Donnerstag, 11. September 2014

Von der Nominierung

Ich bin überrascht (keineswegs unangenehm), wenn ich mich hier und da bei der blogozesanen Nachbarschaft umschaue: Überrascht ob der Wellen, welche die dritte Auflage des Robusta-Wettbewerbs schlägt; sei es ulkiger Newsticker und cheerleadernder Bemunterungen wegen, die man untergeschoben bekommt, sei es, daß unverhohlen zum product placement (des je eigenen Produkts - keineswegs verwerflich) gegriffen wird. Die Sache sei nicht allzu bierernst zu nehmen, schrieb ich selbst noch vor einer Weile. Zu locker aber auch nicht; das lehrt schon die unübersehbare Dynamik, die sich seit Start der Aktion in der Blogozese breit macht. Einige blogs scheinen geradezu neu zum Leben erwacht.
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Also grüble ich herum, wen ich nominieren solle. Solch' Nominieren ist eine reizvolle Sache, aber wenn ich mich frage, welcher blog meines Dafürhaltens in einer Kategorie einen Preis verdient habe (natürlich gülden), dann will benannte Sache wohl bedacht sein. Mit Bauchgefühl allein ist mir nämlich ungeholfen - es spuckt zu fast jeder Kategorie zumindest ein, zwei, drei (oder auch vier, fünf ...) Kandidaten aus.
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Deswegen habe ich mir drei Regeln ausgeheckt, Bewertungskriterien sozusagen. Und weil diese zum Teil nicht nur für die Nominierungs-, sondern auch für die Abstimmungsphase interessant und zu einem Entscheid hilfreich sein könnten, mache ich sie hier öffentlich:
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1. Ich nominiere nur blogs, die - soweit ich das überschauen kann - noch nie irgendeinen Preis bekommen haben, obschon sie einen verdienten.
Die Blogozese besteht, denke ich, aus drei Gefielden: Einerseits einer Handvoll Erzblogger, dann einem größeren und bedeutungsmäßig etwas "grauen" Mittelfeld (da würde ich mich mal verorten), zuletzt aus einer Reihe etwas randständiger blogs, die man aber kaum "Mauerblümchen" nennen mag. Ansprechendes findet sich jedenfalls auf allen Feldern. Das Maß der Aufmerksamkeit, die sich bei der Abstimmung in der Regel dann in Zahlen (und Preisen) niederschlägt, hängt somit nicht zwingend nur von der Frage ab, wie gehaltvoll eine Seite ist, sondern zum Beispiel auch, wie intensiv sie vernetzt ist und wahrgenommen wird. Gerade wenn die Robusta den Horizont der Blogozese weiten helfen soll, scheint es mir sinnig, wenn nicht der Löwenanteil der Preise (vor allem in den Hauptkategorien) bei den üblich Verdächtigen landet. Von daher möchte ich ermuntern, daß man jetzt und vor allem während der Abstimmung auch jene blogs beschaut und würdigt, die seltener in den Blick geraten und - trotz bemerkenswerter Güte - noch nie irgend' "gepriesen" wurden (ich habe übrigens zuletzt einen Sonderpreis weggetragen und falle mithin durch dieses Raster).
2. Ich nominiere nur blogs, deren Inhalte in Wort und Bild ein gerüttelt Maß an eigener Leistung erkennen lassen.
Natürlich gibt es eine Reihe von blogs, die ich sehr schätze, die dabei jedoch überwiegend bis ausschließlich auf Texte oder Bilder fremden Ursprungs zurückgreifen (bei Texten tue ich das ja auch nicht selten, freilich weitestmöglich mit genauer Quellenangabe). Das kann unzweifelhaft schön, interessant und lesenswert sein, allerdings passt es meines Ermessens in keine der aktuellen Preiskategorien (man könnte bei kommender Gelegenheit vielleicht eine eigene dafür schaffen: best compilation oder ähnlich - kein Witz!). Denn ich finde es durchaus preisentscheidend, ob jemand wirklich seine Beiträge selbst schafft und schreibt und daran feilt, oder ob vornehmlich Abtippen oder Copy-and-Paste und ein wenig Textverarbeitung im Spiel sind. Als jemand, der selbst photographiert (nicht übermäßig professionell, aber gerne), bin ich überdies etwas empfindlich, wenn - womöglich ohne Quellenangabe - Bilder aus dem Internet gezogen werden. Grundsätzlich kann das natürlich jeder halten und werten, wie er mag und will; in der Blogozese kommt die Praxis häufig vor und hier will ich niemanden schelten. Ich meinerseits - ein wenig ein gebranntes Kind - habe allerdings selbst bereits Bilder von dieser Seite (sprich: von mir) abseits der Blogozese im Netz ausgemacht (Google bietet dazu eine wunderbare Funktion; innerhalb der Blogozese finde ich das ja schmeichelhaft, außerhalb aber nicht und schon garnicht bei verschwiegener Herkunft) und es juckt mich stets in den Fingern, einen Abmahngeier zu heuern (Ich sitze nicht wie Dagobert auf meinen rund 4.000 Kirchenphotos, aber ich möchte in der Regel gefragt und verlinkt sein, wenn sie von und auf fremder Seite genutzt werden; zumal ich jüngst in Fehleinschätzung des Landbus-Fahrplans über drei Stunden in einem strunzöden Kaff zugebracht habe, dessen Kirche sich als wenig "photogen" erwies). Fazit: Bei Nominierung und Abstimmung halte ich es für angemessen, nicht nur ein Auge darauf zu werfen, ob eine Seite berückende Texte bietet oder bezaubernd bebildert ist (nebenbei: eine Seite kann auch "Augenhonig" sein, wenn kein einziges Bild eingestellt, aber das Layout sehr gut gemacht ist), sondern auch zu schauen, wieviel Kreativität, Blut, Schweiß, Tränen und was immer sonst Eigenes eingesetzt worden sein mag.
3. Ich nominiere nur blogs, von denen ich restlos überzeugt bin, daß sie die Kriterien der jeweiligen Kategorie auch vollauf erfüllen.
Das versteht sich eigentlich von selbst. Dennoch ertappe ich mich nämlich bei der aktuellen Meinungsfindung dabei, den ein oder anderen blog, dem ich sehr gerne auch einen Preis wünschen würde, in eine Kategorie zu schieben, die nur irgendwie halt auch passt - weil in der ursprünglich angedachten ein anderer blog wahrscheinlich das Rennen machen wird. Das zu vermeiden scheint mir auch bei der Abstimmung wichtig (bei der es ohnehin sein kann, daß ich am Ende für einen anderen blog als den von mir nominierten stimmen werde): Die tatsächlichen Inhalte der einzelnen blogs in Übereinstimmung mit den jeweiligen Kategorien sollen entscheiden, nicht gefühlte Sympathien für den einen oder anderen bloggenden Kollegen.
Soweit diese drei Kriterien, die ich als Überlegung in den Raum stelle. Wer sich nun freilich den ganzen sermon angetan hat in der Hoffnung, zu erfahren, wen ich nominieren will - den muß ich auf Kommendes vertrösten. Wer aber seine Favoriten bereits gekürt, dem Herrn Alipius aber noch nicht Bescheid gegeben hat, kann das hier tun.

Kommentare:

Bekennender Bilderdieb (ohne Quellenangabe) hat gesagt…

Statt "best compilation" würde ich für "Tod des Autors" plädieren. So kriegen selbst die Faulenzer noch einen postmodernen Chic...

Andreas hat gesagt…

Postmodernismus! Pah! Noch so eine Einlassung, und ich werfe mit Putten (entspirituös hin oder her) nur so um mich ...

Tarquinius hat gesagt…

Was die Bilder angeht, sagst Du natürlich was. Ich habe da inzwischen auch Skrupel ob der rechtlich-moralischen Relevanz entwickelt (weswegen es gerade auch etwas weniger Bilder bei mir gibt) und finde es meistens auch wenig kreativ, die Suchmaschine anzuwerfen und das passendste Stück zu kopieren. Mehr noch, Selbstgeknipstes gibt einem Blog eine ganz eigene Persönlichkeit - man erhält sofort den Eindruck, dass es sich nicht nur um ein Wiederverwerten alten Konservenmaterials in Bild und Text handelt. Und auch die Ästhetik ist zumeist eine ganz andere.

Soll nicht heißen, dass Blogs ohne irgendwie grundsätzlich schlecht wären...ich selbst tue mich mit dem Fotographieren auch gerade noch etwas schwer, da ich entweder keine Lust dazu habe oder aber mit dem unprofessionellen Ergebnis äußerst unzufrieden bin, vielleicht besteht da auch eine Wechselwirkung...

Andreas hat gesagt…

Oft hängt's ja an der Kamera - es muß ja nicht immer ein Spiegelreflexteil, sollte aber auch nicht gerade die billigste Digitalplumpe sein. Wenn die ersten guten Ergebnisse rauskommen, kann man als nächstes "am Blick" arbeiten ... nicht immer nur mittig draufhalten, sondern Details gewahren, Perspektiven ausloten, auch Kleinigkeiten festhalten. Ich habe da schon immer im Hinterkopf, auch (Teil-) Motive zu suchen, die vor allem für den blog geeignet sein könnten. Danach kann man noch ein wenig mit Bildbearbeitung rumschnippseln und manipulieren ... und zunehmend gewinnt man Spaß dran.

Zwischenzeitlich kann es manchmal sein, daß ich speziell irgendwo hinfahre, weil dort dieses ohne jenes Motiv zu haben ist. nur um einen geplanten Beitrag bebildern zu können ... ;-)

Tarquinius hat gesagt…

Danke für die Tipps, ich hoffe, ich habe die Muße, mich daran nochmal zu probieren. :-)

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Beim Bloggen ist es leider oft so, daß man was schreibt und dann meint, daß da auch noch ein passendes Bild zu gehört.
Mit viel Glück hat man mal irgendwann irgendwo selbst etwas passendes geknipst und kann darauf zurückgreifen;
manchmal kann man auch das Bloggen unterbrechen, sind die Knipse schnappen und losziehen, um was passendes zu knipsen;
oft jedoch hat man selbst kein passendes Bild und weiß auch nicht, wo man in der Nähe was passendes finden kann. — Tja, dann geht man eben im Internet auf Suche…

Man kann sich freilich auch ein Bild malen (wenn man kann) oder sonstwie selbst erstellen ohne eine Kamera zu besitzen.
Ich mache z.B. diese Köpfe (z.B. beim Label Angedacht oder Ey! etc.) mittels MakeHuman.

Andreas hat gesagt…

Jetzt weiß ich wenigstens, wo diese Icons herrühren (das hatte ich mich nämlich durchaus schon gefragt ...).

Mhh, ich kann eigentlich nur ermuntern, sich eine halbwegs vernünftige kleine Kamera zuzulegen, diese immer mit sich zu führen und die Augen offen zu halten. Auf Dauer kann man sich dann ein nettes Bildarchiv anlegen (so hat's bei mir jedenfalls angefangen). An Motiven dürfte es im strunzkatholischen Paderborner Land ja kaum mangeln (hier hingegen ist ja stellenweise jedes zweite Kaff protestantisch) ... ;-)