Dienstag, 23. September 2014

Von der Bekehrung der Ehebrecherin

Dieser Tage schob sich mir auf dem Balkenundsplitterblog eine weitere Variation zum Themenkreis Geschieden, Wiederverheiratet und Kommunion unter die Augen, mithin geschrieben von der Warte derer herab, die von der Ekklesia erwarten, sie solle die klaren Worte des Kyrios zur Unauflösbarkeit der Ehe relativieren und ihre Praxis ändern.
.
Erneut wurde Joh 8, 1-11 herangezogen: der Bericht über die Begegnung Christi mit einer Frau, die beim Ehebruch ertappt wurde und, ehe man sie steinigen wollte, von den Pharisäern Jesus vorgestellt wird, um ihm eine weitere Falle zu stellen. Wir wissen, wie die Geschichte ausgegangen ist. Und ich weiß bereits aus einiger Erfahrung, daß der zweite Teil von Vers 11 bei einigen, die diese Begebenheit gegen die katholische Ehelehre in Stellung bringen, gerne unter den Tisch fällt:
Da beugte sich Jesus hoch und sprach zu ihr: Frau, wo sind sie? Hat keiner dich verurteilt? Sie aber sprach: Keiner, Kyrie! Da sprach Jesus: Auch ich verurteile dich nicht: Geh! Von jetzt an sündige nimmermehr (Joh 8, 10-11).
"Von jetzt an sündige nimmermehr" - so jene wichtige und abschließende Mahnung, die Christus der Frau mit auf den Weg in das neu geschenkte Leben gibt. Die Einlassung stellt hingegen das Herrenwort "Auch ich verurteile dich nicht" als Schlußpunkt hin, um sich überraschender Weise dann aber doch indirekt dem unterschlagenen Halbvers zuzuwenden:
Nehmen wir doch den konkreten Fall, als Jesus einer Ehebrecherin begegnet. „Auch ich verurteile dich nicht“, sind seine abschließenden Worte, nachdem er die die Steinigung fordernden Pharisäer mit ihrer eigenen Sündhaftigkeit konfrontiert hat. Der von [Bischof; Anm.] Oster beschworene strenge Gesetzgeber und Richter, der dem "netten Herrn Jesus" auch inne wohnt, urteilt eben doch nicht, nicht einmal über diejenigen, die sich hier zum Richter über Leben und Tod aufschwingen. Und in diesem Ausdruck seiner unendlichen Liebe, auch dieser Frau gegenüber, eröffnet er die Möglichkeit der abschließend geforderten Umkehr doch erst; eine Umkehr, die in der ihr entgegengebrachte Liebe und nicht in einem Gesetz begründet ist. Jesus fordert nicht Umkehr, bevor er den Menschen erlöst, er verströmt Liebe, die Glaube und Vertrauen und damit auch Umkehr erst ermöglicht. Eine Kirche, die Umkehr fordert, bevor sie den Menschen in Liebe begegnet, ist völlig auf dem Holzweg.
Erst in der erfahrenen Offenbarung des liebenden Gottes durch dessen unbedingte Zuwendung zum Menschen sei Glaube, Vertrauen, Umkehr also möglich; daran solle sich die Ekklesia orientieren, diese Pädagogik Jesu aufgreifen - oder aber sie sei "völlig auf dem Holzweg". 
.
Der Gedanke hat unzweifelhaft etwas für sich. Man hört ja zuweilen auch von polizeilicher Ermittlungstaktik nach dem Rezept bad cop - good cop: Kommt der eine Ermittler mit Drohen und Theaterdonner bei einem Verdächtigen nicht weiter, holt er einen Kollegen, der Verständnis und Sanftmut mimt, um so die harte Schale eines Delinquenten zu knacken und an eine Aussage zu kommen. Der Vergleich hinkt natürlich, denn Christus droht und drängt in den Evangelien mit gleicher Authentizität, wie er sanft und erbarmend den Sündern begegnet. Beides hat seinen Platz in der Verkündigung Christi: der strenge Richter und der gute Hirt - gemimt wird dabei nichts.
.
Wenden wir dieses Rezept nun auf die Ekklesia an: Sie müsse sich also unbedingt liebevoll den geschiedenen und wiederverheirateten Menschen so zuwenden, daß sie diesen selbst noch die tiefste Teilnahme an der Eucharistia, die heilige Kommunion, nicht vorenthält. Und dann? 
.
Schwappen die Bekehrungen über die Ufer? Wäre etwa damit zu rechnen, die Betroffenen würden aufgrund dieses Liebes- und Vertrauensbeweises ihre im Gegensatz zum Gebot Christi stehende Situation erkennen und bereinigen, sich aus den jeweiligen irregulären Verbindungen lösen und das Herrenwort "Von jetzt an sündige nimmermehr" beherzigen? Das wird doch nicht einmal der Balkensplitterblogger ernsthaft glauben! 
.
Was hingegen dürfte eher daraus erwachsen? Die Menschen werden sich in ihrem Tun bestätigt sehen und ihre Lebensentwürfe - menschlich verständlich! - fortführen, werden das einst gelobte Eheband weiter mit Füßen treten, das einander gespendete Sakrament weiter schänden, dem Wort Gottes weiter zuwider handeln. Daß sie sich dessen, was sie tun, oft nicht wirklich bewußt sind, mag sie retten und in Gottes Liebe bergen. Dieses Tun gutheißen und unterstützen kann die Ekklesia aber nicht!
.
Das ist freilich längst nicht alles. In der Anwendung der Denkfigur, daß Bekehrung zu Gott das Angerührtsein von der Liebe Gottes voraussetze, wird - nicht nur im Blick auf die konkrete Ehefrage - schlicht vergessen, daß dieser Liebeserweis nicht erst noch zu erbringen sei, weder von Gott selbst noch von der Ekklesia, sondern daß er längst erbracht worden ist: Erbracht, seit Christus von den Menschen zum Tode geführt wurde und am Kreuz starb und in diesem Sterben unser aller Tod überwunden und Vergebung für unsere Sünden erworben hat. Als Sünder, die wir alle sind, steht für uns allein noch die Frage im Raum, ob wir uns vom Bösen abwenden und den erhöhten Kyrios um sein Erbarmen bitten, wie der Schächer zur Rechten uns lehrt, oder ob wir dennoch im Bösen verharren und Christus weiter lästern, wie der andere Schächer an Jesu Seite getan. 
.
Gottes Liebe ist uns im Gekreuzigten unüberbietbar angeboten, Gottes Hand ist im Kreuz ausgestreckt. Es ist Aufgabe der Ekklesia, uns alle zum Kreuz zu führen und dort in unversehrter und treuer Brautschaft Zeugnis zu geben für Gottes Liebe. Und es ist an uns, Gottes Hand dort zu ergreifen und uns von ihr führen zu lassen, selbst dann, wenn Golgatha hierbei unsere eigenen Lebensentwürfe durchkreuzt - denn das Kreuz ist die Brücke zu jenem Leben hinüber, das uns Gott bereitet.
.
Der im Beitrag erwähnte Artikel ist hier zu finden.

Kommentare:

viasvitae hat gesagt…

Vielen Dank für diesen guten und differenzierten Beitrag! Besonders möchte ich zweierlei hervorheben:
Gut gefällt mir Deine Frage (die m.E. fast nie gestellt wird) was denn passiert, wenn man die Praxis total lockerte. Mit Recht äußerst Du die Befürchtung, dass dann kaum die Zahl der Bekehrungen explodieren dürfte...
Zweitens finde ich besonders den Aspekt der Verbindung von Liebe und Gesetz wichtig. In der ursprünglichen Argumentation würde ich unterstützen, dass Gottes Liebe immer zuerst da ist, erkennbar, wie Du sagtest, am Kreuzesgeschehen. Aber aus der Begegnung mit dieser Liebe erwächst doch gerade die Kraft, das Gesetz anzunehmen und zu erfüllen! Ich kann nur immer wieder fragen: Wieso immer diese Dualismen? Wieso immer wieder Gesetz contra Liebe? Und gerade Bischof Oster, der zitiert wird, plädiert dafür - sorgfältig gelesen - eben jene Verbindung wieder mehr zu erkennen, die Verbindung von Barmherzigkeit und Wahrheit, von Liebe und Gesetz, denn genau das macht ja das Christentum aus. Ginge es nur um Liebe, könnte man sich auch jeder anderen Gemeinschaftsbetonten Gruppierung anschließen, wir aber glauben, dass im Christentum tiefere Wahrheiten überliefert werden, die dem Leben (und dem danach) Sinn geben.

Tarquinius hat gesagt…

Bravo!

Jorge hat gesagt…

Also ich finde den Beitrag in dem Sinne gut, als er geradezu plakativ fast alle Missverständnisse vorführt, die Andreas' kurios verkrampften Begriff vom kath. Glauben prägen. Statt das Evangelium so auf dich wirken zu lassen, wie es da steht, musst du es dir mit allen möglichen Hilfsannahmen, Nebenüberlegungen, Randbemerkungen und Verweisen solange zurechtbiegen, bis es in deine Konzeption passt. Statt dich selbst in der Geschichte zu verorten, die Konsequenzen zu ziehen und Jesus zu preisen, verlierst du dich in einem Argumentationsgebäude, das nur darauf abzielt, der Geschichte die Spitze zu nehmen und sie ohne größeren Schaden in das Bauwerk einer moralischen Religion einzugliedern, in der die Pharisäer eigentlich doch recht haben. Krass!

Der von dir kritisierte Beitrag von Balken&Splitter ist sicher etwas einfach gestrickt, auch in der Anwendung auf den Fall der Wiederverheiratetenkommunion wohl zu forciert, aber er geht doch jdfs. in die richtige Richtung.

Was du hier schreibst ist teils scharfsinniger und durchdachter, aber es ist praktisch alles falsch, irgendwie verdreht. Als Gläubiger spürt man das auch sofort. Es gelingt dir, das Evangelium zu lesen und trotzdem genau das Gegenteil von dem zu glauben, was da steht. Das finde ich so krass. Es würde sich lohnen, einmal genauer zu analysieren, wo die Knackpunkte liegen, die das Verständnis des Christentums so erschweren.

Die Erfahrung macht Jesus selbst. Ihr hört die Botschaft, aber ihr begreift nicht, ihr lest das Evangelium, aber versteht nicht. Wer Ohren hat zu hören usw. Wie oft hat Jesus dies selbst bei seinen Jüngern bemerkt. Insofern kein Grund zum Verzweifeln, es kann eigtl. nur besser werden :-)

Schon atmosphärisch stimmt von Anfang an etwas nicht. Man spürt den etwas genervten Tonfall, dieses Unbehagen, das "sittenstrenge" Gläubige ja häufig bei diesen Vergebungsgeschichten empfinden und das hier so überdeutlich aus jedem Gedanken zu atmen scheint, den du formulierst. Man sieht förmlich, wie du missmutig mit den Fingern auf die Kirchenbank trommelst, während diese leidige Ehebrechergeschichte vorgelesen wird. Man möchte meinen, du ärgerst dich fast, dass so etwas überhaupt in der Bibel steht. Und musste es unbedingt eine Ehebrecherin sein? Hätte nicht auch ein Dieb gereicht, dem die Pharisäer die Hand abhacken wollen oder sowas. Ungeduldig wartest du nur auf den letzten Halbsatz, um dich innerlich zu entspannen, den Zeigefinger zu erheben und zu vergewissern: Gesündigt hat sie doch! Am besten wäre es vielleicht, den Schluss noch etwas zu erweitern. Jesus könnte der Dame ja vielleicht noch etwas hinterherrufen wie: "Beim nächsten Mal bist du dran!" oder so. Dann könnte man in die Hände klatschen und sich freuen.

Jorge hat gesagt…

(Forts.)

Der Evangelist rechnet wohl auch damit, dass die Leser in die Hände klatschen und sich freuen, allerdings an ganz anderen Stellen der Geschichte. Das macht glaube ich den Kern des Missverständnisses aus, diese atmosphärische Verweigerungshaltung, diese Blockade, sich auf die eigentliche Pointe einzulassen.

Die Geschichte macht sehr klar, wo die Guten und wo die Bösen stehen. Die Identifikationsmöglichkeiten des Lesers sind vorgezeichnet (Mitleid mit der Verurteilten, Empörung über die "Pharisäer", Bewunderung für Jesu Trick mit dem Glashaus, Genugtuung über den Rückzug der Steiniger, Erleichterung über den glücklichen Ausgang, Freude über Jesu warmherzige Worte zu der Frau, Ermutigung zum Neubeginn). So liest jemand die Episode, der sie noch nicht kennt und unvoreingenommen herangeht.

Bei deiner Lesart ist das ganz anders. Man empfindet die unruhige Verspannung, mit der du beobachtest, wie die Normalhörer des Wortes an den Stellen klatschen und sich freuen, die dir eigentlich gefährlich unmoralisch und subversiv erscheinen. Wie du vor dich hin murmelst: Wartet nur ab bis zum Schluss, dann kriegt ihr alle doch noch eins hineingewürgt, woran ihr schwer zu kauen habt.

Dass dieser Vers mit dem „sündige nicht mehr“ nach deiner Erfahrung angeblich oft unter den Tisch fällt, spricht natürlich auch Bände. Nach meiner Erfahrung ist genau das Ggt. der Fall: Dieser Satz wird nahezu unvermeidlich und gebetsmühlenhaft bei allen Gelegenheiten, hervorgekramt und betont und doppelt und dreifach unterstrichen, wo diese Perikope überhaupt erwähnt wird (vllt. nur in gewissen Kreisen, aber die sind es ja, die mich interessieren). Ich habe jdfs. in den letzten Jahren im „katholischen“ Internet, egal ob Blogs oder Portale, Predigten etc., keine einzige Abhandlung oder Diskussion über diese Perikope gesehen, in der nicht zumindest von einigen Kommentatoren oder Mitdiskutanten, in der Regel aber einhellig von allen, dieser Satz in den Vordergrund gestellt und im Verhältnis zum eigentlichen Sinn der Geschichte (meist extrem) mit Sinn überfrachtet wurde.

Gern würde ich jetzt noch einzeln auf die vielen sachlichen Fehler und Fehlschlüsse eingehen, angefangen bei der Tendenz, anderen ein Kreuz aufzubürden und sich selbst in Sicherheit zu wiegen, über die verkehrte Annahme, Christus hätte im Evangelium gleichermaßen getröstet und gedroht, bis hin zu der Vorstellung, die Ekklesia dürfe ja ruhig hart sein, weil Christus schon weich genug war. Dgl. natürlich die absurde Idee, Menschen in irgendwelchen irregulären Partnerschaftssituation würden damit „Christus lästern“ und müssten von der Kirche aus Reinlichkeitsgründen von der Kommunion ferngehalten werden, was natürlich kompletter (und gefährlicher) Unfug ist. Wer das glaubt, muss eben einmal versuchen, die bliblischen Geschichten auf sich zu beziehen und nicht auf andere (also selbst einsteigen statt zu moralisieren, das wäre der Schlüssel). Das durchzubuchstabieren würde den ohnehin schon überdehnten Rahmen der Beitragskommentierung nun aber vollends sprengen.

Insgesamt zeigt dein Beitrag das Bemühen, katholisch sein zu wollen, ohne das Christentum anzunehmen. Das geht leider nicht. Katholisch kann nur sein, wer Christ ist, es ist ja dasselbe. Deshalb muss man auf die Botschaft des Evangeliums hören und kann sie nicht in einen Gegensatz zur Lehre der Kirche manövrieren und sich dann für das eine und gegen das andere entscheiden oder umgekehrt. Diesen Fehler scheinen beide Seiten zu machen, aber ich sehe ihn bei dir wirklich sehr viel krasser als bei Balken&Splitter.

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Was ist eher:
Huhn oder Ei?
Gnade oder Bekehrung/Reue?

Worauf soll die Pastoral setzen: Darauf, daß der Mensch von sich aus umkehrt, oder darauf, daß Gott ihm die Umkehr schenken möge?
Was vermag der Mensch von sich aus?

Was soll man den "Wiederverheirateten" sagen? Etwa: „Alles halb so schlimm, der gute Mann aus Nazareth hat dich lieb; komme zu seinem Tisch.“?

Alles ohne Umkehr, Reue?
Da wirkt doch nur noch der Mensch und sein Wille.

Andreas hat gesagt…

Vielen Dank für sämtliche Rückmeldungen!

Lieber Jorge, Sie haben sich viel Mühe gemacht - das verdient abseits aller Differenzen Anerkennung. Vielleicht werde ich darauf die kommenden Tage in einem Beitrag eingehen. Daß das dann meinerseits nicht heftig wird, kann ich Ihnen heute nicht versprechen ... ;-)

Vielleicht mögen Sie Ihre Ausführungen bis dahin nochmals selbst in Ruhe und zur Gänze lesen?

Und vielleicht fällt Ihnen auf, in welch hoher Zahl Sie selbst mit Vermutungen, Unterstellungen und Selbstgerechtigkeit operieren, um mir am Ende zu sagen, all mein Streben, Christus nachzufolgen, wäre irregeleitet und letztlich wäre ich nicht katholisch und auch kein Christ.

Um nur einen Punkt schon hier aufzugreifen: Glauben Sie mir, ich lege keinem ein Kreuz auf, das ich nicht selbst trage. Um Christi Willen habe ich mein Leben vor einigen Jahren nach einer langen Phase religiösen Laissez-faire umgekrempelt (Gott mußte mir zuvor dazu auch etwas in den Hintern treten), was starke Einschnitte für meinen Lebensentwurf bedeutete. Bis heute arbeite ich daran - aber wo es mir gelingt, erfahre ich, daß mein Leben freier wird (ehe Sie jetzt denken, ich schiebe irgendeinen Frust nicht nur herum, sondern auch auf andere ab).

Tarquinius hat gesagt…

Pardon, aber zu Jorges Äußerungen fällt mir nur eins ein: Cool story, bro!

Jorge hat gesagt…

Lieber @Jürgen:
Auf die zivil Wiederverheirateten wollte ich hier gar nicht so groß eingehen. Verschiedene Meinungen dazu sind vertretbar.

Was man nicht tun sollte, ist, sich an einfachen Parolen aufhängen, die den tatsächlichen Stand der Diskussion verdunkeln. Auch kann man nicht so tun, als wäre da eigtl. sowieso keine andere Lösung denk- oder machbar als die bisherige oder als wäre die jetzige Regelung an sich definitiv richtig oder auch nur besonders stringent oder logisch. Bei genauerer Betrachtung wird schnell klar, dass beides überhaupt nicht stimmt.

Die Losung "Vergebung ohne Reue" ist im Prinzip ja nur ein Kampfbegriff. Kein vernünftiger Mensch vertritt diese Position, sie wird halt so karikiert, um die betr. Vertreter zu diskreditieren. Was wirklich geht und was wirklich nicht geht, kann man sich anlesen. Dann kann man überlegen, ob man das möchte oder ob man es für falsch hält und warum. Die Diskussionen ins Blaue hinein ohne wirklich fundierte Argumente und mit Schlagwörtern wie "Barmherzigkeit" oder "Vergebung ohne Reue" führen m.E. nicht weiter.

Die Pastoral müsste sich natürlich danach richten, was man im Endeffekt möchte. Wer daran festhält, Geschlechtsverkehr mit dem falschen Partner sei in jedem Fall Todsünde und die zweite Verbindung dürfe nicht oder nur ohne Verkehr aufrecht erhalten werden, kann da sicher wenig ändern. Man muss aber eben auch sehen, dass das (rechtlich, moraltheologisch, dogmatisch) keineswegs zwingend geboten ist.

Selbst wenn man an dieser Logik festhalten wollte, folgt daraus zudem auch nicht zwingend, dass die Betroffenen, die die Voraussetzungen nicht erfüllen können, nicht zur Beichte gehen dürften. Auch das ist ja keineswegs so simpel, wie die Befürworter der harten Linie es oft glauben. Wenn jmd. etwas tut, was er nach bestem Wissen und Gewissen gar nicht als Sünde begreifen und deshalb natürlich auch nicht bereuen kann, sündigt er ja nicht.
Deshalb sagt die Kirche ja schon heute keineswegs, dass diese Leute alle schwere Sünder sind und deshalb nicht kommunizieren können. Sie sagt halt nur, sie könnten Sünder sein und geben ein schlechtes Bsp. und sollen deshalb vorsorglich lieber nicht kommunizieren.
Diese Maßnahme dürfte aber unter ekklesiologischen Gesichtspunkten völlig überzogen und regelrecht falsch sein. Du kannst niemanden einfach mal auf Verdacht von so lebenswichtigen Dingen wie der Beichte fernhalten, das ist eigtl. fahrlässig und der Kirche eigtl. gar nicht erlaubt.

Jorge hat gesagt…

Lieber Andreas, du kannst so heftig und deftig antworten wie du magst. Nur bitte keine Empfindlichkeiten. Wenn du dich von meinen ironischen Überzeichnungen persönlich angegriffen oder verletzt fühlst, lassen wir das lieber. Dazu hast du keinen Grund und auf irgendwelches Gezänk habe ich keine Lust, dazu ist die Sache zu ernst. Den Vorwurf irgendwelcher Selbstgerechtigkeit weise ich vollkommen zurück, ich rede überhaupt nicht über mich selbst, sondern über das Evangelium. Ich spiegele dir plakativ das zurück, was in deinem Beitrag herüberkommt, wenn man ihn als gläubiger Mensch, für den das Evangelium und die Eucharistie im Mittelpunkt stehen im Leben, liest. Das bin nicht ich, das sind die anderen und natürlich auch du ganz genauso. Irgendetwas abgesprochen habe ich dir also auch nicht.
Du selbst hast so zentrale Dinge wie die tiefste Teilnahme an der Eucharistie (und ich füge hinzu: die sakramentale Sündenvergebung) als etwas dargestellt, was die Kirche irgendwelchen Menschen, die - wie du ja selbst andeutest - möglicherweise überhaupt keine schweren Sünder sind, auf Verdacht vorenthalten solle oder gar müsse. Das ist praktisch eine Kriegerklärung gegen das Sakrament, dem du seine liebsten Kinder vorzuenthalten suchst, indem du es für bestimmte keuschere und reinere Elemente reservierst und den moralisch eher zweifelhaften Elementen den Zutritt verwehrst. Das kann man nicht einfach so stehen lassen, das ist ein sakrilegischer Gedanke, Es ist genau das Ggt. von dem, was im Evangelium geschieht. Eine solche Kirche würde sich vom Evangelium entfernen, und das geht gar nicht. Die Kirche soll Sünder und schlichte Gemüter anziehen, nicht vergraulen oder durch unerfüllbare Forderungen zum Verzweifeln bringen.
Dass du das alles im Anschluss an eine Nacherzählung der Steinigungsgeschichte ausführst, ist lustig, aber eben auch aberwitzig.

Du kannst gern versuchen zu zeigen, dass dieses Spiegelbild gar nicht so herüberkommt, dass ich da ganz und gar falsch liege, dass es nur mir ganz alleine so geht oder was auch immer.

Was die Geschichte mit dem Kreuz angeht, durchschaust du offenbar deine eigenen rhetorischen Tricks nicht. Deinem letzten Absatz zufolge soll die Ekklesia "uns", also dich und mich, die wir von irgendwelchen Ehebrüchen rein und unbelastet sind, zum Gekreuzigten führen und in reiner Brautschaft übergeben (oder so). Die anderen, die nicht ganz so rein gewaschenen, deren Kreuz aufgrund deiner hohen Anforderungen irgendwie zu schwer geraten ist, gehen dann irgendwie verloren. Umgekehrt wird ein Schuh daraus. Die anderen werden die Ersten sein und wir die Letzten!

Dass du hart zu dir selber warst oder bist, nimmt dir ja keiner, aber es geht mich sowieso nichts an und ist für diese Frage ganz gleichgültig. Niemand kann wegen seiner Härte zu sich selbst beanspruchen, auch gegenüber anderen härter als unbedingt nötig sein oder ihnen mehr abverlangen zu dürfen als das Minimum. Das gilt vllt. am Arbeitsplatz, aber nicht in der Kirche. Wir sind keine Donatisten.

Hart gegen sich selber sein, um selbst die Anforderungen für die "Brautschaft" zu erfüllen, ist ohnehin in meinen Augen eher wertlos. Solche Härte bringt vor Gott erst dann etwas, wenn sie nicht um meines Seelenheils willen, sondern als Selbstaufopferung für andere geschieht. Aber gut, da sind die spirituellen Entwürfe zugegebenermaßen nicht alle gleich. Das davor Gesagte gilt aber für alle.

Theodor hat gesagt…

Lieber Jorge, das kann man so jetzt aber wirklich nicht stehen lassen.

Du weißt genau, dass der letzte Satz der Periskope und überhaupt der Begriff der Sünde aus Predigt, Katechese und Religionsunterricht weitestgehend getilgt ist - dass es in der Blogozese tendenziell eher eine Gegenreaktion gibt, ist da vll. ganz verständlich.

Du müsstest auch einmal Deinen Gebrauch des Evangeliums erläutern. Man hat hier den Eindruck, es gehe Dir um das unmittelbare Lesen und Einwirkenlassen des Textes. Dann kann man aber nicht mehr so ohne Weiteres sagen, dass Jesus nicht ebenso gedroht wie getröstet habe. Dazu brauchst Du schon eine Exegese, die die Drohreden relativiert / einordnet.

Völlig klar ist, dass derjenige das Evangelium komplett missversteht, der Barmherzigkeit aus einer angemaßten "höheren Stufe der Moralität" als Ungerechtigkeit interpretiert. Das lese ich bei Andreas aber nicht. Auch bezieht sich sein "Christus lästern" ja explizit nicht auf die Menschen in "irregulären Lebenssituationen", sondern auf "uns alle".

Und wenn wir schon beim Evangelium sind: Ich finde es keineswegs abwegig, dass sich das "ehebrecherische Geschlecht" nicht nur im übertragenen Sinne auf die "Bundesuntreue" bezieht, sondern auf den leichtfertigen Umgang mit dem Scheidebrief. So einfach ist das mit den wiederverheirateten Geschiedenen und dem Evangelium der Barmherzigkeit dann doch nicht ...

Andreas hat gesagt…

Lieber Jorge,

ich nehme mir einmal die gleiche Freiheit, die sie sich meinem Text gegenüber nehmen und sage Ihnen frank und frei, wie er auf mich wirkt:

Pharisäerhaft und selbstgerecht einerseits, andererseits darauf ausgelegt, aus allem, was ich schreibe, mir einen Strick zu drehen und mir aufzuzeigen, wie falsch ich liege und wie unerleuchtet ich schreibe.

Das können Sie nun (wie ja bereits getan) gerne weit von sich weisen (und ich freue mich - kein Witz - mit Ihnen, wenn ich falsch liege!).

Das nur einmal so als Rückmeldung: Nicht nur, was ich schrieb, wirkt auf Sie, sondern auch was Sie schreiben, auf mich ...

Jorge hat gesagt…

Wir können uns mit dem "Pharisäer" auch zuprosten. Das wäre vielversprechender (obwohl ich das Zeug nicht besonders mag).

Im Ernst, was Sie von mir halten oder ich von dir, finde ich uninteressant. Ich halte von Ihnen oder dir viel - was ich auf dem Blog lese ist wunderbar, und sonst würde ich ja hier auch nichts schreiben. Dass Sie so empfindlich reagieren, hatte ich nicht erwartet, weil ich (vielleicht vorschnell oder irrtümlich) davon ausging, dass Sie so einen Schuss vor den Latz gut wegstecken können, weil Sie auch selbst schonmal austeilen. Wie gesagt, vielleicht hatte ich Sie auch falsch eingeschätzt, sowas kommt vor, ist aber nicht tragisch.

Dass in der Geschichte ausgerechnet Pharisäer die Steinewerfer sind, hatte mir - kein Witz - beim Schreiben der obigen *satirisch überspitzten* Eingabe (ich weiß, dass Sie während des Evangeliums nicht mit den Fingern auf die Bank trommeln! Sie sind damit nicht als Person dargestellt! Ich kenne Sie doch gar nicht.) sogar etwas Kopfschmerzen bereitet, weil ich die Pharisäerkeule nicht hilfreich finde und vermeiden wollte, dass es so rüberkommt. Inhaltlich geht es natürlich etwas in diese Richtung, aber das liegt in der Natur der Sache und hat mit den diskutierenden Personen nichts zu tun.

Dass Sie in der Sache falsch liegen, ist natürlich richtig, deshalb melde ich mich ja. Da Sie in einer Weise über die Eucharistie sprachen, die mich ungewöhnlich schmerzt, weil sie den Kern des Sakraments verfälscht, konnte bzw. wollte ich da nicht einfach den Mund halten. Aber wer bitte bin ich, um Ihnen da Vorwürfe zu machen, schonmal gar nicht persönlicher Art. Ich beanspruche ja nicht einmal, recht zu haben, sondern suche die inhaltliche Auseinandersetzung. Eine Karikatur ist eine Verzerrung, kein maßstabgerechtes Abbild der Wirklichkeit. Die Struktur des Irrtums soll aufgezeigt werden, nicht die Person herabgewürdigt.

Besser wäre es, die einzelnen Punkte durchzusprechen. Theodor hat mit der Frage nach dem Drohpotenzial der Jesusbotschaft schon damit begonnen, und ich würde diese Frage sehr gern weiter bereden. Das geht aber nicht, wenn Sie schmollen, Sie müssen den Ball schon aufnehmen und mitmachen oder halt sagen, dass Sie das hier nicht wollen, denn das ist ja Ihr Blog. Ich möchte Sie oder dich gern ermuntern, deshalb ein freundliches ;-)

anthos hat gesagt…

@Jorge,

was mich nach Ihren sehr ausführlichen Beiträgen einmal interessieren würde, ist, was SIE denn eigentlich für Argumente vorzubringen haben. Sie schreiben immer bloß, dass andere falsch lägen, deuten dann an, dass Sie freilich alles besser wüssten, um dann zuletzt noch anzufügen, dass Sie uns davon aber nichts verraten wollen, weil es "den Rahmen sprengen" würde. Tatsächlich sprengen Ihre Beiträge offenbar sogar den Rahmen von Andreas' Kommentarfunktion, aber wie wäre es denn, wenn Sie einfach die unsachlichen Unterstellungen streichen und durch sachliche Argumente ersetzten würden? Ich würde gerne wissen, was Ihre Position bzgl. der Wiederverheirateten ist, und wie Sie diese unter der Berücksichtigung folgender Stichworte (zwecks gemeinsamer Basis) begründen:

Ehe: Sakrament, das fürs gesamte Leben verpflichtet (vorausgesetzt, man ist sich dieses Umstandes bewusst)

Ehebruch: Sünde, die von der Gnade trennt

Beichte: Sakrament, das unter der Voraussetzung von Reue & Vorsatz die Sünden tilgen und den Stand der Gnade wiederherstellen kann

Kommunion: Sakrament, das unter Voraussetzung des Gnadenstandes empfangen werden kann. Ist diese Voraussetzung nicht gegeben, handelt es sich, soweit ich gelernt habe, um ein Sakrileg.

Ich bin Laie und gebe hier nur das wieder, was ich selbst gelernt habe. Ich frage also nichts dogmatisch Verquastes, sondern etwas, was jeden Katholiken interessieren könnte. Sie könnten mir jetzt also ganz nah bei den Menschen erklären, wie ich mir Ihre Ansichten vorzustellen habe. Es interessiert mich auch wirklich, ich kenne nämlich auch Wiederverheiratete, und möchte diese gar nicht verurteilen. Ich denke bloß, dass es bei dieser Frage noch um mehr als nur das geht.

Andreas hat gesagt…

Lieber Jorge ...

Da auch ich ungern mit Kaffee verdünnten Alkohol trinke, sind wir uns in Sachen "Pharisäer" immerhin einig, was mich freut.

Anonsten machen Sie sich keine Sorgen, zu sehr bin ich nun auch nicht aus der Facon geraten, sonst hätte ich schon ausschweifender herumgeheult. Schmollen will ich auch nicht, denn da sperrt man sich in der Regel nur selber weg. Außerdem sehe ich ja - ich gehe jetzt auch mal zum Du über - durchaus die Energie, die Du in Deine Kommentare investierst.

In gewisser Weise teilen wir auch, daß offenbar jeder über den je anderen der Ansicht ist, dieser liege mit diesem Satz oder jener Ansicht aber auch sowas von daneben. Auch das beruht mithin auf einer gewissen Gegenseitigkeit.

Keineswegs möchte ich die Debatte abwürgen, aber es sind viele Fässer aufgemacht, über die man sich wahrscheinlich kreuz und quer zerreden würde. Deswegen habe ich mir überlegt, in nächster Zeit den ein oder anderen Aspekt zu isolieren und in einem jeweils eigenen Blogbeitrag aufzugreifen - das scheint mir dann zielführender.

Ich werde da nicht jedesmal auf diese Kommentarspalte hinweisen, aber Du wirst merken, wann ich Themen daraus aufgreife ... :-)

Gesegnetes Wochenende!

Andreas hat gesagt…

PS Eines aber doch noch hier, weil ich daraus gewiß keinen eigenen Eintrag schreiben werde ... wenn ich sage, die Ekklesia soll "alle" zum Kreuz Christi führen, dann meine ich auch "alle" und nicht der eine Auswahl vermeintlich "besserer Christen" ... ;-)

anthos hat gesagt…

Entschuldigen Sie, ich wollte nicht rumpoltern oder so, manchmal wird man bei solchen Themen vielleicht etwas hitzig. Verstehe, dass Sie es lieber auf sich beruhen lassen wollen.

Jorge hat gesagt…

Hallo @Andreas: Vielen Dank! Das klingt für mich wunderbar und ich freue mich.

(Ich antworte etwas spät, war die letzten beiden Tage nicht präsent, sorry!)

Am liebsten wäre mir, die Geschichte von der verhinderten Steinigung der Ehebrecherin einmal ganz nüchtern und unaufgeregt von Anfang bis Ende durchzubuchstabieren, ohne immer auf die Thematik der zivilen Wiederheirat schielen zu müssen. Dann käme man glaube ich automatisch zu den Grundfragen, die mir wichtig sind. Ob sich dann daraus Rückschlüsse für die aktuellen kirchenpolitischen Debatten ziehen lassen und welche, würde man dann erst im Ergebnis untersuchen.

Zu den drei (ich sage jetzt mal einschränkend: möglichen) "Fehlern und Fehlschlüssen" bzw. Punkten oder "Fässern", die ich angesprochen hatte, - sein Kreuz selber tragen vs. anderen Lasten aufbürden; Drohen und Trösten im Ev.; Heiligkeitsanforderungen der Kirche nach Ostern im Vgl. zu den Forderungen Jesu an seine Zeitgenossen - wollte ich noch anmerken, dass ich einen bestimmten Punkt in deinem Beitrag gar nicht kritisiert habe, weil ich ihn um Prinzip teile: es ist der im allerersten Kommentar von @viasvitae genannte Pkt.

Einen wunderschönen Sonntag!

Jorge hat gesagt…

@anthos: Das Thema Wiederheirat stand m.E. hier gar nicht soo im Vordergrund. Im Hintergrund sicher, momentan ist das ja in aller Munde. Es ist ziemlich komplex und man muss viel lesen, um da überhaupt etwas wirklich Vertretbares zu sagen zu können.

Du drängst mich ein bisschen dazu, irgendwie "Farbe zu bekennen" und "ja" oder "nein" zu sagen. Das möchte ich nicht, erstens weil ich die Kampfdebatten zu dieser Frage nicht besonders fruchtbar finde, und zweitens, weil es diese einfachen Antworten nicht gibt. Außerdem ist meine Meinung nicht maßgeblich.
Ich empfand deine Frage aber keineswegs als "Rumpoltern". Du wolltest halt wissen, auf welcher Seite ich stehe. Das ist in Ordnung, aber ich vertrete keine bestimmte Seite, sondern versuche abseits der ganzen Polemik und eingefärbten Statements herauszufinden, was wirklich stimmt und was nicht.

Ein einfaches Schema, das die grds. Doktrin dazu m.E. gut darstellt, hat vor einigen Monaten ein Blogger unter dem Titel "Wiederverheiratete Geschiedene und der Kommunionempfang - einfach erklärt" erstellt (vor ein paar Tagen von Frischer Wind verlinkt): http://www.catholicism-wow.de/pivot/entry.php?id=532
Das Schema verdeutlicht die Logik der konventionellen Auffassung sehr gut. Als „kurze Zusammenfassung der theologischen und kirchenrechtlichen Problematik“, wie es der Blogautor nennt, kann das Schema natürlich nicht durchgehen (die theologischen und kirchenrechtlichen Probleme werden vielmehr gerade nicht genannt). Aber man kann hier gut ansetzen und prüfen, ob die genannten Prämissen und Schlussfolgerungen so zutreffen oder nicht. Sie tun das – wie zu erwarten – nur mit Einschränkungen.

Um dies genauer auszuführen, müsste man jetzt weit ausholen und viele Argumente und Gegenargumente zu sehr unterschiedlichen Einzelfragen prüfen. Das kann ich in so einer Combox natürlich nicht leisten.
In meinen (rein privaten und wie gesagt vollkommen unmaßgeblichen) Forschungen habe ich das aber natürlich getan. Was die Folgerung bzgl. Beichte (Pkt. 10) angeht, habe ich oben in der Antwort an @Jürgen auch schon ungefähr benannt, wo da das Problem liegen könnte.

Weitere Antworten von mir zu bestimmten Einzelaspekten dieses Komplexes findest du bspw. in einem vorgestern von mir geposteten Kommentar („Jein“) auf dem Blog Echo Romeo (Titel des Beitrags: Es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem). Dort kann man meine Position schon ein wenig genauer eruieren.

Auch auf dem Blog Frischer Wind und nicht zuletzt auch bei @Theodor hatte ich schon einige Male etwas dazu geschrieben.
Bei @Theodor gelangten wir zu dem für mich sehr befriedigenden Ergebnis, dass er mir (sinngemäß zitiert) sagte: Sie haben sich viel Mühe gemacht, um zu beweisen, dass Erleichterungen möglich wären. Ich finde solche Erleichterungen aber generell nicht richtig und möchte sie gar nicht.
Mit diesem Diskussionsergebnis wäre in der momentanen Lage schon extrem viel gewonnen.

Im Moment geht es mir persönlich hauptsächlich darum, den Leuten zu sagen, dass sie sich wegen der Synode keine übertriebenen Sorgen machen müssen. Viele sind ja tats. und ehrlich davon überzeugt, die Kirche sei in dieser Frage der Wiederverheiratetenkommunion zwingend an die gegenwärtige Regelung gebunden und wenn die Synode Änderungen beschließe, verstoße sie gegen das Dogma der Unauflöslichkeit der Ehe. Das wurde in den eher propagandistisch operierenden Medien der verg. Jahre oft so dargestellt, ist aber nicht richtig. Also ganz unabhängig davon, ob man eine Änderung gut und richtig findet oder nicht, muss man keine Angst vor irgendwelchen Lehrverstößen etc. haben. Das gilt selbst dann, wenn sich Kard. Kaspars Konzept oder sogar das Freiburger Modell weitgehend durchsetzen würde, was ich ohnehin nicht glaube. Deshalb möchte ich allen sagen: ruhig Blut, eine „Kirchenspaltung“ (von der sogar der sonst so moderate @Cicero vor ein paar Tagen ganz unnötigerweise sprach, ist überhaupt kein Thema.

Danke für die Frage!

Jorge hat gesagt…

@Theodor, ich will jetzt nicht noch mehr schreiben hier, nur zu deinem allerletzten Aspekt (ob sich Jesu Bezeichnung seiner Gegner als ein "ehebrecherisches Geschlecht" nicht in Wirklichkeit doch auch auf tatsächliche "Ehebrecher" - also Männer, die sich scheiden lassen - beziehen könnte): Ich pers. schätze zu 99% ja!

Schönen Sonntag!