Samstag, 13. September 2014

Einstimmung

Odo Casel OSB
... Das heilige Kreuz ist aber nicht nur Zeichen Christi, sondern auch der heiligen Kirche. Christus ist das "Zeichen, dem widersprochen wird"; er steht da wie ein Fels, an dem man entweder landet und so in Sicherheit ist - oder scheitert zum ewigen Untergang. 
Wie Christus so trägt auch seine Braut, die heilige Kirche, das Zeichen des Kreuzes auf der Stirn, an den Händen, in ihrem ganzen Sein. Nur wer das Kreuz liebt, gehört zu ihr; denn schon bei ihrer Geburt war das Kreuz wesentlich. Sie ist ja aus der Seite des Gekreuzigten hervorgegangen, und jede Seele, die in ihr geboren wird, wird geboren im Zeichen des Kreuzes, besiegelt mit dem Kreuze. "Signo te totum - Ich besiegle dich ganz", spricht der Priester bei der Taufe, und alles Leben der Kirche fließt nur aus dem Kreuze und wird gespendet im Zeichen des Kreuzes. Alle Mysterien schöpfen ihr Wesen und ihre Kraft aus dem Kreuze Christi.
Deshalb hat die Kirche immer dann am meisten geblüht, wenn sie ganz Kreuzesbraut war. Sobald sie das Kreuz nur ein wenig los-ließ und sich mit der Welt ein-ließ, wurde sie schwach und matt und ihre überirdische Schönheit bleichte dahin. Sobald sie aber wieder ganz das Kreuz umfaßte und sich von der Welt trennte, strömte neues pneumatisches Leben in ihre Glieder. Die Kirche wurde immer wieder jugendfrisch im Blute der Martyrer, im Schweiße der Konfessoren, in der entsagenden Reinheit der Jungfrauen, in der aufrichtigen Buße der Sünder. (...) 
Der wahre Weizen, der am Tage des Gerichtes bestehen wird, wächst erst, wenn er durch das Kreuz ertötet ist; dann bringt er hundertfache Frucht.
Aus einer Ansprache von Odo Casels zum Fest Kreuzerhöhung 1930 - unter dem Titel Fall und Auferstehung in: Odo Casel: Mysterium des Kreuzes. Paderborn [nach 1954]. S. 128 f.

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