Dienstag, 4. November 2014

Das Kreuz Christi unter den Menschen wieder aufrichten

hl. Karl Borromäus - Konviktskirche, Freiburg 
Vor mehr als Jahresfrist schaute ich nach langer Zeit wieder einmal in der Kirche des Freiburger Priesterseminars (dem Collegium Borromaeum) vorbei und entdeckte eine recht neue Plastik des hl. Karl Borromäus; sie muß erst in jüngster Zeit geschaffen worden sein und sprach mich sehr an (was ich nicht von aller kirchlichen Kunst unserer Zeit sagen kann). Das Bildwerk zeigt mir, wie der Heilige das Kreuz Christi aufrichtet - mitten unter den Menschen. Einige scheinen verzweifelt, niedergeschlagen, andere auf der Suche nach Orientierung, wieder andere werden auf das Kreuz aufmerksam, zeigen darauf, blicken empor, wenden sich ihm zu.
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Dies mag ein Bild der geistigen und geistlichen Situation sein, in der sich der hl. Karl Borromäus befand, nachdem er als Neffe eines Papstes die bequeme Karriere an der römischen Kurie gegen die Hirtensorge am verlotterten Erzbistum Mailand eintauschte - zu einer Zeit, als der noch junge Protestantismus mehr und mehr um sich griff und leichtes Spiel hatte, die an den vielen Fronten der anbrechenden Neuzeit versehrten und aufgeriebenen Menschen einer Ekklesia zu entreißen, welche in ihren Gliedern, vor allem in der Priesterschaft, radikaler Reformen bedurfte.
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Daß diese Reform an Fahrt gewann, ist nicht zuletzt diesem Heiligen zu verdanken. Als er mit 46 Jahren starb, hinterließ er der Ekklesia ein Vorbild, einen Prägestempel für die Reorganisation des kirchlichen Lebens: geistlich, sittlich, aber auch in innerweltlichen Belangen. Sein eigenes Erzbistum hatte der Heilige so innerhalb von knapp zwei Jahrzehnten - auf der Grundlage der Beschlüsse des Trienter Konzils - zu einer Musterdiözese reformiert. Die Menschen aber schöpften neuen Mut, neues Vertrauen in die Ekklesia und in deren Verkündigung.
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Das Kreuz Christi unter den Menschen aufrichten, die Botschaft vom Kreuz in der modernen Welt nicht verschweigen oder niedlich reden - auch unsere Zeit braucht Menschen, die das wagen. Bitten wir den hl. Karl Borromäus um seine Fürsprache bei Gott, daß er Bischöfe und Priester berufe und in seinen Dienst nehme, die dem Heiligen, dessen Fest die Ekklesia feiert, festen Schrittes unbeugsam nachfolgen ... ora pro nobis!

1 Kommentar:

Tarquinius hat gesagt…

In der Tat, ora pro nobis!