Mittwoch, 3. September 2014

Hedwigskathedrale: Denkmalschutz äußert Kritik

Die Umgestaltung der Berliner Hedwigskathedrale mit Stuhlkreis und zelebrierter Mitte könnte mir hier in Freiburg relativ egal sein, läge die Gestaltung nach diesem Prinzip (die hier an besonders prominentem Ort durchgesetzt werden soll) zum einen nicht arg im Trend (auch dort, wo es die Baustruktur eigentlich nicht hergibt) und andererseits im Argen zugleich – ob der damit zunehmend transportierten Ideologie der Gleichmacherei zwischen Weihe- und allgemeinen Priestertum. Das Bild der kreisrund um den Altar versammelten Gemeinde mag zudem auf den ersten Blick attraktiv scheinen, ließe sich aber mit kaum weniger Recht als „geschlossene Gesellschaft“ im schlechtesten Sinn deuten.
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Erster Widerstand regt sich bereits an der Spree; und laut Berliner Morgenpost treten nun (erneut) Denkmalschützer auf den Plan, um "nicht zuletzt im Interesse der Katholischen Kirche Deutschlands selbst die sich abzeichnende Fehlentwicklung zu verhindern" (hier).
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Update: Braut des Lammes hat in einem Kommentar einen interessanten Link beigesteuert; wem immer dieser Umbau fragwürdig scheint, sollte auch hier einen Blick hin werfen.

Kommentare:

Braut des Lammes hat gesagt…

Derweil veröffentlicht das Bistum pikierte Nachfragen zu diesem Blogger 2014/07/Katholiken-knien-Stuehle-spalten-Gemeinde-Bestuhlung-Einschraenkung-Altarsicht.html. Wenngleich man überlegen kann, ob die Namenswahl die beste ist, warum ist es wichtig, den bürgerlichen Namen desjenigen kennen zu wollen? Wäre es nicht zielführender, sich mit den Inhalten beschäftigen, die da ins Netz gestellt werden? Die Fragen sind ja berechtigt.

Andreas hat gesagt…

Erst einmal Danke für den Link!

Nach dem ersten groben Blick darauf schaudert's mich (der Informationen bezüglich des Umbaus wegen).

Das "Loch" fand ich zwar bei meinem Besuch in St. Hedweg auch etwas gewöhnungsbedürftig, aber es ist mir immer noch lieber als das Parlamentskonzept, das jetzt auf dem Programm steht.

Zudem ist das Loch nicht nur eine Referenz aus dem Wiederaufbau, sondern eine meinethalben sehr eigenwillige, aber auch ziemlich einzigartige Lösung. Allein das schon sollte Grund genug sein, es samt des bisherigen Raumkonzeptes zu zu erhalten.

Nicht zuletzt: Gerade für eine Bischofskirche scheint mir diese Überbetonung einer vermeintlichen Gleichrangigkeit der versammelten Akteure unsinnig.

Braut des Lammes hat gesagt…

Irgendwas scheint mit dem Link allerdings total schiefgegegangen zu sein, jedenfalls erscheint er in der Ansicht so, Entschuldigung. Gemeint war st-hedwig-berlin.blogspot.com.

Andreas hat gesagt…

Die Sache mit der Erforschung des Urhebers der Denkmal-Seite mag dem Schreiber zur Ehre gereichen und den Spürnasen ein G'schmäckle eintragen - aber wie Du sagst: Sich mit den Inhalten zu beschäftigen wäre angemessener ... ;-)

Theo Candor hat gesagt…

Es ist schön, dass es auch außerhalb Berlins Interessierte am Schicksal der St. Hedwigs-Kathedrale gibt, der Bischofskirche unseres mitgliederarmen Diaspora-Bistums. Eine dementsprechende Demut und Bescheidenheit war in jüngster Zeit hier nicht mehr zu spüren.
So wurde die St. Hedwigs-Kathedrale allen Ernstes als "Zentrum der Katholischen Kirche im wiedervereinigten Deutschland“ bezeichnet - in einem Artikel, der in der Zeitschrift "Das Münster" veröffentlicht wurde. Dieser Autor hat übrigens die theoretische Grundlage für die Wettbewerbsauslobung des Erzbistums geliefert. Getragen von derartigen Bedeutungsfantasien wurden beim Wettbewerb auch keine Budgetgrenzen vorgegeben.

Nun will das Erzbistum, das 2003 eine Zahlungsunfähigkeit nur mit Mühe abwenden konnte, seine denkmalgeschützte intakte Kathedrale zu Teil abreißen (Altarraum, Fußböden, Orgel, Fenster etc.), um dem Zeitgeist zu frönen und eine vermeintlich schicke Hauptstadtkirche für 20 bis 40 Mio Euro durch Komplettumbau zu schaffen. Die genauen Kosten werden noch nicht preisgegeben. Das darf man aber nicht mit Limburg vergleichen, denn der zu erwartende Aufwand "muss erst noch ermittelt werden".

Die Quellen der von "Braut des Lammes" erwähnten Bistumsveröffentlichung mit "pikierten Nachfragen" zum Blog st-hedwig-berlin.blogspot.de würden mich sehr interessieren.
Das Erzbistum könnte doch einfach sachliche und ersthafte Kommentare zu meinen Beiträgen abgeben. Eine theologische, liturgische und baufachliche Diskussion wäre so wünschenswert. Sowohl der Wettbewerb, als auch das Ergebnis sind beklagenswert und verlangen nach intensiver kontroverser Erörterung.

Stattdessen hat der inzwischen nach Köln gezogene Kardinal in seiner Abschiedspredigt (also im Gottesdienst!) seine Kritiker kurzerhand in medialer Öffentlichkeit als "Museumswächter" diffamiert mit folgenden Worten: „…nur Mut, Ausdauer auf diesem Weg in die Zukunft. Nicht in der Haltung von Museumswächtern, denen es um die Bewahrung vergangener Zeiten zur Herausbildung einer wie auch immer gearteten Identität geht.“ (Kard. Woelki, 07.09.2014)
Hoppla, da fühlte man sich im falschen Film (- Kirche, christlich, Nächstenliebe, Geistlicher?)
Der Beitrag des Kardinals zur Verständigung mit Andersdenkenden ist nachzuerleben auf domradio.de (am Ende der 20-minütigen Predigt)

Deshalb wird wohl lieber der Abtrünnige gesucht, statt sich mit Argumenten sachlich auseinandersetzen zu müssen.

Sorry, viel zu viele Worte für einen Kommentar!
Danke für die Empfehlung meines Blogs. Es wäre schön, wenn interessierte Leser das Anliegen unterstützen könnten.
Die Kathedrale ist kein asbestverseuchtes DDR-Relikt, sondern eine einzigartige, innovative Raumschöpfung eines großen Düsseldorfer Architekten mit theologischem Feingefühl. Mit einer denkmalgerechten Sanierung gewönne Berlin ein Juwel moderner Kirchenbaukunst, das sowohl Gläubige als auch Touristen anziehen kann.