktion, wie das Impressum betont, "im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz" arbeitet! Da gibt es Lohn- und Brot- und Mitarbeiter (wie mir vor Tagen anhand eines vorgezeigten Twitter-Screenshots bildlich versichert wurde), die sich in Köln gegen Pegida ins Zeug legen, indem sie an Gegenprotesten einer Künstlerinitiative mit dem reizvollen Namen Arsch huh! teilnehmen. Nun steht es jedem frei, sich gegen oder für Pegida ins Zeug zu legen, kein Thema. Aber was soll ich davon halten, wenn man das als Mitarbeiter des offiziellen Portals der katholischen Kirche in Deutschland mit den Worten "Yeah, endlich mal was sinnvolles am Sonntag getan" abfeiert? Welche hohe Meinung des Herrentags und der damit verbundenen Einladung tritt da wohl zutage, yeah?
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4. Die Annahme, katholisch.de erbitte Gastbeiträge fremder Federn, weil die eigene Redaktion à jour anderweitig gerade den Hintern hochkriege, man aber die Arbeit an der Seite nicht einfach einstellen könne, wäre zweifelsohne zu kurz gegriffen. Redakteure, die ihre Kohle von der Kirche beziehen, erbitten zuweilen gerne Gastbeiträge, weil sie deren Botschaft teilen mögen, es aber besser und der weiteren Karriere dienlich ist, wenn ein anderer Name darunter steht. Man muß ohnehin nicht alles in der eigenen Redaktionsstube erfinden, solange man Kollegen anheuern kann, die in den GEZ-Kirchenredaktionen sitzen.
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5. Nochmals ins Impressum dieser Seite geschaut: "Katholisch.de ist das Internetportal der katholischen Kirche in Deutschland". Gelegentlich sollte man sich das in Erinnerung rufen, bevor man's vergisst. Denn erneut schießt die Seite einen Bock, alldieweil ein paar Klicks weiter Uwe Bork, Leiter der Fernsehredaktion "Religion, Kirche und Gesellschaft" beim SWR das kirchliche Familienbild süffisant zu zerlegen sucht. 
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6. Wie war das doch gleich? Werden wir von interessierter Seite nicht beständig beschworen und belabert, man dürfe Dogmen und Lehrinhalte auf keinen Fall wortwörtlich nehmen, weil der Glaube (oder was davon noch übrig ist) stets in Entwicklung und Fortschreibung begriffen sei? Um dann plötzlich knapp nachsintflutliche Beziehungskisten aus der Zeit der Patriarchen als biblisches Alternativmodell aus dem Hut zu zaubern, damit wir heute "Familie jeglicher Spielart" (Papa, Papa, Hund?) endlich schlucken ... Wohlgemerkt: Dieser Text, in seinem kläglichen Argument kaum weniger skandalös als in seinem Inhalt, wird nicht unter der Rubrik Standpunkt präsentiert, was als Ort konträrer Meinungsbilder vielleicht noch hinnehmbar wäre, sondern als Gastbeitrag mitten unter den redaktionellen Stamminhalten zu gesellschaftlichen Themen.
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7. Wenn es ein Anselm-Grün-Buch gäbe, das mir nun wirklich hülfe, dann müßte es irgendwas mit dem Gewinn an Gemütsruhe bei der Lektüre des Internetportals der katholischen Kirche in Deutschland zu tun haben ...

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Gerade vor der katholisch.de-Lektüre schlich sich bei mir mal wieder die Versuchung des Gedankens ein, dass ein offizielles Schisma doch gar wünschenswert wäre ... und dann [i]das[/i]. War es schon irgend ein mal der Fall, dass Getaufte unter dem Label "katholisch" - mit höchstbischöflischer Approbation, nihil obstat und imprimatur ... ja auch nichts, aber auch rein gar nichts mit der katholischen Kirche zu tun haben?

Dieser Tage hörte ich auch wieder, wie wunderbar es doch gewesen ist, diese neue Ekklesiologie des II. Vatikanums, so integrativ, so ganz anders als das von Trient. Mir scheint, das neue Kirchenbild ist gar so integrativ, dass man einen Engel des Lichts nicht mehr von einem Teufel unterscheiden kann oder mag. Quo vadis, Kirche?

Andreas hat gesagt…

Was soll man auch dazu sagen? Zuweilen (und leider zu oft) beschleicht mich der Eindruck, daß sich die Geschichte angesichts der "schleichenden" Reformation wiederholt (schon vor knapp 500 Jahren verbreitete sich der "neue Glaube" zeitweilig / mancherorts unter dem Gewand des Hergebrachten) ...

Eugenie Roth hat gesagt…

Luzifer IST - nein, war - der Engel des Lichts. DAS ist unser Problem ...

Sursum corda hat gesagt…

Ja, die schleichende Reformation hat längst die ganze Kirche befallen. Es gruselt einen, wenn man sich oft anhören muß, was selbst eifrige (und damit ältere) Kirchgänger so alles glauben oder aber eben nicht (mehr) glauben.

Andreas hat gesagt…

Ja, wir gehen strahlenden Zeit entgegen ... nach dem Motto: Auch ein schwarzes Loch hat sicher eine Sonne *Ironie aus* ...