Sonntag, 9. November 2014

Ein Eindruck vom Papst

Ich bin noch nie einem Menschen begegnet, der in solchem Maße, bis zur völligen Transparenz Seele war - und zugleich Gestalt der Gnade. Alle Bilder bleiben weit hinter der erhabenen Durchsichtigkeit der Erscheinung zurück. Vor einer solchen Persönlichkeit ist man einfach beschämt, und so war es mir auch nicht möglich, etwas zu sagen, das für den gütig Zuhörenden von Wert hätte sein können.
Diesen Eindruck nahm der Dichter Reinhold Schneider 1941 aus einer Privataudienz bei Pius XII. mit; er ist uns in einem Brief erhalten. 
.
Ich komme hier darauf zurück, weil ich aktuell ungetrost bin. Ich hatte mir, aus Basel zurückgekehrt, meinen zwischenzeitlich aufgestiegenen Groll über Papst Franziskus von der Seele geschrieben; doch gerade der traditionsfrohe Katholik in mir hat mich die Arbeit von zwei Stunden wieder löschen lassen - zu schwer ist es mir geworden, Person und Wirken dieses Papstes einerseits kritisch zu betrachten, ohne andererseits die Institution seines Amtes ungewollt zu beschädigen. Meine aktuelle Stimmungslage spricht nicht dafür, daß mir dies derzeit gelingen könnte. 
.
Also sehe ich davon ab und belasse es bei den obigen Worten Schneiders in der Hoffnung, daß Gott eines Tages seiner Ekklesia einen Vater schenke, welcher Gestalt der Gnade sei und nicht des billigen Klüngels und dessen Persönlichkeit mich nicht verdrießt, sondern beschämt.
.
Und doch auch: Beten wir umso mehr für Papst Franziskus!
.
Das Zitat ist entnommen aus: Edwin Maria Landau u.a. (Hg.): Reinhold Schneider. Leben und Werk im Bild. Frankfurt 1977. S. 107.

Kommentare:

Ester hat gesagt…

UNgetrost ist ein schönes Wort, geht mir auch so.

Meckiheidi hat gesagt…

Beten wir auch für Papa em.Benedikt. Er hätte nicht zurücktreten sollen. Nun geht es in der Kirche noch politischer zu als es ohnehin schon war. Es wird ja doch so wahrgenommen, als gäbe es da zwei konkurrierende Päpste. Da wird von "Entratzingerisierung" gesprochen - ein Unwort sondergleichen! Herr Gott, vergib Deinen Dienern, dass sie nicht auf Deinen Heiligen Geist vertrauen. Und vergib auch uns.

Tarquinius hat gesagt…

Gar nicht Unähnliches hörte ich mal von einem älteren Herren, möge er in Frieden ruhen, der seinerzeit kurz mit Pius XII. anlässlich einer Soldatenaudienz sprechen durfte...

Andreas hat gesagt…

Stimmt, Meckiheidi, das Pneuma müssen wir erflehen und vergessen das doch so oft ... für die Ekklesia wie für uns selbst, gerade in diesen Zeiten.

Das Charisma von Pius XII. muß tatsächlich sehr ungewöhnlich gewesen sein. In Filmaufnahmen wirkt das ja manchmal etwas "theatralisch", aber "live" wurde das wohl ganz anders wahrgenommen (was zu bedeuten scheint, daß Film nicht immer "Wirklichkeit" transportieren kann).

Ungetrost ist gewiß ein schönes Wort ,,, (solange man vom Inhalt absieht) ... ;-)

Gallus hat gesagt…

Danke für den Beitrag! So sieht die Stimmungslage im Moment bei vielen Katholiken aus. Auch bei mir.