Montag, 27. Oktober 2014

Zur "Geistlichen Kommunion"

Die Frage nach der "Geistlichen Kommunion" hat in letzter Zeit die Blogozese ein wenig umgetrieben, zumal das Thema auch am Rand der Bischofssynode zur Sprache kam. Zuweilen wird ja geraten, Geschiedene, die hernach eine Zivilehe eingegangen sind, sollten, da zur sakramentalen Kommunion nicht zugelassen, geistlich kommunizieren. Nun stehen die Weichklopfer der kirchlichen Lehre natürlich mit der Frage auf der Matte, warum eine geistliche Vereinigung mit Christus zwar statthaft sei, nicht jedoch in sakramentaler Form?
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Vor einigen Tagen blätterte ich in einem der älteren Freiburger Diözesangesangbücher und stieß dabei auf die folgenden interessanten Ausführungen zu diesem Thema - sie legen nämlich nahe, daß für Katholiken, die sich im Stand einer schweren Sünde befinden, auch eine geistliche Kommunion im strengen Sinn wohl kaum möglich sei:
Die geistliche Kommunion besteht darin, daß man ein gläubiges, demütiges, inbrünstiges Verlangen erweckt, den lieben Heiland im heiligsten Sakramente zu empfangen. Wer im Stande der Gnade ist, kann dieses Verlangen ohne weiteres zu jeder Zeit erwecken. Wer im Stande der Todsünde sich befindet, sollte möglichst vollkommene Reue erwecken und sein Verlangen in der Art fassen, daß er denkt und sagt: "O wenn ich doch würdig wäre, dich, meinen Heiland, im heiligsten Sakramente jetzt zu empfangen!" - Die geistliche Kommunion ist Gott höchst wohlgefällig und uns sehr nützlich. Denn wie die Begierdetaufe in ihren Wirkungen der wirklichen Taufe entspricht, so wird auch die Begierdekommunion (d. i. eben die geistliche Kommunion) uns ähnliche Gnaden vermitteln, wie die wirkliche Kommunion; und sie ist überdies eine kräftige und wirksame Vorbereitung auf dieselbe ...
Nun ersetzen geistliche Erwägungen in einem Gesangbuch keineswegs eine fachliche Antwort, zumal nicht vergessen sein soll, daß die ersten Auflagen dieses Buches zu einer Zeit erschienen sind, als eine sakramentale Kommunion seitens der Gläubigen eher selten war. Andererseits wird sich der Redaktor den entsprechenden Abschnitt mit seiner klaren Unterscheidung kaum aus den Fingern gesogen haben.
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Zuletzt kann man natürlich auch die Frage stellen, ob der Rat, geistlich zu kommunizieren, wirklich sinnig ist. Denn das eigentliche Ärgernis, der fortgesetzte Ehebruch, bleibt schließlich bestehen - insofern macht man sich auch auf der traditionsfrohen Seite die Sache womöglich etwas zu einfach, wenn man den Betroffenen zu einer solchen "Lösung" rät.
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Der zitierte Abschnitt aus: Magnificat. Katholisches Gebet- und Gesangbuch für die Erzdiöcese Freiburg. Freiburg 1909. S. 108 f.

Kommentare:

Frischer Wind hat gesagt…

In der Tat ist die Sache mit der "geistlichen Kommunion" nicht ganz so einfach, wie sie ín manchen Reden behandelt wird. Das trifft auch genau die (berechtigte) Frage Kardinal Kaspers, ob man denn das, was man Gläubigen zugestehe, nämlich die Kommunion in geistlicher Weise, nicht auch realiter zugestehen müsse.

In der Tat gilt es auch hier zu unterscheiden:
Zunächst muss man genau erklären, was unter der sog. "geistlichen" Kommunion verstanden wird (nämlich in analogem oder im strengen Sinne). Ist es "nur" die Erweckung der Sehnsucht nach dem heiligen Sakrament - ohne Konsequenzen (in einem analogen Sinn) - oder ist es die Sehnsucht und innere Vorstellung eine Vereinigung mit dem Herrn im Sakrament, unter den Vorzeichen von Demut und Reue über begangene (schwere)Sünde(n) (im strengen Sinne)? im Ungehorsam gegen Gott oder in trotziger Haltung, gegen Gottes Gebote oder auch bei Nichtaufgeben-Können einer in sich ungeordneten Lebenssituation (z. B. wvhGesch.) ist auch eine geistliche Kommunion - zumindest im strengen Sinne - keine Lösung.

Wir erinnern uns an da Schuldbekenntnis, wo es heißt: "Ich bekenne... ich habe gesündigt in Gedanken, Worten und Werken..."

Erhellend auch hier:
Geistliche Kommunion: Zum Beitrag von Kardinal Cordes „Christus mit dem Herzen aufnehmen“: Im analogen Sinn eine Option

Frischer Wind hat gesagt…

Ach ja, und hier:
P. Deneke über die geistliche Kommunion

Tarquinius hat gesagt…

Sag ich doch! ;-)

Andreas hat gesagt…

Herzlichen Dank für die sehr interessanten Links!

Frischer Wind hat gesagt…

@Tarquinius
Ich habe in der letzten Zeit leider einige Diskussionen verpasst; ich bitte also um Nachsicht, wenn ich etwas schreibe, was schon gesagt wurde...

Wo wir aber schon bei den Links sind und dem, was schon gesagt wurde, dann sollte doch der Link zu Deinem aufschlussreichen Beitrag nicht unerwähnt bleiben:
...warum dann keine sakramentale Kommunion?

Tarquinius hat gesagt…

Nein nein, das war freilich nicht auf Dich gemünzt, die Links sind mir sehr willkommen. :)

Andreas hat gesagt…

Ich ahnte schon, daß ich es bin, der hier sanft gescholten werden sollte ... :-)

Tarquinius hat gesagt…

Das würde ich doch niemals tun! Diese Aufgabe hat doch der hl. Erzengel Michael... ;-)