Samstag, 29. November 2014

Reset der Chancen

Wann immer es gilt, die Brevierbände auszutauschen, kommt mir diese Aktion wie eine kleine Zäsur vor: Ich biege den einen Band aus der Hülle heraus und stecke den anderen hinein (eines kleinen Ordnungsanfalls vor geraumer Zeit wegen muß ich ihn wenigstens nicht mehr erst suchen). Tue ich dies nun nach Pfingsten, ehe man in die ruhigere Entfaltung des Jahres tritt und die reiche Zeit der Mysterien unserer Erlösung hinter sich hat, so steht mir die Frage da, inwieweit man wirklich in den Vollzug dieser Mysterien hinein gestiegen ist, sich hinein gegeben hat; freilich verbunden mit dem Ruf, selbige wenigstens jetzt noch zu entfalten. 
.
Die Zäsur zum Advent wirkt stärker auf mich ein. Man greift zum ersten Teil ... Tomus prior ist auf dem Titel vermerkt: das kann man gewiß schlicht als "erster Band" lesen, es gemahnt mich aber auch an die Inhalte, die wieder vor einem liegen, an die besagten Mysterien: des Kommenden, der Menschwerdung, des Kreuzes, der Auferstehung, des Pneumas - "Prioritäten" des Glaubens sozusagen, in welche man nun wieder miterlebend-betend aufbricht. Und das empfinde ich zugleich als eine Art, man verstehe das nun recht: reset der Chancen.
.
Man kennt sich gut genug, um zu wissen, daß der Kampf weitergeht ... gegen all die großen und kleinen Teufeleien, denen sich der innere Schweinehund so gern und oft zugesellt ... gegen eine Welt, die nicht Gottes gute Schöpfung sein möchte, sondern sich in Feindschaft zu ihrem Schöpfer stellt ... gegen innere und äußere Not, die niederdrückt und mutlos machen kann.
.
Und so schlägt man nun die erste Vesper des anbrechenden Advents - und all dessen, was da wieder kommt - auf, nimmt die allererste Antiphon dieses jungen Herrenjahres einmal mehr auf die Lippen und ins Herz und hört über alle Anfechtungen, die da waren und sind und ebenfalls noch kommen werden, das poetische Wort der Verheißung:
.
In illa die
stillabunt montes dulcedinem
et colles fluent lac et mel, alleluia.
.
An jenem Tage
werden die Berge von süßer Anmut träufeln
und die Hügel erfließen von Milch und Honig. Alleluja.
.
Ich wünsche uns allen zum Beginn des neuen Herrenjahres, daß wir die erneut entbotenen "Chancen" erkennen, aufgreifen, vertiefen!

1 Kommentar:

jos.m.betle hat gesagt…

Gesegnetne Advent!
Oremus.