Mittwoch, 12. November 2014

Now the very most vollfrommster Artikel ever on this blog!

1. Nicht wirklich neu, aber immer wieder interessant: Überschreibt man, wie gestern absichtslos unterfangen, einen Beitrag, der nur aus einem frommen Bildnis samt liturgischem Text besteht, mit Rabimmel Rabammel Rabumm (liturgisch), so erzielt man bemerkenswerte Zugriffszahlen (bei Wunderschöne Antiphon aus dem holdseligen Martinsoffizium wäre der Zähler vor lauter Andrang wahrscheinlich mal wieder irgendwann eingeschlafen). Ich neige dazu, dies den BILD-Effekt zu heißen, und unterstelle, daß sich manch Besucher den süßen Horror aktueller liturgischer Mißbräuche erwartet haben mag. Ein herzhaftes Sorry alsdann allen, die hernach verdrossen das Weite suchten.
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2. Aber ... daraus gilt es zu lernen: Zum Beispiel dürfte es bei kommenden Texten aus der Feder eines Hersteller Spirituals offenkundig von Vorteil sein, Begriffe wie Ekklesia, Pneuma oder Kyrios tunlichst zu meiden, wie auch sonst geistlichen Anspruch und Ansprech auf Abstand zu halten. Überschriften wie Odo-Orgie schlägt wieder auf oder Weitere Enthüllungen vom Case-Alien scheinen die Leser eher zum Klicken zu locken. Oder man denglischt noch konsequenter (The Greatest Fucking Chickenwings of Odo Missae oder sowas in der Art halt ...).
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3. Apropos Pneuma: Mein Vater hatte eine Zwerchfellhochstand mit eingeschränkter Lungenfunktion, was ihn beizeiten dennoch nicht hinderte, zu singen, wenn er Freude dran hatte. Papst Franziskus hat nur eine halbe Lunge, singt nie und läßt sich kaum (nie?) auf Konzerten blicken, die zu seinen Ehren veranstaltet werden. Nundenn ... ganz abgesehen von diversen "Ansichtssachen" (um hier mit diplomatischer Gebühr zu flöten), die mich dem Heiligen Vater zuweilen entfremden mögen ... was soll ich eigentlich von einem Papst halten, der Musik offenkundig ebenso zu verachten scheint, wie sich Sex and Crime selbst in der Blogozese besser verkaufen mögen als Seligkeit und Christentum?
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4. "Wo man singt, da laß dich ruhig nieder" ... zu des Papstes Gunsten muß ich freilich einräumen, daß ich mich trotzdem nicht zu den beiden Sturzbesoffenen gesellt hätte, die heute lustig singend und am frühen Abend meinen Heimweg kreuzten. Es mag freilich sein, daß sich Franziskus ziert, anderen seinen Gesang zuzumuten. Aber einem Papst sieht man es nach, wenn die Intonation an die Peripherie geht.
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5. Benedikt XVI. konnte man beim Singen eigentlich auch nicht zuhören. Und trotzdem gäbe ich was drum, sänge er noch mit brechender Stimme unter Berninis bronzenem Baldachin mit den Barberini-Bienen dran.
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6. Punkt 4 wirft am Rande noch eine Frage auf: Wenn mir (allein) Betrunkene (zu zweit) über den Weg laufen, wer ist - mal ganz situationsethisch betrachtet - dann eigentlich Peripherie?
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7. Doch genug für heute ... ehe mich einige Leser ob dieser Gedanken schelten und tadeln wollen (es sei denn, ich tarne diesen Artikel mit einer so vollfrommen Überschrift, daß garkeiner freiwillig herklickt), verstecke ich mich hinter einem Buch: Vielleicht ist irgendwo Tag von Fridolin Stier - der Alttestamentler geht zuweilen mit ganz anderen Instanzen harsch ins Gericht, sehr ernst und keineswegs peripher. Derweil wünsche ich besser einen vielleicht irgendwo schönen Abend!
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¶ ... eigentlich wollte ich überschriftend Tagessplitter drüber schreiben, womöglich gar als Auftakt zu einer Art "Reihe", aber das könnte à la Rabimmel Rabammel falsche Erwartungen wecken, darunter mutmaßlich jene, ich würde mir nun Tag um Tag sowas aus dem Herzen quetschen, zu süßer Empörung den einen oder süßerem Wohlgefallen anderen ...

Kommentare:

Ankerperlenfrau hat gesagt…

Wer "Vielleicht ist irgendwo Tag" liest, kann so verkehrt nicht sein - Pripherie hin oder her...
Vollfromme Grüße,
die Ankerperlenfrau

(Meine Stier - Bücher außer dem NT in Leder habe ich verliehen und nie zurück bekommen, seufz...)

The most Geistbraus ever hat gesagt…

also ich gestehs: ich war einer von denen, die Rabimmel Rabammel angeklickt haben und nach einer Sekunde wieder weg waren! Der very most vollfrommste Artikel ever on this blog hat mich hingegen dabeigehalten, auch wenn es mich wundert, dass Du den Bild-Effekt jetzt erst kommentierst, wo Du doch den Kreuzknappen sel. schon längst ebendafür zum Großmaul nominiert hast. Sex and Crime widersprechen in meinen Augen Seligkeit und Christentum in keinster Weise: neuen Wein füllt man in neue Schläuche, und die aufregende, welterschütternde Botschaft von unserer Erlösung soll man nicht in langweilige Gewänder stecken! Damit wäre dann auch der Brückenschlag zur Musik vollzogen: die großen Werke aller Epochen reißen einen schließlich auch mit und verlocken schon nach den ersten Sekunden zum Weiterhören.

Anonymus hat gesagt…

Der anonyme mal wieder: Ich frage mich grad, ob es eine deutsche Version von "You made my day" gibt. Zur Not die Tradi-Version... Fecisti diem meum!
Ganz große klasse! Wage ja niemals zu erwägen, mit dem Blog aufzuhören!

(Die Kenntnis Deines Blogs und einige Texte, die Du darauf eingestellt hast, haben mir vor kurzem ein Seminar in Liturgik gerettet, hatte nämlich keine Zeit, das Original zu sichten, was ich jetzt nachhole... Naja. Danke jedenfalls :-) )

Tarquinius hat gesagt…

Nach diesem kräftigen Rabimmelrabammel traue ich mich ja kaum, noch etwas zu schreiben, noch dazu, wo ich eine geradewegs "franziskanische" Musikalität mein eigen nenne.
Dennoch...vielleicht hilft es ja, gar nicht auf die Besuchszahlen zu schauen. Den Stand der gefallenen Menschennatur zu beklagen, die natürlich, sofern sie schon zumindest dem sex and crime halbwegs abgeschworen hat, so doch ersatzweise in liturgischen Perversionen und allerlei Skandalen Tröstung sucht...ist doch irgendwie auch nichts so neues. Aber das sagst Du ja selbst.

Ich hoffe jedenfalls mal, dass der nächste Tagessplitter nicht ganz so gefährlich scharfkantig wird!

Andreas hat gesagt…

Danke für die Rückmeldungen ... ich rolle das alles mal von hinten auf:

1. Wie "scharfkantig" das demnächst wird, wird sich weisen. In diesen Tagen bin ich ein wenig auf Krawall gebürstet, und es scheint mir dies eine brauchbare Form, wie man Dinge, die man eben auch mit sich rumschleppt, zu Tage treten lassen kann. Der womöglich etwas ironische Unterton scheint mir doch besser als Keifen in Reinkultur.

2. Freut mich auf jeden Fall, wenn diese Seite selbst für den akademischen Alltag noch brauchbar ist! Natürlich ist nun meine Wißbegier geweckt, welcher Text denn hier bei welchem Thema nützlich war ...?

3. Es gibt freilich Grenzen, Seligkeit und Christentum in Sex and Crime zu verpacken, wenngleich selbst ein Bordell ein Ort der Gnade sein kann (wobei ich mir das jetzt besser nicht zu konkret vorstelle).

4. Ja, der Stier, liebe Ankerperlenfrau ... manchmal schon heftig; bei manchem Eintrag möchte ich meinerseits zu ihm mit seinen eigenen Worten sprechen: "Mich würgts (wenn ich lese, was Du schreibst)" ... wer aber Gott so sehr beim Wort nimmt, kann nur ein bis in die letzte Faser und trotz aller Widerstände Gläubiger sein. Und auch das ist Zeugnis, wenngleich es uns nicht runtergeht wie Salomonis Salböl.

Wenn ich auf meinen Rundgängen durch die Regale wohlfeiler Bücher auf den "Tag" stoße, werde ich ihn für Dich erwerben ...

Tarquinius hat gesagt…

Ad 1.: Die Legitimität dieses Mittels bestreite ich gar nicht. Viel mehr sorgte ich mich eben ein wenig wegen des Krawallgebürstetseins, da das ja nicht immer auf den angenehmsten Seelenzustand schließen lässt.
Fürs Entertainment kann es freilich gar nicht pointiert genug sein - und das Gnadenbordell wird mir sicher auch noch einige Zeit im Kopf rumspuken... ;)

Anonym hat gesagt…

Was ich für die Uni gebrauchen konnte waren einige Zitate aus dem Kultmysterium.
Und so manches von dem, was sonst von Pater Odo auf dem Blog zu lesen ist, hab ich mir als Auffrischung oder Einstimmung gegönnt...

Gruß und Segen
der Anonyme