Mittwoch, 13. August 2014

Das Farnese Komplott ... und was ich davon halte

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Heute gehts um einen Krimi. Na ja, nicht ganz. Denn eigentlich ist es kein originärer Krimi. Ich weiß das, weil ich in meiner Jugend sämtliche Lord-Peter-Death-Bredon-Wimsey-Krimis von Dorothy Sayers gelesen habe, die ich kriegen konnte; das muß hier als Qualifikation reichen, um sich dieses Urteil zu erlauben. Die Lösung eines Krimis besteht meines Ermessens darin, daß ein Ermittler zumeist überraschende Schlußfolgerungen aus diversen Fährten, Indizien, Beobachtungen, Spuren und Einsichten zieht, die dem Leser kaum selbst aufgegangen wären, die aber in der Rückschau vollauf überzeugend sind - der Detektiv setzt dem Leser ein Bild zusammen, welches dieser im besten Fall als Möglichkeit geahnt, aber zur Lösung eher als unwahrscheinlich erachtet hätte. Dabei scheint mir wichtig, daß die einzelnen Steine in so einem Mosaik je für sich selbst kaum einen Sinn ergeben, sondern erst in der Zusammenschau mit anderen Steinen nach und nach jene Informationen entbergen, die letztlich zur Aufklärung eines Falls führen.
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Auf dieser Ebene scheint mir das Farnese Komplott von Barbara Wenz (die viele als Elsa von Elsas Nacht(b)revier kennen) nicht angesiedelt. Dazu scheint mir der Fall, den dieser Roman präsentiert, zu wenig vertrackt und die Fährten, die ihn lösen, zu einfach ausgelegt. Da schrammt der Roman fast ein wenig die eher schlichten Baupläne jener Stadt-Land-Fluß-Krimis, die mit kriminalistischer Regionalität mehr als mit Originalität in der kriminalistischen Erfindung punkten.
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Das klingt jetzt wahlweise nach kleinem Verriss, nach Korithenkackerei oder nach beidem zusammen, soll aber nichts davon sein. Denn ich möchte eine andere Gattung in den Ring werfen, in der ich das Farnese Komplott besser aufgehoben finde - für mich las es sich wie ein Thriller
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Ein Thriller kann, muß aber nicht kriminalistisch überfeinert daherkommen. Es reicht etwa, wenn man den Eindruck gewinnt, das alles schreie geradezu nach rasanter Verfilmung, derweil die Geschichte mit überraschenden Wendungen aufwartet, die Protagonisten in brenzlige Situationen führt, Charaktere zeichnet, die nicht ganz durchschaubar sind, diplomatische Verwicklungen heraufbeschwört, eine verwegene Verfolgungsjagd imaginiert und einen Showdown im Ferienhaus draufsetzt, bei dem man sich nicht sicher sein mag, ob das Gute wirklich gewinnen wird: All das kann man im Farnese Komplott lesen.
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Vielleicht kurz ein Wort, worum es ungefähr geht: Das Farnese Komplott erzählt von einem Geistlichen mit interessantem Vorleben und einer frisch gebackenen Zeitungskorrespondentin mit totem Vorgänger. Hinter der Leiche und der aufgebrochenen Wohnung von Manfred Moorstein, seines Zeichens langjähriger Rom-Korrespondent einer deutschen Tageszeitung, vermuten beide weit mehr als die italienische Polizei. 
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Er: Lorenzo Farnese, Geistlicher, Sproß alten römischen Adels und ein guter Freund Moorsteins. Sie: Krista Winther, die nun rascher zu Moorsteins Nachfolgerin wird, als ihr lieb ist. Freilich bleibt es nicht bei einem Toten; denn im Heiligtum des Volto Santo in Manoppello liegt bald darauf ein Novize erschlagen, während das Tuch aus Muschelseide, welches das wahre Bild Christi zeigt, entwendet worden ist. Erste Recherchen, die der Priester und die Journalistin anstellen, legen nahe, daß zwischen Moorsteins Tod und dem Diebstahl des Volto Santo ein Zusammenhang besteht. Die beiden holen den vatikanischen Ispettore Gabriele Cairo mit ins Boot und rollen den Fall auf. 
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In die Exposition dieses plots und dessen fortschreitende Entfaltung sind kleine Kapitel eingestreut, die auf die Geschichte des Volto Santo Bezug nehmen; in den Schicksalsgefügen der Protagonisten überwiegend frei erfunden, öffnen sie dem Leser doch die Augen für die Überlieferung einer der wichtigsten Reliquien der Christenheit. Sie führen uns an das Grab Jesu, nach Ephesus während des apostolischen Zeitalters, in die Katakombenstadt Matiana, in das vom Bildersturm bedrohte Byzanz und in die Zeit des verheerenden Sacco di Roma, der Schändung Roms und seiner Heiligtümer durch deutsche und spanische Söldner 1527. Zumeist kontrastieren diese Einschübe die spannungsgeladene Handlung des Farnese Komplotts - dem Spannungsgefüge dieses Buches gerät dies zum Gewinn. Zudem mag man an dieser Stelle den Hut vor Elsa ziehen, da sie freimütig und bekenntnisfroh dem katholischen Glauben und der Geschichte des Volto Santo eine Gasse schlägt: das ist alles andere als selbstverständlich im aktuellen Literaturbetrieb.
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Ich habe das Buch genossen - daß am Ende zwar der Hauptstrang gelöst worden, aber nicht sämtliche Nebenstränge dieses Romans zu einem Ende gesponnen sind, mag dem einen oder anderen Leser vielleicht etwas aufstoßen - in mir weckt es Vorfreude auf eine Fortsetzung (und wenn Elsa die nicht liefert, bin ich ihr persönlich böse) ...
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Barbara Wenz: Das Farnese Komplott. 224 Seiten. Erschienen im Emons Verlag. ISBN 978-3-95451-313-0. Die Verlagsseite zum Werk (samt Leseprobe) ist hier zu finden. Die 9,90 Euro für das Buch sind gut investiert.

Kommentare:

Alexander hat gesagt…

Ganz ehrlich: Ich habe aufgehört zu lesen, als die Nonne einem Mann das Genick umdrehte. Ich glaube, es war ganz am Anfang.

Andreas hat gesagt…

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