Dienstag, 2. September 2014

Schwester Alphonsamma

hl. Alphonsamma
Auf dem Weg von der Sakristei zur Orgel stand am vergangenen Sonntag wieder jener Schrein vor den Stufen des Presbyteriums von Sankt Antonius, den die Tamilen aus diesem oder jenem Anlass zuweilen gerne aufstellen. Diesmal war er aber nicht mit Unserer Lieben Frauen Bild von Lourdes bestückt, auch nicht mit dem hl. Antonius, sondern mit der Statue einer Ordensfrau. Auf den ersten Blick kam mir die hl. Rosa von Lima in den Sinn, deren Fest tags zuvor gefeiert worden war (und der Bogen von gefühlten Indios zu Indern und Tamilien scheint rasch geschlagen). 
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Nach der Hohen Messe schaute ich etwas genauer hin: Das war dann nix mit der erratenen Santa Rosa - ein Aufkleber zu Füßen des Bildes verriet, es handele sich um eine Darstellung der hl. Alphonsamma, in unserer Breiten als hl. Alphonsa von der Unbefleckten Empfängnis (wohl auch nicht viel besser) bekannt, eine Tochter der hl. Klara in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und die erste Heilige Indiens.
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Das Schicksal dieser Ordensfrau, die es auf gerade mal drei Dutzend Lebensjahre gebracht hatte, war von Opfer und Leid gekennzeichnet. Sie kam, wie ich gelesen habe, vor der Zeit zur Welt, nachdem der Hals ihrer hochschwangeren Mutter im Schlaf von einer Schlange umdrosselt worden war. Drei Monate nach der Geburt (1910) starb ihre Mutter; Anna Muttathupadathu, so ihr bürgerlicher Name, wuchs in der Familie eines nahen Verwandten auf, eines Priesters der mit Rom unierten syro-malabarischen Kirche. Mit 17 Jahren trat sie bei den Klarissen von Bharananganam ein; damit erfüllte sich ihr bereits länger gehegter Wunsch nach dem Ordensleben, das freilich von schweren Krankheiten verschiedener Prägung begleitet sein wird, ehe sie 1946 stirbt.
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Ich stelle mir diese Heilige als eine körperlich sehr zarte Person vor - im Gegensatz zu ihrer Willensstärke und Leidensfähigkeit, die groß gewesen sein muß. Papst Benedikt XVI. sprach sie am 12. Oktober 2008 mit zwei weiteren Ordensleuten und einer jungen Frau aus dem Laienstand heilig. Über die hl. Alphonsamma sagte er in seiner Predigt:
"Er beseitigt den Tod für immer. Gott, der Herr, wischt die Tränen ab von jedem Gesicht" (Jes 25, 8). Diese Worte aus dem Propheten Jesaja enthalten die Verheißung, die Alfonsa von der Unbefleckten Empfängnis in ihrem Leben äußerster physischer und seelischer Leiden Kraft gegeben hat. Diese außergewöhnliche Frau, die heute der Bevölkerung Indiens als ihre erste Heilige geschenkt wird, war der Überzeugung, daß ihr Kreuz das eigentliche Mittel war, um das himmlische Gastmahl zu erreichen, das vom Vater für sie vorbereitet worden war. Indem sie die Einladung zum Hochzeitsmahl annahm und sich durch Gebet und Buße mit dem Gewand der Gnade Gottes schmückte, glich sie ihr Leben dem Leben Christi an und erfreut sich jetzt der "feinsten Speisen und erlesenen Weine" des Himmelreiches (vgl. Jes 25, 6). Sie schrieb: "Für mich ist ein Tag ohne Leiden ein verlorener Tag". Mögen wir sie nachahmen, indem wir unser Kreuz auf uns nehmen, um eines Tages zu ihr in das Paradies zu gelangen.
Gott spricht zu uns in seinen Heiligen: durch deren Leben, nicht zuletzt durch deren Geduld, deren Leiden. Er spricht in ihnen etwa vom Kreuz, das wir alle tragen, und er zeigt uns Menschen, die ein Kreuz getragen haben, vor dem wir uns fürchten und von dem wir hoffen, daß es uns nie auferlegt werde. Er spricht zu uns durch die hl. Alphonsamma, die durch die Gnade stärker war als jedes Kreuz, das sie getragen hat. Dieses Wort, Gottes Wort, das in dieser Heiligen Mensch geworden ist, erinnert mich an einen Vers aus Psalm 11, heute in der Komplet:
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Eloquia Domini sunt eloquia sincera,
argentum probatum, separatum a terra,
purgatum septies.
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Die Worte des Herrn sind lautere Rede,
geläutertes Silber, hinweggenommen von der Erde,
siebenfach gereinigt.
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Mit ihrer Fürsprache helfe uns die hl. Alphonsamma, jenes Kreuz zu tragen, das uns läutern wird für die Herrlichkeit Gottes ... ora pro nobis!

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