Dienstag, 16. Dezember 2014

Tagessplitter (mit Kerzenlicht!)

Gewöhnlich mache ich um die Freiburger Innenstadt lieber einen Bogen, in den Wochen vor Weihnachten zumal; heute ließ sie sich aus einigen Gründen nicht umgehen. Am Wochenende hatte ich mir zum Beispiel in den Kopf gesetzt, daß eine Kerze aus Bienenwachs die Adventszeit schöner machen könnte - der Weihnachtsmarkt ist dafür eine gute Anlaufstelle. Die Fortbewegung ist dort eigentlich recht einfach: Man muß sich nur von der Masse mitschieben lassen, bis man einen passenden Kerzenstand passiert. Irgendwann war die Kerze drin im Sack und ich wieder raus aus dem Weihnachtsmarkt. 
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Fast noch erfreulicher war das Buch, das mir hernach in einem Antiquariat unter die Finger kam: Vergils Bucolica in der Übersetzung von Rudolf Alexander Schröder. Diese ehrwürdige römische Hirtendichtung hätte ich in den kommenden Tagen ohnehin benötigt (wozu, mag der Wissende ahnen) - doch nun muß ich wenigstens nicht auf die realsozialistische Arbeiter-und-Bauern-Übersetzung zurückgreifen, die sonst im Regal steht. Der schmucke Band kostete übrigens kaum mehr als die Kerze ... möge nun beides Geist, Herz und Gemüt erleuchten!
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O Meliboee deus nobis haec otia fecit.
namque erit ille mihi semper deus, illius aram
saepe tener nostris ab ovilibus imbuet agnus.
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O Meliboeus, ein Gott hat uns hier Frieden bereitet;
Wahrlich, er soll mir immer ein Gott sein. Röte den Altar,
Unsern, hinfort noch oft, vom Pferch enthoben, ein Lämmlein.
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Vergil, Bucolica I
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Daß Schröders Übersetzungen freilich nicht nur auf Wohlgefallen stießen, hatten wir ja hier schon einmal ...

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

O welch bildungsbürgerliche Pracht!
Im Gegensatz zum Adventskranz muss ich die candela aus dem gar nicht mehr so gemeinen cera communi doch sehr loben. Irgendwo hatte ich auch mal eine, gar handgemacht, aus einem Traditionsbetrieb im Doppelsinn...

Wie dem auch sei, welche volksrepublikanische Übersetzung denn? Und reichte Haeckers Übertragung nicht? Dieser schien den Schröder ja nicht so sonderlich zu mögen ... (da fällt mir auf, den Haecker gebrauchte ich neulich beim Eklogenzitieren auch nicht)

Tarquinius hat gesagt…

Ach, mein unwachsames Holzauge hat den Link unten ganz übersehen ... oder war der eben gerade etwa noch nicht da? Diese unchristliche Uhrzeit bekommt mir glaub ich nicht ...

Andreas hat gesagt…

Haeckers Verdeutschung habe ich nicht; der Antiquar hatte sie freilich sogar vorrätig ... ich habe mich dann aber für den Schröder entschieden (Druck und Schmuck spielten dabei auch eine Rolle). Die andere Übersetzung müßte ich jetzt erst hervorkramen ... aus einem der damals rührigen DDR-Verlage und gedruckt von von irgendeinem VEB ...