Montag, 18. August 2014

Bevor wir einschlafen

hl. Helena; Offenburg, Heilig-Kreuz-Kirche
Die Ekklesia gedenkt heute der hl. Kaisermutter Helena; sie spürte, wie uns die Überlieferung erzählt, das Kreuzesholz des Kyrios auf. 1600 Jahres später - 1926 - bemerkte Odo Casel OSB in einer Ansprache zum Fest Kreuzerhöhung:
Es war im Jahre 326, als Kaiser Konstantin die heiligen Stätten, an denen der Herr gelitten hatte und begraben worden war, aufsuchte. Unter dem Schutt des Aphrodite-Tempels entdeckte er das Heilige Grab, und seine Mutter Helena fand das heilige Kreuz. Wohl waren diese heiligen Stätten jederzeit verehrt worden; doch wurde ihre Verehrung durch Konstantin wieder neu belebt.
Damals wurde das Kreuz "erhöht", d.h. zum Glanze der ganzen Welt gemacht. Crux rutilat per universum mundum - Das Kreuz erstrahlet über die ganze Welt! (vgl. 10. Resp. der Vigil am Fest des hl. Andreas im Breviarium Monasticum). Denn nach 300jähriger Unterdrückung wurde die Kirche vom Staate anerkannt. Sie stieg aus Verborgenheit und Verfolgung empor zum Throne der Königin; damit der äußere Friede sie aber nicht einschläfere, wurde ihr das Kreuz gezeigt. In hoc signo vinces - In diesem Zeichen wirst du siegen ...
Das Kreuz wird heute angefochten - von Christen, selbst in der Ekklesia. Nachdem in meiner "Seelsorgeeinheit" das Kreuz aus dem Giebel des (nicht mehr benötigten) Pfarrhauses entfernt und an einer anderen - durchaus besser sichtbaren Stelle - neu angebracht worden war, bemerkte ein Mitarbeiter des Pastoralteams mir gegenüber, man hätte es, würde es nach ihm gehen, nicht mehr aufhängen müssen. Anderweitig bestreiten Theologen, daß Christus für die Sünden der Welt am Kreuz gestorben ist. Viele unserer zeitgenössischen Kreuzesdarstellungen verschleiern - ob mit Absicht oder nicht, sei dahingestellt - diese Glaubenswahrheit dann auch mehr, als sie zu unterstreichen. Und wie oft bleibt vom Zeichen des Kreuzes in diesen Tagen kaum mehr übrig als ein "Logo", und selbst das buchstäblich und sinnbildend verbogen?
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Ja, der "äußere Friede" ist drauf und dran, die Ekklesia des Abendlandes einzuschläfern, während etwa viele unserer Brüder und Schwestern im Nahen Osten das Kreuz, an dem sich die Geister scheiden, Tag um Tag vor Augen haben, es am eigenen Leib erfahren - bis hin zu jenen brutalen Bildern, die uns Christen zeigen: gekreuzigt von ihren Verfolgern.
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Das Kreuz ist das Zeichen der Christen. Am Kreuz hat der Kyrios die Welt überwunden. Durch das Kreuz bezeugen wir Ihn. Mit dem Zeichen des Kreuzes erwarten wir Ihn. In seinem Kreuz öffnet Er uns das Reich Gottes. Mit den geschundenen Christen dieser Tage führe uns die hl. Helena zum Kreuz Christi, uns zur Mahnung, ihnen zum Trost, und sie helfe uns allen durch ihre Fürsprache, es zu tragen ... ora pro nobis!
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Das Wort Casels ist der Ansprache Abendopfer und Morgengabe entnommen; zu finden in: Odo Casel: Mysterium des Kreuzes. Paderborn [nach 1954]. S. 100. - Das Bild zeigt die hl. Helena - eine von vier Statuen, die den Hochaltar der Heilig-Kreuz-Kirche in Offenburg flankieren.

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