Dienstag, 12. August 2014

Der Verwegenheit jener Hunde eine Schranke setzen

hl. Klara - Clarakirche Basel
Ach ja, die heilige Klara von Assisi, deren Fest die Ekklesia heute feiert und die mir als Jahresheilige 2014 an die Seite gestellt wurde ... der Seufzer verrät bereits, daß ich bislang nicht viel unternommen habe, mir daraus etwas zu gewinnen (außer zweier Bücher, die mir in die Hände gefallen sind, in denen ich aber mehr geblättert als gelesen habe).
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Eine Begebenheit aus dem Leben der hl. Klara verbindet unsere Heilige in diesen Tagen allerdings besonders mit der Not unserer Zeit, schlägt gewissermaßen einen Bogen vom September 1240 in unsere Gegenwart; wir lesen davon in der Lebensbeschreibung, die uns Klaras Zeitgenosse Thomas von Celano hinterlassen hat:
Hier will ich ganz wahrheitsgetreu die Großtaten ihres Gebetes erzählen ... In jenem Sturm, den die Kirche unter Kaiser Friedrich in verschiedenen Teilen der Welt aushalten mußte, bekam das Spoletotal häufiger vom Kelch seines Zornes zu trinken. Dort lagerten auf kaiserlichen Befehl Scharen von Kriegsvolk und sarazenischen Bogenschützen gleich Bienenschwärmen, um Festungen zu zerstören und Städte zu erobern. Als die Feinde in ihrer Wut sich einmal auf Assisi ... stürzten und das Heer sich sogar schon den Stadttoren näherte, drangen die Sarazenen, ein verruchtes Volk, die nach dem Blute der Christen dürsten und jeglichen Frevel schamlos wagen, bei S. Damiano in die Gemarkungen des Ortes, ja sogar in das Kloster der Jungfrauen selbst ein.
Die Frauen vergingen vor Angst, ihre Stimme erzitterte vor Furcht, und sie brachten ihr Wehklagen zur Mutter hin. Sie aber, die krank daniederlag, blieb furchtlos und ließ sich zur Türe führen, vor die Feinde hinlegen und vor sich her ein silbernes, innen mit Elfenbein ausgelegtes Kästchen, in dem der Leib des Heiligen der Heiligen andächtigst verehrt wurde, tragen.
Im Gebet vertraute Klara unter Tränen sich selbst und ihre Schwestern dem Kyrios an. Thomas von Celano berichtet weiter:
Da erhob die Jungfrau ihr tränenvolles Antlitz und stärkte die weinenden Schwestern, indem sie sagte: "Im Glauben beschwöre ich euch, meine Töchter, kein Leid wird uns geschehen, vertraut nur auf Christus!" Siehe, ohne Verzug, allsogleich war der Verwegenheit jener Hunde eine Schranke gesetzt und sie erbebten. Sie flohen schleunigst über die Mauern, die sie bestiegen hatten, und mußten der Macht der Beterin weichen (Thomas von Celano: Leben der heiligen Klara von Assisi, Nr. 21 f.).
Ich gestehe, wenn wir von diesem Bericht nun in unsere Zeit hinüber schwenken, daß ich nicht zu jenen pazifistisch-irenistischen Seelen zähle, denen bei der Vorstellung unwohl wird, Christen griffen zur Waffe, um sich zu verteidigen. Vielmehr bin ich der Überzeugung, daß aktuell im Irak eine militärische Intervention notwendig ist, um den IS-Terrorhorden Paroli zu bieten, und ich begrüße die Absichten mancher Christen in dieser Region, sich in Milizen kämpfend zu organisieren. 
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Doch auch wir haben eine Waffe, die wir auf jeden Fall ergreifen sollten, um "der Verwegenheit jener Hunde eine Schranke" zu setzen: das Gebet - eine Waffe, die erste Wahl ist, nicht im Sinne eines exklusiven Ansatzes, als ob man danach auf alles andere verzichten könnte, sondern erste Wahl im Sinne des Umstandes, daß jedes andere Bemühen - und jede militärische Aktion im konkreten Fall - vom Gebet und vom Vertrauen in die Hilfe Gottes und in seinen Plan begleitet sein soll, von Gebet und Vertrauen, welches wir hierzulande vor Gott tragen für unsere verfolgten Schwestern und Brüder im Nahen Osten.
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Die heilige Klara erwirke uns Christen im Irak, in Syrien und hierzulande durch ihre Fürsprache diesen Geist des Vertrauens und des Glaubens ... ora pro nobis!
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Der Bericht des Thomas von Celano ist entnommen dem Buch Leben und Schriften der heiligen Klara (Einführung, Übersetzung, Anmerkungen: Engelbert Grau OFM) Franziskanische Quellschriften Band 2. Werl (4) 1976. S. 53 f. - Das Bild zeigt eine Darstellung der hl. Klara in der Baseler Clarakirche.

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