Donnerstag, 25. September 2014

Von der Einsamkeit

Etzgen, Bruder-Klaus-Kapelle
Ecce 
elongavi fugiens et mansi 
in solitudine:
quoniam vidi iniquitatem et contradictionem
in civitate.
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Seht!
Flüchtend schied ich mich und hauste
in Einsamkeit,
denn Unrecht sah ich und Zank
in der Gemeine.
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Die Worte des Introitus (aus Ps 54) der heutigen Festmesse vom hl. Niklaus von der Flüe führen uns in den Ranft hinab, in jene Schlucht, in welcher der Heilige ab 1467 bis zu seinem Tod als Einsiedler lebte. Sie erinnern auch an die spannungsgeladenen Momente jener Zeit im Zusammenhalt der Eidgenossenschaft. Und sie erinnern an heute, an Staat und Gesellschaft, aber auch an die Gemeine Christi, die Ekklesia, die nicht zusammenhält im Streit für das Reich Gottes, sondern deren Glieder unter sich so oft zerstritten sind.
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Manchmal wünsche ich mir diese Einsamkeit: Abschalten können von all dem Kram, mit dem man sich herumschlägt. Eine fruchtlose Flucht (man ahnt ja die Beweggründe, die dahinter stecken) wäre dies nur dann nicht, besäße man etwas nur von der Größe des heiligen Bruder Klaus, der - unter dem Ruf und in der Gnade Gottes - seiner Zeit widerstehen, in Gemüt und Abtötung auf Distanz zu ihr gehen und gerade darob einige ihrer Wunden heilen konnte. Als ich die Bilder für diesen Eintrag aufbereitete, fiel mir auf, daß sie aus 2010 stammen. Ich war lange nicht mehr im Ranft drunten, um den Frieden dieses Ortes zu finden. Dieses Ortes? "Fried ist allweg in Gott" sagt der Heilige; mit seiner Fürsprache helfe er uns, diesen Frieden zu finden, wo auch immer ... ora pro nobis!
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Das oberste Bild zeigt ein Altarwandgemälde von Augustin Meinrad Bächtiger (1888-1971) in der Bruder-Klaus-Kapelle zu Etzgen; die weiteren Bilder sind im Ranft entstanden; auf dem zweiten Photo die Zelle des Heiligen.

Kommentare:

Lena hat gesagt…

Ich war, soweit ich mich erinnern kann, zum ersten Mal 2012 dort, und Flüeli Ranft hat mich sehr beeindruckt. Ein Ort, der irgendwie als Heimat für einen Heiligen passend scheint :-). Da könnte man direkt ein wenig stolz werden, Schweizerin zu sein ;-).

Andreas hat gesagt…

Ja, Lena, dieser Ort hat eine ganz eigene Austrahlung ... ich hatte bislang eigentlich fast immer das Glück, dann dort zu sein, wenn sonst wenig andere Menschen dort waren. Schon der Abstieg in dieses kleine Tal ist eher ungewohnt (zu Wallfahrtsorten steigt man ja oft eher herauf). Dann gibt es da einen Weg durch den Wald, weniger genutzt als der geteerte Weg, das oberste Bild ist von dort aufgenommen: da kann man wirklich zu sich selbst finden und sich auf die Begegnung mit Gott einstimmen: ein gesegnetes Fleckchen Erde!

Windlicht hat gesagt…

Ich habe diesem Ort und seinem heiligen Einsiedler einiges zu verdanken. Einiges. :-) - Im übrigen auch das wieder eindrückliche Aufnahmen. Andreas, geben Sie endlich zu, daß Sie auf all Ihre Pilger- und Betrachtungswege einen Profi-Photographen mitnehmen?! ;-)

Andreas hat gesagt…

Das kann ich mir leider nicht leisten. Allein die zwei Träger für die Sänfte und der Mundschenk kosten schon ein Vermögen ... vom repräsentativen Gefolge ganz zu schweigen!