Dienstag, 30. Dezember 2014

Klonovsky, Pegida und Propaganda

... Da sich auf beiden Seiten Extremisten unters Volk mischen, muss man es nicht für eine Seite betonen; dieses beliebte und vor allem einseitige Exerzitium überlassen wir gern den bewährten z.T. bärtigen Tanten von der Gesinnungspresse. Welche Seite mehr Deppen aufzubieten hat, vermag ich nicht zu beurteilen, aber ganz gewiss gehört mehr Courage dazu, bei den "Patrioten" Gesicht zu zeigen als bei ihren von sämtlichen Parteien, Gewerkschaften, Medien, Theatern, der evangelischen Kirche, den Zentralräten der Juden und Muslime unterstützten Kontrahenten, während die Verworfenen einzig das Privileg genießen, nicht zu allem Übel noch die Gefechtsmusik von Konstantin Wecker oder der Sportfreunde Stiller über sich ergehen lassen zu müssen.
(...) So las ich ... auf der Startseite meines ... Mail-Anbieters die Schlagzeile "Pegida wuchert weiter". Die Saat der Toleranz geht auf. Die Sprache des Unmenschen richtet sich gegen eine vollkommen friedfertig protestierende Volksgruppe. Die demokratische Humanistenpresse will ihr Publikum in Bürgerkriegsstimmung bringen. Aber keine Angst, es sind nur Papiertiger; nie würde sich das mit einem ernsthaften Gegner anlegen (auf Pegida gewendet: Ab 50.000 Mann pro Kundgebung wird die Berichterstattung entschieden freundlicher, ab 100.000 hatte man selber von Anfang an Verständnis für die Demonstranten). Erinnern wir uns nur daran, wie zahm unsere Medienschaffenden samt ihrer parlamentarischen Vor- und Nachbeter auf die antiisraelischen Ausschreitungen in deutschen Städten vor einem halben Jahr reagierten, als eine der wirklichen potentiellen Bürgerkriegsparteien erstmals in größerem Stil Gassi ging...
... das und einiges mehr Lesens- und Erwägenswertes schreibt Michael Klonovsky über Pegida. In der Tat ist die Rhetorik, derer sich die "Wohlgesinnten" zwischenzeitlich bedienen, zuweilen erschreckend bemerkenswert: Selbst im Ursprung eindeutig antisemitische Stereotype wie "Brunnenvergifter" (SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi über Pegida) werden - im Dienst der guten Sache selbstredend - wieder hoffähig; ähnlich verhält es sich mit dem Begriff "Rattenfänger", der mehrfach im Zusammenhang mit Pegida gebraucht wurde: Bei dessen Verwendung biegen sich zwar alle Balken der Logik, aber das Bild, das unterbewußt mitschwingt, kultiviert nichts anderes als übelste NS-Propaganda unter verkehrten, "demokratischen" Vorzeichen (dazu unten ein link). Fahimi und ihren anverwandten Mitstreitern kann man nur raten, dringend einen Blick in die Aufzeichungen (LTI - Lingua Tertii Imperii) von Viktor Klemperer zu werfen und sich dabei die Frage zu stellen, was es bedeuten mag, wenn der Verfasser im Vorwort mit Schiller von der Sprache redet, "die für dich dichtet und denkt" ...
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Man muß Pegida nicht mögen - wenn aber auch noch Kirchenvertreter gegen eine Bewegung, in deren Forderungskatalog "dasselbe wie in Grundsatzerklärungen von bürgerlichen Parteien überall auf der Welt" (Klonovsky) zu lesen steht, al fresco Front machen (wahrscheinlich aufgrund "dumpfer" Ängste und Sorgen, wobei man eine Ungriffigkeit von Befürchtungen nur den Pegida-Vertretern ankreidet), dann ist das nicht minder fragwürdig wie das Absingen von Weihnachtsliedern zu Protestzwecken bei Pegida oder die knirschende Umbiegung der Weihnachtsgeschichte in eine moderne boat people-Erzählung auf der Gegengeraden.
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Klonovskys vollständige Stellungnahme hier in den Acta diurna unter dem Eintrag vom 27. Dezember. - Das erwähnte NS-Propaganda-Stereotyp, ein Auszug aus dem Film Der ewige Jude, kann man, sofern man sich das antun möchte, hier ab 3:11 ansehen.

Kommentare:

Arminius hat gesagt…

Die Kommentare der herrschenden Politclique zu Pegida sagen wenig bis nichts über Pegida aus, allerdings eine ganze Menge über den Haß dieser Funktionäre auf ihr eigenes Volk.

Besonders aufschlußreich war in diesem Zusammenhang der Auftritt einer ehemaligen FDJ-Sekretärin vor der Bundespressekonferenz, bei dem sie gegen Pegida hetzte und die Teilnehmer dieser Demonstration als Nazis oder deren Gehilfen diffamierte, um dann zu verkünden, daß hier kein Platz für Hetze und Diffamierung ist.

Andreas hat gesagt…

Wenn nicht so viel dranhängen würde und man nicht mit Feuer spielte, so wünschte ich zwischenzeitlich, daß nach der Wahl in Griechenland Frau Merkel und Herrn Schäuble mitsamt der ganzen Groko der Laden um die Ohren flöge ...

Anonym hat gesagt…

Da immer wieder Sympathisanten von Pegida Menschen mit einer differenzierenden Betrachtungsweise abwertend als "politisch korrekt" abtun, hier einige Gedanken dazu.
Ich sehe jetzt mal zwei Deutungsebenen der "politischen Korrektheit".
- Einerseits bezeichnet sie einen historisch mühsam erarbeiteten gesellschaftlichen Konsens bezüglich des respektvollen und wertschätzenden Umgangs mit Menschen anderen Geschlechtes, anderer Hautfarbe, nichtheterosexueller Lebensweise, anderer Nationalität, anderer Religion, körperlicher bzw. seelischer Behinderung, mit Arbeitslosen, Armen etc. So wie es als Menschenwürde auch verfassungsrechtlich geschützt wird. In diesem Sinne ist "political correctness" eine der wesentlichen menschheitlichen Errungenschaften.
- Andererseits kann man darunter verstehen, was Erich Fromm und Arno Gruen als die Krankheit des Normalen kritisieren, nämlich der alltäglich allgemein hingenommene Irrsinn der Ausbeutung von Mensch und Natur zugunsten eines auf herzlosem Konkurrenzdenken basierenden Wirtschaftswachstumsparadigmas, das einer immer kleiner werdenden Finanzelite immer wahnwitzigere Geldbeträge nach oben hin abführt, dabei sogar Kriege in Kauf nehmend. Dass die entsprechenden Politiker und Interessengruppen dann nicht gerne darüber reden oder reden hören, wenn Luft, Böden und Gewässer global vergiftet werden und wenn Hirne und Gemüter der Menschen durch Werbung und Konsum vergiftet werden, wenn im Rausch von Konsum und Mobilität nicht einmal die heilige Sonntagsruhe eingehalten wird, auf dass der Mensch sich wenigstens am siebten Tag rückbindet mit der bedingungslos liebenden Gegenüberhaftigkeit als solcher, die ihn erst zur menschlichen Person erschuf und erschafft, wenn Tiere in der Massentierhaltung grausam leiden, wenn Menschen in anderen Ländern regelrecht versklavt werden zur Ermöglichung von "Geiz ist geil" in Billigdiscountern in Deutschland (parallel dazu etwa in Deutschland der Umgang mit Menschen in "Hartz 4"), wenn westliche Waffen diese geschundenen Menschen von ihrem berechtigten Protest abhalten (und solche Protestierenden allzuleicht als "Terroristen" abgestempelt werden) etc. und wenn in vielen Medien über diese Zusammenhänge kalt hinweggegangen wird, dann widersetzt sich etwa auch ein Eugen Drewermann - in der Nachfolge Erich Fromms - ausdrücklich einer totschweigenden, verdrehenden, erstarrten und erstarrenden "politischen Korrektheit".

Gruss
Peter Friedrich

Andreas hat gesagt…

Die beiden Punkte, die Sie anführen, werter Herr Friedrich, sind gewiß bedenkenswert und ich will sie keineswegs vom Tisch wischen. Aber: Beide Deutungshorizonte berühren zwar den aktuellen Diskurs, treffen aber nicht in dessen Mitte, der ja die Frage aufwirft, inwiefern das Meinungsklima hierzulande orwell'sche Züge annimmt (ihre zweite Deutung spielt natürlich mehr hinein als die erste - nur würde ich die Sache ungern auf ein turbokapitalistisches Komplott verengt sehen).

Anonym hat gesagt…

Lieber Andreas,
absichtlich habe ich mich jeglichem Disput bezüglich jeglicher Verfolgungsideen nicht angeschlossen, Sie verstehen.
Abgesehen davon, dass ich mich beispielsweise in keinster Weise irgendeinem "Gesinnungsterror" ausgesetzt sehe, wenn Homosexuelle ihre Form partnerschaftlicher Liebe und Zärtlichkeit als völlig gleichwertig betrachtet sehen wollen
zu meiner eigenen heterosexuellen Weise zu leben und zu lieben (dabei kann ich Homosexuellen gleichermassen vom Herzen her alles Glück wünschen und - auf mich selber bezogen - Homosexualität abstossend finden, das nur am Rande), meine ich, dass all das, was zum Thema Gender, Homo, Pegida etc. gesagt wird, mit meinem Verständnis einer christlichen Haltung im Leben erst einmal überhaupt nichts zu tun hat. Unter "christlich" verstehe ich grundsätzlich die Frage des Menschen nach Erfüllung seines tiefsten und wesentlichsten Bedürfnisses nach dem Geliebtwerden. Wie vermenschlicht sich ein Mensch im zentralen Gefühl
des Geliebtseins und beginnt - in der religiösen Sprache - ein ganz neues Leben aus "Gott", dem Gott, der die personale und mitfühlende Liebe
selbst ist, das wäre für mich das
öffentlich zu behandelnde Thema.
Ich meine, dass sich dann der Blick auf Ausländer und Minderheitengruppen anders darstellen würde.
Die Gräueltaten von "ISIS", diese sadistischen Mordrituale, machen mich als Mensch ersteinmal böse, wütend, ja hassend. Wenn so ein glaubenstoller Islamist seinem hilflosen Opfer den Kopf abschneidet, dann krieg ich mich erstmal nicht mehr ein!
Solche Gefühle halte ich für absolut gerechtfertigt.
Aus meiner christlichen Haltung heraus kann ich jedoch später noch eine andere Perspektive einnehmen: Kein Mensch wird geboren, um Anderen soetwas anzutun. Irgendetwas liess ihn zur Bestie werden, man könnte dann die Gräueltat als Schrei nach Liebe wahrnehmen.
Und wenn ein solcher Täter eines Tages ruhiger, liebesfähiger geworden sein sollte und zu fühlen beginnt, was er da eigentlich angerichtet hat - vielleicht sind seine Qualen dann schlimmer als bei seinem Opfer?
Ich glaube, lebendige Christen denken so.
Ich schreibe dies besonders ausführlich, weil wohl ein wesentlicher Teil der Aengste der westlichen Bevölkerung angetrieben ist durch besagte zur Schau getragene Grausamkeit im Orient.
Irgendwann muessten wir also den Hintergründen solchen Verhaltens in südlichen Ländern nachgehen. Und könnten vielleicht nach und nach entdecken, wie wir selber darin verwickelt sind.

Alles Gute noch zum Neuen Jahr
Peter