Samstag, 22. November 2014

Die kluge Biene im heißen Bad

 hl. Cäcilia - Mulhouse, Église Saint-Étienne 
Das Weihegedächtnis der römischen Basilika Sanctæ Ceciliæ trans Tiberim ("jenseits des Tibers", heute Santa Cecilia in Trastevere) steht als äußerer Anlass für das Fest der heiligen Jungfrau und Martyrin, das die Ekklesia heute feiert. Im Breviarium Romanum ein Fest dritter Klasse, haben sich doch bedeutende Reste des alten Offiziums erhalten - so sind den Laudes- und Vesperpsalmen Antiphonen zugesellt, die Momente aus der überlieferten vita der Heiligen in Erinnerung rufen.
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Reizvoll ist in der dritten Antiphon gewiß die Bezeichnung der heiligen Cäcilia als einer apis argumentosa: einer "klugen Biene", als welche sie dem Kyrios gedient habe. Bienen galten in der Antike zuweilen als jungfräuliche Tiere, welche ihre Brut aus den Blüten sammelten; argumentosus wiederum ist ein etwas schillerndes Wort: in der sehr späten Blüte klassischer Latinizität ist es noch von der Rhetorik bestimmt und bezeichnet den "Reichtum an Stoff" in der Rede; ein Redner nun, der aus dieser Fülle eine gute Rede aufführt, ist "klug" oder auch "schlau" - diese Bedeutungen entstammt der spätlateinischen Phase. Die "Biene" nun, die eifrig Stoff sammelt, mag vielleicht die heilige Cäcilia bezeichnen, die bereits vor dem Martyrium durch ihr Lebenszeugnis jenen Valerianus, der ihr angetraut wurde, und dessen Bruder Tiburtius zum Glauben an Christus bekehrte. Mit der "klugen" Biene gemahnt uns die Antiphon auch an die klugen Jungfrauen des Evangeliums.
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Sehr schön auch die vierte Antiphon, passend zum Canticum "der drei Jünglinge im Feuerofen" in den Laudes:
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Benedico te, Pater Domini mei Iesu Christi,
quia per filium tuum 
ignis exstinctus est a latere meo.
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Ich preise dich, Vater meines Kyrios Jesus Christus,
denn durch deinen Sohn
ist gelöscht worden das Feuer zu meiner Seite.
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Um Cäcilia zu martern, so die Lesungen des alten Offiziums, wurde die Heilige in ein heißes Bad gesperrt (heute würde man "Sauna" sagen), das beständig unter Feuer stand. Cäcilia soll die Hitze aber nicht gespürt haben, angenehme Kühle habe sie vielmehr stattdessen umfangen.
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Zwischen den Zeilen lesen wir einerseits die alte Vorstellung heraus, daß der Engel, der im Alten Bund zu den drei Jünglingen in die Flammenhölle des Ofens herabgestiegen ist, um sie zu schützen (Dan 3, 49 f.), Christus war: "durch deinen Sohn ist gelöscht worden das Feuer" lässt die Ekklesia Cäcilia beten. Und andererseits können wir vielleicht das Wort vom ignis ... a latere, vom "Feuer an der Seite" auf uns beziehen und als das Feuer ungeordneter Leidenschaft in uns verstehen - es möge unser Heil nicht verzehren; vielmehr steige Christus auf die Fürsprache der heiligen Cäcilia in unseren Seelengrund hinab und bewahre uns zum ewigen Leben.
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Weil nun die heilige Cäcilia auch die Patronin der Musik ist, mag ich nicht mit der angestammten Bitte schließen, sondern mit der Schlußstrophe eines alten Cäcilienliedes:
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Ins Himmelreich erhebt und zieht
Die Sehnsucht unsre Seel' empor;
Sie sänge gern das hohe Lied
mit dir im heil'gen Engelchor;
Hilf ihr im Kampf und führe sie
Ins Reich der ew'gen Harmonie.
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Bild: Die heilige Cäcilia an einem Portativ mit Engeln - Gewölbekappe unter der Orgelempore der Église Saint-Étienne zu Mulhouse im Elsass.

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Wow, das nenne ich mal eine erbauliche und bildende Betrachtung! Ich wünschte nur fast, ich hätte sie vor den Laudes gelesen...!

Andreas hat gesagt…

Keine Sorge, das ging mir ähnlich - heute morgen konnte ich mit der "apis argumentosa" nämlich auch nicht allviel anfangen ... ;-)

Tarquinius hat gesagt…

Nun ja, solange man nicht an eine "streitsüchtige Biene" denkt, wird es wohl okay gewesen sein... ;-)