Montag, 25. August 2014

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Ins Postfach flatterte vorhin die Frage, was es mit dem Text in der jüngst etwas umgestalteten Titelleiste dieser Seite auf sich habe und was das deutsch heiße? Der Text rührt - und damit der Name Pro Spe Salutis ("Für die Hoffnung auf das Heil") - aus dem Canon Romanus, dem Hochgebet in der außerordentlichen Form des römischen Ritus (OR: erstes Hochgebet); es handelt sich um einen Abschnitt aus der Commemoratio pro vivis, dem Gebetsgedenken an die Lebenden.
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Die Übersetzung läßt sich entweder im Schott, im Bomm oder auch im alten Gotteslob (Nr. 367) finden. Das neue Gotteslob verzichtet auf die Wiedergabe sämtlicher Hochgebete mit Ausnahme des kurzen zweiten (und spiegelt damit die oft anzutreffende liturgische Realität hierzulande unfreiwillig wieder), der deutsche Text im Vorgängerbuch ist wiederum an einer Stelle (tendenziös?) irreführend, wenn pro spe salutis, et incolumitatis suæ mit "für ihre Hoffnung auf das unverlierbare Heil" übersetzt wird. Selbst wenn man sich dieser Auflösung der Satzglieder anschließen möchte, bleibt das Heil "unversehrt" und nicht  - eine anthropozentrische Akzentverschiebung (?) - "unverlierbar".
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Eine vierte Übersetzung der vollständigen Commemoratio möchte ich noch anfügen. Auch sie ist recht frei gestaltet, aber historisch allemal interessant:
Gedenke, o Herr! auch deiner Diener, und Dienerinnen (hier kann man derjenigen benanntlich gedenken, die man im heiligen Gebethe einschließen will) und aller Gegenwärtigen, deren Glauben und Andacht vor deinen Augen nicht verborgen ist, für die wir dir opfern, für sich und für alle die ihrigen: zur Erlösung ihrer Seelen, zur Erhaltung ihrer Seligkeit, und Wohlfahrt. Gedenke aller derer, die dir ihre Gelübde darbringen, dir ihrem ewigen, lebendigen und wahren Gott.
Die letztgenannte Übersetzung ist entnommen aus: Katholischer Gottesdienst nach dem römischen Meßbuch, das ist, andächtige Gebethe bey Anhörung der heil. Messe an Sonn- und Festtagen. Erster Theil vom ersten Adventsonntag bis auf den Aschenmittwoch. München 1795. S. 157 - online hier zu finden. - Das Bild in der Titelleiste zeigt einen Blick in die Kuppel des Domes zu St. Blasien im Schwarzwald mit einem Fresko von Walter Georgi: Die Aufnahme Unserer Lieben Frau in den Himmel.

Kommentare:

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Zitat: » (und spiegelt damit die oft anzutreffende liturgische Realität hierzulande unfreiwillig wieder)«

und – das sollte man nicht vergessen zu erwähnen – zeigt gleichzeitig, was man von den AEM im neuen Messbuch hält.
Nr. 365 macht deutlich, daß sich das II. Hochgebet für Wochentage empfiehlt, während das I. immer verwendet werden kann, das III. für Sonn- und Festtage und das IV. für "grüne" Sonntage empfohlen wird.

Andreas hat gesagt…

Öhh, wahrscheinlich wollte man einfach nicht zu viele Seiten mit Hochgebeten bedrucken, damit auch etwas Platz bleibt für den Kunst-Strich im Buch.

Die AEM ist sowieso nur für unkreative Tradis, denen man alles vorsagen muß ... ;-)

Eugenie Roth hat gesagt…

Danke für die Übersetzung!