Dienstag, 7. Oktober 2014

Von den drei Perlen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe

Rosenkranzaltar - St. Trudpert, Münstertal
Wird der Rosenkranz Unserer Lieben Frau vom betenden Vollzug her beleuchtet, so stehen zumeist die einzelnen Gesätzlein, welche uns Momente aus dem Leben Christi vorstellen, im Mittelpunkt der jeweiligen Ausführungen. Ihnen voran gehen aber einige Gebete, neben dem Glaubensbekenntnis vor allem jene drei Ave, in denen wir den Kyrios um die Erweckung der drei göttlichen Tugenden bitten:
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Jesus, qui nobis adaugeat fidem. 
... qui nobis corroboret spem. 
... qui nobis perficiat caritatem.
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In der gängigen deutschen Fassung:
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Jesus, der in uns den Glauben mehre.
... der in uns die Hoffnung stärke.
... der in uns die Liebe entzünde.
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Glaube, Hoffnung und Liebe sind jene Pfeiler, auf denen unser Leben vor Gott und in Gott ruht - diese Tugenden erwerben wir zu allererst nicht selbst, sondern sie werden uns von Gott eingegossen und geschenkt. Sie öffnen jenseits aller natürlichen Gotteserkenntnis den Horizont einer Sicht und einer Antwort des Menschen auf die Offenbarung hin. Der hl. Paulus hebt sie im Rahmen seines Hoheliedes der Liebe besonders hervor (vgl. 1 Kor 13); bereits zuvor lobt er die Ekklesia von Thessalonike:
Unablässig halten wir vor dem Angesicht unseres Gottes und Vaters die Erinnerung an euer tatkräftiges Glaubensleben fest, sowie an eure eifrige Opferbereitschaft in der Liebe und an eure Standhaftigkeit in der Hoffnung auf Jesus Christus, unseren Kyrios (1 Thess 1, 3).
Zu erbitten, Gott schenke und erhalte uns diese Tugenden, und sich zu diesen ohne Einschränkung zu bekennen, zählte früher in jedem Diözesangesangbuch zu den Grundgebeten des katholischen Christen, ziemlich bald und prominent gesetzt nach dem Glaubensbekenntnis, dem Herrengebet und dem Englischen Gruß - so auch in der letzten Ausgabe des Freiburger Magnifikat von 1960 (und in gleichen oder ziemlich ähnlichen Worten natürlich in vielen anderen Gebetbüchern):
O mein Gott und Herr! Ich glaube alles, was du geoffenbart hast und durch deine heilige Kirche uns zu glauben lehrst, weil du der wahrhafte Gott bist. Vermehre, o Gott, meinen Glauben!
O mein Gott und Herr! Ich hoffe von dir die Verzeihung meiner Sünden, deine Gnade und endlich die ewige Seligkeit, weil du, o gütiger und getreuer Gott, dieses alles versprochen hast. Stärke, o Gott, meine Hoffnung!
O mein Gott und Herr! Ich liebe dich von ganzem Herzen über alles, weil du der unendlich gute Gott bist. Aus Liebe zu dir liebe ich auch meinen Nächsten wie mich selbst. Entzünde, o Gott, meine Liebe!
Wir begegnen hier jenen Wendungen, die uns auch vom Rosenkranz vertraut sind: Es soll der Glaube vermehrt, die Hoffnung gestärkt, die Liebe entzündet werden. Ein eigenes Gebet um die göttlichen Tugenden ist heute weitestgehend verstummt und täte doch hoch Not! Zumindest bewahrt uns der Rosenkranz diese Anrufungen in konzentrierter Form.
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Die Worte vom Glauben, von der Hoffnung und von der Liebe können übrigens eine Hilfe sein, um sich die einzelnen Gesätzlein betrachtend zu erschließen, indem man die einzelnen Szenarien unter dem Gesichtspunkt jeweils einer dieser Tugenden vergegenwärtigt. Was bedeutet es zum Beispiel dem Glauben, daß Jesus "zu Elisabeth" getragen worden ist? Was der Hoffnung, daß Jesus "das schwere Kreuz getragen hat"? Was der Liebe, daß Maria "im Himmel gekrönt" worden ist? Wie wirken sich diese ganz verschiedenen Momente auf meinen Glauben, meine Hoffnung, meine Liebe aus? Oder: Was antworte ich in Glaube oder Hoffnung oder Liebe auf diese Rosenkranz-Geheimnisse? Auch: Erfasse ich ... erfassen mich diese Szenen - nach menschenmöglichem Maß - überhaupt im Glauben, in der Hoffnung, in der Liebe?
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Eine kleine Bemerkung zum Abschluß ... zur Bitte um die Gabe der Liebe. Wir beten gewöhnlich darum, Jesus möge in uns die Liebe "entzünden" - und so lesen wir es auch in den Gebeten um die göttlichen Tugenden. Im Lateinischen ist aber die Rede davon, daß er die Liebe in uns "vollende" (perficiat caritatem), daß der Kyrios sie zur letzten Fülle führe. Denn "entzündet" ist sie ja doch irgendwie bereits, wenn wir zum Rosenkranz greifen oder uns auch anders Gott zuwenden. Daher bete ich privat um die "Vollendung" der Liebe, so schwach sie auch immer wieder ausgeprägt sein mag - sie ist doch da. Das ist der schöne und irgendwie auch über alle Unzulänglichkeit hinweg tröstende Auftakt des Rosenkranzes ... Der Glaube ist geschenkt: Mehre ihn, mache ihn weit, mein Gott! Die Hoffnung ist eingesenkt: Mache sie stark, mein Gott! Die Liebe ist bereits entzündet: Führe sie, mein Gott, zur Vollendung!
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Die Bilder zeigen den Rosenkranzaltar in der Klosterkirche St. Trudpert im Münstertal.

Kommentare:

Eugenie Roth hat gesagt…

??? Gibt es da verschiedene Übersetzungen?
Qui in nobis adaugeat fidem
... confirmat spem
... incendat caritatem

bete ich, wie ich es gelernt habe.
???

Andreas hat gesagt…

Kann nicht ausschließen, daß verschiedene lateinische Fassungen im Umlauf sind. Bei den oben Genannten müsste es freilich zumindest
"confirmet spem" heißen ... ;-)

Tarquinius hat gesagt…

Der Rosenkranz ist meines Wissens nach nicht kodifiziert. ;-)

Andreas hat gesagt…

Da fehlt wohl eindeutig was in Denzinger ... ;-)

Eugenie Roth hat gesagt…

Aber INCENDET ist richtig?
DANKE für die lateinische Aufklärung!

Andreas hat gesagt…

Ach Eugenie ... Du hast doch anfangs gaaanz richtig "incendat" geschrieben.

Wie kommst Du jetzt auf die Idee, daß "incendet" richtig sein soll?

;-)

Eugenie Roth hat gesagt…

... weil ich mich vertippt habe ... Sorry.