Freitag, 29. August 2014

Die Gekreuzigten

Odo Casel OSB
... Das Elend der ganzen Welt scheint zusammengeballt in einem gekreuzigten Menschen. Die Erde hat ihn von sich gewiesen; er schwebt über dem Boden, der seinen Füßen keinen Standort mehr bietet. Nur das dürre Holz ist ihm geblieben, nicht als Stütze, sondern zur Marter. Auch der Himmel nimmt diesen Menschen nicht auf, er hängt zwischen Himmel und Erde. 
Nur die Sonne brennt auf ihn herab, nicht um ihn zu erleuchten, zu wärmen, die vergrößert vielmehr seine Qual, sie dörrt ihn aus. Er ist ausgespannt und angenagelt. Jede Bewegung verursacht ihm unendliche Schmerzen. Nackt hängt er am Kreuze, ausgesetzt den Blicken aller, allen zum Hohn, verlassen von allen, ein Spott aller. Er hat nicht einmal eine Stätte, wohin er zum Sterben sein Haupt legen kann. Hoch in den Lüften muß er sterben; sein Haupt sinkt ins Leere hinab ...
Aus einer Ansprache von Odo Casel OSB zum Fest Kreuzerhöhung 1928 in: Odo Casel: Mysterium des Kreuzes. Paderborn [nach 1954]. S. 60.

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