Mittwoch, 10. Dezember 2014

Tagessplitter

1. Es war einmal eine, sagen wir: Basilika. Ihre Fundamente reichten in die Tiefe der Jahrhunderte hinein, bis in eine, sagen wir: Zeit, zu der St. Paul ermahnende Briefe an die Korinther schrieb. Im Lauf späterer Zeiten änderte diese Basilika ihre Gestalt. Man erweiterte hier, schmückte dort weiter aus, dekorierten um, schob das Mobiliar ein wenig von rechts nach links und wieder von links nach rechts, riß zuweilen einen kleinen Teil weg und baute dafür an einer anderen Ecke etwas dran - aber selbst hinter den kühnsten oder blühendsten Ein-, Um- und Zubauten ahnte man stets die ursprüngliche Architektur. 
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2. So stand sie denn da, unsere Basilika - es mögen sich die klassischen Proportionen römischen Geistes im Lauf der Zeit ein wenig verschoben haben, nicht jede Säule stand kerzengerade und gelegentlich flog ein Ziegel vom Dach. Aber sie war ein gewachsenes Gebäude, das über Jahrhunderte dem Angriff diverser Barbaren trotzen und unter dessen Dach sich das Volk Gottes versammeln konnte. Da hörte sich dann jeder in seiner Sprache reden, weil darin eine Sprache gesprochen ward, die irgendwie von allen und letztlich von niemandem wirklich verstanden wurde: das war gewiß kein neues Pfingsten, aber dafür eines von Dauer.
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3. Bis bei günstiger Gelegenheit Wanidale Bugnini und dessen Freunde kamen. Die traten in die Basilika, holten sich einige Versatzstücke und Antiken heraus, walzten danach alles platt, zogen aus dem Schutt noch eine Spolien und bauten die Basilika von Grund auf neu, damit alles so aussehe, als sei alles uralt. Und was nicht alt war (wie die Versatzstücke, die Spolien und die Antiken), wurde neu entworfen und auf alt getrimmt. Herausgekommen ist sowas wie, sagen wir: ein liturgisches Disney Land. 
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4. Nicht wenige Besucher der neuen Basilika ahnten unterschwellig den Mummenschanz, der ihnen da vorgesetzt wurde, und begriffen ihn als Chance, den vorgesetzten Spielplan generell nach Belieben zu ändern ... sang man früher Choräle in jener unverständlich-verständlichen Sprache und robbte dabei zuweilen auf Knien dem Heiligen entgegen, so war nun nichts mehr undenkbar (Pappnasen-Entertainment), aber auch nichts mehr heilig (vor dem Pappnasen-Entertainment).
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5. Wie komme ich da jetzt drauf? Die Post lieferte heute ein Werk, das ich bislang in meiner Bücherecke schmerzlich vermisst hatte: Jungmanns Missarum Sollemnia ... Eine genetische Erklärung der Römischen Messe.

Kommentare:

Admiral hat gesagt…

Soll ja ein großartiges Werk sein. Will ich mir auch seit Jahren besorgen.

Andreas hat gesagt…

In der Tat ein bis heute gewichtiges Opus - wobei Jungmann natürlich später an vorderster Front der Reformer stand ... ;-)

Tarquinius hat gesagt…

Glückwunsch zum Erwerb und Willkommen im Club! :-)
So viel "später" war das natürlich nicht, im Werke lässt er einen gewissen Reformeifer ja doch häufig durchblicken. Von dieser seiner grundsätzlichen Verfallstheorie der Liturgie bin ich selbst inzwischen auch wieder sehr abgekommen.

Da fällt mir ein ...