Freitag, 3. Oktober 2014

Flußbett Alltag

St. Theresia von Lisieux - Pfarrkirche St. Martin, Görwihl
Die junge Nonne, die 1873 geboren wurde und mit fünfzehn Jahren ins Kloster ging, starb mit vierundzwanzig an der galoppierenden Schwindsucht. Niemals in dieser kurzen Spanne Zeit hat sie in den Augen der Zeitgenossen die Ebene des Außerordentlichen oder auch nur Auffallenden betreten. Ihre Geltung in der Klostergemeinde, nach neun Jahren engsten Umgangs, drückt sich in der bekannten Anekdote aus: Vom Fenster ihres Krankenzimmers hört Therese in den letzten Monaten ihres Leidens, wie eine Nonne zur anderen sagt: "Schwester Therese wird bald sterben, was wird unsere Mutter Priorin in ihren Totenbrief schreiben können? Sie trat bei uns ein, lebte und starb - mehr ist wirklich nicht zu sagen" (Ida Friederike Görres)
Ich denke, man liest die Schriften der hl. Theresia von Lisieux anders, wenn man sich bewußt macht, daß es sich um verborgene Zeugnisse handelt, die nicht nach Außen geschrieben worden oder gar auf Wirkung bedacht sind. Das zuweilen Blumige, an dem man sich stören kann, ist dann nicht Erguss für die Ohren der Zeit, sondern Fluß des Herzens in seiner Zeit. Das "Flußbett" ist der Alltag, unauffällig, wenig spektakulär.
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Die hl. Theresia helfe uns durch ihre Fürsprache, nicht Wunder und Zeichen, sondern Gott in unseren Tagen zu finden: Solo dios basta, um es mit den Worten der anderen Theresia zu sagen ... ora pro nobis!
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Ida Friedrike Görres: Das verborgene Antlitz. Eine Studie über Therese von Lisieux. Freiburg (2) 1946. S. 8. Das Bild zeigt eine Darstellung der Heiligen in der Pfarrkirche St. Martin zu Görwihl im Hotzenwald.

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