Montag, 3. November 2014

Die letzte Bitte

Hochaltarblatt in der Michaelskapelle des Alten Friedhofs zu Freiburg 
"Sodann zog er in Betracht, daß den in Frömmigkeit Entschlafenen der herrlichste Gnadenlohn aufbewahrt ist. Ein heiliger und frommer Gedanke! Deshalb brachte er ein Sühnopfer für die Gestorbenen dar, damit sie von ihrer Sünde erlöst würden" (2 Makk, 42-45).
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... ein schöner Gedanke auch, nicht nur der Verstorbenen wegen, sondern auch für uns: Die Menschen, die wir lieben, haben im Tod nicht aufgehört - ihre Seelen sind um uns, stets uns nahe, auch wenn wir ihrer nicht mit irdischen Sinnen gewahr werden können. Beten wir für sie - wie auch für jene uns fremden Seelen, die niemanden haben, der für sie bittet! 
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Ich glaube, daß dieses Gebet nicht nur läuterndes Leiden, sofern sie sich diesem überantworten, lindert ... ich glaube auch, daß unseren Toten diese Gebete - Gott weiß ja darum, ehe wir sie sprechen - schon in der Stunde des Todes helfen, sich, und sei es im äußersten Augenblick, der Liebe Gottes zu öffnen: damit Gericht gehalten werde unter dem großen Maß der Gnade.
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Selbst die ungeheure Sequentia der Totenmesse, der Gesang vom Dies iræ, von jenem Tag des Zornes ... er klingt nach all den beschworenen Bildern von Gericht und Weltenbrand, vom Zagen und Zittern in einer Bitte von kostbarer Zärtlichkeit aus. Man mag es die Bitte jener Tränen nennen, die Maria von Bethanien einst um den toten Lazarus vergossen hatte (Joh 11, 33); Tränen, die den Kyrios tief erschüttert hatten ...
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Pie Jesu, Domine,
dona eis requiem.
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Jesus, in deiner zarten Liebe: Herr,
bette sie zur Ruhe.
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Amen.
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Bild: Unsere Liebe Frau, der hl. Joseph und der hl. Erzengel Michael als Fürsprecher für die Armen Seelen beim Dreifaltigen Gott - Altarblatt von Simon Göser am Hochaltar der Michaelskapelle auf dem Alten Friedhof zu Freiburg.

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