Sonntag, 24. August 2014

Urlaub mit Vorsitz

Den Passauer Bischof Stefan Oster mag ich derzeit gerne sehen und hören - und ich nehme an, daß ich damit im traditionsfrohen Teil der Blogozese nicht ganz allein auf weiter Flur stehe (von daherbrausenden Geistzungen vielleicht einmal abgesehen). Nun denn - gerade weil ich Bischof Oster schätze, hat es mich vorhin geschüttelt, als mir per Fratzbuch folgender post auf den Schirm wanderte:
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Die Predigt sich durchzulesen ist kein Schaden; bei Fratzbuch kann man sich per Suchfunktion dahin klicken. Zudem hoffe ich, daß sich Bischof Oster gut erholt und Kräfte tanken kann für sein Amt. Also: Schöne Ferien - schöne Predigt! Aber die Einleitung ...
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"Vorsitz in der Hl. Messe" - die Formulierung stammt aus dem tiefsten Mesozän der Konzilsgeisterei: eines der besonders mißratenen Bilder für die Stellung des Priesters im eucharistischen Mysterium. Vorsitzende gibt es bei den Kaninchenzüchtern und in Konzernen, vor Gericht auch, in China bei der Kommunistischen Partei und im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken sowieso. Die Liturgie aber kennt in der Tiefe ihrer Vollzüge (und die Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers gehört zu den tiefsten Vollzügen) keine "Vorsitzenden", auch wenn davon immer wieder einmal die Rede sein mag - sei es aus eingeschlichener Gewohnheit (wie nun bei Bischof Oster, das unterstelle ich einfach) samt mangelndem Bedacht  oder aus Taktik, um den Glauben auszuhöhlen.
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Das - im liturgischen Kontext haarscharf die Banalität streifende - Wort vom Vorsitzenden (das vom "Vorsteher" ist in diesem Kontext kaum besser) beschreibt immer ein Beziehungsgefüge zu jenen, denen aktuell vorgesessen (oder vorgestanden) wird: es handelt sich mithin immer um eine definierte Gruppe. Und so wird das in der Regel dann auch verstanden: Der "vorsitzende" Geistliche auf der einen Seite, Konzelebranten und versammelte Gemeinde auf der anderen. 
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Die Feier der Heiligen Messe tangiert aber nicht nur die jeweils in X, Y oder Z versammelte Gemeinde, sondern ist immer ein in Totalität auf die Schöpfung zielendes Geschehen: pro mundi vita - "für das Leben der Welt" (Joh 6, 51). Zudem feiert ohnehin nicht Bischof Oster oder Pfarrer A oder Kaplan B die Messe, sondern Christus ist Priester und Opfergabe: der Priester feiert in persona Christi die Heiligen Mysterien.
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Was der Priester dabei übernimmt, ist nichts Geringeres als das opus Dei selbst - wie schauerlich und irreführend ist da die Rede vom "Vorsitz" ... die betende Ekklesia ist doch kein Schrebergartenverein.

Kommentare:

Jürgen Niebecker hat gesagt…

Immerhin hat er vom "Vorsitz" gesprochen und nicht von "Vorsteher". Da muß ich immer an die griechische Übersetzung (προ σταθω) denken…

Tani hat gesagt…

Gut gebrüllt, Löwe!

auf englisch noch schöner hat gesagt…

Mr. Easter, president of the Holy Mass.

Andreas hat gesagt…

Ob anverwandte Wendungen in der anglophonen Welt wohl die Runde machen? (Die griechische Variante lassen wir besser gleich äußen vor).

Tarquinius hat gesagt…

Das tun sie, die hochwürdigen Herren Presider...

einfachentfachend hat gesagt…

Vom vorsitzen und vorstehen war hier schon die Rede; beim ersterem hätte man nur Beisitzer, beim zweiten immerhin Beistand -möglicherweise göttlichen. Nun könnte man ja auch noch einer Messe vorliegen, das wär dann der Meßvorleger. Den Vorknier schenke ich mir jetzt.

Aber eine andere körperliche Tätigkeit hätte durchaus genannt werden können; "Ich bin der Messe vorangeschritten". Leicht anpoetelt sogar das, korrekt aber nur, wenn nicht zum Volk hin zelebriert wurde.
Manchmal sind Fremdwörter doch nicht so übel.

Andreas hat gesagt…

Also in einem Fall bin ich einer Messe auch schon wegentflohen ... allerdings nicht in verantwortlicher Position, also weder als Vorsitzer, -schreiter, -steher, -knier oder sonstwas.