Dienstag, 23. Dezember 2014

Durchs Heilige Land geblättert - Neuauflage eines Pilgerbuches

Nach 940, der Bischof war von seiner zweiten Pilgerfahrt in das Heilige Land zurückgekehrt, ließ der hl. Konrad von Konstanz östlich seines Münsters eine Rundkirche errichten, welche die Grabeskirche zu Jerusalem in deren damaligen Bestand im Maßstab 1:2 verkleinert nachbildete; mit gotischen Umbauten ist diese Kapelle bis heute unter dem Namen Mauritius-Rotunde erhalten. Solche "Nachbauten" dienten nicht nur einem liturgischen oder pädagogischen Ziel - sie waren auch als Wallfahrtsorte für all jene gedacht, denen ein Pilgergang nach Jerusalem nicht möglich war; das traf auf die allermeisten Menschen zu, um die Jahrtausendwende nicht minder wie viele Jahrhunderte danach.
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Vor geraumer Zeit veröffentlichte Pater Martin Ramm FSSP ein interessantes Buch, das nun in einer zweiten, deutlich erweiterten Auflage erschienen ist: Heiliges Land. Wegbegleiter auf den Spuren Jesu. Das Werk ist die Frucht nicht weniger Pilgerfahrten, bei denen sich der Verfasser das Heilige Land zunächst selbst und bald auch Pilgergruppen nahebrachte: "Anfänglich war es ein aus losen Blättern bestehender Leitfaden", so heißt es im Vorwort, "mit dem Ziel, den Pilgern zu einer informativen und zugleich spirituell gehaltvollen Wallfahrt zu verhelfen". 
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Das zweifache Ansinnen des Werkes wird hier bereits deutlich formuliert: Es geht nicht allein um Fakten, wie sie etwa in vielen Reiseführern ebenso zu finden sind (die breitet der Verfasser - ausgestattet mir einer offiziellen Lizenz, Gruppen als "Guide" durch das Heilige Land zu führen - natürlich auch aus). Nicht minder geht es aber um den geistlichen Mehrwert, der sich aus der Atmosphäre des Heiligen Landes gewinnen läßt und den jene Stätten entbergen können, an denen Geschichte mehr ist als nur Abfolge von Ereignissen - weil sie Heilsgeschichte ist. .
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Das Buch hat eine kleine Vorgeschichte - sie beginnt für den Verfasser mit der im Rückblick wunderbaren Idee, ihm, der er vor seiner Priesterweihe nicht viel an das Heilige Land gedacht habe, eine Pilgerfahrt dahin ...
... zu schenken, und während dieser ist mir eine neue Welt aufgegangen. Seit ich dort war und nicht nur ich die Spuren Jesu, sondern auch diese mich berührt haben, sehe ich das ganze Evangelium in einem neuen Licht.
Davon will dieser Wegbeleiter auf den Spuren Jesu etwas weitergeben - will die Bereitschaft wachrufen, sich von den Spuren Jesu berühren zu lassen, wie jeder guten Regung ein Anrühren Gottes vorangeht oder, um es mit einem Wort aus Paul Claudels Betrachtungen über den Kreuzweg zu sagen: "Und keine Sünde bleibt von seiner Wunde unbetroffen".
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Dieses Angerührt-Werden verdankt sich nicht unbedingt ausgewiesenen geistlichen Appellen und Betrachtungen - solche findet man in diesem Buch kaum. Sie ergeben sich, und darin liegt der womöglich größere, weil besonders authentische Wert, aus der Art, wie die dargebotene Materialfülle aufbereitet und mit Bildern verknüpft ist: Es soll, nochmals aus dem Vorwort zitiert, "die Wahrheit des Evangeliums greifbar und die Liebe zum göttlichen Erlöser lebendig werden" - und man glaubt dem Verfasser die Absicht seines Buches und gerade deswegen springt der Funke über, sieht sich der Glaube genährt und gestärkt, wenn vom Ort der Krippe und des Kreuzes, der Auferstehung und der Verklärung und von so vielen weiteren Stätten der Heilsgeschichte die Rede ist: Hier war der Kyrios unter den Menschen, hier sprach Gott zu seinem Volk, hier nahm die Ekklesia ihren Anfang - kommt und seht!
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Doch zurück zur Rotunde von Konstanz ... mit ihr teilt das Buch Heiliges Land nichts Geringeres als die Absicht, die "Topographie" des Heils etwa auch jenen erfahrbar zu machen, die nie an die historischen Stätten gelangen, die Jesus Christus bezeugen - gerade ihnen, ein letztes Zitat aus dem Vorwort, "denen solch eine Reise aufgrund gesundheitlicher oder materieller Widrigkeit im Leben vielleicht gar nie vergönnt sein wird", gilt die Einladung, "wenigstens im Geiste mit zu pilgern".
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Hier zwei Bilder aus dem Buch: eine Aufnahme aus der Grabeskirche mit Christus als Pantokrator - und ein Bild aus der Geburtskirche zu Bethlehem mit dem Ort unterhalb des Altars, an dem der Überlieferung gemäß die Krippe Jesu stand. Die Bildrechte liegen bei P. Martin Ramm. 
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¶ Das Buch Heiliges Land. Wegbegleiter auf den Spuren Jesu kann gegen eine Spende nach eigenem Ermessen hier bezogen werden.

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