Samstag, 16. August 2014

Von Schlangen und Vögeln

Schlange - Pfarrkirche St. Felix und Regula, Rheinfelden-Nollingen
Die samstägliche Sext des Breviarium Romanum kommt mit einem meiner Lieblingslieder daher, dem 103. Psalm, der Gott ob seiner Schöpfung lobt, deren schöne Natur ausführlich besungen wird. Da ist zum Beispiel von Quellen die Rede, welche zu Bächen fließen ...
.
... Iuxta eos habitant volucres cæli, *
inter ramos edunt vocem.
.
... bei denen die Vögel des Himmels hausen *
und zwischen Zweigen ihr Lied singen.
.
Dabei fiel mir gerade ein kleine Reportage ein, die ich gestern in der Glotze gesehen hatte. Im Pazifik gibt es die Insel Guam, deren Vogelwelt offenbar restlos ausgerottet scheint, nachdem - mutmaßlich während des zweiten Weltkriegs durch amerikanische Truppentransporte - die Braune Nachtbaumnatter eingeschleppt worden war. Angesichts der unbekannten und nachtaktiven Natter legten die ahnungslosen Vögel nicht einmal einen Fluchtinstinkt an den Tag und wurden schlicht weggefressen. Seither gibt es auf Guam endlos viele Schlangen und jede Menge Insekten, aber keine Singvögel mehr. In gewisser Weise ist die Insel "stumm" geworden.
.
Das wiederum erinnerte mich an eine Erfahrung aus dem geistlichen Leben: Gerade knietief in eine  Sündenpfütze gestapft, zieht man sich von Gott erst recht zurück - nicht, weil man keine Reue zeigte, sondern weil man sich schäbig vorkommt. Da, wo wir Gott um Vergebung bitten und loben sollten mit der Stimme unseres Herzens, weil wir ja eigentlich wissen, daß da immer eine Tür offen steht, da bleiben wir stumm aus einer falschen Scham heraus. 
.
Derweil frißt sich eine ganz alte Schlange noch ein wenig mehr an unserer Seele satt - hoffen wir, daß sie nie alles verschlinge und unser Lied dann ganz und für immer verstummen wird ...
.
Die Schlange im Bild stammt von einer Tafel, welche die Vertreibung aus dem Paradies zeigt und in der Pfarrkirche St. Felix und Regula zu Rheinfelden-Nollingen zu sehen ist.

Kommentare:

Tarquinius hat gesagt…

Danke für diese schönen und richtigen Worte...

Andreas hat gesagt…

Und ... schmeckt der Süden? ;-)

Tarquinius hat gesagt…

Ich bin erst übermorgen so voll und ganz dort,dann werde ich wohl später mal berichten, wie es mundet. ;-)