Dienstag, 5. August 2014

Vorbeigeschaut ... in St. Leodegar, Schliengen

Heute war die Gelegenheit günstig, wieder einmal eine Kirche zu erkunden - diesmal St. Leodegar in Schliengen im Markgräflerland. Der Bau rührt größtenteils aus der Mitte des 18. Jahrhunderts, Reste der vorangehenden Kirche haben sich im unteren Turmbereich erhalten, der auf 1200 datiert wird.
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Innen haben verschiedene Zeiten ihre Spuren in diesem ländlich-barocken Raum hinterlassen. Der eigentliche Hochaltar wurde weiland gebraucht aus der Domkirche zu Arlesheim gekauft, muß aber irgendwann derart ruinös gewesen sein, daß man zuerst den Aufbau und später den Tabernakel entfernte. An dessen Stelle trat - wenn genau, weiß man nicht - ein klassizistischer Choraltar. Den warf man nach dem Konzil ebenfalls aus der Kirche, stellte ihn aber 1992 wieder auf, nachdem man die Reste in einem Lager einige Dörfer weiter wieder entdeckt hatte.
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Aktuell steht ein Orgel der Fa. Hartwig Späth von 1974 auf der Empore (II+P / 23); die barockisierenden Schleierbretter im eher traditionellen Prospekt samt eines ansonsten im Eiche-rustikal-Charme farblich nicht ganz passenden Gehäuses finde ich für diese Zeit bemerkenswert: Häufig sieht man selbst den Orgeln jener Tage den Konzilsgeist an. Und das ist nicht immer eine Augenweide.
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Ein Wort noch zum Kirchenpatron, der einem bereits auf dem Weg zur Kirche von einem Torbogen grüßt: Der heilige Leodegar von Autun machte sich mit seinen Bemühungen um Reformen in der Kirche und beim Lebenswandel der Mönche und Kleriker bei seinem König Childerich II. unbeliebt und wurde zuerst einmal verbannt. Nach Childerichs keineswegs freiwilligem Ableben konnte er zwar in sein Bistum zurückkehren, wurde aber durch den Hausmeier Ebroin der Mitwisserschaft am Königsmord beschuldigt und darob geblendet. Zudem schnitt man ihm die Zunge heraus, was Leodegar aber nicht hinderte, weiter zu predigen und Ebroins Tod vorauszusagen. Der Bischof wurde erneut verbannt und 677 enthauptet; nachdem drei Jahre später Ebroin einen ebenso gewaltsamen Tod fand, setzte die Verehrung Leodegars als eines Heiligen ein.
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1 Kommentar:

Tarquinius hat gesagt…

Schon erstaunlich - wie viele Oberhirten heute haben noch ihre Zungen und sind doch stumm...