Samstag, 9. August 2014

Was vom Ochsenpapst

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Zuweilen zwackt der Eindruck, manche Blogozesanen führen alle Nase lang an jenen Ort, wohin alle Wege führen mögen: nach Rom. Ich war da auch mal vor vielen Jahren; Kommendes schaut - aus diversen Gründen - nicht danach aus, daß es mich bald wieder dahin führen wollte. Zum Trost halte ich die Nase gerne in Reiseführer und manchmal pappt der liebe Gott ein Trostpflaster aufs katholische Fernweh - heute in Form der Rom-Trilogie von Reinhard Raffalt (Concerto Romano / Fantasia Romana/ Sinfonia Vaticana), um zwei Euro bei der Diakonie erstanden. Den ersten Band hatte ich schon - den kann ich ja jetzt verschenken ...
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Das Wort "Reiseführer" ist bei Raffalt formal nicht ganz korrekt. Man nimmt die Bücher nicht zur Hand, während man durch die Ewige Stadt stapft - eher könnte man sagen: Raffalt nimmt den Leser an die Hand und entführt ihn nach Rom, ganz gleich, wo immer man in vale lacrimarum eben sitzt: Rom zum Aufklappen sozusagen; und rasch springt einem die große Geschichte (und die vielen Geschichtlein drumherum) des Kunstwerkes Rom (und der vielen Kunstwerke darinnen) an.
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Weil nun auch Alte-Messe-Molche an skandalumwitterten homestories keineswegs uninteressiert sind, habe ich natürlich zuerst im dritten Band nachgelesen, was Raffalt über den nun wahrlichen unsterblichen Alexander VI. zu berichten weiß. Hier zumindest zwei Kostproben:
... Die erste ernsthafte Gefahr kam aus Florenz. Dort hatte der Dominikaner-Prior Girolamo Savonarola die Macht an sich gerissen und erhob seine fanatische Büßerstimme: "Ich versichere euch in verbo Domini, daß dieser Alexander kein Papst ist noch dafür gelten darf. Denn abgesehen davon, daß er durch die schändliche Sünde der Simonie den Heiligen Stuhl erkauft hat (was der Wahrheit entsprach) und noch täglich die geistlichen Pründen an jeden vergibt, der ihm am meisten dafür zahlt (was andere vor ihm straflos getan hatten); abgesehen von seinen anderen Lastern, die die Welt kennt (hier glaubt er Gerüchten), behaupte ich auch, daß er kein Christ ist und nicht an das Dasein Gottes glaubt ..." Das war die Unwahrheit. Alexander lebte wie ein Heide, aber er glaubt wie ein Christ. Nur weigerte er sich standhaft, einen Widerspruch zu Gottes Gesetzen darin zu sehen, daß er mit der Liebe zur Christenheit bei den Mitgliedern seiner Familie begann ...
... Hier war das Arbeitszimmer des Papstes ... Wenn er seinen Blick zur Decke erhob, strahlte ihm auf blauem Grunde, von Dukatengold bedeckt, das Wappentier seines Hauses entgegen, dem er königlichen Rang zugedacht hatte: der schreitende Stier. Lachend konnte er bei dem Anblick sich des Spottverses erinnern, den die Römer bald nach seiner Krönung an die Statue des Pasquino geheftet hatten: PRAEDIXI TIBI PAPA BOS QUOD ESSES - Das konnte dreierlei heißen: "Ich habe dir vorausgesagt, daß du ein Ochsenpapst sein wirst" oder: "Ich habe dir vorausgesagt, o Papst, daß du ein Ochse sein wirst" oder: "Ich habe dir vorausgesagt, o Ochse, daß du Papst sein wirst" ...

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