Mittwoch, 3. September 2014

Vor dem Tisch des Kyrios

Die heilige Kommunion täglich empfangen zu können war bis in das anbrechende 20. Jahrhundert hinein keine Selbstverständlichkeit; deutlich wird dies etwa, wenn in einigen Lebensbeschreibungen zuweilen hervorgehoben wird, es sei diesem Heiligen oder jener Heiligen erlaubt worden, den Herrenleib "oftmals" oder "täglich" zu empfangen. 
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Denn "selten" war die Regel. Dabei berief man sich auf zum Beispiel auf die Annahme, daß selbst eine lässliche Sünde, so sie freiwillig bejaht wurde, ohne vorherige Beichte vom Empfang ausschließe. Es war der hl. Pius X., der mit dem Dekret Sacra Tridentina Synodus 1905 Regeln für den Kommuniongang klarstellte und die Gläubigen ermunterte, in gläubiger Verantwortung oft an den Tisch des Kyrios zu treten.
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Wappen des hl. Pius X.
Gerade weil der Empfang der heiligen Kommunion heute (zu?) selbstverständlich ist, lohnt es, sich einige der Erwartungen und Bedingungen, die der hl. Papst damals formulierte, wieder vor Augen zu führen ...
... Das Verlangen Jesu Christi und der Kirche aber, daß alle Christgläubigen täglich zum heiligen Gastmahl hinzutreten, zielt vor allem darauf, daß die Christgläubigen, durch das Sakrament mit Gott verbunden, daraus Kraft schöpfen, um die Begierden zu zügeln, um leichte Verschuldungen, die täglich vorkommen, abzuwaschen, und um schwerere Sünden, denen die menschliche Gebrechlichkeit ausgesetzt ist, zu verhüten: nicht aber hauptsächlich, daß für die Ehre und Verehrung des Herrn Sorge getragen wird, noch daß für jene, welche [die heilige Kommunion] empfangen, dies gleichsam Lohn und Entgelt ihrer Tugenden ist.
Am Rande bemerkt: Wenn Papst Franziskus zum Kommunionempfang als eines Heilmittels aufruft, liegt er also voll auf der Linie des hl. Pius X. - welche Wunden hierdurch geheilt werden können, ist in diesem Zitat ausführlich dargelegt. Welche Bedingen gelten, ist auch gesagt:
Die häufige und tägliche Kommunion ... soll allen Christgläubigen ... offenstehen, so daß niemand, der im Stande der Gnade ist und mit rechter und frommer Gesinnung zum heiligen Tisch tritt, von ihm ferngehalten werden kann.
Die rechte Gesinnung aber beruht darauf, daß, wer zum heiligen Tisch hinzutritt, sich nicht einem Brauch, der Eitelkeit oder menschlichen Gründen hingibt, sondern dem Ratschluß Gottes genüge tun will, sich mit ihm in der Liebe enger zu verbinden und mit jenem göttlichen Heilmittel seinen Schwächen und Fehlern zu begegnen.
Auch wenn es äußerst förderlich ist, daß die häufig und täglich Kommunizierenden von verzeihlichen Sünden, wenigstens den wohl überlegten, und der Neigung zu ihnen frei sind, genügt es dennoch, daß sie von Todsünden frei sind, mit dem Vorsatz, sie werden künftig niemals sündigen.
Es ist dafür zu sorgen, daß eine gewissenhafte Vorbereitung auf die heilige Kommunion vorangehe und danach eine angemessene Danksagung folge gemäß den Kräften, der Lage und den Pflichten eines jeden.
Die wenigen Auszüge mögen sich rasch lesen lassen - doch lassen sie sich so rasch und einfach auch beherzigen, wie man in unseren Tagen manchmal den Eindruck gewinnt, schaut man auf Zahl und Zucht der Kommunikanten? 
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Nun ja - über andere hier ein Urteil zu fällen steht niemandem zu, sich selbst zu beurteilen aber schon: Durch seine Fürsprache helfe uns der hl. Pius X. heute an seinem Fest und alle Tage, daß wir werden, was wir würdig empfangen wollen: Leib Christi. Ora pro nobis!
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 Die Auszüge aus dem Dekret Sacra Tridentina Synodus aus: Heinrich Denzinger: Kompendium der Glaubensbekenntnisse und kirchlichen Lehrentscheidungen. Freiburg (37) 1991. Nr 3375 ff. - Im Bild das Wappen des hl. Pius X. am Hochaltar der Pfarrkirche St. Johannes Baptist zu Forchheim.

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

"Auch die Geschichte ist Zeuge, dass das christliche Leben in jenen Zeiten am meisten blühte, in welchen die heilige Eucharistie am häufigsten empfangen wurde. Anderseits ist es ebenso sicher, dass, wo die Menschen den Genuss des himmlischen Brotes vernachlässigen und gleichsam verschmähten, allmählich die Lebendigkeit des christlichen Geistes erschlaffte.", schrieb der weise Vorgänger des Heiligen, Leo XIII., in seiner Enzyklika Mirae caritatis. Beim ersten Satz alleine kommt man wohl nicht umhin, den häufigen Kommunionempfang unserer Tage und das Verwelken des christlichen Lebens vor Augen zu haben. Denkt man aber an die Bedingungen Papa Sartos, so wird vielleicht klar, dass auch das empfangene Himmelsbrot vernachlässigt und verschmäht werden kann...

Andreas hat gesagt…

Wobei Otto Normalkirchgänger für Würde und Wert der Kommunion heutzutage alles andere als sensibilisiert wird, schaut man sich die ars orandi / credendi / celebrandi mancher Eucharistiefeier (?) an ...