Freitag, 12. September 2014

Von Unserer Lieben Frauen Mariä Namen

Mariä Namen - Ebringen, Pfarrkirche St. Gallus
Was der Name Unserer Lieben Frau bedeute und wovon das hebräische Wort Mirjam rede, ist bis heute nicht entschieden. Es werden diverse Erklärungen angeführt, die mehr oder auch weniger befriedigen, aber vollauf überzeugend deucht keine. Im Blick auf Maria überrascht dieser Bedeutungsmangel ein wenig, denn wir sind es gewohnt, daß gerade an Eckpunkten der Heilsgeschichte Namen nicht nur Persönlichkeit und Wesen des Trägers bezeichnen, sondern eine konkrete Botschaft übermitteln; ein bekanntes Beispiel begegnet uns vor allem im Advent, wenn - als Gotteszeichen - von der Jungfrau die Rede ist, die einen Sohn empfangen und gebären werde: Emmanuel - "Gott mit uns" (Jes 7, 14).
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Hier nun mag bereits auffallen, daß diesem starken Namen Emmanuel kein sprechendes Gegenüber beigegeben ist: Die Jungfrau bleibt auffallend namenlos. Keine Eva ("Mutter der Lebendigen"), keine Elischeba ("mein Gott ist Fülle"), keine Hanna ("Begnadete") oder was uns auch immer an vertrauten Namen dazu einfallen könnte. Noch deutlicher, weil prosaischer, gilt das für den hebräischen Urtext, wo schlicht von alma die Rede ist: einer jungen Frau, was kaum als Eigenname gelten kann. Die Präzisierung "Jungfrau" (parthénos) empfängt die Stelle erst in der Septuaginta; dies nun keineswegs zu Unrecht, alldieweil in der Jungfräulichkeit der Gebärenden die besondere Zeichenhaftigkeit liegt, die Jesaja mit dieser Prophetie verknüpft. Denn daß junge Frauen Kinder gebären, ist ebenso wenig eine besondere Überraschung, wie im Kontext der Verkündigung des Alten Bundes (samt Harren des Messias) die Grundaussage plötzlich außergewöhnlich zeichenhaft geriete, daß Gott mit seinem Volk sei oder der - ja ohnehin erwartete - Nachkomme Davids zur Welt käme.
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Der namenlosen Jungfrau bei Jesaja steht mithin jene Jungfrau gegenüber, deren Namen uns also geradezu "bedeutungslos" ankommt: Mirjam - Maria. Ich glaube, die göttliche Weisheit hält uns die Kunde dieses Namens verborgen, weil nichts die Erhabenheit, die Schönheit, den Ruhm und die Herrlichkeit derjenigen engführen (und damit zwangsläufig verkleinern) soll, die der Engel mit den Worten "Sei gegrüßt, du Hochbegnadete" (Lk 1, 28) anredete. Das Schönste und Edelste, was immer wir über Unsere Liebe Frau sagen können, ist Teil dessen, was der Name Mariä bedeutet. Dazu zählen gewiß die Rufe der Lauretanischen Litanei, nicht zuletzt deren poetische Bilder ...
Du ... Spiegel der Gerechtigkeit ... Sitz der Weisheit ... Ursache unserer Freude ... geistlicher Kelch ... ehrwürdige Schale ... mystische Rose ... elfenbeinerner Turm ... goldenes Haus ... Arche des Bundes ... Pforte des Himmels ... Morgenstern ... Heil der Kranken ... Zuflucht der Sünder ...
... und vieles mehr, das man über Maria - niemals genug - sagen kann. 
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Heute, am Fest des Namens Mariä, das aus Dankbarkeit dafür eingeführt wurde, daß 1683 die Türken vor Wien ein weiteres Mal zurückgeschlagen werden konnten, und überhaupt in diesen Tagen, in denen im Namen des Islams Christen brutal verfolgt werden, nehmen wir zu Maria unsere Zuflucht, zu ihr, deren Name auch Hilfe der Christen bedeutet: Sie helfe unseren gemarterten Brüdern und Schwestern und stehe auch uns durch ihre Fürsprache bei ... ora pro nobis!
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 Im Bild ein Marienmonogramm im Übergang zum Auszug des von Johann Christian Wentzinger entworfenen Marien-Altars in der Kirche St. Gallus zu Ebringen im Breisgau. Das untere Bild zeigt Maria als die Unbefleckt Empfangene in selbigem Altaraufbau. Eine schöne Übersicht über die (mutmaßlichen) Deutungen des Namens Mariä findet sich hier bei Tarquinius.

1 Kommentar:

Tarquinius hat gesagt…

Danke für den schönen Text und die Verlinkung!
Ich bin übrigens heute Deinen Fußstapfen gefolgt und mit der (nicht-DSLR) Kamera durch die Kirchen gezogen. Hoffentlich kommt was bei rum- ;-)