Donnerstag, 4. September 2014

Bildfrage

Am frühen Abend war gestern auf Dradio Kultur ein halbstündiges feature über Polyamorie („Partnerschaft in Mehrfachbeziehungen“) zu hören. Auskünfte und Argumente dafür und darüber schmiegen sich zu weiten Teilen attraktiv daher ... zumal, wenn sie vor dem Negativ der herkömmlichen Mann-Frau-Zweierbeziehung aufgebrezelt werden. 
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Ich fürchte, den traditionellen Ehebegriff hier reaktiv zu verteidigen, gleicht einem Kampf auf bereits verlorenem Posten; schon die Ausgangslage ist besch...eiden. Vielleicht sollten wir mehr daran arbeiten, das Bild der christlichen Ehe in seiner Schönheit und in der Tiefe seiner Inhalte und Ideale den Menschen aktiv neu vor Augen zu führen ... 

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Das heißt, wir sollten uns attraktivere Ehepartner suchen? ;-)

viasvitae hat gesagt…

Da sagst Du etwas Wahres! Das wäre so wichtig! Ich habe das Gefühl, selbst unter überzeugten Katholiken ist mit der Ehe oft so viel Negatives verbunden. Allein, wenn man sich sein Umfeld anschaut, welchen Umgang die Eheleute häufig miteinander pflegen...Die Ehe scheint häufig so völlig verweltlicht. Es fehlen schlicht schon die Vorbilder bzw. die Zahl der Negativbeispiele ist so groß...Umso wichtiger, dass dort etwas geschieht. Wir brauchen mehr überzeugte Eheleute & Familien :) Die, in Anlehnung an Hans Urs von Balthasar, dann auch nicht dadurch auffallen, dass sie sich in tausend sozialen Aktivitäten engagieren und dadurch ihre Familie vernachlässigen, sondern die i n der Familie das Ideal christlichen Lebens verwirklichen, durch Liebe, Weitergabe des Glaubensguts, Schaffung eines behüteten Raums für alle Familienmitglieder, in den sie nach ihren jeweiligen Tagesaufgaben zurückkehren können, etc...

Andreas hat gesagt…

@Tarquinius

Ähm, diese Anmutung würde ich jetzt eher als nachrangig erachten, wenngleich unter Marketinggesichtspunkten natürlich auch dieser Faktor eine Rolle spielen könnte ... ;-)

@viasvitae

Das geht schon deutlich eher in meine Richtung, wobei ich das zuerst garnicht mit den Fragen nach dem Familienleben aufladen würde: Zuerst müssen die Frau und der Mann wieder begreifen lernen, was sie (abseits aller weiteren Implikationen) aneinander haben und wie faszinierend die Schönheit sein kann, jeden Tag ganz und ungeteilt füreinander da sein zu können (das klingt natürlich sehr idealistisch, aber Ideale sind dazu da, daß man sie erstrebt, und schon das Streben Tag um Tag wäre ein Segen).

viasvitae hat gesagt…

Ja! Das stimmmt! Auch vor und ohne Familie muss der Eigenwert der Ehe betont werden, schließlich schuf Gott den Menschen als Mann und Frau und aufeinander hin.
Wir sind im Glauben mit vielen Idealen konfrontiert, aber gerade hier wäre es wichtig, danach zu streben. Ich sehe auch theologisch & in der Seelsorge zu wenig, was über ein gutes Eheverständnis aus katholischer Perspektive ausgesagt wird, obwohl gerade das doch die Lebensrealität der meisten Gläubigen ist. Und wenn Alltag und Glaube und Lehre der Kirche nicht mehr zusammengebracht werden, ist die Glaubenskrise eben nicht fern.
Man beachte die Richtung :) Ich sage nicht, die Lebensrealität müsste mehr in die Lehre hineinwirken, sondern es müsste deutlichere, positive Statements über gute Ehen geben, ebenso, worum es oben v.a. geht, wie es gute Vorbilder dafür geben müsste.

Andreas hat gesagt…

Volle Zustimmung und - leider ... voller Kaltwasserguss, wieviel heute in der Verkündigung im Argen liegt.

Frischer Wind hat gesagt…

In der Tat: ein wichtiges Anliegen!

Dabei gilt es einerseits das Ideal nicht aus den Augen zu verlieren (wie Du oben schon gesagt hast), andererseits aber auch keiner romantisierenden Vorstellung von Ehe und Familie Vorschub zu leisten, die nachher nicht halten kann, was sie verspricht und deshalb möglicherweise erst recht zum Scheitern führt.

Ehe und Familie bedeuten aus christlicher Sicht immer auch Kreuz, in dessen Annahme aber das Heil erst geschenkt wird.

Da bei uns die Verkündigung vielfach im Argen liegt, müssen wir uns wohl ans Selbststudium (und Selbstverkünden) machen... :-)

Hier also schon mal ein paar theoretische Grundlagen (und mehr), die die Schönheit und Tiefe der Wahrheit über Ehe und Familie beleuchten:

Johannes Paul II.: Communio personarum Bd. 1-3

Andreas hat gesagt…

Danke für den Einwand - er ist natürlich berechtigt, denn gewiß trägt man auch aneinander immer wieder ein Kreuz.

Von Ausgangsgedanken her (was dem so "bezaubernden" "polyamoren" Konzept entgegenzusetzen sei) wird / sollte man aber zunächst Wert auf das Potential legen, daß die christliche Ehe bietet.

Tarquinius hat gesagt…

Es ist natürlich würdig und recht, die christliche Ehe zu verteidigen...aber mir fiel bei Deinem letzten Kommentar gerade so ein, dass die Ehe nun doch schon älter ist als die Fleischwerdung des logos und bis heute nicht-sakramentale Ehen geschlossen werden. Vielleicht sollte man das auch nicht ganz außer Betracht lassen...(freilich will ich die Erhabenheit des Ehesakramentes damit nicht unter den Teppich kehren!)

Andreas hat gesagt…

Wobei (freilich habe ich die Diskussion wahrscheinlich selbst auf diese Schiene gesetzt) man eigentlich auch von den ganzen spezifisch katholischen Implikationen absehen sollte. Im Kern muß man erst einmal die treue Zweierbeziehung zwischen Mann und Frau in sich würdigen - quasi auf einer rein natürlichen Ebene. Denn das ist die erste Vergleichsebene zu all den poly-amourösen Vorstellungen.

Tarquinius hat gesagt…

Genau das meine ich.