Freitag, 15. August 2014

Aus Erde und Gnade

Mariä Himmelfahrt - Hochaltarbild, St. Johannes Baptist, Friedenweiler im Scharzwald
Die Himmelfahrt Unserer Lieben Frau ist mir das liebste Marienfest. Natürlich gibt es auch andere schöne Feste, die sich um die Gestalt der Mutter Gottes ranken, und manche davon mögen - aus einer heilsgeschichtlichen Schau heraus betrachtet - sozusagen "wichtiger" scheinen, wie etwa jener hohe Tag, an dem wir Maria als die Unbefleckt Empfangene ehren, als um der Menschwerdung Gottes willen Erwählte und Bereitete, dem Zugriff der Erbschuld Entrissene. 
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Oder nehmen wir das Fest der Verkündigung, jener unschätzbare Augenblick, in welchem Maria in diesen Plan Gottes frei eingewilligt hat, auf daß Gottes Logos konkret in die Menschheit eintrete, Fleisch und Bein werde mit einem Herzen, das schlägt wie unsere Herzen, mit einem Gemüt, das Anteil nimmt an allen unseren Gemütsregungen, mit Händen, die arbeiten, wie wir alle arbeiten, mit einem Mund, der lachen kann, wie wir alle gerne froh sind, und mit Augen, die mit uns weinen können: "Maria, die beständige Jungfrau, hat durch die Wirksamkeit des Heiligen Pneumas dem eingeborenen Sohn Gottes die Materie ihres Fleisches magdlich dargereicht, als er in menschlichen Gliedern geboren werden sollte" schreibt St. Beda der Ehrwürdige (In Lucæ evang. exp. IV, 49).
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Sollte Gott dieses Fleisch, "magdlich dargereicht", der Verwesung anheim fallen lassen - dieses Fleisch, diesen Leib aus Erde und Gnade, aus dem er selbst Mensch geworden ist?
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Gott hätte nicht Mensch werden müssen, um die Menschen zu erlösen. Aber er wollte Mensch werden, bis in die letzte Faser des Menschseins - nicht des Menschseins unter dem Joch dem Sünde, sondern bis in die letzte Faser jenes Menschseins, wie Gott es im Ursprung geschaffen hat, ungeknechtet von der Sünde, bis ins Mark unbefangen jeder Schuld. Denn Gott liebt seine Schöpfung und läßt sie nicht vor die Hunde gehen. 
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In Maria bereits hat er - im Vorgriff auf die kommende Erlösung - den Menschen neu gebildet; Leben und Ziel dieses Geschöpfes, das wir Mutter nennen dürfen, weisen uns, wohin Gott seine Schöpfung leitet: Im Geschöpf, welches Maria ist, bekennt sich Gott zu dieser Schöpfung, führt er diese Schöpfung der Herrlichkeit seines Reiches zu. Vielleicht ist dieses Gottes-Bekenntnis zur Erde (nur das Weihnachtsgeheimnis scheint es noch deutlicher auszusprechen, aber das ist kein Marienfest), dieses Bekenntnis zu Maria, zur Schöpfung, letztlich auch zu mir der Grund, warum ich unter allen Marienfesten das heutige am meisten mag.
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Du Unbefleckte, aufgenommen in den Himmel ... ora pro nobis!
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... und als sie ihm noch unverwandt nachschauten, während er zum Himmel auffuhr, standen mit einemmal zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen, die sagten: "Ihr Männer aus Galiläa, was steht ihr da und blickt zum Himmel empor?" (Apg 1, 10f f.).
Er aber, voll des Heiligen Pneumas, blickte unverwandt zum Himmel empor, sah die Herrlichkeit Gottes und Jesus zur Rechten Gottes stehen und rief aus: "Ich sehe die Himmel aufgetan und den Menschensohn zur Rechten Gottes stehen!" (Apg 7, 55).
... Fürstentöchter gehen dir entgegen; die Königin tritt dir zur Rechten, mit Gold von Ophir geschmückt (Ps 44, 10).
Im Bild zu sehen die Aufnahme Unserer Lieben Frau in den Himmel - Auschnitt aus dem Hochaltarblatt der ehem. Klosterkirche St. Johann Baptist zu Friedenweiler im Schwarzwald.

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